Naturschutzberatung für rheinische Obstbauern

Weiterentwicklung:

Das Projekt, das bisher das Ziel der Förderung der biologischen Vielfalt durch einzelbetriebliche Beratungen für interessierte Obstbauern verfolgt, wird erheblich erweitert. So werden Gruppenberatungen auf Betrieben angeboten, die bereits in vorbildlicher Weise biodiversitätsfördernde Maßnahmen umsetzen. Diese Form der Beratung hat den Vorteil, fertige Maßnahmen betrachten und deren Nutzen sowie eine erfolgreiche Umsetzung unmittelbar mit den Beratern und den Betriebsleitern diskutieren zu können. Als Kooperationspartner stehen der Provinzialverband Rheinischer Obst- und Gemüsebauer und die Obstbau-Fachgruppen zur Seite. Die Landgard-Stiftung unterstützt das Projekt weiterhin finanziell. Im Projektverlauf wird der Fokus verstärkt auf den Wissenstransfer in Berufs- und Fachschulen des Rheinlandes gelegt. Ziel ist es, Berufsschüler der Berufsausbildung Gärtner/in in eigens entwickelten Unterrichtseinheiten für Möglichkeiten zur Umsetzung biodiversitätsfördernder Maßnahmen und deren Nutzen im Gartenbau zu sensibilisieren. Mithilfe von Fragebögen wird zudem ermittelt, welche Maßnahmen auf den Ausbildungsbetrieben bereits umgesetzt werden und wie groß das Interesse an weiteren Umsetzungen ist. Die Analyse der Antworten ermöglicht eine weitere Optimierung des Beratungs- und Maßnahmenkonzeptes. Die Berater entwickeln individuelle Feldrandschilder, die auf das Engagement der teilnehmenden Obstbauern aufmerksam machen und den Dialog zwischen Landwirtschaft und Gesellschaft stärken.

Ursprüngliche Bewerbung:

Ein Turmfalkenkasten, der über einer Apfelanlage thront? Ein Blühstrauch, der an den Verankerungen von Hagelschutznetzen gepflanzt wurde? Diese Möglichkeiten sowie viele weitere stehen zur Verfügung, wenn es heißt, den Lebensraum Obstbaukultur hinsichtlich der biologischen Vielfalt zu optimieren. Denn: Dem Rückgang der biologischen Vielfalt muss auch im Obstbau entgegengesteuert werden. Ein Projekt in Zusammenarbeit mit den rheinischen Obstbauern zeigt, wie es gehen kann!


Obstbaukulturen stellen im Rheinland nicht nur eine Bereicherung des Landschaftsbildes dar, sondern bieten auch für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten einen unverzichtbaren Lebensraum. Hierbei kommt es zu gegenseitigen Wechselwirkungen mit unterschiedlichen positiven und negativen Effekten auf die Obstkulturen und deren Erträge.

Projektziele, Ergebnisse und ein Ausblick
Ziel ist es, diese positiven Wechselwirkungen gezielt zu fördern und eine Naturschutzberatung mit einem hierzu entwickeltem Fachkonzept aufzubauen, um die Obstbauern einzelbetrieblich mit ökologischen und ökonomischen Hintergrund für konkrete Naturschutzmaßnahmen zu gewinnen. Das Fachkonzept mit 10 Informationsblättern zu ausgewählten Maßnahmen zur Förderung der biologischen Vielfalt und deren sinnvolle Integration in den Betrieb ist erstellt und wird sukzessive weiterentwickelt.
Bisher wurden 20 Betriebe intensiv einzelbetrieblich beraten, weitere sind in Planung. Jeder Betrieb hat ein individuelles flächen- und betriebsspezifisches Maßnahmenkonzept mit konkreten Hinweisen und Tipps zur Umsetzung (Materialbeschaffung, Bau, Pflanzung, Pflege etc.), in Form von Informationsblättern, erhalten. Bei der Umsetzung begleitet die Stiftung weiterhin fachlich und unterstützt bei Rückfragen.
Für das weitere Projektjahr 2016 wird durch einen Workshop auf einem Obstbaubetrieb, Informationsveranstaltungen in Berufsschulen sowie weiteren einzelbetrieblichen Beratungen der Wissenstransfer im Obstbau intensiviert. Zudem soll durch eine umfangreiche Biodiversitätsbroschüre ein Nachschlagewerk für den Obstbau mit den im Projekt entwickelten Möglichkeiten zur Förderung der Biodiversität aufgelegt werden.

