Mäuse für den Milan - Rotmilan-Projekt im hessischen Vogelsberg

Im Rahmen des Projekts der NABU-Stiftung Hessisches Naturerbe sollen (von 2013 bis mindestens 2017) im mittelhessischen Vogelsberg Offenland- und Waldgebiete gekauft, Bewirtschaftungsformen zugunsten des Rotmilans optimiert sowie Konflikte mit dem Ausbau Eneuerbarer Energien minimiert werden.
Der NABU möchte herausfinden, welche Maßnahmen einen wirkungsvollen Schutz im Brut- und Nahrungsgebiet sicherstellen können.

Der Rotmilan ist eine Vogelart, von der mehr als die Hälfte des Weltbestandes in Deutschland brütet. Im Vogelsberg erreicht die Art mit die höchsten Siedlungsdichten.
Mit fast 64.000 Hektar liegt dort das größte hessische EU-Vogelschutzgebiet, der Vogelsberg ist aber auch der am stärksten mit Windrädern bebaute hessische Landkreis.

Die Stiftung beachsichtigt, innerhalb des Vogelsbergs in den Räumen Homberg/Ohm-Romrod, Ulrichstein sowie Freiensteinau Flächen anzukaufen und Beweidungskonzepte zu erarbeiten. Gleichzeitig sollen auf 470 Quadratkilometern jährlich die Rotmilane im Hinblick auf Siedlungsdichte und Bruterfolg untersucht werden.
Neben Flächenkäufen (Extensivierung) sollen im Bereich von Ackerflächen Milanfenster angelegt werden, so dass durch das Aussetzen von Sämaschinen freiflächenartige Strukturen u. a. in Raps- und Maisfeldern erhalten bleiben und somit eine Nahrungsaufnahme für den Rotmilan während der gesamten Vegetationsphase gewährleistet ist (vgl. Lerchenfenster).
Zudem sollen auf Mähwiesen Mähtermine so gewählt werden, dass durch Staffelmahd dauerhaft frisch gemähte Wiesen vor allem während der Brutzeit der Art zur Verfügung stehen. Eine enge Zusammenarbeit mit der Landwirtschaft ist vorgesehen, wobei insbesondere Biohöfe großes Interesse an der Umsetzung des Projekts haben dürften.
Futterplätze, an denen Fallwild augelegt wird, sind ein weiterer Baustein, wobei die Ergebnisse auch für die Öffentlchkeitsarbeit genutzt werden sollen.
Durch Besenderung (Telemetrie) einzelner Rotmilane möchten wir herausfinden, inwieweit wir durch die Optimierung der Brutgebiete Veränderungen in der Raumnutzung vornehmen können.
Letztlich sollen an Horstbäumen Manschetten angebracht werden, so dass Nesträuber wie Waschbären die Gelege nicht ausräumen können.
Im Zuge des Projekts sollen ehrenamtlich tätige Personen zu Horstbetreuern ernannt werden.


Zwischenstand (nach fast 2 Jahren Projektlaufzeit):

Seit Beginn des Projekts im Januar 2013 konnten bis Oktober 2014 etwa 100 ha angekauft werden. Weitere rund 300 ha werden mittlerweile nach Gesprächen mit Landwirten Rotmilan-optimiert bewirtschaftet.
Bei diesen Flächen handelt es sich zum einen bei den Stiftungsflächen um Extensivgrünland (primär Weideflächen mit Schafen und Pferden) sowie zum anderen um Intensivgrünland-Fächen, auf denen von Mitte Mai bis Mitte Juli jeweils Teilabschnitte regelmäßig gemäht werden (Staffelmahd), um dem Rotmilan dauerhaft während der Brutzeit Nahrungsflächen zur Verfügung zu stellen.
Kooperationen mit konventionellen Landwirten, Biobauern und vor allem Demeter-Betrieben sind entstanden, so dass Betriebsabläufe zugunsten der biologischen Vielfalt optimiert werden konnten. Dies soll in Zukunft weiter ausgebaut werden, so dass das Thema "kleinstrukturierte und nachhaltige Landwirtschaft zugunsten des Rotmilans" auch Bestandteil in Dialogen mit Politik und in der Öffentlichkeit werden soll.
Abseits des Nahrungsgebietes, also in den Horstbereichen, wurden bereits vereinzelt Horstbaummanschetten angebracht (insgesamt ca. 20), um den Prädatorenschutz zu gewährleisten. In Gesprächen mit Forstleuten konnten Erfolge dahingehend erzielt werden, dass das Horstumfeld in Zukunft nicht mehr bewirtschaftet wird.
Darüber hinaus wurden bis dato drei Rotmilan-Futterstellen eingerichtet, eine vierte ist kurz vor der Umsetzung.
Durch diese Optmierungen vor allem im Bereich des Nahrungsgebietes lassen sich anhand Sichtbeobachtungs-Raumstudien im Umfang von mehreren hundert Stunden nachweislich Veränderungen in der Raumnutzung feststellen, so dass wir davon ausgegehen können, den Konflikt um den Ausbau der Windenergie weiter zu minimieren, was im Zuge der dringend erforderlichen Energiewende notwendig ist, gerade auch, weil sie naturverträglich umgesetzt werden muss. Dabei lassen sind durch Schutzmaßnahmen in landwirtschaftlich überprägten Bereichen deutlich leichter Veränderungen der Raumnutzungen herleiten als in Gebieten, die über ein großes Grünlandangebot verfügen.
Regelmäßig wird über das Projekt in den lokalen Medien berichtet; zudem finden mehrmals jährlich Infoabende zum Projekt statt.
Für die Zukunft ist die Besenderung von 5 Rotmilanen aus dem Vogelsberg vorgesehen.


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Dokumente

Projektvorstellung in ´Naturschutz heute´, Herbst 2013

Ein echter Europäer - Der Rotmilan

 

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https://hessen.nabu.de/tiereundpflanzen/voegel/rotmilan/17732.html

 

Weitere Infos

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