Artenschutz und Biologische Vielfalt als Designkriterium beim Neubau eines Seminarhauses mit Galerie

Weiterentwicklung:

Wir wollten aufzeigen, wie man auch in einem Gewerbegebiet Lebensräume für bedrohte Arten schaffen kann. Das ist gelungen. Die umfangreiche Berichterstattung durch die 1. Auszeichnung u.a. im SWR Fernsehen und im öffentlich rechtlichen Hörfunk führte dazu, dass bis heute immer wieder einzelne Besucher und Besuchergruppen hier auftauchen, leider oft auch ohne Anmeldung, was manchmal doch im laufenden Betrieb sehr stört... Aber wir wollen ja für das Projekt und die dahinter stehenden Ideen Biodiversität und nachhaltige Entwicklung begeistern, deshalb schicken wir niemand weg. Auch rufen immer wieder mal Bauherren an, um sich über das Projekt zu erkundigen und sich Tipps zu holen. Aktuell gibts in der Galerie die Ausstellung "Unterwasserwelten" von Frank Dutschke. Zudem haben wir nun ein weiteres Objekt erworben, das wir zu einem "Kompetenzzentrum für Nachhaltigkeit und Prävention" umbauen. Es handelt sich dabei um einen ehem. Tabakhof in der historischen Ortsmitte von Wiesenbach. Dort entsteht das weltweit erste Museum für nachhaltige Kunst zusammen mit einem Spulpturengarten für Windkinetik und Solarkunst, einer Kinderkochschule und dem Naturparkladen. Im Naturparkladen sollen landwirtschaftliche Produkte aus den Naturparken Neckartal Odenwald, Stromberg und Pfälzer Wald verkauft werden. Dabei liegt der Schwerpunkt auf den Landwirten, die mit ihrer Arbeit und Art der Bewirtschaftung einen Beitrag zum Erhalt der geschützten Natur- und Kulturlandschaft leisten.

Ursprüngliche Bewerbung:

Dem Neubau des Seminarhauses mit Galerie "Haus am Weg" lag folgende Philosophie zugrunde:
Das, was an Fläche für den Neubau verbraucht wird, soll durch einen ökologischen Mehrwert kompensiert werden. Das Projekt sollte, als öffentliches Gebäude in privater Trägerschaft, Modellcharakter haben.

Folgende Maßnahmen wurde durchgeführt:

*Minimale Versiegelung, so viel Vegetationsraum wie möglich
*Gründach
*Naturnahe Gestaltung der Außenflächen
*Großer Teich
*Geländemodellierung mit Trockenmauern
*Zusätzlich Nistmöglichkeiten für Fledermäuse und Insekten

Im einzelnen:

Wärmespeicherndes Klinkerpflaster wurde mit breiten Ritzen verlegt, damit Wärme liebende Ritzen- und Trittvegetation Platz hat und damit keine Versiegelung stattfindet. Alles Niederschlagswasser versickert auf dem Gelände oder wird als Brauchwasser genutzt.

Die amtlich vorgeschriebenen Stellplätze werden als Schotterrasen ausgeführt und bereits mit einer entsprechend vielfältigen Trockenrasenmischung eingesät.

Das Gründach bietet weitere Vegetationsfläche und hilft das Haus zu klimatisieren. Im Sommer kühlt es durch Verdunstung, im Winter hat man eine zusätzliche Dämmschicht. Durch Taubildung wird Kondensationsenergie gebäudenah recycled. Das Substrat dient außerdem als Filter für Regenwasser, das im Haus als Brauchwasser Verwendung findet. Turm- und Wanderfalken nutzen das Dach gerne als Rastplatz bei ihren Jagdausflügen.

Stützmauern wurden als Trockenmauern angelegt, damit Eidechsen und Kleinsäuger Nistmöglichkeiten haben. Schon im ersten Jahr konnten Zauneidechsen beobachtet werden.

Stützmauern, die wegen der Bauvorschriften nicht als Trockenmauern ausgeführt werden konnten, wurden begrünt und mit Fledermaus- Nistkästen versehen.

Als Gehölze wurden einheimische alte Obstsorten und Nußbäume (Hochstämme) gepflanzt. Das was an Ertrag von diesen Bäumen geerntet wird, wird zur Verpflegung der Seminarteilnehmer genutzt.

