Streuobstgenussschein - Biologische Vielfalt genießen.

Weiterentwicklung:

In den Jahren 2016/17 wurden 4 weitere SOS-Förderprojekte gestartet und bei der Pflege bzw. Neuanlage ihrer Streuobstwiesen unterstützt. Der mehrmals im Jahr tagende, ehrenamtliche Streuobst-Vergaberat hat gemeinsam Pflanz- und Pflegestandards diskutiert sowie eine Pflanzanleitung erarbeitet, die den SOS-geförderten Projekten sowie Interessierten zur Verfügung gestellt wird. Neben dem Wirken im Streuobstnetzwerk durch Präsenz auf Tagungen, in eigenen Workshops oder bei Saftfesten wurde der Streuobstgenussschein auch einem erweiterten Publikum vorgestellt, u.a. auf der Grünen Woche 2017 in Berlin. Gemeinsam mit dem Streuobstnetzwerk MV wurde der Streuobstgenussschein am 08. November 2017 mit dem Umweltpreis des Landtages MV ausgezeichnet. Die Ehrung ist verbunden mit einem Preisgeld von 5.000 € und fand im neuen Plenarsaal des Landtages im Schweriner Schloss statt. Gerade im schwierigen Obstjahr 2017 war es für die SOS-Akteure interessant zu beobachten, welche alten Obstbaumsorten, trotz Frühjahrsfrost und verregnetem Sommer, dennoch blühten, Bienen und Hummeln anlockten und später im Herbst auch Früchte trugen.

Ursprüngliche Bewerbung:

Streuobstwiesen gehören zu den artenreichsten Biotopen in Mitteleuropa und sind deshalb für den Erhalt der Biologischen Vielfalt unverzichtbar. Sie können in Konkurrenz etwa zu Plantagen meist nicht wirtschaftlich betrieben werden, da ihr Beitrag zum Erhalt der Biologischen Vielfalt (noch) nicht ausreichend durch den Markt honoriert wird. Der Streuobstgenussschein ist ein ökologisches Wertpapier zur Inwertsetzung dieser biologischer Vielfalt auf Streuobstwiesen. Ein Streuobstgenussschein kostet 10 Euro und steht für ein Jahr Pflege und Erhalt eines Obstbaumes auf einer Streuobstwiese in Mecklenburg-Vorpommern. Zehn Genussscheine ermöglichen Neuanlage und Pflanzschnitt eines Streuobstbaumes.


Die Erhöhung des Flächenanteils von Streuobstwiesen als naturschutzfachlich wertvolle Agrarbiotope ist Ziel der deutschen Biodiversitätsstrategie. Darüber hinaus spielen die Streuobstwiesen in den Biodiversitätszielen verschiedener Länder eine große Rolle, so auch im Konzept zur "Erhaltung und Entwicklung der Biologischen Vielfalt in Mecklenburg-Vorpommern". Hier werden explizit der Erhalt und die Mehrung hochstämmiger Streuobstbestände gefordert.

Die Biologische Vielfalt zu erhalten, gehört zu den größten Herausforderungen überhaupt. Schätzungen gehen davon aus, dass hierfür jährliche Investitionen von mehr als 200 Milliarden Euro notwendig sind. Diese Zahl verdeutlicht, dass neben öffentlichen Geldern auch privates Kapital zur Erreichung dieser Ziele mobilisiert werden muss. Hierfür sind geeignete marktgängige Instrumente zu entwickeln. Der Streuobstgenussschein leistet genau hier einen wichtigen Beitrag.

Der Streuobstgenussschein-Standard sichert hierbei Qualität und Vertrauenswürdigkeit der geförderten Projekte. Alle Projekte sind nachhaltig angelegt und dienen der Verbesserung der biologischen Vielfalt. Sie sind transparent und grundsätzlich für Genussschein-Käufer und Interessierte offen bzw. begehbar. Eine langfristige 10-Jahres-Vereinbarung sichert die Kontinuität mit Blick auf die potentielle Lebensdauer der Hochstämme. Der Streuobst-Vergaberat entscheidet über die Mittelvergabe und führt die unterschiedlichen Fachdiskussionen - zur Biodiversität, Obstkunde, Obstbaumpflege, Regionalentwicklung sowie zur Bildung für Nachhaltige Entwicklung - zusammen. Zur Umsetzung der Projektförderung begleiten akkreditierte Fachberater der Obstbaumpflege die Streuobstakteure vor Ort.

Mit dem Erwerb des Genussscheins sind keine Anrechte auf Ernteprodukte verbunden - das Geld kommt ausschließlich dem Erhalt bzw. der Anlage des Lebensraumes Streuobstwiese zugute.

Das Projekt wurde am 9. April 2015 mit einer Pflanzaktion in der Streuobstwiese am Schullandheim Gehren gestartet.

Bezug zur biologischen Vielfalt:

Streuobstwiesen sind Sinnbild einer naturverträglichen Landnutzung mit blühenden Bäumen und gesunder Nahrung. Sie gehören zu den artenreichsten Lebensräumen Mitteleuropas: bis zu 5.000 Tier- und Pflanzenarten leben hier. Schmetterlingen, Bienen und Hummeln, Mäusen, Hasen und Rehen, ja sogar Siebenschläfern dient die Streuobstwiese als Lebensraum und Nahrungsquelle. Gleichzeitig erbringen Streuobstwiesen eine Reihe unverzichtbarer Ökosystemleistungen. So wird die Bestäubungsleistung innerhalb der Region merklich erhöht. Streuobstwiesen schützen wertvolle Böden vor Erosion, sie filtern Grundwasser und sind summende, lebendige Lichtblicke einer verarmenden Natur und Landschaft.

Die Biodiversität von Streuobstwiesen zeigt darüber hinaus auch in der Sortenvielfalt der Obstbäume selbst: mehr als 1.200 Apfel-, 1.000 Birnen-, 250 Kirsch- und 320 Zwetschgensorten sind (noch) bekannt. Streuobstwiesen stellen damit ein bedeutendes Genreservoir dar. Schließlich sind sie auch wichtige Trittsteinbiotope und Verbindungskorridore zwischen unterschiedlichen, ökologisch wertvollen Lebensräumen.

Zu den wichtigen schützenswerten Arten in Streuobstwiesen gehören die Wildbienen. Von den mehr als 550 in Deutschland bekannten Arten ist etwa die Hälfte vom Aussterben bedroht. Andererseits sind 80 Prozent aller heimischen Blütenpflanzen auf die Bestäubung durch Bienen angewiesen. Der Bienenlebensraum Streuobstwiese erbringt somit Leistungen, die über die Streuobstwiese weit hinausreichen.


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Dokumente

Streuobstgenussschein - Flyer

PM: Umweltpreis des Landtags MV 2016/17 geht an das Streuobstnetzwerk MV und den Streuobstgenussschein

PM: Startschuss des Streuobstgenussscheins am 09. April 2015 mit Umweltminister Dr. Till Backhaus

 

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