Am Wilden Fluss - die Werra einmal anders

Nur wenige Flussabschnitte in Deutschland sind wie die Werraaue zwischen Frankenroda und Falken nicht von Fernverkehrsstraßen, Bahntrassen oder Siedlungen zerschnitten und damit relativ ungestört. Die von den Felsköpfen des Werraprallhanges bei Probsteizella und den bewaldeten Hängen des tief eingeschnittenen, engen Flusstales geprägte Landschaft ist von außerordentlicher Schönheit und als Ausflugsziel inzwischen überregional bekannt.

Bereits im Jahr 1995 begann der Naturpark "Eichsfeld-Hainich-Werratal" mit der Erstellung und schrittweisen Umsetzung eines Nutzungs- und Entwicklungs¬konzeptes, das die landschaftliche, touristische und ökologische Aufwertung der Werraschleife zum Ziel hat. Um diesen Gewässerabschnitt für die Belange der Flussgebietsentwicklung langfristig zu sichern hat der Freistaat Thüringen in den vergangenen Jahren 38,6 ha Flächen angekauft.
Nachdem es im Jahr 2012 gelungen ist, am westlichen Werraufer die letzte Lücke im Grunderwerb zu schließen, nahm sich die Stiftung Naturschutz Thüringen der Weiterentwicklung der bereits bestehenden Planungen an und beschloss im Stiftungsrat, ein Eigenprojekt zur Umsetzung von Naturschutzmaßnahmen in der Werraaue bei Frankenroda mit Mitteln aus der Ausgleichsabgabe durchzuführen. Die Stiftung beauftragte eine Variantenplanung, die in der Öffentlichkeit mehrfach diskutiert wurde. Für die in den verschiedenen Diskussionsrunden auf breiter Basis akzeptierte Vorzugsvariante wurde eine Plangenehmigung erteilt, auf deren Grundlage wiederum die Ausführungsplanung erstellt werden konnte. Auf 700 m Länge wurden im Auftrag der Stiftung Naturschutz Thüringen umfangreichen Baumaßnahmen durchgeführt und im Juli 2014 abgeschlossen. Das Gesamtprojekt hatte einen Finanzumfang von ca. 360.000 €. Planung und Bauleitung lagen in den Händen des Büros für Grün- und Landschaftsplanung Ines Andraczek in Zusammenarbeit mit dem Ingenieurbüro Meinecke.
Durch die Aufweitung des Fließgewässerquerschnitts der Werra wurde in einem Teilbereich das Kastenprofil der Werra in ein naturnahes Flussprofil mit vielfältigen Strukturen umgewandelt und der eigendynamischen Entwicklung neuer Raum gegeben. Selbstverständlich gehörte dazu auch die Berücksichtigung der Wasserwanderwege, ebenso wie der Abflusssituation im Hochwasserfall.
Neben der Werraaufweitung und Geländemodellierungen wurden im Rahmen des Projektes "Fluss- und Auenrenaturierung Werraaue Frankenroda" ein Mönch am Teich jenseits der Probsteizella saniert, der Teich entschlammt und ein Teichüberlauf zur Initiierung eines Feuchtgebietes geschaffen.
Die durchgeführten Maßnahmen erhöhen die biologische Vielfalt in der Landschaft und schaffen auetypische Lebensräume wie Uferabbrüche, temporäre und dauerhafte Kleingewässer sowie Rohbodenstandorte für Gelbbauchunke, Eisvogel u.v.a. Darüber hinaus dienen sie aber auch der Umweltbildung und der Erweiterung der Erkenntnisse zur Auenökologie. So führte die Landschaftsplanerin Frau Andraczek u.a. Studenten der Bauhausuniversität Weimar im Rahmen des Bachelorstudienganges Wasserbau (Präsenzphase des Kurses "WW44 – Gewässerentwicklungsplanung“), Vertreter der Universität Kassel und das Referat Wasserbau der Thüringer Landesanstalt für Umwelt und Geologie zu Exkursionen in das Projektgebiet. Auch ist der Umwelt- und Naturschutzverein „Am Hainich“ in die Projektarbeit einbezogen worden und wird auch dort in den nächsten Jahren Beobachtungen zur Entwicklung durchführen (Schwerpunkt: Vögel, insbesondere in der Zug- und Rastzeit).
Die breite Öffentlichkeit wird im Rahmen verschiedener Maßnahmen der Naturparkverwaltung Eichsfeld-Hainich-Werratal angesprochen. Sie hat den vorhandenen Wanderweg aufgewertet, ein „Sichtfenster“ mit einer zweiten Informationstafel eingerichtet und das vorhandene Faltblatt „Naturerleben im Werratal“ soll, erweitert durch die Projektvorstellung "Fluss- und Auenrenaturierung“, neu aufgelegt werden. Geführte Wanderungen und spezielle Projekttage mit Schulklassen(siehe Veranstaltungskalender Naturpark) transportieren die Ziele und Erfolge des Projektes zu den Menschen vor Ort und den Besuchern in der Region. Des Weiteren wurden die umliegenden touristischen Anbieter speziell über dieses Projekt informiert und im Sinne einer möglichst naturschonenden touristischen Nutzung der Werraschleife geschult (Reiterhof und zwei Kanubetreiber).
Selbstverständlich ist der landwirtschaftl. Nutzer seit Anbeginn in die Planung und Umsetzung aller Maßnahmen mit einbezogen. So zum Beispiel sichert die Beweidung nicht nur eine nachhaltige Nutzung und die Förderung der Wiesenbrüter, sondern dient auch als Mittel zur Besucherlenkung.
Ein besonderes Highlight war Anfang Oktober 2014 der Projekttag des deutsch-rumänischen Jugendcamps. Unter Anleitung wurden Tierarten erfasst sowie Vegetations-und Gewässeruntersuchungen zur Dokumentation der biologischen Vielfalt vorgenommen. Seit 2007 werden in der Werraaue spezielle Dauerbeobachtungsflächen im Rahmen studentischer Projekte untersucht.


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Weitere Infos

Stiftung Naturschutz Thüringen, Naturparkverwaltung Eichsfeld-Werratal, Büro für Grün- und Landschaftsplanung
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