Im Garten wurden sog. Insektenhotels installiert, die Nützlinge begünstigen.

In der Region fehlen Wasserflächen für Amphibien und Libellen. Deshalb wurde ein naturnaher großer Teich geschaffen. Er wird auch als Bienentränke im Sommer gut angenommen.

Alle weiteren Außenflächen wurden als naturnahe Blumenwiese angelegt, die im Wechsel jeweils 1 bzw. 2 x pro Jahr gemäht wird.
Spät blühende Stauden, die Schmetterlinge anziehen wie z.B. Astern wurden zusätzlich eingebracht. Brennesseln und Disteln sind ebenfalls willkommen.

Das Gebäude selbst wurde in energiesparender Bauweise und nach baubiologischen Gesichtspunkten ausgeführt. Dabei wurde auch auf passive Klimatisierung Wert gelegt. Die umliegenden Bürogebäude haben alle eine Klimaanlage, das Haus am Weg kann durch das Gründach und durch die Erschließung des Gebäudes mit einem verglasten Treppenhaus, das auf der Südseite angelegt wurde, auf eine Klimaanlage verzichten: An heißen Sommertagen werden dazu einfach die Fenster auf der Nordseite im Souterrain sowie im 1. OG geöffnet. So entsteht ein kühler Luftzug, der das Gebäude ohne Energieaufwand kühlt. Das Dachgeschoss wird durch das Gründach vor Erwärmung geschützt.

Der Teich ist so angelegt, dass die tief stehende Sonne im Herbst, Winter und Frühjahr von der Wasserfläche in das verglaste Treppenhaus reflektiert wird. Dadurch steigt der Sonnenenergie Eintrag um 30 %. Die Nutzer können durch einfaches Öffnen und Schließen der verglasten Innentüren dann das Kerngebäude nach Wunsch klimatisieren.

Der Teich hatte auch den positiven Effekt, dass zum Auffüllen der Baugrube nach Fertigstellung des Gebäudes ausschließlich autochtones Bodenmaterial verwendet werden konnte. Dadurch wurde dutzende LKW-Fahrten eingespart.

Alle verwendeten Materialien wurden so ausgewählt, dass sie, wenn das Haus einmal wieder abgebrochen werden sollte, einfach zu trennen und zu recyclen sind.

Das Gebäude wird seit 2011 gewerblich genutzt und ist gut von der Bevölkerung angenommen. In der Galerie und auf den Außenflächen finden Ausstellungen zum Thema Kunst und Biologische Vielfalt sowie Kunst und Nachhaltigkeit statt. Regelmäßig kommen Besuchergruppen, um sich von der ausgestellten Kunst, der Architektur und dem Konzept des Gebäudes inspirieren zu lassen. In der Seminarküche finden Kochkurse statt, bei denen die Verwendung regional erzeugter Lebensmittel und Bioprodukte im Vordergrund stehen.

Die Idee ist es, das Haus in einigen Jahren in die Vermögensmasse einer Stiftung zu überführen, die speziell Kunst fördert, die sich mit den Themen Biodiversität und Nachhaltigkeit beschäftigt.

Ein Kinderkunstprojekt, das hier im Haus stattfand, hat 2011 beim Wettbewerb "Entdecke die Vielfalt" den zweiten Preis gewonnen.





Bezug zur biologischen Vielfalt:

Wir wollten aufzeigen, wie man mit entsprechender Planung auch in einem Gewerbegebiet Lebensräume für bedrohte Arten schaffen kann. Die Fledermauspopulation hat sich erweitert. Es sind die ersten Kröten und Frösche eingewandert. Insgesamt haben wir bislang 6 verschiedene Libellenarten beobachtet. Auch auf die Schwalbenpopulation hat sich das Projekt positiv ausgewirkt, da diese nun während ihrer gesamten Anwesenheitsdauer immer Wasser vorfinden.


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Besuchen Sie uns

Haus am Weg

Maistumpf 10
69257 Wiesenbach

Öffnungszeiten: Nach Vereinbarung

Herr Samuel J. Fleiner
Tel.:06223970051
post@samuel-fleiner.de
http://art-meets.de

 

Weitere Infos

Samuel J. Fleiner
Wiesenbach

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