Wildbirne, Wacholder & Co – gebietseigenes Wildobst in Sachsen

Die Grüne Liga Osterzgebirge e.V. und der Staatsbetrieb Sachsenforst untersuchen die innerartliche Vielfalt von gebietseigenen Wildobstarten. In dem fünfjährigen Modell- und Demonstrationsvorhaben werden die seltenen Wildobstarten Wildbirne, Wildapfel, Gemeine Eberesche, Alpen-Johannisbeere und Gemeiner Wacholder als Modellarten bearbeitet. Dabei sollen in-situ Erntebestände ausgewiesen werden, um die vorhandenen Bestände dieser seltenen Arten an ihren natürlichen Standorten langfristig zu erhalten und gegebenenfalls zu verdichten. Weiterhin soll Saat- und Pflanzgut bereitgestellt werden, das den ökologischen und klimatischen Gegebenheiten der Region angepasst ist. Damit soll die Etablierung gebietseigener Wildobstgehölze als Baumschulware unterstützt werden.

Bisher stammt der Großteil der konventionell produzierten Pflanzware aus weit entfernten Regionen und ist häufig durch klonale Vermehrung genetisch uniform. Gebietseigene Gehölze dagegen konnten sich über viele Generationen an ihre jeweiligen, spezifischen Standortverhältnisse anpassen und widerstandsfähige Populationen bilden. Durch Anzucht und Ausbringung ihres Vermehrungsgutes wird das Spektrum regional angepasster Sippen erhalten und ein wesentlicher Beitrag zur Erhaltung der biologischen Vielfalt geleistet. Die ausschließliche Verwendung gebietseigener Herkünfte für Pflanzgut zur Ausbringung in die freie Landschaft wird ab 2020 gesetzlich bindend (§ 40 Abs. 4 BNatSchG). Für die Produktion von gebietseigenen Gehölzen durch die Baumschulen ist jedoch zunächst die Bereitstellung umfangreicher Datengrundlagen erforderlich. Dazu gehören die fachlich fundierte Ausweisung von Erntebeständen in den einzelnen Vorkommensgebieten sowie allgemeingültige Standards zur Saatgutgewinnung. Nur so können in Zukunft gebietseigene Gehölze mit der nötigen genetischen Variation als Pflanzware in den Baumschulen angeboten werden.

Ziel des Modell- und Demonstrationsvorhabens ist die Ausweisung von Erntebeständen zur Saatgutgewinnung seltener Wildobstarten unter Berücksichtigung der festgelegten Vorkommensgebiete. Ein Ergebnis des Projektes soll die Erstellung eines Leitfadens für eine einfache und kostengünstige Standardmethode für die Beerntung dieser Bestände sein.
Für das Projekt wurden die Wildobstarten Gemeine Eberesche (Sorbus aucuparia), Alpenjohannisbeere (Ribes alpinum), Wildapfel (Malus sylvestris), Wildbirne (Pyrus pyraster) und Gemeiner Wacholder (Juniperus communis) ausgewählt. Diese Modellarten repräsentieren verschiedene Befruchtungssysteme (ein- und zweihäusig, Insekten- und Windbestäuber). Weitere Auswahlkriterien waren die Abgrenzbarkeit zu Kulturformen anhand morphologischer Merkmale, die gute Charakterisierbarkeit mit genetischen Markern, Schutzwürdigkeit und der historische Bezug zu Teilen des Untersuchungsgebietes.

Mittels morphologischer und phänologischer Daten sowie genetischer Untersuchungen wird die innerartlichen Variabilität zwischen Populationen der gleichen Art aus verschiedenen Regionen differenziert. Die Ergebnisse bilden die Grundlage für den Erhalt der Vielfalt regional angepasster Populationen durch In-situ- und Ex-situ-Maßnahmen.
Um den natürlichen genetischen Austausch der Wildobstarten am natürlichen Standort zu sichern, werden gegebenenfalls Bestände mit zu wenigen Befruchtungspartnern durch Nachpflanzungen verdichtet, so dass wieder eine Fortpflanzungsgemeinschaft entsteht. Die Gewinnung von Saatgut aus regionaltypischen Wildobstpopulationen und deren Anzucht und Vermehrung in Baumschulen gewährleistet die Bereitstellung von gebietseigenem Saat- und Pflanzgut, das beispielsweise für Aufforstungsmaßnahmen, Waldrandgestaltung oder Naturschutzmaßnahmen verwendet werden kann. Damit wird die Ansiedlung nicht heimischer Arten verringert und der Erhalt der biologischen Vielfalt der Region gefördert. Weiterhin wird eine Verfälschung der genetischen Vielfalt durch die Identifizierung von Hybriden, die aus einer Kreuzung zwischen Wildart und Kulturart entsteht, verhindert. Zusätzlich werden Plantagen und Erntehecken angelegt, um mittelfristig qualitativ hochwertiges Saatgut mit hoher genetischer Diversität unter Schonung der Naturvorkommen in ausreichender Menge zur Verfügung zu stellen und langfristig zur Erhaltung der seltenen Wildobstarten beizutragen.
Die im Projekt angewandten Methoden sollen als allgemeingültige Vorgehensweise auch auf andere seltene Baum- und Straucharten in anderen Regionen Deutschlands anwendbar sein.


Bild 1

Dokumente

Wildobstprojekt_Bilderschau.pdf

Broschüre Wildobstprojekt

 

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