Kiebitz, Austernfischer & Co. - mehr Nachwuchs bei Wiesenbrütern durch Nest- und Kükenschutz

Die Zahl der Wiesenbrüter wie Kiebitz, Uferschnepfe, Rotschenkel, Großer Brachvogel und Bekassine sind in den letzten Jahren im Biosphärenreservat Flusslandschaft Elbe-Brandenburg stark zurückgegangen. Daher schützen Landwirte und Biologen die Gelege und Küken von gefährdeten Wiesenvögeln auf Ackerflächen, indem sie den Brutbereich aus der Bewirtschaftung nehmen.

Viele der Vogelarten stehen inzwischen auf der Roten Liste und gelten damit als vom Aussterben bedroht oder gefährdet. Ein großes Problem ist der sehr geringe Bruterfolg der Vögel im Grünland. Gründe hierfür sind neben dem Lebensraumverlust und oft veränderten Wasserverhältnissen die intensive Landnutzung mit 4 bis 5 Schnitten im Jahr. So versuchen beispielsweise Kiebitze immer häufiger, auf den im Frühjahr noch unbearbeiteten Ackerflächen zu brüten, auf denen heute vor allem Mais angebaut wird. Wird der Boden dann beackert und Mais eingesät, verliert der Kiebitz sein gesamtes Gelege. Gelingt es den Vögeln doch einmal, erfolgreich zu brüten, kann es gerade auf nahrungsarmen Ackerstandorten ohne Grünland oder insektenreiche Brachestreifen im Umfeld der Nester dennoch dazu kommen, dass die Küken verhungern.

Ziel des Projektes war es, den Bruterfolg der Wiesenvögel wieder zu erhöhen. Eine wichtige Voraussetzung dafür sind der Schutz der Gelege und nahrungsreiche Grünlandstreifen als Deckungsmöglichkeit für die geschlüpften Küken. Der Erfolg dieses Vorhabens war maßgeblich von der Kooperationsbereitschaft der Landwirte abhängig, auf deren Äckern brütende oder brutverdächtige Wiesenvögel beobachtet wurden.

Damit mögliche Brutstandorte der gefährdeten Vogelarten lokalisiert werden konnten, wurden jeweils während der Brutzeit im Frühjahr der Jahre 2012 bis 2014 im Biosphärenreservat Vogelbeobachtungen vorgenommen. Dabei lassen sich brutverdächtige Vogelpaare an ihrem besonderen Verhalten erkennen: Während sie sich in der Balzzeit noch sehr laut und auffällig gebärden, sind brütende Paare unauffällig und
entfernen sich bei Gefahr sehr früh und heimlich von den Gelegen. Sind die Küken erst einmal geschlüpft, verlassen sie das Nest, dann sind die Altvögel sehr aufmerksam, ruffreudig und aggressiv.

Je nach Witterung treffen die Wiesenbrüter bereits ab Ende Februar im Brutgebiet ein. Zu dieser Zeit sind große Schwärme vornehmlich von Kiebitzen in der Elbtalaue zu beobachten. Wenn die großen Schwärme weitergezogen sind, beginnen die wenigen verbliebenen Kiebitzpaare im Gebiet mit der Balz und der Brut. Dazu gehen sie immer häufiger auf die noch unbestellten Ackerflächen, ihre gute Tarnung macht es schwer, die Gelege zu entdecken. Hier setzt das vorgestellte Projekt an: Biologen versuchen, die Gelege der Vögel auf den Ackerflächen zu finden. Anschließend werden die Landwirte informiert und gebeten, die Gelege bei den anstehenden Arbeitsgängen zu umfahren. Dazu werden die Gelege mit weißen Plastikstangen je 10 Meter vor und hinter dem Nest markiert. Falls die Kiebitze oder auch die im Gebiet äußerst selten gewordenen Rotschenkel, Bekassinen und Wachtelkönige in Wiesen brüten, in denen eine Mahd oder Beweidung der Fläche ansteht, werden zwischen 0,5 und mehreren Hektar dieser Flächen um die Gelege von der Bewirtschaftung ausgespart.

Dieses Vorgehen erfordert insgesamt eine enge Zusammenarbeit und Absprachen mit den betroffenen Landwirten: Bearbeitungsgänge wie Unkrautbekämpfung und Düngen konnten so oftmals bis nach dem Schlupf der Küken verschoben werden. Das großzügige Auslassen der Gelege beim Unkrautspritzen ermöglichte zudem ein Aufwachsen der Kräuter in der Umgebung der Nester, welche den Küken nach dem Schlüpfen ein wenig Deckung boten. Durch die aktive Mitwirkung der Landwirte bei der Nestsuche und -markierung sowie durch den sichtbaren Erfolg stellte sich eine deutlich stärkere Identifizierung mit dem Schutz der Wiesenvögel ein. Alle betroffenen Landwirte erhielten für den Ertragsausfall und den erhöhten Aufwand eine Entschädigung, die je nach Art der Maßnahme berechnet wurde.

Ergebnis der Gelege- und Kükenschutzmaßnahmen war eine Verdopplung der Anzahl brutverdächtiger Paare bei den Kiebitzen im Vergleich zu 2012 - insgesamt wurden 2013 75 Brutversuche registriert. Bei etwa der Hälfte dieser Paare konnte die Brut tatsächlich nachgewiesen werden. Auch bei Austernfischer, Rotschenkel und Großer Brachvogel führten die konkreten Schutzmaßnahmen dazu, dass die Tiere ungestört brüten konnten, der Bruterfolg war auch hier teilweise anhand von Nestern oder geschlüpften Küken nachweisbar.

Das Projekt konnte damit nicht nur zum Bestandsschutz teilweise stark gefährdeter Wiesenvögel beitragen. Es fördert auch den Erhalt der Artenvielfalt in intensiv genutzten Wiesen- und Grünlandbiotopen und sensibilisiert die landwirtschaftlichen Akteure für die Umweltanforderungen schützenswerter Vogelarten. Äußerst positiv verlief auch die Zusammenarbeit des haupt- und ehrenamtlichen Naturschutzes. Mitglieder der NABU-Kreisgruppe und Mitarbeiter der Naturwacht und der Verwaltung meldeten sofort alle brutverdächtigen Wiesenvögel. Eine langfristige Projektfortführung ist daher dringend erforderlich.




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Weitere Infos

Förderverein Biosphärenreservat Flusslandschaft Elbe-Brandenburg e.V.

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