Neuansiedlung der Mauersegler

Seit der Sanierung und dem Abriss von hohen Gebäuden boten sich für die Mauersegler in unserem Ort keine Nistmöglichkeiten mehr. So verschwanden die imposanten Vögel in den 50er Jahren.

Als im Jahre 2003 der Mauersegler als Vogel des Jahres dargestellt wurde, kamen die Naturfreunde vom Heimatverein Gehrde auf die Idee, den Mauersegler in Gehrde wieder anzusiedeln. In der Kirche über dem Gewölbe wurden Brutkästen angebracht, die die Berufsbildenden Schulen Bersenbrück anfertigten. Die Kästen sind für die Vögel von außen zugänglich. Bereits im ersten Jahr nahm ein Vogelpärchen die Brutgelegenheit an und zog ein Jungtier auf. Die Anzahl der Brutpaare nahm in den folgenden Jahren stetig zu. Der Bruterfolg ist jährlichen Schwankungen unterworfen und liegt im Mittel bei 1,7 flüggen Jungvögeln pro Brutpaar (siehe Datei Anlagen, Abb. 2). Die Zahl der Brutkästen ist inzwischen auf 31 Stück angewachsen. Der Bestand in der Mauerseglerkolonie erreichte 2014 ein neues Maximum mit 29 Brutpaaren. Auch die Anzahl flügger Jungvögel nahm zu und erreichte 2014 mit 54 Individuen ebenfalls einen Höchststand (siehe Abb. 1). Seit 2008 werden die Alt- sowie die Jungvögel durch den Dipl. Biologen Axel Degen aus Osnabrück beringt. Im vergangenen Jahr konnten insgesamt 60 Jung- und Altvögel beringt werden.

Im Jahre 2004 wurden Fernsehaufnahmen für die Regionalsendung "Hallo Niedersachsen" von dem Tierfilmer Ralf Schieke über die Wiederansiedlung der Mauersegler gemacht und im gleichen Jahr auch gesendet. Außerdem wurde den Heimatfreunden für dieses Projekt von der Naturschutzstiftung des Landkreises Osnabrück ein Preis verliehen, der mit 500,00 Euro dotiert war. An einem Naturschutzwettbewerb der Deutschen Bundesstiftung Umwelt wurde ebenfalls teilgenommen und eine einmalige Zahlung von 2.000,00 Euro zuerkannt.

In zwei Kästen sind Kameras istalliert, um das Brutgeschäft der Vögel auf einen in der Grundschule Gehrde angebrachten Monitor zu übertragen und für den Biologieunterricht zu nutzen. Außerdem werden während des Sommers (Mai-Ende Juli) Führungen für Schulklassen, Jugendgruppen und Touristen (vornehmlich Radwanderer), durchgeführt. Im Jahr 2011 kamen 422 Personen, vornehmlich Schulklassen, um das Verhalten der Mauersegler auf diese Weise zu beobachten. In den Folgejahren einschließlich 2014 wurden die Angebote fortgeführt, aber keine Personenzählungen vorgenommen. Viele Fahrradtouristen, die den Hase/Ems-Weg befahren und so durch unseren Ort kommen, sind von der Möglichkeit der Beobachtung begeistert.

Um die im Rahmen des Projektes gesammelten Daten auch für wissenschaftliche Zwecke nutzbar zu machen, wurde Ende 2012 für eine Kooperation Kontakt zu Frau Prof. Dr. Klaudia Witte (Leiterin der Fachgruppe Ökologie und Verhaltensbiologie, Abt. Organismische Biologie, Institut für Biologie, Universität Siegen) aufgenommen. Sie betreut und leitet seit 2007 Untersucherungen in einer Mauerseglerkolonie, die sich in einer Talbrücke am Biggesee in der Nähe der Stadt Olpe (Sauerland) befindet. Ende April 2014 wurden digitale Videoaufnahmen der Nistkastenkameras aus Gehrde aus dem Jahr 2011 der Fachgruppe leihweise zur Verfügung gestellt, damit diese in einer Abschlussarbeit im Rahmen der Ersten Staatsprüfung für Lehramt ausgewertet werden. Ziel dieser Arbeit ist, dass Verhalten der Mauersegler im Nistkasten während der Nacht zu analysieren und zu quantifizieren, worüber bisher kaum etwas bekannt ist. Erste Ergebnisse aus den seit Juni 2014 laufenden Auswertungen zeigen, dass die Vögel wider Erwarten nachts nur ganz kurze Ruhepausen von wenigen Minuten haben und permanent aktiv bleiben. Hier schließen sich spannende Fragestellungen an, z. B.: Wie wirken sich tiefere Temperaturen auf die nächtliche Aktivität aus? Weitere Auswertungen in Bachelorarbeiten sind geplant. Dafür werden die Aufnahmen der Nistkastenkameras aus dem Jahr 2012 herangezogen. Neben dem Verhalten in der Nacht sollen auch Fütterungsraten der Altvögel anhand der Aufnahmen untersucht werden. Alle Resultate dieser Abschlussarbeiten werden dann mit Ergebnissen aus den Untersuchungen in der Kolonie am Biggesee verglichen und sollen in wissenschaftlichen Zeitschriften veröffentlicht werden. Die im Mauerseglerprojekt der Universität Siegen involvierten Wissenschaftler (Prof. Dr. Klaudia Witte, Dr. Jan Rozmann und Dipl. Biol. Arndt Wellbrock) möchten die Kolonie langfristig in ihre Forschung einbeziehen. Es sind zusammen mit Herrn Axel Degen Drittmittelanträge geplant. Im Rahmen dieser Forschungvorhaben soll u.a. die Fähigkeit zum Topor genauer untersucht werden. Zum anderen sollen Zugrouten und Überwinterungsgebite mit Hilfe von modernen Geolokatoren, die als Minirucksack permanent den Aufenthaltsort aufzeichnen, dokumentiert werden. Darüber hinaus wurden erste genetische Proben (Eier) gesammelt, um Verwandtschaftsanalysen durchzuführen.


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Dokumente

Anlagen: Abb. 1 und Abb. 2 (grafische Darstellung)

Bestätigung der Universität Siegen

 

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