Das vergessene Paradies

Mitten im Autobahnkreuz Wuppertal-Nord, unweit der Ortslage „Paradies“ in Sprockhövel, liegt ein wirkliches Paradies und Kleinod!

Ursprünglich befand sich hier das einzige Moor im Ennepe-Ruhr-Kreis, das frühere Hellmansbruch. Botaniker waren begeistert von seiner vielfältigen Pflanzenwelt:
Torfmoos, Sumpfgräser, Binsen, Simsen, Schafschwingel, Seggen und Riedgras, Glockenheide, der seltene Stachelginster, der blaue Lungenenzian, Froschlöffel, Klappertopf, geflecktes und breitblättriges Knabenkraut, das kleine Wollgras, Thymian, Sumpfveilchen, Kreuzblume u.a.. Auch sollen hier regelmäßig die Kraniche auf ihrem Herbstzug in den Süden eingefallen sein und sich auf ihrer Reise in den Süden eine Pause gegönnt haben.

Im Jahre 1958 war dann Schluss mit diesem botanischen und zoologischen Juwel! Heutzutage unvorstellbar, wurde das Moor trockengelegt, und mitten in diesem wertvollen Biotop der Verkehrsknotenpunkt Wuppertal-Nord geplant und gebaut!

Allerdings konnte sich dank der unermüdlichen Arbeit des Arbeitskreis Natur- und Umweltschutz e.V. (ANU) auf kleiner Fläche mitten in diesem Verkehrsknotenpunkt ein Stückchen der ursprünglichen biologischen Vielfalt erhalten! Geschützt durch die versteckte Lage beherbergt die ca. 3 ha große Fläche das wohl größte Vorkommen des gefleckten Knabenkrauts (Dactylorhiza maculata) im Ennepe-Ruhr-Kreis!

Ursprünglich wurde diese Fläche durch Beweidung offengehalten, aber durch die Nähe der Autobahnen war dies viel zu gefährlich und wurde schnell eingestellt. Die für die biologische Vielfalt so wichtigen Grünlandbereiche wurden schnell von Pionierbaumarten besiedelt. Die Beschattung wäre das endgültige Aus für die Orchideen gewesen.

Der Arbeitskreis Natur- und Umweltschutz e.V. (ANU) erkannte diese Gefahr jedoch noch rechtzeitig. Seit 1990 kämpft der ANU gegen die Verbuschung und drängt die Gehölze zurück. Im Rahmen von ehrenamtlichen Arbeitseinsätzen werden jedes Jahr, nach der Samenreife der Orchideen, die Grünlandbereiche gemäht und das Mähgut aus der Fläche entfernt. Im Winter werden dann die Gehölze zurückgeschnitten, um der Verbuschung Einhalt zu gebieten.

Das Paradies zu erhalten, ist eine schweißtreibende Arbeit. Die Fläche kann ihren Ursprung als Moorfläche nicht verleugnen und lässt ein Befahren mit Maschinen nicht zu. Nur wenn im Winter der Boden gefroren ist, oder im Sommer die Sonne lange gestrahlt hat, kann sie mit Traktor und Anhänger am Rand befahren werden. Bei der Pflege muss aber äußerst sensibel vorgegangen werden; und für einen Großteil der Fläche bedeutet dies, dass Handmahd angesagt ist!

Doch die Arbeit des ANU lohnt sich!

Durch die Kontinuität der Pflegemaßnahmen konnte nicht nur der Bestand der Orchideen gesichert werden, auch die für die biologische Vielfalt so wichtigen Grünlandbereiche mit ihren artenreichen Randstrukturen konnten wieder vergrößert werden.

Heute beherbergt die Fläche neben den botanischen Besonderheiten wie Knabenkräutern, Sumpf-Ständelwurz und Schlüsselblume auch Blindschleiche, Waldeidechse, Grasfrosch und Erdkröte. Es wurden auch Punktierte Zartschrecke, und Wespenspinne nachgewiesen.

In unregelmäßigen Abständen veranstaltet der Arbeitskreis Natur- und Umweltschutz e.V. / ANU natürlich auch Exkursionen in dieses „Vergessene Paradies“, um der Bevölkerung die Schönheit der Landschaft zu zeigen und ihr die heimische Natur näher zu bringen.


Bild 1
Bild 2

Bild 3
Bild 4

Dokumente

Auszug aus der Schriftenreihe des Heimat - und Geschichtsvereins Sprokhövel e.V.BAND 4 1986

Orchideen an der AutobahnAuszug aus AVU_Blickpunkt 3-2011

 

Besuchen Sie uns


Herr Michael Schüngel
Tel.:0175 2351 600
info@anu-en.de

 

Weitere Infos

ANU/ Arbeitskreis Natur- und Umweltschutz im südl. Ennepe-Ruhr-Kreis e.V.

Aktuelles, Projekte und Termine in unserem Newsletter
*Pflichtfeld