Senner Pferde zur Förderung der Biodiversität in der Senne

Seit dem Jahr 2000 setzt die Biologische Station Kreis Paderborn - Senne in Zusammenarbeit mit der Stiftung Europäisches Naturerbe (EuroNatur) Senner Pferde zur Beweidung auf trockenen, nährstoffarmen Sandflächen in der Senne ein. Durch ihr spezielles Bewegungs- und Fressverhalten schaffen die Pferde eine hohe Struktur- und Artenvielfalt auf diesen Flächen. Das Beweidungsprojekt leistet zudem einen wichtigen Beitrag zur Erhaltung einer vom Aussterben bedrohten regionalen Haustierrasse.

Senner Pferde sind eine alte, vom Aussterben bedrohte Haustierrasse. Vom Mittelalter bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts waren sie im Besitz der lippischen Fürsten und lebten halbwild auf dem Gebiet des heutigen Truppenübungsplatzes Senne und im angrenzenden Teutoburger Wald.

Auf Grund der rauen Lebensbedingungen in der kargen Heide- und Waldlandschaft der Senne bildete sich im Laufe der Jahrhunderte eine robuste, ausdauernde und trittsichere Pferderasse heraus. Senner Pferde wurden in ihrer langen Geschichte bis heute gerne als Reitpferde für das Militär und für den Reitsport eingesetzt. Die ganzjährig frei lebenden Pferde wurden einmal im Jahr zusammengetrieben, die als Reitpferde geeigneten Junghengste entnommen und die Stuten wieder in die weite Sennelandschaft entlassen. Erst seit Beginn des 19. Jahrhunderts wurden die Tiere aufgestallt. Heute sind die wenigen verbliebenen Tiere in der Hand privater Züchter, z.B. bei der Biologischen Station Kreis Paderborn - Senne.

Seit dem Jahr 2000 setzt die Biologische Station in einem Versuchsprojekt Senner Pferde für die Landschaftspflege auf trockenen, nährstoffarmen Sandflächen ein. Die Heiden und Magerrasen der Senne werden traditionell zwar von Schafen und Ziegen beweidet. Durch den Einsatz von größeren Tieren mit einem anderen Bewegungs- und Fressverhalten erhofft sich die Biologische Station aber eine Verbesserung der Struktur- und Artenvielfalt auf diesen Flächen.

Im Vergleich zu Schafen und Ziegen sind Pferde schwerer und sie bewegen sich schneller und kraftvoller auf den Flächen. Dadurch verletzen sie die Grasnarbe wesentlich stärker. Außerdem scharren Pferde kleine offene Bodenstellen frei und vergrößern diese zuerst mit ihren Hufen. Sobald sie eine gewisse Größe haben, wälzen sich die Tiere darin und pflegen damit ihr Fell.

Diese offenen Sandstellen sind Kleinlebensräume, die in der "Normallandschaft" nur noch selten zu finden sind. Für zahlreiche Tiere sind es wichtige Brut- und Fortpflanzungsstätten, z.B. für viele Solitärbienen, für den Dünen-Sandlaufkäfer, für Ameisenlöwen und für die Zauneidechse, die ihre Eier im Sand vergräbt und von der Sonne ausbrüten lässt. Viele kleinwüchsige, konkurrenzschwache Pflanzenarten profitieren von den neu geschaffenen offenen Sandstellen (z.B. Pionierarten wie Frühlings-Spörgel, Silbergras oder Mausohr-Habichtskraut). Und davon profitieren wiederum blütenbesuchende Insekten.

Ergebnisse der begleitenden Untersuchungen zeigen, dass sich Arten- und Individuenzahlen bei vielen relevanten Tiergruppen durch die Pferdebeweidung erhöht haben. Außerdem ist zu beobachten, dass sich in der von Gräsern dominierten Weidefläche auf kleinen offenen Sandstellen, die durch den Tritt der Pferde geschaffen wurden, das Heidekraut ausbreitet.

Die Weidefläche der Senner Pferde der Biologischen Station liegt im Naturschutzgebiet "Moosheide" (Nordrhein-Westfalen, Kreise Paderborn und Gütersloh). Von Mai bis Oktober/November weiden 5 bis 10 Tiere (je nach Aufwuchs im jeweiligen Jahr) auf ca. 20 Hektar in der Nähe der Emsquellen. Im Winter kommen die Tiere auf andere Weideflächen.

Viele Besucherinnen und Besucher des Naturschutzgebietes, des nahe gelegenen Emsinformationszentrums und Radfahrer auf dem Emsradweg interessieren sich für das Projekt. Die Biologische Station bietet daher regelmäßige Führungen zum Projekt an.

Die Biologische Station hat das Projekt aus eigener Initiative entwickelt. Seit 2005 wird es von der Stiftung Europäisches Naturerbe (EuroNatur) finanziell unterstützt. Die finanzielle Unterstützung durch EuroNatur sichert die Verwaltungsarbeiten und die notwendigen Sachkosten für das Projekt ab (z.B. Tierarzt, Winterfutter, Hufschmied). Bei der Zucht arbeitet die Biologische Station eng mit dem Zuchtverband für Senner Pferde e.V. zusammen.

Die praktischen Arbeiten werden von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Biologischen Station erledigt, die ein freiwilliges ökologisches Jahr oder den Bundesfreiwilligendienst ableisten. Die zeitaufwändigen regelmäßigen Kontrollen übernehmen Vereinsmitglieder ehrenamtlich. Und auch die Wasserversorgung wird ehrenamtlich von der Feuerwehr in Hövelhof übernommen.

Offene Sandstellen sind aus Sicht des Naturschutzes sehr wertvolle Lebensräume für viele gefährdete und stark spezialisierte Pflanzen und Tiere. Das Projekt der Biologischen Station Kreis Paderborn – Senne dient dazu, diese Klein-Lebensräume durch Pferdebeweidung zu erhalten und zu entwickeln. Damit werden die Lebensmöglichkeiten vieler seltener und gefährdeter Pflanzen und Tiere der historischen Heidelandschaft verbessert und die biologische Vielfalt gefördert. Außerdem leistet das Projekt einen Beitrag zur Erhaltung einer vom Aussterben bedrohten regionalen Haustierrasse mit einer interessanten Geschichte.

Die bisherige gute Zusammenarbeit der Projektpartner und die gute ehrenamtliche Unterstützung lassen erwarten, dass dieses Projekt auch in der Zukunft erfolgreich weitergeführt werden kann.


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Dokumente

Roll-Up für die Öffentlichkeitsarbeit der Biologischen Station und der Stiftung Europäisches Naturerbe für das Beweidungsprojekt mit Senner Pferden.

 

Besuchen Sie uns

Wildbahn Senner Pferde im Naturschutzgebiet "Moosheide"

Emser Kirchweg
33161 Hövelhof

Öffnungszeiten: von Mai bis Oktober für Besucher zugänglich

Peter Rüther

 

Weitere Infos

Biologische Station Kreis Paderborn - Senne
Hövelhof

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