Das Birkwild in der Rhön - Flaggschiff der Biodiversität eines Landschaftsjuwels

Das „Birkwild in der Rhön“ – langjähriges Engagement für ein Juwel der Artenvielfalt

Das Birkhuhn ist ein Vertreter der Raufußhühner, der in Deutschland außerhalb der Alpen nur mehr in kleinen Populationen in der Lüneburger Heide, der Rhön und im Grenzgebiet zu Tschechien vorkommt. Deshalb steht es diesem Projekt in der Rhön aufgrund seiner hohen Ansprüche an Lebensraumgröße und -qualität als Leitart voran. Seit ca. 40 Jahren engagiert sich die Wildland-Stiftung Bayern als Naturschutzorganisation des Bayerischen Jagdverbands für den Erhalt dieser hoch sensiblen und vom Aussterben bedrohten Hühnerart in der Langen Rhön. Mit dem Ankauf von Flächen sicherte die Stiftung bereits seit den 70er Jahren wichtige Teillebensräume. Seit der Anstellung von Diplombiologe Torsten Kirchner als Gebietsbetreuer für das Naturschutzgebiet „Lange Rhön“ im Biosphärenreservat Rhön im Jahr 2003 gelingt es, in Absprache mit den Naturschutzbehörden Maßnahmen im großen Umfang zur Verbesserung und Sicherung des Lebensraums zu koordinieren und umzusetzen. Der Gebietsbetreuer ist hier Ansprechpartner für alle Akteure und Interessensvertreter aus Landwirtschaft und Forst, Jäger, Schäfer, Touristen sowie der Wissenschaft und des Ehrenamts.
Im Vordergrund des Projekts stehen alle Maßnahmen der Landschaftspflege, um den mosaikartigen Charakter der offenen Landschaft mit allen wichtigen Lebensraumstrukturen für die Hühnervögel zu erhalten. Dazu gehören Habitate mit ausreichend Deckung in allen Jahreszeiten, störungsarme Bereiche zur Brut- und Aufzuchtzeit, artenreiche Bergwiesen mit einem hohen Insektenvorkommen als Nahrung für die Küken in den ersten Lebenswochen, ausreichend beerentragende Zwergsträucher und Karpatenbirkenwäldchen als Nahrungsreservoir im Herbst und Winter und eine geringe Prädatorendichte. Seit einem von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt geförderten Projekt aus den 90er Jahren zu Jagd-Tourismus-Naturschutz hat die Wildland-Stiftung die Stelle eines Berufsjäger ständig besetzt. Dieser führt regelmäßige Prädatorenkontrolle durch.
Aufgrund der langjährigen Isolation der Birkhuhnpopulation und einer daraus resultierenden wissenschaftlich belegten genetischen Einengung mit möglicherweise Inzuchtdepression konnte die Stiftung mit Unterstützung der Regierung von Unterfranken ein Auswilderungsprojekt unter Einhaltung der IUCN-Kriterien starten. Das 5 jährige Translokationsprojekt mit schwedischen Wildvögeln zeigt erste Erfolge durch nachhaltige Etablierung neuer Gene in der Rhönpopulation und erste erfolgreiche Bruten in den Jahren 2013 und 2014.
Hervorzuheben ist die gute Zusammenarbeit mit der Jägerschaft im Naturschutzgebiet Lange Rhön, die sich schon Ende der 1960er Jahre zum Birkwildhegering zusammengeschlossen hat. Mit mehr als 40 biotopverbessernden Maßnahmen konnten auf der Langen Rhön Lebensräume aus Jägerhand gestaltet werden. Ein beispielhaftes Jagdkonzept u.a. mit einem freiwilligen Verzicht auf Kirrungen in sensiblen Offenlandbereichen zeigt, wie Jagd und Naturschutz Hand in Hand gehen können.
Über die seit 37 Jahren durchgeführten jährlichen Birkwildzählungen der Jägerschaft zusammen mit Ornithologen und Naturfreunden, bei denen zugleich alle Vogelarten dies Gebiets erfasst werden, besteht eine sehr gute Kenntnis der örtlichen Avifauna. Viele der Landschaftspflegemaßnahmen gelten auch der Lebensraumverbesserung für Wachtelkönig, Raubwürger, Bekassine, Karmingimpel u.v.m., die auf der Roten Liste Bayerns geführt werden und in dem Projekt „Birkwild in der Rhön“ ebenso im Focus stehen. Ein erheblicher Prozentsatz der bayerischen Brutpaare dieser hochbedrohten Arten ist für die Rhön dokumentiert. So beschränkt sich das Brutvorkommen des Raubwürgers in Bayern heute auf die Rhön. Eine wesentliche Aufgabe für Gebietsbetreuer Kirchner ist die Durchführung des ganzjährigen Monitorings für diese ausgewählten Begleitarten. Birkwildschutz ist daher auch Schutz der großen Gilde der Bewohner von Bergwiesen.
Zum Erhalt der Biodiversität wird seit vielen Jahren durch zahlreiche ehrenamtliche Arbeitseinsätze, koordiniert durch den Gebietsbetreuer der Wildland-Stiftung die Lupine bekämpft. Dieser äußerst invasive Neophyt würde sonst binnen weniger Jahren einen Großteil der heimischen Flora und damit in Folge auch zahlreiche Insekten verdrängen. Hier beweist sich die gute Zusammenarbeit mit Partnern wie Bergwacht, Lebenshilfe, Rhönklub, Bergwaldprojekten und Privatpersonen, die am Erhalt der Biodiversität im Naturschutzgebiet zusammenarbeiten und allein im Jahr 2013 über 1500 Stunden ehrenamtlich im Einsatz waren.
Die Rhön ist als Urlaubsregion sehr beliebt. Tausende Besucher werden über das Projekt durch Führungen, Publikationen und viele Berichte aus Funk, Fernsehen und der auf dieses besondere Schatzkästchen der Natur aufmerksam gemacht .Somit kann regional und überregional für den Erhalt dieser einmaligen Artenvielfalt geworben werden.
Die Stiftung trägt im Biosphärenreservat Rhön mit diesem Projekt wesentlich zum Erhalt der Biodiversität im Naturschutzgebiet „Lange Rhön“ und zum Erhalt des „Hotspots der Artenvielfalt“ bei.



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Dokumente

Beispielhafter Teil der Zeitungsbeilage; Durch das Jahr in der Langen Rhön

 

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97656 Oberelsbach

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Tel.:0175-8462849
torsten.kirchner@wildland-bayern.de
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