Berlin baut (auch) für Fledermäuse!

In Berlin sind 43 Winterquartiere von Fledermäusen bekannt und bei der Obersten Naturschutzbehörde registriert. Um diesen Säugetieren günstigere Lebensbedingungen zu bieten und Verluste während der Überwinterung zu minimieren, wurde durch die Oberste Naturschutzbehörde ein Programm zur Ertüchtigung von zunächst 15 Winterquartieren entwickelt. Diese gehören alle zum Typ der "Feuchten unterirdischen Höhle".
Mit umfangreichen Maßnahmen zur Klimatisierung, dem Einbau weiterer, unterschiedlicher Versteckmöglichkeiten , der aufwändigen Herrichtung eines Bunkers zu einem Quartier mit erheblichem Potenzial und weiteren Zustands- und Sicherheitsverbesserungen werden Teile des Berliner Artenhilfsprogramms Fledermäuse, vor allem aber auch die Ziele 1 und 3 der Berliner Strategie zur Biologischen Vielfalt umgesetzt.
Dabei erfolgen alle Maßnahmen haushaltsfinanziert - ohne Fördermittel!
Zusätzlich erfolgt eine langfristige Sicherung der Objekte für die Überwinterung von Fledermäusen: Für private Objekte wurden Verträge geschlossen und landeseigene Objekte mittels Verwaltungsvereinbarungen gesichert - mit jeweils 10jähriger Laufzeit.

In Berlin sind 43 Winterquartiere von Fledermäusen bekannt und bei der Obersten Naturschutzbehörde (ONB) registriert (davon vier FFH-Gebiete). Sie sind in der beigefügten Karte dargestellt. Bei den meisten davon handelt es sich um Quartiere vom Typ "Feuchte unterirdische Höhle". Einige Arten bevorzugen aber auch "Trockenere oberirdische Quartiere" (siehe Liste der überwinternden Fledermausarten). Durch ein langjähriges Monitoring der meisten Quartiere im Rahmen des "Berliner Artenhilfsprogramms Fledermäuse" ist der ONB bekannt, wie sich die Zahl der überwinternden Individuen entwickelt. Für fünf Arten sind entsprechende Diagramme angefügt. So ist aber auch bekannt, welche Quartiere Defizite aufweisen und bei welchen das bestehende Potenzial noch nicht ausgeschöpft ist. Auch ist bekannt, wo das Monitoring nicht gefahrenfrei ausgeführt werden kann.
Um den Fledermäusen günstigere Winter-Lebensbedingungen zu bieten und Verluste während der Überwinterung zu minimieren, aber auch das Monitoring sicherer zu gestalten, wurde durch die ONB ein Programm zur Ertüchtigung von zunächst 15 Winterquartieren entwickelt. Sie alle gehören zum Typ der "Feuchten unterirdischen Höhle" (Fotos 03 + 06).
Mit entsprechendem Vorlauf wurde die Finanzierung über den Haushalt gesichert, die Bauleitung und die Bauleistungen sowie die Baubegleitung durch einen Fledermausexperten ausgeschrieben und beauftragt. Erste, vor allem vorbereitende Arbeiten konnten noch 2014 erbracht werden; die Hauptarbeitsperiode lag aber im Jahr 2015. Dabei war von besonderer Bedeutung, dass zur Vermeidung von Störungen während der Winterruhe nur jeweils der Zeitraum 1. Mai bis 15. August für Arbeiten in Quartieren in Frage kommt; Außenarbeiten sind aber ohne Probleme ausführbar.
Insbesondere wurden die folgenden Arbeiten ausgeführt:
1. Klimatisierung (Temperatur und Feuchte). Hier lag der Schwerpunkt auf dem sicheren Verschließen von rd. 2300 Lüftungsöffnungen, von denen die meisten zu ehemaligen unterirdischen Langsamsandfiltern auf Wasserwerksstandorten gehören (Fotos 22, 24 + 26). Da zwei dieser Wasserwerksstandorte auch als FFH-Gebiete ausgewiesen sind, sind die ausgeführten Maßnahmen auch ein Beitrag zur Verbesserung der Situation in diesen FFH-Gebieten.
2. Erhöhung der Anzahl möglicher Verstecke für die Fledermäuse. Dazu wurden 710 Fledermaus-Wandschalen angebracht (Foto 06), 650 Fledermaus-Gewölbesteine montiert (Fotos 06, 08 + 10) sowie 565 m² "Lückige Mauer" errichtet (Fotos 18, 19 + 20).
3. Aufwändige Arbeiten an einer Bunkeranlage. Eine gegen Ende des 2. Weltkrieges nicht fertig gestellte Bunkeranlage muss hergerichtet werden, weil durch vermutlich ehemalige Lüftungsöffnungen große Mengen Sand eingedrungen sind. Diese Öffnungen müssen geschlossen werden - allerdings gibt es dafür kein genormtes Bauverfahren, so dass die Kreativität der Bauleute bei Einhaltung des Budgets(!) gefragt war. Und auch die Entfernung des Sandes aus dem Bunker erfordert Ideen und Technik. Da auch der zweite Bunkerzugang verschüttet war, musste er wegen der zu erwartenden besseren klimatischen Situation freigelegt, gesichert und dann mit einer Tür verschlossen werden. Die Fotos 31 + 34 geben einen kleinen Einblick.
4. Diverse weitere Arbeiten. So wurden Bodenanschüttungen zur Mauerwerksisolierung vorgenommen, Türen erneuert oder repariert und mit Einflugöffnungen versehen und Müll und Gerümpel beräumt, um auch das Unfallrisiko beim Monitoring zu verringern (Foto 21).

