Biodiversitätsprojekt Schmuttertal - Ein Projekt zum Erhalt der biologischen Vielfalt

2. Weiterentwicklung:

Ab Oktober 2018 wird sich ein/e Gebietsbetreuer/in um die Belange des Natur- und Artenschutzes im Schmuttertal kümmern. Dabei sollen vor allem die Kontakte mit der Landwirtschaft optimiert werden, um die Projekte "Saumstreifen -und Grabenmanagement" und die naturschonende Bewirtschaftung weiter voran zu bringen. Darüber hinaus sollen Beratung, Öffentlichkeitsarbeit und Akzeptanz im Gebiet bearbeitet werden. Ein weiterer Aspekt soll die Beratung der Kommunen hinsichtlich der öffentlichen Flächen und die Zusammenarbeit mit Flächennutzern und Naturschutzverbänden sein. Dank eines Spezialgerätes (E-Beetle) sind wir auch in der Lage, autochthones Saatgut zu gewinnen und ausgewählte Fläche, z.B. Ausgleichsflächen, entsprechend zu begrünen.

Weiterentwicklung:

Gestaltungungsmaßnahmen: Durch Uferabflachungen und Mulden incl. Mähgutübertrag wurden zahlreiche neue Biotope auf Ankaufflächen geschaffen. Besonderes Augenmerk wird auf die Neu-Ansiedlung des Großen Wiesenknopfes gelegt. Grabenmanagement: Öffentlichkeitsarbeit: Der Witaquellen-Radweg verläuft rund um das Schmuttertal und gibt Einblicke in das Biodiversitätsprojekt Schmuttertal (http://www.naturpark-augsburg.de/naturerholung/radwandertouren/radrundtour-im-osten-der-stauden/)

Ursprüngliche Bewerbung:

Das Schmuttertal zwischen Fischach und Täfertingen ist ein kleines Juwel. Die Schmutter ist einer von wenigen Flüssen in Bayern, die kaum durch Begradigung beeinträchtigt sind. So schlängelt sie sich in weiten Bögen durch das Tal mit seinen blütenreichen, kleinteiligen Wiesen und überschwemmt diese regelmäßig. Für Landwirte eine Erschwernis, dafür jedoch ein Garant für einen ökologisch hochwertigen Feuchtlebensraum.

Bereits seit Jahrhunderten wird die Talaue von Menschen genutzt. Dazu musste ein enges Netz von Gräben angelegt werden. Durch die kleinräumige, überwiegend extensive Nutzung entstand eine wertvolle Kulturlandschaft, die auch vielen weiteren bedrohten Arten wie z.B. Storchschnabelbläuling, Sumpfschrecke, Laubfrosch, Wiesenpieper und Schwarzkehlchen Lebensraum bietet. Für Mittelschwabens einzigen Naturpark „Augsburg - Westliche Wälder“ ist die Schmutteraue und deren biologische Vielfalt ein kostbares Juwel, das es zu pflegen gilt.

Die landwirtschaftliche Nutzung wird laufend intensiver und die moderne Landtechnik führt zu einer einheitlichen, intensiven Bewirtschaftung großer Flächen. Es bleibt immer weniger Raum für extensiv genutzte Wiesen und Saumstrukturen. Viele Arten verlieren dadurch Ihren Lebensraum und drohen auszusterben. Daher versucht das Biodiversitätsprojekt Schmuttertal hochwertige Flächen in ihrem wertvollen Zustand zu erhalten, z.B. durch Bewirtschaftungsvereinbarungen mit Landwirten, über Landschaftspflege oder Flächenankauf.

Ende 2009 wurde die AG Schmuttertal gegründet. Die Allianz aus Naturparkverein und den Kommunen Fischach, Gessertshausen, Diedorf und Neusäß setzt sich in Zusammenarbeit mit dem Landkreis Augsburg dafür ein, die offenen und abwechslungsreichen Wiesenauen in ihrer Artenvielfalt und ihrem landschaftlichen Reiz zu bewahren und zu entwickeln.

Projektziele:

• Erhalt und Entwicklung arten- und kräuterreicher Wiesen durch angepasste, extensive Nutzung (düngerfreie Mahdnutzung, Mähzeitpunkte ab 15.06., oder ab 01.07. bzw. mit Mahdpause zwischen Mitte Juni und September)

• Erhalt der strukturreichen, offenen, grünlandgeprägten Überschwemmungsaue

• Erhalt, Entwicklung und Vernetzung der Lebensräume der Wiesenknopf-Ameisenbläulinge durch Flächensicherung, Extensivierung, Anpassung der Mahdtermine (Mahd bis 15.06. und ab 01.09.) und Aufbau eines Biotopverbunds entlang der Gräben (Saumstreifen)

Maßnahmen und Ergebnisse:

• Landschaftspflegemaßnahmen: Pflegefläche 2016 ca. 11 ha (44.000 € Maßnahmenvolumen)

• Extensivierung durch staatliche Förderprogramme: bis 2016 konnte für knapp 30 ha Fläche Vertragsnaturschutzprogramm abgeschlossen werden.

