Biologische Vielfalt im Storchengarten: Verborgene Schätze - gefährdete Früchte

Weiterentwicklung:

Führungen werden bayernweit sehr gut angenommen, siehe die Führung (Foto) der Wildkräuterexperten. wir können jetzt auch 2 jährige Pflanzen, wie Erdbeeren anbauen und dadurch "Mieze Schindler" und "Senga Sengana" zwei alte deutsche wohlschmeckende Erdbeersorten, mit anbauen und erhalten. Da diese Pflanzen Ableger (Senker) bilden, ist eine weitere Abgabe an Interessierte Erdbeerliebhaber im begrenzten Umfang möglich. Zusammenarbeit mit dem Genbänkle und dem ÖBZ wird angestrebt bzw. bei dem ÖBZ München schon praktiziert. Seit 2 Jahren sind wir auf dem dort stattfindenden Saatgutfestival vertreten. Auch im nächsten Jahr wird die Vielfalt des Storchengartens an dem Stand des VEN present sein.

Ursprüngliche Bewerbung:

Der am Rand von Markt Schwaben gelegene „Storchengarten“ dient dem Anbau von regionalen und alten Gemüsesorten mit dem Ziel, die Vielfalt der Nutzpflanzensorten zu erhalten und weiter zu kultivieren. Außerdem ist der Garten auch ein Ort der Bildung. Im Rahmen der angebotenen Führungen lernen die Teilnehmer/innen, Nahrungsmittel selbst anzubauen, zu nutzen und Saatgut daraus zu gewinnen. Weiter wird nun gezeigt, wie Saatgut fachgerecht aufgearbeitet und gelagert wird, damit die Keimfähigkeit lange erhalten bleibt. Auf Eintütpartys werden die Samen in Portionen abgepackt, um sie wieder dem Kreislauf der Natur zur Verfügung stehen. Auf Märkten und Infoveranstaltungen haben wir somit Gaben, die, wenn sie denn von dem Beschenkten wieder angebaut werden, Vielfalt erhalten helfen.

Im Projekt soll geklärt werden:
-Warum brauchen wir die Nutzpflanzen-Vielfalt?
-Was hat die Nutzpflanzenvielfalt mit der Ernährungs-Souveränität zu tun?
-Warum gefährden Gesetze und Konzerne die biologische Vielfalt?
-Was können wir tun, um die Nutzpflanzenvielfalt und die biologische Vielfalt im Allgemeinen zu erhalten?
Phase 1
In einem selbst angelegten Nutzpflanzen-Vielfaltsbeet, in dem Nutzpflanzen von A-wie Allium (Zwiebel) bis Z wie Zea mays (Mais) angebaut werden, stehen einige Arten und Sorten verschiedener, auch schon vergessener Nutzpflanzen, die unsere Eltern und Vorfahren noch ernährt haben.
Jede Region, ja jeder Bauer hatte damals seine eigenen, selber vermehrten Sorten und Arten. Wer auf dem Wochenmarkt einkaufen ging, konnte schon am Geschmack erkennen, aus welcher Gegend und von welchem Bauern die Produkte waren. Viele Sortennamen ließen auf die Gegend des Anbaus und der weiteren selektiven Bearbeitung einer Gemüse-, Getreide-oder Obstsorte schließen. Das erkennt man auch schon an den Sortennamen, wie zum Beispiel die "Calbenser Gerlinde" eine Zwiebelsorte aus Calbe, einer kleinen Stadt in Mitteldeutschland.
Ziel des Projektes ist es, den Menschen wieder historische Gemüsesorten in die Hand und zum Verbrauch (zum Kosten und zur Ernährung) zur Verfügung zu stellen. Früher war diese Vielfalt in den Gemüsearten auch noch mehr herauszuschmecken, als heute bei den neueren Sorten. Oft halfen die Vielfalt an unterschiedlichen Sorten und auch Arten empfindlichen Menschen. Zum Beispiel Allergiker konnten auf eine andere Art oder Sorte zurückzugreifen, die sich in den weltweiten Supermärkten nicht mehr finden lassen und die ihnen nicht nur Erleichterung, sondern oft auch die Gesundheit erhalten half.
Sortennamen wie "Schweigers Braugerste" stehen hier mit auf dem Feld oder eine "Weihenstephaner" Gerste. Die Sortennamen verraten oft die Herkunft der Sorte oder haben den Namen des Züchters im Titel.
Bei Führungen werden den TeilnehmernTafeln in die Hand gegeben und sie werden aufgefordert, diese an die Kultarten zu stellen, die im Vielfaltsbeet stehen.
Anbau:
Der gesamte "Storchenacker", in dem viele andere fleissige Hobbygärtner auch wirken und Gemüse für den Eigenbedarf anbauen, wird von der Verpächterin Stephanie Adlberger, organisiert. Einen herzlichen Dank geht an sie und die Familie Adlberger.
Alle Reihen werden in Kartoffeldämme angelegt. Die vier Randdämme werden mit Blütenpflanzen (Sommerblumen) bebaut. Schneckenbekämpfung:
Die Schnecken benötigen eine Weile, bevor sie sich in die Erntebeete vorgearbeitet haben, bis dahin können sich unsere Gemüsepflanzen so gut entwickeln, dass die Schnecken es nicht mehr schaffen, diese kahl zu fressen.

