Vom Stockentenmonopol im Stadtpark zum Miteinander vieler Tier- und Pflanzenarten und Menschen

Das Problem. Weltweit kämpfen Verantwortliche und Naturschützer häufig vergeblich darum, das „Entenfüttern“ in Stadtparks mit oft verheerenden Folgen für die Ökologie der betroffenen Gewässer einzudämmen. Gute Argumente und auch die besten Infoschilder werden meist ignoriert.

Das betreute Gebiet. Areal um 2 Teiche und begleitenden Bach im Kurpark von Bad Nauheim. Der Stausee („Großer Teich“, heute 4 ha) sowie der „Kleine Teich“ (0,5 ha) waren ursprünglich „Entenbadewannen“, naturfern gestaltete Wasserflächen mit zahlreichem halbzahmen Wassergeflügel. Die Besucher frönten exzessiv dem „Entenfüttern“. Nachdem der Kleine Teich 2-mal umgekippt war, versuchte die Parkverwaltung in den 90er-Jahren durch Infoschilder gegenzusteuern, mit wenig Erfolg. Um die Jahrtausendwende wurde der Große Teich saniert, in der Fläche reduziert und als Ausgleichsmaßnahme eine ausgedehnte Flachwasserzone mit Wasserpflanzenfeldern und anschließender artenreicher Wiesen- und Strauchzone angelegt. Durch den extremen Entenbesatz kam es zu einer fast völligen Zerstörung der ersten Wasserbepflanzung und im Jahrhundertsommer 2003 zu einem dramatischen Botulismusausbruch. Der veralgte Teich stand kurz vor dem Umkippen.

Der Trägerverein wurde in Reaktion auf diese Probleme in 2004 gegründet, hat heute etwa 40 Mitglieder und 10 aktive Helfer. Er erhält einen Zuschuss von der Stadt, der inzwischen weniger als 25 % des Etats abdeckt.

Hautzielgruppen des Projekte sind tierliebe aber naturfremde Familien mit kleinen Kindern, Kurgäste und alleinstehende ältere Menschen, also die typische „Entenfütterer“-Klientel. Wichtig ist dabei die Erfassung von Besuchern, die durch Mobilitätseinschränkungen oder mangelndes Interesse die Informationsangebote von anderen Naturschutzgruppen nicht nutzen.

Konkrete Ziele (s. auch „Konzept“ im Webauftritt)
1) Reduzierung der Wasservogelzahlen auf ein Maß, das das biologische Gleichgewicht des Gewässers nicht gefährdet. Entwicklung eines artenreichen Teiches statt „Entenbadewanne“.
2) Für Menschen, die kein Rotkehlchen von einem Buchfink unterscheiden können und Teichrallen für junge Trauerschwäne halten, den Artenreichtum an einem gesunden Gewässer erlebbar machen.
3) Naturfremden Besuchern das biologische Grundwissen vermitteln, dass für das gesunde Miteinander von Natur und Mensch in einem Stadtpark nötig ist. Notwendige Nutzungseinschränkungen durch phantasievolle Umsetzung zu einem unmittelbar erfahrbaren Gewinn für die Besucher werden lassen.