• Saumstreifenaktion (seit 2012) v.a. für den Dunklen Wiesenknopf-Ameisenbläuling: Belassen von ungemähten 1 oder 2 m breiten Saumstreifen entlang von Gräben, welche entweder einschürig ab September gemäht werden oder zweischürig, wobei der erste Schnitt bis Mitte Juni, der zweite Schnitt ab September erfolgt.
Den Landwirten wird der Mehraufwand für die Mahd ab September mit Mähgutabfuhr und Materialverwertung vergütet.
In den Projektjahren wurden über die Saumstreifenaktion jeweils ca. 50 Saumstreifen auf etwa 6 km Länge über den Sommer erhalten. Begleitende zoologische Untersuchungen zeigen, dass die Saumstreifen vom Dunklen Wiesenknopf-Ameisenbläuling angenommen werden. Diese Maßnahme ist für Landwirte freiwillig und geht über die gesetzliche Pflicht hinaus.

• Flächenankauf (2011 - 2013, Förderung durch den Bayerischen Naturschutzfonds): es konnten 12,6 Hektar Fläche v.a. im Bereich der Kommunen Diedorf und Neusäß erworben werden. Dadurch konnten artenreiche (Flachlandmäh-) Wiesen sowie Flächen für die beiden Wiesenknopf-Ameisenbläulinge und andere Arten (z.B. Schwarzkehlchen, Sumpfschrecke, Prachtnelke) gesichert und durch angepasste Bewirtschaftung bzw. Landschaftspflegemaßnahmen entwickelt werden. Der Ankauf stellt eine freiwillige Maßnahme der Kommunen dar, die über die gesetzliche Pflicht hinaus erfolgt.

. an 10 Stellen wurden durch mähbare Flachmulden und Uferabflachung neue Biotope geschaffen.

• Beratung von Landwirten (Verwertung von artenreichem Grünland im eigenen Betrieb, geeignete Maschinen u. Geräte zur Landschaftspflege, Erfahrungsaustausch)

• Aufwertung / Optimierung öffentlicher Flächen für die Projektziele (Maßnahmenvolumen in 2016: 17.000,- €)

• Grabenmanagement seit 2011: rund 140 km Grabenlänge im FFH-Gebiet; vorwiegend kleine bis mittelgroße Gräben, sehr hohe ökologische Bedeutung der Gräben (Mollusken, Amphibien) sowie der Grabenränder für die Vernetzungsfunktion v.a. für den Dunklen Wiesenknopf-Ameisenbläuling, als Reliktstandort für seltene Pflanzenarten; Betreuung der Grabenräumung seit 2011 in einem Teilgebiet und Förderung einer naturschonenden Grabenräumung mit Baggerschaufel durch Finanzierung des Mehraufwandes für die Räumgutentsorgung durch die UNB am Landratsamt Augsburg bzw. der Regierung von Schwaben. Aktuell: Aufbau einer zentralen Räumgutentsorgung, Entwicklung eines Grabenpflegeplanes für das FFH-Gebiet.

• Öffentlichkeitsarbeit (Vorträge für die Öffentlichkeit, kommunale Gremien u. Naturschutzverbände, Exkursionen für die Bevölkerung u. Landwirte, Presse- / Fernsehbeiträge, Multiplikatorenschulung).

Finanzielle Förderung:

• Regierung von Schwaben
• Bayerischer Naturschutzfonds (Flächenankauf 2011-2013)
• UNB am Landratsamt Augsburg

Bezug zur biologischen Vielfalt:

Europaweit bedeutsame Tierarten wie z.B. die Grüne Keiljungfer, eine seltene Libellenart, sowie der Helle und Dunkle Wiesenknopf-Ameisenbläuling kommen hier vor. Außerdem auch magere Flachlandmähwiesen und Streuwiesen. Deshalb wurde das Schmuttertal als FFH-Gebiet gemeldet und ist Teil des europäischen Schutzgebietsnetzes „Natura 2000“. Der FFH-Managementplan zeigt die notwendigen Maßnahmen auf, um das 899 ha große Gebiet in seinem Wert zu erhalten. Das Projekt dient der Umsetzung des FFH-Managementplans.


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Dokumente

Flyer (2016) zum Biodiversitätsprojekt Schmuttertal

 

Besuchen Sie uns

Artenreiche Wiesenknopf-Wiesen

Radweg zwischen Margertshausen und Dietkirch (Schmutterweg)
86459 Gessertshausen

Öffnungszeiten: Optimal in den Monaten Mai - August

Frau Eva Liebig
Tel.:0821 3102 2278 (Pape: 0981-95316887)
info@naturpark-augsburg.de
http://www.naturpark-augsburg.de/projekte/biodiversitaetsprojekt_schmuttertal/

 

Weitere Infos

Naturpark Augsburg - Westliche Wälder e.V., Arbeitsgemeinschaft Schmuttertal (Neusäß, Diedorf, Gessertshausen, Fischach) mit dem Landkreis Augsburg
Gessertshausen

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