Wiesenknopf-Ameisenbläulinge im Altenburger Land

Im östlichsten Zipfel Thüringens verzeichnet ein Projekt zum Artenschutz bedrohter Schmetterlingsarten eine erfreuliche Erfolgsgeschichte. Auf den Wiesenflächen eines ehemaligen Trinkwasserschutzgebietes in den Pleißewiesen zwischen Remsa und Windischleuba hat sich über die letzten 50 Jahre inmitten einer intensiv genutzten Kulturlandschaft eine artenreiche Lebensgesellschaft mit einem Vorkommen des Dunklen Wiesenknopf-Ameisenbläulings Maculinea nausithous erhalten.

Die Nachweise und Bestandstrends dieser Schmetterlingsart sind im restlichen Altenburger Land stark rückläufig. Auf der roten Liste Thüringens wird sie als „stark gefährdet“ eingestuft. Auch das Maculinea-Vorkommen auf den Pleißewiesen war mit der Aufgabe des Trinkwasserschutzgebietes und Intensivierung der Wiesennutzung gefährdet.

Aus diesem Grund ergriffen im Jahr 2009 in einem landesweit einmaligen ENL-geförderten Gemeinschaftsprojekt die NABU Stiftung und das Naturkundliche Museum Mauritianum Altenburg Maßnahmen zur Sicherung und Wiederherstellung der wertvollen Habitate der gefährdeten Wiesenknopf-Ameisenbläulinge und anderer Feuchtwiesenbewohner in der Pleißeaue bei Altenburg.

Bereits 2008 erwarb die NABU Stiftung insgesamt 65 Hektar Wiesenfläche mit großflächigen Beständen des Großen Wiesenknopfes, der alleinigen Nektar- und Raupenfutterpflanze der Bläulinge. Seither wird die Fläche durch einen ortsansässigen Landwirtschaftsbetrieb teils extensiv mit Rindern beweidet, teils zu vorgegebenen Terminen gemäht, wobei die spezielle Fortpflanzungsbiologie der Falter berücksichtigt wird. Entwässerungsgräben wurden verschlossen um eine natürliche Wiedervernässung der Auewiesen zu ermöglichen. Dank dieser Maßnahmen vergrößerte sich das Vorkommen des Dunklen Wiesenknopf-Ameisenbläulings auf den Pleißewiesen innerhalb weniger Jahre von 60 auf 600 Individuen.

Seit 2010 weiden auf diesen Flächen auch Karpatenbüffel, die zum Zwecke der Landschaftpflege angeschafft wurden. Die Tiere wirken durch ihr Weideverhalten in ganzjähriger Freilandhaltung besser als heimische Haustierarten dem Gebüschaufwuchs auf den Wiesen entgegen und halten durch Badegänge die neu angelegten Amphibientümpel offen. Zudem ist dies der erste bekannte Versuch diese spezielle Büffelunterart zu erhalten, deren drastischer Bestandsrückgang in ihrer rumänischen Heimat den baldigen Verlust dieser widerstandsfähigen Haustierrasse befürchten lässt.

Um die ortsansässige Bevölkerung gegenüber dem Artenschutzanliegen des Projektes zu öffnen, war die Wiederherstellung eines Fußgänger- und Fahrradweges durch das Projektgebiet und seine Ausgestaltung als Wiesenerlebnispfad (Pflanzung schattenspendender Bäume, Sitzgelegenheiten, Infotafeln) ein zentraler Bestandteil der Öffentlichkeitsarbeit. Zahlreiche Exkursionen auf die Pleißewiesen, Veranstaltungen mit Schulklassen und interessierten Naturfreunden sowie Ausstellungen zum Projektgeschehen im Naturkundemuseum Mauritianum beziehen die Bevölkerung in vielfältiger Form ein.

Seit 2011 werden nun Bemühungen unternommen, das zentrale große Ameisenbläulingsvorkommen der Pleißewiesen mit anderen rezenten Vorkommen und potentielle Habitatflächen im Altenburger Land zu vernetzen. Dabei werden geeignete Wiesenflächen in den Auengebieten der Pleiße und der Whyra durch Heuansaat des Großen Wiesenknopfes, angepasste Mahdtermine und Wiedervernässungsmaßnahmen als Trittsteinhabitate für die Bläulinge entwickelt.

Da das Altenburger Land in den letzen 100 Jahren rund 90% der ursprünglich vorhandenen Kleingewässer verloren hat, beschäftigt sich das Biotopverbundsprojekt des Weiteren schwerpunktmäßig mit dem Erhalt der heimischen Amphibienwelt. Zielarten sind hier vor allem der Laubfrosch und die Wechselkröte.

Vor wenigen Jahren waren Laubfrösche im Altenburger Land noch sehr selten, befinden sich aber derzeit wieder in Ausbreitung. Durch die Anlage zahlreicher Amphibientümpel, aber auch die strukturelle Aufwertung der Sommerhabitate durch Heckenpflanzungen möchte das Projekt zum Fortbestand des Vorkommens beitragen.

Die Wechselkröte wird auf der Roten Liste Thüringens als "vom Aussterben bedroht" kategorisiert. Das Altenburger Land besitzt in der Gerstenbachaue bei Unterzetscha das individuenreichste Vorkommen dieser Art in Thüringen. Die Unterzetschaer Überschwemmungsfläche wurde durch Flächenerwerb gesichert. Seit 2012 werden auch hier zeitweilig Karpatenbüffel eingesetzt, um dem weiteren Verschilfen und Verlanden des Gewässers entgegen zu wirken.

Auf den dieserart gestalteten Feuchtwiesen ist innerhalb kurzer Zeit eine deutliche Zunahme der Artenvielfalt von an Feuchtstandorte gebundenen Insekten und Amphibien zu verzeichnen. Somit stellen sie künftig auch geeignete Nahrungshabitate für den Weißstorch dar. Um dem im Gebiet nur mit einstelligen Individuenzahlen vertretenen Weißstörchen im Brutgeschäft hilfreich unter die Flügel zu greifen, wurden auf mehreren Feuchtwiesen im Zuge des Projektes Nisthilfen errichtet.


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Wiesenerlebnispfad auf den Pleißewiesen


Öffnungszeiten: ganzjährig begehbar

 

Weitere Infos

NABU-Stiftung Nationales Naturerbe Naturkundliches Museum Mauritianum Altenburg

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