Lecker, bunt und wertvoll. Die Vielfalt der Obstsorten in Markt Berolzheim

Weiterentwicklung:

Die bestehenden Kooperationen mit Verbänden, Behörden, Nutzergruppen und Bürgern wurden intensiviert. Zahlreiche gemeinsame Baumschnitt- und Pflanzaktionen fanden statt. Der alte, wertvolle Baumbestand konnte gesichert und verjüngt werden. Die besonders seltenen Sorten wurden in einer Baumschule nachgezogen und im Gemeindegebiet wieder ausgepflanzt. Die naturschutzfachlich wertvollsten Bereiche wie z.B. die Kalkflachmoore wurden freigestellt und gepflegt. Zahlreiche weitere Pflegeeinsätze mit Vereinen, Verbänden und Bürgern trugen dazu bei, die Biologische Vielfalt vor Ort zu erhalten. Ergänzend wurden die Kirschsorten kartiert und in das Pflegekonzept aufgenommen. Im Frühjahr 2017 kann mit der Sanierung eines Fledermauskellers begonnen werden. Darüber hinaus wurden neue Kooperationen aufgebaut. Mit der beruflichen Schule 11 in Nürnberg (Schreiner) wurden Fledermauskästen gebaut und vor Ort installiert. Die LBV-Umweltstation Altmühlsee (Qualitätssiegel „umweltbildung.bayern“) konnte als Projektpartner gewonnen werden und wurde beauftragt, ein Umweltbildungsprogramm für Mittelschule und Kindergarten Mark Berolzheim zu entwickeln und durchzuführen. Auch in der Öffentlichkeit wurde das Projekt verstärkt kommuniziert. Die vorhandene Internetseite wurde laufend aktualisiert und durch einen neuen Bereich „Aktionen“ erweitert (http://www.lebensraum-buchleite.de/aktuelles) unter dem alle Aktivitäten dokumentiert werden.

Ursprüngliche Bewerbung:

Äpfel sind Heimat – und Streuobstwiesen sind Kultur. Beim Stichwort „Alte Obstsorten“, bei Namen wie „Goldparmäne“ oder „Cox orange“ werden bei vielen Menschen Kindheitserinnerungen und Vorstellungen von vergangener Landidylle wach. Weniger bekannt ist, dass die Sortenvielfalt der Kulturpflanzen ein gefährdetes kulturelles Erbe darstellt und ihr Verschwinden ein grundsätzliches Problem ist, das auf Dauer die Ernährungsgrundlagen der Menschheit bedroht.

Streuobstwiesen sind ein prägender Bestandteil unserer Kulturlandschaft. Sie umgaben früher die meisten Dörfer wie ein schmückender Kragen – fröhlich blühend im Mai, fruchtbringend und nahrhaft im September und Oktober, ein lebendiger Teil der Landschaft das ganze Jahr hindurch.

Mittelfranken hat aufgrund seiner Geografie, seines Klimas und seiner Bodenbeschaffenheit eine lange und große Tradition beim Obstanbau. August Friedrich Adrian Diel, einer der Begründer der Pomologie, bezeichnete um das Jahr 1800 Franken als „Wiege der deutschen Obstkultur“. Äpfel spielten seit jeher im Jahreslauf eine wichtige Rolle für die Ernährung; manche Sorten wie die Goldparmäne wurden seit dem Mittelalter durchgehend kultiviert.

In Markt Berolzheim hat sich diese Vielfalt hervorragend erhalten. Im Gemeindegebiet wurden allein 90 Apfelsorten nachgewiesen, vom Adersleber Kalvill bis zur Zabergäurenette, dazu 40 Birnen- und ein Dutzend weitere Obstsorten. Vielfalt entsteht stets durch die Anpassung an unterschiedlichste Klima- und Bodenverhältnisse. Diese Bandbreite und die Mischung früher und später Sorten bei der Anlage von Streuobstwiesen oder Obstgärten verringerten das Risiko eines Totalausfalls. Zwar waren viele Sorten in der Regel nicht so ertragreich wie heutige Hochleistungssorten, aber durch die breite Streuung ihrer Eigenschaften bildeten sie ein stabiles System, das auf Störungen flexibel reagieren konnte. Sie stellen ein reichhaltiges genetisches Reservoir dar, das auch die Möglichkeit zur Anpassung an künftige Entwicklungen bereithält, zum Beispiel an den Klimawandel.

