To hus is best

Großflächige, naturnahe Lebensräume sind selten geworden. Umso bedeutsamer ist die besondere Naturausstattung auf dem ehemaligen Standortübungsplatz Wittenborn.

Bemerkenswert sind vor allem wertvolle Randstrukturen in Übergangsbereichen zwischen Wald- und Offenlandbiotopen und höhlenreiche Altbäume. Während der militärischen Nutzung bis ins Jahr 2009 kamen keine Pestizide zur Anwendung, so dass auch heute noch zahlreiche seltene und gefährdete Arten vorkommen. Vorkommen von Wespenbussard und Neuntöter sind ein Hinweis auf den Insektenreichtum des Gebietes. Die naturnahen Bedingungen bieten Fledermäusen wie Fransenfledermäusen und Braunen Langohren optimale Voraussetzungen.

Herzstück des Projektes ist ein Übungshaus auf einer Waldlichtung, das aus der Zeit der militärischen Nutzung stammt. Im Rahmen eines Rückbauvorhabens sollte es abgerissen werden – doch aufgrund der günstigen Voraussetzungen entschied man anders: die Idee zur „Fledermausstation Wittenborn“ war geboren! Das Besondere an diesem Vorhaben ist der experimentell-wissenschaftliche Ansatz. Ziel ist die langjährige Untersuchung der Eignung unterschiedlicher Quartiertypen für die verschiedenen Fledermausarten, die an Gebäuden ihre Sommer- oder Winterquartiere suchen.

Im nahen Bad Segeberg befindet sich mit der „Segeberger Kalkberghöhle“ ein europaweit bedeutsames Winterquartier für Fledermäuse. Hier werden jährlich etwa 20.000 Individuen registriert. Der räumlich-funktionale Bezug des Projektgebietes zu dieser Höhle ist unverkennbar: Auf ihren Wanderungen jeweils im Herbst und im Frühjahr sind Fledermäuse auf Gebiete mit einem Potential als Jagdrevier angewiesen. Im Sommer sind Habitatstrukturen wie in Wittenborn als Jagdhabitate oder Balzreviere unverzichtbar.

Da bundesweit die Bereitschaft wächst, den schützenswerten Fledermäusen Quartiere zu bieten, aber es gleichzeitig noch an Erfahrungen mangelt, welche Maßnahmen tatsächlich zum Erfolg führen, wurde im Herbst 2012 eine Projektgruppe zur Erforschung und zum Erhalt der örtlichen Fledermausfauna ins Leben gerufen. Das Projektteam besteht aus dem Noctalis Fledermauszentrum, der landesweit tätigen Faunistisch-Ökologischen Arbeitsgemeinschaft und dem Bundesforstbetrieb Trave, der für die forstliche und naturschutzfachliche Betreuung der Bundesliegenschaft verantwortlich ist.

Ein vierstöckiges Gebäude auf einer Waldlichtung sollte eigentlich abgerissen werden – doch das ehemalige Übungshaus der Bundeswehr wurde dem Artenschutz gewidmet. So wurden Fensteröffnungen vermauert, das Dach ertüchtigt und eine Regenwasserzuleitung angelegt. Anschließend wurden die Außenfassade und alle vier Etagen mit diversen Quartieren aus unterschiedlichen Materialien ausgestattet, um Fledermäusen eine breite Palette an geeignetem Wohnraum zu bieten.

Alle Stockwerke bieten unterschiedliche klimatische Bedingungen. Da klimatische Verhältnisse eine Schlüsselrolle einnehmen, begann schon zu Projektbeginn ein Klimamonitoring. So können später Zusammenhänge zwischen der Besiedlung der Quartiere und den klimatischen Unterschieden hergestellt werden.

Das Projektteam hofft mit der „Fledermausstation Wittenborn“ neue Erkenntnisse im Hinblick auf spezielle Quartieranforderungen zu gewinnen und belastbare Daten über die Nutzung verschiedener Quartierangebote durch die unterschiedlichen Fledermausarten zu erhalten.

Durch ein langjähriges Monitoring werden Aussagen über die Eignung bestimmter Quartiertypen möglich. In Führungen oder wissenschaftlichen Veröffentlichungen werden diese Ergebnisse dem interessierten Fachpublikum zugänglich gemacht. Waldbesucher zeigten bereits großes Interesse an diesem Projekt. Seit der pressewirksamen Eröffnung der Fledermausstation am 28. März 2014 hat sich im Verlauf von Führungen gezeigt, dass man am Gebäude anschaulich über Fledermäuse und geeignete Quartiergestaltungen referieren kann. Als nächsten Schritt plant Bundesforst eine bundesweite Fortbildung in der Region - unter anderem, um auf die Möglichkeit der Umgestaltung von ehemals militärischen Gebäuden hinzuweisen.

Die Fledermausforschungsstation wird laufend weiter entwickelt. Durch die modulare Bauweise der
Fensterverschalungen war es möglich, zusätzlich neue Fledermauskästen zu montieren.

Bei der jüngsten Winterquartierkontrolle im Januar 2016 wurde als erster wissenschaftlicher Nachweis ein Braunes Langohr im frostfreien Kellergeschoss nachgewiesen. Als Pionierart unter Traditionalisten ist das Braune Langohr ein Indiz für eine gelungene Quartiergestaltung.

Mittlerweile reift eine neue Projektidee in den Köpfen der Projektpartner heran: Die Wiederansiedlung der Bechsteinfledermaus in den Wäldern Schleswig-Holsteins. Für ein erfolgversprechendes Monitoring ist ein geeignetes Kastenrevier im benachbarten Waldbestand geplant.

Die „Fledermausforschungsstation Wittenborn“ hat den Charakter eines naturschutzfachlichen Leuchtturmprojekts in Norddeutschland!

Bundesforstbetrieb Trave
Mölln

Bezug zur biologischen Vielfalt:

Die Naturausstattung auf dem ehem. StOÜbPl Wittenborn zeichnet sich unter anderem durch wertvolle Randstrukturen in den Übergangsbereichen zwischen Wald- und Offenlandbiotopen und durch höhlenreiche Altbäume aus. Anhand der artenreichen Fledermausfauna können mittels diverser Quartiertypen am und im früheren Übungshaus unterschiedliche Ansprüche der Arten untersucht werden. Durch die gesammelten Daten eines langjährigen Monitorings werden konkrete Aussagen über die Eignung bestimmter Gestaltungsmaßnahmen möglich.


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Dokumente

Ausführliche Projektbeschreibung

 

Besuchen Sie uns

Fledermausforschungsstation Wittenborn

auf dem ehem. Standortübungsplatz Wittenborn
bei Bad Segeberg

Öffnungszeiten: Besichtigung nur nach Vereinbarung

Herr Bernd von Kamptz
Tel.:04542 - 85670-23
Bernd.vonKamptz@bundesimmobilien.de
http://www.bundesimmobilien.de

 

Weitere Infos

Bundesanstalt für Immobilienaufgaben Sparte Bundesforst Bundesforstbetrieb Trave Tel.: 04542 - 85670-0 bf-tra@bundesimmobilien.de
Bad Segeberg

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