Einjährige Gemüsepflanzen durchleben in der Vegetationsperiode einen gesamten Generationenzyklus. Das heißt, sie werden geboren (keimen), durchleben eine Kinder -(Einkeimblattstadium), Jugend- (Stadium bis Grünreife) und die Altersphase (Ausreifung und Absterben) in 3 bis 7 Monaten. In dieser Zeit geben sie all ihre Eigenschaften an die nächste Generation (neue Samen) weiter.
Genau in dieser Periode können wir sie beobachten, und an den wunderschönen Blüten Bestäuberinsekten bewundern und kosten und uns die besten zur Weitervermehrung aussuchen und den Rest für die Ernährung nutzen. So wie es seit Jahrtausenden von unseren Vorfahren gemacht wurde.
Phase 2
"Guten Appetit: Essen an einem Wahrhaft reich gedeckten Tisch"
Wir pflücken uns im Storchengarten, was gerade erntereif ist: nach einem historischen Rezept bereiten wir aus unseren Gemüsesorten ein einfaches aber von geschmacklicher Vielfalt geprägtes Mittagessen zu. Eine Verkostung der ganz besonderen Art, direkt am Feldrand. Die Teilnehmer müssen alle Früchte und Gemüsesorten, selbst im Garten ernten. Sie sollen aber so viel weiter dort belassen, so dass eine Samenernte -für die Zukunft der Sorte und somit der Nutzpflanzenvielfalt und damit letztendlich unserer Ernährungssicherheit weiter gesichert bleibt. Die Teilnehmer werden dafür sensibilisiert, dass sie die besten Früchte weiter wachsen lassen. Denn nur gesunde, kräftige Pflanzen können gesundes Saatgut produzieren und dieses wird eine lange Keimfähigkeit bekommen, sowie gesunde Nachkommen erzeugen.
Die Teilnehmer werden vom Projektleiter über alle geernteten Gemüse umfassend informiert und bei der Suche im Beet nach den Gemüsearten in dem Rezept, bekommen die Teilnehmer einen Blick und auch die Erfahrung, wie Gemüse in der Natur wachsen. Dass es auch krumme oder doppelt ausgebildete Möhren geben kann, die genauso gut schmecken, wie die langen, geraden. Oder dass es auch mal angefressene oder faule Kartoffeln gibt. Eine Beziehung zu der Ernte und zu der damit verbundenen Arbeit kann so hergestellt und deutlich nach empfunden werden. Eine Wertschätzung der Arbeit dieser Berufsgruppen und auch des geernteten Gemüses soll auch Ziel des Projektes sein.