Zusätzlich zu den Baumaßnahmen erfolgt eine langfristige Nutzungssicherung der Objekte für die Überwinterung von Fledermäusen: Für private Objekte wurden durch die ONB Verträge geschlossen und landeseigene Objekte mittels Verwaltungsvereinbarungen gesichert - mit jeweils 10jähriger Laufzeit! Auch das ist ein arbeitsintensiver Schritt, der zu bewältigen war.

Und wie geht es weiter?
Das Monitoring wird weitergeführt und wird über den Erfolg der bisherigen Maßnahmen Auskunft geben. Vielleicht schon in diesem bevorstehenden Winter, aber mit größerer Sicherheit in den nächsten Jahren ...
Aus den Erfahrungen der Ertüchtigung dieser ersten 15 Quartiere lässt sich ableiten, wie die Sanierung weiterer Objekte noch besser vorbereitet und bautechnisch und terminlich gesichert werden kann. Selbstverständlich muss die finanzielle Sicherung mit einem etwas längeren, haushalterisch bedingten Vorlauf erfolgen.
Als erfolgreich kann aber bereits jetzt die Einschaltung einer externen Bauleitung und die fachliche Begleitung durch einen Fledermausexperten gewertet werden.
Damit es "unseren" Fledermäusen (Fotos 01, 29 + 37) gut geht, wird Berlin auch zukünftig (auch) für Fledermäuse bauen!

Worin liegt die Bedeutung dieses Projektes?
- Tatsächlicher Umfang von 15 Quartieren
- Umfang an Bauleistungen
- Große Zahl neuer Versteckmöglichkeiten
- Realisierung ohne Fördermittel
- Langfristige Sicherung als Winterquartiere
- Umsetzung Artenhilfsprogramm und Berliner BioDiv-Strategie





Bild 1
Bild 2

Bild 3
Bild 4

Dokumente

Karte der Berliner Fledermaus-Winterquartiere (Stand 1.9.2015)

Übersicht über die Bestandsentwicklung der Fransenfledermäuse in allen Berliner Winterquartieren.

Übersicht über die Bestandsentwicklung der Art Braunes Langohr in allen Berliner Winterquartieren.

Übersicht über die Bestandsentwicklung der Art Großes Mausohr in allen Berliner Winterquartieren.

Übersicht über die Bestandsentwicklung der Fransenfledermäuse in allen Berliner Winterquartieren.

Übersicht über die Bestandsentwicklung der Mopsfledermäuse in allen Berliner Winterquartieren.

Liste der in Berlin überwinternden Fledermausarten (Monitoring 2013/2014).

 

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Tel.:030/9025-1640
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