Rhöner Landschaft behüten

Weiterentwicklung:

Die Aufrechterhaltung der Projekterfolge ist seit 2016 eine wichtige Aufgabe des Projektträgers, dem Landschaftspflegeverband „BR Thüringische Rhön“ e.V., hierzu hat er sich auch gemeinsam mit dem Freistaat Thüringen verpflichtet und wird von den beiden Landkreisen Wartburgkreis und Schmalkalden-Meiningen finanziell unterstützt. Im Rahmen der Arbeit als Natura 2000-Station „Rhön“, hat der Landschaftspflegeverband die Möglichkeit die umfangreiche Folgebetreuung des Naturschutzgroßprojektes zu koordinieren. Die Schafshutungen mit ihrer Artenausstattung stehen dabei im Mittelpunkt. Hier werden z.B. die Schäfer regelmäßig beraten, um den guten Pflegezustand der Projektflächen zu bewahren. 2016 wurde ein Umweltbildungsprojekt durchgeführt, welches an 16 Terminen über 540 Schüler erreichte. Des weiteren finden jährlich Pflegeeinsätze des Rhöngymnasiums auf Projektflächen statt. Verschiedene Wanderungen entlang des Hexenpfades und des Schäferweges ergänzen das Programm. Hierüber wird regelmäßig auf den Seiten http://www.lpv-rhoen.de/projekte/natura-2000-station/naturschutzgrossprojekt-thueringer-rhoenhutungen-folgebetreuung.html und http://www.lpv-rhoen.de/aktuelles.html berichtet.

Ursprüngliche Bewerbung:

Unser Ziel ist es, die typische Kulturlandschaft der Rhön in ihrer strukturellen Vielfalt und der damit verbundenen faunistischen und floristischen Diversität langfristig zu erhalten. Besonderes Augenmerk gilt hierbei den weitläufigen Kalkmagerrasen der thüringischen Vorderrhön. Der Verwirklichung dieses Ziels kommen wir mit dem Naturschutzgroßprojekt `Thüringer Rhönhutungen` einen großen Schritt näher. Im Fokus des Projektes steht die Wiederherstellung und Optimierung des einzigartigen Biotopverbundes von schafbeweideten Kalkmagerrasen und ihren verschiedenen Ausprägungen wie Kahl- und Wacholderheiden. Dabei werden die Rahmenbedingungen für die Hüteschäferei verbessert und umfangreiche attraktive Naturerlebnisangebote, wie beispielsweise der Schäferweg geschaffen.