Bezug zur biologischen Vielfalt:

Über 100.000 verschiedene Pflanzenarten und Sorten schlummern in der Genbank in Gatersleben in einem großen Kühllager. Jedes Jahr werden ca. 6000 wieder aus dem Tiefschlaf geholt und in einem seit 1945 bewährten Verfahren angebaut. Jedes Jahr andere. Je nach Keimfähigkeit und je nach dem, wieviel noch in den Gläsern im Vorrat ist. In den 4 Arbeitsgruppen gibt es eine klug ausgearbeitete Arbeitsteilung, damit alle geplanten Pflanzen (Anbauplan) zur richtigen Aussaatzeit und an der richtigen Stelle auf´s Feld oder in den Gewächshäusern zur Vermehrung kommen. Auf dem ca. 30 Hektar ist in der Vegetationszeit eine so große Vielfalt an Kulturpflanzen zu sehen, die bis zur Samenreife stehen bleiben und erst wenn sie ausgereift sind, geerntet werden--bei manchen Arten sogar in vielen kleinen Teilernten. Denn nur gut ausgereiftes und qualitativ hochwertiger Samen kann über lange Zeit gelagert werden. Da alle Arten abblühen, stellen sich in dieser Zeit der Vollblüte eine Vielzahl an Wildbienen, Bienen, Hummeln, Schwebfliegen und viele andere Arten ein, die sich von diesen Blütenpflanzen ernähren und gleichzeitig die Bestäubung absichern. "Fremdbefruchtung ist Ziel und Absicht der Natur" hat Christian-Konrad-Sprengel schon 1793 in seinem Werk "Das entdeckte Geheimnis der Natur im Bau und in der Befruchtung der Blumen" formuliert. Hans Joachim Flügel hatte in den 90 ziger Jahren des letzten Jahrhunderts einige der vielen fleissigen Bestäubungshelfer bestimmt und in einer Liste zusammengefasst. Wo findet man in Deutschland sonst noch so eine große Artenvielfalt? Auch viele Vögel und Feinschmecker finden sich hier ein, so dass die Mitarbeiter der Genbank immer viel Mühe haben, ihre wertvollen Pflanzen vor ihnen zu schützen. Auch auf dem Storchenacker und speziell in unseren 4 Reihen, die ich Storchengarten genannt habe, finden sich Helfer für die Bestäubung ein.


Bild 1
Bild 2

Bild 3
Bild 4

Dokumente

hz_storchengarten_verborgene schätze_Führung II_2015.docx

Flyer Veranstaltung zur 900 Jahrfeier.pdf

gesamter Text des Projektes

Dankesrede zur Urkundenübergabe

mit Kindern erarbeitetes Poster über die Bedeutung der Hummeln

Bestäuber sind für enthomophile Pflanzen sehr wichtig. Auf dem Gelände des IPK Gatersleben können sie sich durch die Vielzahl an Blütenpflanzen, die ohne chemische Unkrautbekämpfung, optimal ernähren

Artikel 2018 über die Insektenvielfalt in dem IPK Gatersleben und einem Nachwort von Diplom Biologen Hans-Joachim Flügel

 

Besuchen Sie uns

Storchenacker in Markt Schwaben, Grafen von Sempt-Str. bis zum Ende und 100 m weiter bis zum Erdbeerfeld

Wendelsteinweg 12
85570 Markt Schwaben

Öffnungszeiten: nach telefonischer Vereinbarung, auch auf Anrufbeantworter

Frau Doris Seibt
Tel.:08121254273
doris.seibt@arcor.de

 

Weitere Infos

Dipl-Agrar-Ing. Doris Seibt (ehemalige Mitarbeiterin der Genbank Gatersleben)
Markt Schwaben

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