Wohnen. Vielfalt. Natur. Lindenhof

Lebensraum Großstadt: Im Berliner Bezirk Tempelhof-Schöneberg schützt eine Genossenschaft in der 1.300 Wohnungen umfassenden Gartenstadt-Siedlung Lindenhof die natürlichen Lebensräume und weitet sie aus. Viele der rund 2.500 Bewohner engagieren sich als Paten und aktive Förderer für biologische Vielfalt.


Gegen Ende des 1. Weltkrieges wurde der Lindenhof vom Schöneberger Stadtbaurat Martin Wagner geplant: als Gartenstadt, deren Bewohner sich selbst versorgen können. Im Zentrum der Anlage liegen die verbundenen eiszeitlichen Weiher „Dorfpfuhl” und „Kleine blanke Helle” und ein Wäldchen.

Im Zweiten Weltkrieg wurde die Gartenstadt zu 80 Prozent zerstört. Beim Wiederaufbau in den 50er und 60er Jahren spielte der Selbstversorgungsgedanke keine Rolle mehr. So wurden die meisten Hausgärten aufgelöst und als funktionale Grünflächen neu angelegt. Einige Hausgärten an nicht zerstörten Häusern blieben bestehen.

Heute ist die GeWoSüd Genossenschaftliches Wohnen Berlin Süd eG, welcher der Lindenhof gehört, mit ihren Mitgliedern und Bewohnern vor Ort aktiver Partner beim Erhalt und der Verbreiterung der natürlichen Grundlagen der biologischen Vielfalt.


• Reduktion CO2-Emissionen
Das Wohnen ist heute Ursache für einen großen Teil der Belastungen für Umwelt und Atmosphäre. Bei der seit 2008 andauernden Sanierung der bald 100-jährigen Gartenstadthäuser und der mittlerweile 60-jährigen Nachkriegsbauten werden mit der energetischen Sanierung die klimaschädlichen CO2-Emissionen reduziert.
Flächensparend entstehen in den Dachgeschossen der denkmalgeschützten Bauten neue Maisonette-Wohnungen. Wärme und Strom liefern zwei Blockheizkraftwerke. Die Summe intelligenter Einzelmaßnahmen führte zu einigen der energetisch besten Gebäuden der Genossenschaft: Ihr Heizwärmebedarf wurde um 62 Prozent gesenkt.

• Hausgärten
In 151 Hausgärten bearbeiten die Bewohner der historischen Ein- bis Vierfamilienhäuser jeweils etwa 200 Quadratmeter mit wenigen Gestaltungsvorgaben. Im Zuge der Sanierung der historischen Siedlungsteile wird ab 2016 die Grünanlage an den Häusern der Domnauer- und Reglinstraße in 22 Hausgärten parzelliert. So werden ursprünglicher Zustand und Zweckbestimmung zur möglichen Selbstversorgung wieder hergestellt.

• Gemeinschaftliche Grünbereiche
Die meisten Hausgärten wurden nach Zerstörung der Wohnhäuser im Zuge des Neubaus von Wohnungen in den 50er Jahren in gemeinschaftliche Grünflächen umgewandelt. Nach einem Pflegeplan werden Bäume, die ihr biologisches Alter erreicht haben, sukzessive gegen gartenstadttypische Obst- und Nutzbäume ausgetauscht. Mitarbeiter der „Helfer im Kiez”-Aktion sammeln jährlich etwa zwei Tonnen Fallobst und verarbeiten diese zu Gelees, die auf dem jährlichen Wintermarkt im Lindenhof zu Gunsten eines Kinder-Hospizes verkauft werden.

• Paten-Aktion Mein Baum
Etwa 900 Bäume gibt es heute im Lindenhof. An die 200 Bäume werden in den nächsten zehn Jahren ihr natürliches Lebensalter erreicht haben. Den Lindenhof mit möglichst vielen Bäumen als grüne Oase zu erhalten, ist das Ziel der Aktion „Mein Baum”. Gesammelt wird von Einzelspendern, Gruppen und in Sammeldosen. Sind 500 Euro zusammengekommen, kann ein Jungbaum gekauft werden, der jeweils im Frühjahr oder Herbst gepflanzt wird. Seit Beginn der Aktion im Frühjahr 2014 konnten über 50 Bäume gepflanzt werden. Paten wurden bisher Hausgemeinschaften, Firmen und natürlich auch Einzelpersonen. So wird mit der Aktion über die Bäume ein „Generationenvertrag” unter den Bewohnern und Mitgliedern der Genossenschaft und ihren Freunden geschlossen.

• Nisthilfen
In die Dachkästen der neugebauten Dachgeschosse auf den historischen Lindenhofbauten werden Nistplätze für Mauersegler integriert. Man erkennt sie an den Einfluglöchern. Nisthilfen, die während der Bauzeit an anderen Gebäuden angebracht werden, bleiben erhalten. Die Zahl der Nistplätze wird so erhöht.

• Bienenzucht
2013 wurden die ersten Bienenvölker auf dem Flachdach des Waschhauses von einem Bioland-Imker im Lindenhof platziert. Zwischen Mai und September saugen etwa 650.000 Bienen an den Blüten der um das Waschhaus wachsenden Linden-, Akazien- und Robinienbäume. Die Schüler der Lindenhof-Grundschule erhielten vom Imker Unterricht mit anschließender Honigverkostung. Den Lindenhof-Bewohnern wurde diese Form des „urban farming” mit der Aufführung des Dokumentarfilms „More than Honey” nähergebracht. Der Verzicht auf den Einsatz von Pestiziden im Lindenhof begünstigt die Imkerei. Seit 2014 führt eine Arbeitsgemeinschaft aus Bewohnern die Arbeit fort.

• Schildkröten, Kröten und Reiher
In den Weihern des Lindenhofs, hat sich die „gelbe Teichrose” (Teichmummel) stark vermehrt. Einmal im Jahr werden Mummeln von einem Teil des „Dorfpfuhls” entfernt, um eine offene Wasserfläche zu erhalten. Die Ufer der „Kleinen blanken Helle” sind Habitate für Kröten und die europäische Sumpfschildkröte, die auf den Teichrosenblättern sonnenbadet. Dank des reichen Nahrungsangebots sind ständig Reiher an und auf den Teichen zu beobachten. Die Lindenhof-Grundschule nutzt die Teiche für ihren Sachunterricht zum naturnahen Umgang mit Tieren und Pflanzen.

Bezug zur biologischen Vielfalt:

Schaffung von Flächen, die von Bewohnern individuell bepflanzt werden • Ansiedlung von Bienen zur Unterstützung der Vermehrung von Nutz- und Wildpflanzen • Wiederaufforstung und Baumpflege durch Paten • Vermehrung von Nistplätzen • Reduktion von CO2-Emissionen zu Stabilisierung des Klimas.

Video:


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Dokumente

Berichterstattung zur Kampagne „MeinBaum” im Mitglieder-Echo der GeWoSüd

 

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