Bringe Verborgenes ans Licht - Entdecke andere Arten!

Deutschlands Tier- und Pflanzenwelt sieht sich, wie auch weltweit drei großen Problem ausgesetzt: das zunehmenden Aussterben von Arten, Veränderungen und Zerstörung von Lebensräumen und vielleicht eine der größten Bedrohungen, die weitere Ausbreitung von nicht heimischen Lebewesen, den sogenannten Neobiota (z. B. Tiere und Pflanzen oder auch Pilze, Bakterien und Einzeller).

Zu diesen "Neuen Leben" gehören Tiere und Pflanzen, die durch menschliche Einflüsse erst seit 1492 in ihren heutigen Lebensraum gekommen sind. Ihnen gegenüber stehen heimische Arten, die schon seit der letzten Eiszeit hier leben. Zudem unterscheidet man sie noch von den Archäobiota ("Altes Leben"), die, wie zum Beispiel die Hausmaus, durch Ackerbau und Viehzucht vor der Entdeckung Amerikas zu uns gekommen sind.

Für Europa ist 1492 das entscheidende Jahr, da Christoph Columbus mit der Entdeckung Amerikas das Zeitalter des weltumspannenden Handels sowie dem Ausbau der Reise- und Handelsrouten eingeleitet hat. Die rasant zunehmende Vernetzung von Kontinenten wurde von dem beabsichtigten oder unbeabsichtigten Austausch von Lebewesen begleitet. In anderen Gegenden der Welt ist das Jahr 1492 eher unwichtig. So ist zum Beispiel für die Länder Ozeaniens eher das 10./11. Jahrhundert wichtig, da mit den polynesischen Wanderungen erste Einschleppungen z. B. nach Neuseeland erfolgten.

Die Transportwege der aquatischen Neobiota sind recht unterschiedlich. Neben den beabsichtigen Auswilderungen zur Vervielfältigung des Nahrungsangebotes, gelangen viele Tiere über Ballastwasser der Schiffe, Freisetzungen aus Aquarienhaltungen oder auch als "Gefangenschaftsflüchtlinge" in unsere heimischen Gewässer. Gerade im Ballastwasser vieler Schiffe gelangen jährlich Unmengen an blinden Passagieren an alle Plätze der Welt. Über 10 Milliarden Tonnen Ballastwasser, Süßwasser als auch Salzwasser, werden so jährlich transportiert. Wird vor dem Zielhafen das Wasser abgelassen, werden auch alle mittransportierten Organismen freigelassen. Täglich werden so über 3.000 Arten transportiert. In jedem Liter Wasser befinden sich ca. 50.000 mikroskopisch kleine Tiere und 110 Millionen Pflanzen. Viele dieser Neulinge können nicht überleben, aber hin und wieder erreicht ein Lebewesen so sein neues "Schlaraffenland" ohne Fressfeinde.

Von mehreren tausend eingeführten Arten in Deutschland haben sich über 110 Arten in aquatischen Lebensräumen etabliert. Obwohl nicht alle etablierten "Exoten" invasiv sind, konkurrieren sie doch um Lebensräume und Nahrung mit heimischen Arten.

Ein Beispiel für einen invasiven Neobioten ist der Ochsenfrosch. Den Namen hat der Frosch dank seines dumpfen Rufes, der an Ochsengebrüll erinnert. Erwachsene Frösche werden knapp 80 cm lang und 1 kg schwer. Auch die Kaulquappen haben eine stattliche Größe von bis zu 15 cm und benötigen drei Jahre bis sie sich zum Frosch entwickeln. Der Ochsenfrosch gilt als starke Bedrohung heimischer Amphibienpopulationen und seine Ausbreitung ist nur schwer zu kontrollieren. Die internationale „Invasive Species Spezialist Group“ (ISSG) zählt den Ochsenfrosch zu den 100 weltweit gefährlichsten Invasoren. In Deutschland gibt es bis jetzt nur wenige bekannte Vorkommen und diese werden seit einigen Jahren intensiv beobachtet.

Um mehr über die Verbreitung und den Einfluss der Neobiota in unseren heimischen Gewässern zu erfahren wurde im Sommer 2005 die Aktion „NEOBIOTA – Neue Arten in unseren Tauchgewässern“ vom Verband Deutscher Sporttaucher (VDST) ins Leben gerufen. Über die Internetplattform www.neobiota.info können Sporttaucher, aber auch alle anderen Interessierten, Beobachtungen zu aquatischen Neobioten melden. Die Plattform bietet Informationen zu verschiedenen Tier- und Pflanzenarten und zeigt Verbreitungskarten mit den aktuellen Funden. Auf der Homepage befinden sich ebenfalls Informationen zu wissenschaftlichen Arbeitsgruppen, die sich mit dem Thema beschäftigen. Das NEOBIOTA-Team ist auch bestrebt die gesammelten Daten mit Wissenschaftlern auszuwerten. So entstanden bereits zwei wissenschaftliche Arbeiten über die Süßwasserquallen in Deutschland.

Jedes Jahr stehen bei der NEOBIOTA-Aktion andere Tiere und Pflanzen im Mittelpunkt. Ob Schwebegarnelen, die in rieseigen Schwärmen auftauchen können, die kleinen Süßwasserquallen oder wie aktuell, die tischtennisball- bis fußballgroßen Gallertkugel vom Schwammigen Moostierchen - mit jeder Meldung über neue Vorkommen in unseren Gewässern, erfahren wir mehr über das versteckte Leben vieler Organismen Unterwasser. Daher ist jeder eingeladen seine Beobachtungen zu melden, egal ob Sporttaucher, Kanufahrer, Segler oder Badegast. Jeder kann einen Beitrag zum Erhalt und Schutz unserer Gewässer und der Biodiversität leisten. www.neobiota.info



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