Während der gut zehnjährigen Umsetzungszeit (Dez. 2005 - Juni 2016) des Naturschutzgroßprojektes `Thüringer Rhönhutungen` wurde vor allem Landschaftspflege auf den Kalkmagerasen mit regionalen Firmen auf über 400 ha realisiert. Dabei wurden Sukzessionsstadien standortfremder Gehölze wie Fichten und Kiefern beseitigt und es wurden auch flächige Verbuschungen - überwiegend aus Schlehe, Weißdorn und Hartriegel bestehend - entfernt. Das war notwendig, da diese Aufwüchse den Biotopverbund der charakteristischen Hutungen (Schafweiden) unterbrechen. Besonderes Augenmerk legte das Projekt auf den Erhalt der traditionellen Hüteschafhaltung in der Region. Denn nur so können das typische, offene Landschaftsbild und der Lebensraum für viele spezialisierte Arten - und damit die biologische Vielfalt in der Rhön langfristig erhalten bleiben.
Beispielsweise ist eine Leitart des Projektes, die Berghexe (Ch. brizeis), aus der Gruppe der Tagfalter, auf Wärme begünstige und durch Schafbeweidung kurzrasig gehaltene Flächen angewiesen. Der Charaktervogel der Rhön, der Rotmilan, profitiert bei der Nahrungssuche ebenfalls von diesen großen, kurzrasigen Flächen, die oft in direkter Nachbarschaft zu den Bruthabitaten, den naturnahen Buchenmischwäldern liegen. Ausreichend Wärme und Licht lassen auf den kalkhaltigen Böden der Rhön zahlreiche Orchideenarten blühen, die auch auf die Offenhaltung und die Fortführung der traditionellen Beweidung der Flächen angewiesen sind.
Neben der Landschaftspflege wurden in dem Projekt die Schäfer mit ihren Herden unterstützt, indem beispielsweise Tränken gebaut wurden, um die Wasserversorgung der Weidetiere zu verbessern. Des Weiteren konnten zusätzliche Schafe über das Projekt angekauft werden, wobei einige dieser Tiere der regionaltypischen Rasse Rhönschaf zuzuordnen sind.
Wichtig ist neben dem Erhalt der Rhöner Kulturlandschaft mit all ihren Facetten, in enger Zusammenarbeit mit den Flächennutzern, die Information der regionalen Bevölkerung über unseren Einsatz für die biologische Vielfalt. Neben der obligatorischen Anfertigung von Faltblättern und dem Aufstellen von Infotafeln wurde eine 17-teilige Wanderausstellung konzipiert, deren Elemente auf der Homepage des Projektes zur Ansicht eingestellt sind. Die Ausstellung wird regelmäßig in der Region verliehen.
Außerdem wurden die zwei Naturerlebnispfade `Schäferweg` und `Hexenpfad` entwickelt, welche die Besonderheiten der Kalkmagerrasen mit ihrer Artenausstattung und die Bedeutung der Hüteschäferei für das Rhöner Landschaftsbild und die heimische Flora und Fauna thematisieren. Es wurde darauf geachtet, dass nicht nur Lesematerial auf Tafeln bereitgestellt wird, sondern dass die Wanderer dieser beiden Rundwege auch Mitmachelemente vorfinden, die einladen selbst aktiv Dinge (Pflanzen, Tiere, Sichtachsen) entlang der Wege zu entdecken. Abgerundet wird das Angebot durch Exkursionen auf die Kalkmagerasen und Festen die auf die Ziele des Projektes aufmerksam machen und die Bevölkerung einbinden.


Bezug zur biologischen Vielfalt:

Die wertvollen Grünlandflächen entstanden durch Jahrhunderte andauernde Schafbeweidung und weisen in der Rhön bemerkenswerte Ausdehnungen auf. Kalkmagerrasen und ihre Variationen gehören zu den artenreichsten Lebensräumen in Mitteleuropa. Besonders typisch für die Rhön ist ihre enge Verzahnung mit Kalkflachmooren und Hangquellmooren, Hecken sowie Streuobstwiesen. Viele Wärme liebende Arten, beispielsweise aus den Gruppen der Vögel, Tagfalter und der Heuschrecken sowie der Blütenpflanzen finden hier einen Lebensraum. Aber auch Pilz- und Flechtenarten weisen in der Rhön einen hohen Artenreichtum auf. Nicht zuletzt ist die Rhön Heimat einer Vielzahl seltener und alter Apfelsorten, die zum Teil nur in dieser Region zu finden sind.
Die Diversität innerhalb der Lebensräume, bei den Arten und die Vielfalt in der genetischen Ausstattung repräsentieren die Merkmale der biologischen Vielfalt beispielhaft. Dieses Inventar der Rhön lässt das kleine Mittelgebirge im Dreiländereck Bayern, Hessen und Thüringen zu den dreißig ´Hotspotregionen der biologischen Vielfalt´ in Deutschland zählen.


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Dokumente

Um die Öffentlichkeit noch verstärkter auf ´Rhöner Landschaft behüten´ aufmerksam zu machen, wurde 2016 ein Umweltbildungsprojekt initiiert (Presseartikel Meininger Tageblatt, Sept. 2016)

 

Besuchen Sie uns

Landschaftspflegeverband "BR Thüringische Rhön" e.V.

Pförtchen 15
98634 Kaltensundheim

Öffnungszeiten: Mo - Do 7 - 17 Uhr, Fr 7 - 14 Uhr

Frau Petra Ludwig
lpv.rhoen@t-online.de
http://www.lpv-rhoen.de/projekte/naturschutzgrossprojekt-thueringer-rhoenhutungen.html

 

Weitere Infos

Lanschaftspflegeverband "BR Thüringische Rhön" e.V.
Kaltensundheim

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