Umsetzung
· Einführung einer täglichen „Enten-Treff-Stunde“, bei der eine Fütterung einzelner Tiere nach biologisch vertretbaren Regeln erlaubt ist (Details s. Internetauftritt: „Erna-Ente-Treff / Kontrolliert Füttern). Ein halbes Dutzend handzahmer Parkgänse dienen dabei als „Lockvögel“. Bei den Besuchern wird durch intensive naturpädagogische Betreuung das Interesse von der Fütterung auf die vielen anderen Tiere und attraktive Wildpflanzen am Teich gelenkt. Dabei wird altersgerecht das nötige Basiswissen für einen rücksichtsvollen Umgang mit Natur und Wildtieren vermittelt.
· Strikte Durchsetzung eines allgemeinen Fütterungsverbotes außerhalb dieser Veranstaltung durch soziale Kontrolle
· Ergänzende Naturerlebnisangebote für Gruppen („Erna-Ente-Safari“)
· Ganztägig zugängliches Naturerlebnisareal, in dem im Winter durch Schilder und Infomaterial, im Sommer auch durch Miniaquarium, Kaulquappenaufzucht, Regenwurmschaukasten etc. auf die Artenvielfalt im Gebiet aufmerksam gemacht wird und attraktive Alternativen zum „Entenfüttern“ aufgezeigt werden
· Mit Wechselbeschilderung versehener Naturinfopfad, in dem jahreszeitlich angepasst auf blühende Wildpflanzen oder Möglichkeiten für Tierbeobachtungen hingewiesen wird, z. B. auf die Spuren des seit 2007 im Gebiet ansässigen Bibers
· Öffentlichkeitsarbeit durch Flugblätter, Zeitungsartikel (Beispiele s. Anhang), Vorträge und einen umfangreichen Webauftritt (www.erna-ente-treff.de)

Ergebnisse
· Hohe Akzeptanz in der Bevölkerung, das „Entenfüttern“ ging drastisch zurück
· Allmähliche Reduzierung der Zahl der überwinternden Tiere (vornehmlich Stockenten und Bläßrallen) von 500 auf wenige Dutzend durch Stop der unkontrollierten Zufütterung (dokumentiert durch Wasservogelzählungen)
· Reduktion des Algenwachstums und erhebliche Verbesserung der Wasserqualität, obwohl immer noch eutroph. Kräftige Entwicklung der zuvor stark geschädigten Wasserpflanzen mit entsprechender Entwicklung auch der tierischen Artenvielfalt
· Verbesserung des biologischen Basiswissens, Förderung der Wahrnehmung der biologischen Vielfalt, deutlich gesteigertes Interesse an der „Natur vor der Haustür“
· Die Besucher fühlen sich für das Projekt mit verantwortlich und drücken ihre Zustimmung durch Spenden aus: im Jahr 2011 erhielten wir allein 5000 Euro in Form von Kleinspenden an der Naturerlebnisstation
· Soziale Integration von Randgruppen (z. B. ausländischen Kindern, alleinstehenden Senioren) durch die gemeinsame Fütterung



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Dokumente

Im folgenden 5 Beispiele aus unserer Pressearbeit. Ein bisschen flippig und vor allem die Neugier weckend.

Die örtliche Zeitung unterstützt unsere Arbeit vorbildlich, nicht zuletzt weil viele positive Rückmeldungen von den Lesern kommen, die an der Serie Spaß haben.

Manchmal kommen die Hinweise auf spannende Naturbeobachtungs-möglichkeiten von Spaziergängern, die uns fragen, was sie da gesehen haben. Auch hierfür ist der Erna-Ente-Treff eine prima Plattform.

Umgekehrt zeigen viele begeisterte Rückmeldungen, dass die kleinen Artikel gut geeignet sind, um Naturunerfahrene zur eigenen Beobachtung anzuregen und die Wahrnehmung der Artenvielfalt an unserem Teich zu fördern.

Das Urheberrecht liegt in allen Fällen bei der Antragstellerin. Alle Beiträge erschienen in der Wetterauer Zeitung und teilweise auch in deren kostenlosen, weitverbreiteten Werbezeitung ´Wochenpost´. Aushang im Park vergrößert die Wirkung zudem.

 

Besuchen Sie uns

Erna-Ente-Treff und Naturinfopfad

Kurpark (keine Straßenangabe möglich!)
61231 Bad Nauheim

Öffnungszeiten: Ganztägig geöffnet, Betreungszeiten beim Erna-Ente-Treff täglich von 16- 17 Uhr

Frau Ingrid Schmidt
Tel.:0178 495 2435 od 0177 47 242 47
erna-ente-treff@web.de
http://www.erna-ente-treff.de

 

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