Sortenvielfalt ist ein kulturelles Erbe, das in vielen Jahrhunderten entstanden ist und nun in kürzester Zeit vernichtet zu werden droht, da die alten Streuobstbestände oft nicht mehr genutzt werden. Viele der Bäume existieren nur noch in wenigen Exemplaren und sind zudem überaltert. Von der "Rötlichen Renette" beispielsweise, einer früher weit verbreiteten Sorte, die zwischenzeitlich als verschollen galt, existiert in Markt Berolzheim nur noch ein einzelner Altbaum. Besondere Aufmerksamkeit verdient auch die Weiße Herbstbutterbirne, von der in Markt Berolzheim ebenfalls nur noch ein Altbaum vorhanden ist - nach aktuellem Kenntnisstand der einzige noch bekannte Altbaum in Deutschland! Auch deshalb muss das Bewusstsein für dieses Thema immer wieder neu geweckt werden, damit die Vielfalt dauerhaft erhalten werden kann.

Das Projekt setzt auf unterschiedlichen Ebenen an, damit die Vielfalt der Obstsorten in Markt Berolzheim, deren Wirkung im Ökosystem und in der Kulturlandschaft erhalten bleibt. Es ist Teil der Bayerischen Biodiversitätsstrategie und wird gemeinsam von der Marktgemeinde Markt Berolzheim, dem Landschaftspflegeverband Mittelfranken, der Unteren Naturschutzbehörde sowie der Regierung von Mittelfranken mit den Bürgern vor Ort umgesetzt.

Die Maßnahmen:
−Es wurden Obstbäume im gesamten Gemeindegebiet (Naturschutzgebiet und Privatgärten) kartiert.
−Seltene, regionaltypische Sorten wurden in einer Baumschule vermehrt, sodass bereits wieder junge Bäume an interessierte Personen abgegeben werden und an geeigneten Stellen u.a. in Privatgärten und auf öffentlichem Grund nachgepflanzt werden konnten.
−Mitglieder des Kulturlandschaftsvereins haben sich zum Baumwart ausbilden lassen, um die vorhandenen Bäume langfristig fachgerecht pflegen und erhalten zu können.
−Ergänzend wurde die Artenvielfalt in den Streuobstwiesen und den angrenzenden Lebensräumen untersucht um die Nutzung und Pflege der Flächen auf die naturschutzfachlichen Erfordernisse abzustimmen.
−Im Gelände informieren Tafeln über das Naturschutzgebiet und die Obstbäume.
−An einzelnen Bäumen angebrachte Schilder mit QR-Codes eröffnen die Möglichkeit, sich mit dem Smartphone noch im Gelände über einzelne Sorten zu informieren.
−Die aufwendig gestaltete interaktive Webseite www.lebensraum-buchleite.de stellt die einzelnen Sorten, aber auch die Tier- und Pflanzenarten sowie deren Lebensräume, in Wort und Bild vor.
−Die Ergebnisse der Kartierung (Gesamtartenlisten) sowie Steckbriefe von ausgewählten Arten sind hier ebenfalls einsehbar.
−Begleitende Öffentlichkeitsarbeit (Führungen, BayernTour Natur) rundet das Angebot ab.

Mit diesen Maßnahmen soll die biologische Vielfalt (genetische Vielfalt der Obstsorten, die Vielfalt der Arten und Lebensräume) erhalten werden. Dies gelingt beispielhaft durch das Zusammenwirken aller Projektpartner und durch die starke Identifikation der Bevölkerung vor Ort mit dem Projekt.

Bezug zur biologischen Vielfalt:

Mit dem Projekt wird ein wichtiger Beitrag zum Erhalt der Biologischen Vielfalt geleistet, in dem Maßnahmen ergriffen werden, die die Vielfalt der Tier- und Pflanzenarten , die genetische Vielfalt (z.B. Obstsorten) und die Vielfalt der Lebensräume erhalten und verbessern. Unser begleitendes Umweltbildungsprogramm soll den Blick für den Wert und die Schönheit der Biologischen Vielfalt schärfen.


Bild 1
Bild 2

Bild 3
Bild 4

Dokumente

Liste der im NSG Buchleite kartierten Tier- und Planzenarten (Nur untersuchte Gruppen)

Liste der im Gemeindegebiet Markt Berolzheim kartierten Obstsorten

 

Besuchen Sie uns

Rundgang durch das Naturschutzgebiet Buchleite

Falbenthaler Weg (Wanderparkplatz)
91801 Markt Berolzheim

Öffnungszeiten: immer

Herr Dr Stefan Böger
poststelle@reg-mfr.bayern.de
http://www.lebensraum-buchleite.de

 

Weitere Infos

Regierung von Mittelfranken Sachgebiet Naturschutz Herr Dr. Stefan Böger Promenade 27 91522 Ansbach
Markt Berolzheim

Aktuelles, Projekte und Termine in unserem Newsletter
*Pflichtfeld