Maßnahmen zur Förderung der Biodiversität
Für die Erstellung des Fachkonzeptes wurde zunächst geprüft, für welche Maßnahmen zur Förderung der Biodiversität Akzeptanz seitens der Obstbaubetriebe besteht oder wie diese erreicht und gesteigert werden kann, um eine Umsetzung in Zukunft zu erreichen. Durch die breite Kooperation zwischen der Stiftung Rheinische Kulturlandschaft, dem Provinzialverband Rheinischer Obst- und Gemüsebauer e.V. und der fachlichen Einbindung der Fördergemeinschaft Ökologischer Anbau e.V., des Campus Klein-Altendorf sowie der Landwirtschaftskammer NRW werden konventionell und ökologisch wirtschaftende Obstbauern eng eingebunden, um aus dem Berufsstand heraus Maßnahmen neu entwickeln und bereits bekannte betriebsspezifisch optimieren zu können.
Daraus wurden Maßnahmen wie beispielsweise Bau, Anlage/Pflanzung und Pflege von Vogelnistkästen (beispielsweise für Mehlschwalben oder Turmfalken), Greifvogelansitzstangen, Teichbepflanzung, Lesesteinhaufen, Nisthilfen für Wildbienen, Nützlingskästen, Blühstreifen, Staudenbeete, Fassadenbegrünungen sowie von heimischen Blühsträuchern zusammengestellt und umgesetzt.
Eine Besonderheit ist, dass das entwickelte Fachkonzept Maßnahmen sowohl für Hof- als auch für die Produktionsfläche (Obstanlage) beinhaltet und so der gesamte Betrieb bei der Beratung zur Förderung der biologischen Vielfalt miteinbezogen werden kann.

In vier Schritten hin zur biologischen Vielfalt
Der Ablauf einer einzelbetrieblichen Beratung gestaltet sich dann folgendermaßen:
Schritt 1: Kontaktaufnahme und kurze Einführung in das Projekt, sowie Abfragen der Vorstellungen und Wünsche an die Naturschutzberatung.
Schritt 2: Bei der Beratung vor Ort und einer Begehung des Betriebes werden im direkten Austausch mit dem Betriebsleiter Empfehlungen zur Umsetzung einzelner Naturschutzmaßnahmen ausgesprochen. Um zu ermitteln, welche Naturschutzmaßnahmen in der Region sinnvoll sind wird das Umfeld des Betriebes bei den Empfehlungen mit einbezogen.
Schritt 3: Erstellung eines betriebsindividuellen Konzeptes, das alle möglichen Maßnahmen zur Förderung der biologischen Vielfalt auf Hof- und Produktionsfläche umfasst sowie weitere Hinweise und Tipps zur Umsetzung gibt.
Schritt 4: Zusendung des Konzeptes und auf Wunsch weitere Unterstützung bei der Umsetzung.

Die Förderung der biologischen Vielfalt in Obstbaukulturen schafft nicht nur eine Win Win-Situation, die es als Obstbauer zu nutzen gilt; Betriebe mit eigenen Hofläden teilen die erworbenen Informationen mit den Kunden - beispielsweise durch die Weitergabe der Informationsblätter - um so für die Umsetzung in den rheinischen Gärten zu werben. Gleichzeitig wird dadurch auf das eigene Engagement für den Naturschutz aufmerksam gemacht. Auch wird seitens der Stiftung in regelmäßigen Abständen über das Projekt in der Presse und auf öffentlichen Veranstaltungen informiert, wie auch das erstellte Informationsmaterial an Interessierte verteilt.
Die Informationsblätter sind auf der Projektseite der Stiftung Rheinische Kulturlandschaft frei zugänglich eingestellt. So haben alle Obstbauern, aber auch andere Interessierte die Möglichkeit auf die Hinweise und Tipps ausgewählter Maßnahmen zuzugreifen.

Die Umsetzung des Projektes wird freundlicherweise von der Landgard-Stiftung gefördert.

Bezug zur biologischen Vielfalt:

Der Obstbau bietet als Dauerkultur besondere Möglichkeiten zur Förderung der biologischen Vielfalt. So sind verschiedene Ecken wie Hagelschutznetzverankerungen, Zaunecken an Obstanlagen oder der Außenbereich von Lagerhallen stets ungenutzt und können bei entsprechender Unterstützung als Lebensraum verschiedener Arten dienen. So liefert ein Lesesteinhaufen in einer sonnigen und windarmen Zaunecke wärmeliebenden Arten wie Eidechsen einen Unterschlupf oder Blühsträucher entlang der Lagerhalle Bestäubern zusätzliche Nahrung.
So gibt es auf dem Betrieb nicht nur auf der Obstanlage, sondern auch an der Hofstelle direkt zahlreiche Maßnahmenmöglichkeiten zur Förderung der biologischen Vielfalt. Hier bieten sich vor allem Nistkästen für Fledermäuse oder verschiedene Vogelarten wie für Rauch- und Mehlschwalben an.
Durch eine Weitergabe der Informationen aller möglichen Maßnahmen in Berufsschulen sowie in eigenen Hofläden kann auch zur Umsetzung auf Betrieben zukünftiger Betriebsleiter sowie in heimischen Gärten der Kunden animiert werden.



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Dokumente

Informationsblatt Blühsträucher anlegen

Informationsblatt Blühstreifen

Informationsblatt Fledermauskasten

Informationsblatt Greifvogelansitzstange

Informationsblatt Nistkasten-Reinigung

Informationsblatt Schleiereulenkasten

Informationsblatt Staudenbeet planen

Informationsblatt Teichbepflanzung planen

Informationsblatt Bestäuber-Gabione

Informationsblatt Lesesteinhaufen

 

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