Die Arche des Geschmacks

2. Weiterentwicklung:

Die Arche des Geschmacks ist zum Symbol dafür geworden, biokulturelle Vielfalt zu bewahren. Mithilfe eines jeden Passagiers spannt Slow Food den Bogen vom kleinen zum großen – vom Wert und der Bedeutung biokultureller Vielfalt für unseren Alltag ebenso wie für die Ernährungssicherheit einer wachsenden Weltbevölkerung. Verbraucher werden sich der größeren Zusammenhänge bewusst: An Klima- und Bodenverhältnisse angepasste vielfältige alte Sorten schmecken nicht nur besser, sondern erhalten die Bodenfruchtbarkeit, unsere Kulturlandschaften sowie die Existenz kleinbäuerlich arbeitender Landwirte und Handwerker, regionale Verarbeitungsstätten sowie Vertriebsstrukturen. Der partizipative Charakter des Projektes wirkt identitätsstiftend: Menschen machen Lebensmittel, die sie aus ihrer Kindheit kennen, aber heute kaum noch finden, gemeinsam mit Slow Food wieder bekannt. In Deutschland gibt es 73 Passagiere (2016: 56); weltweit ca. 4.800 (2016: ca. 3.000). Die Berichterstattung über die Arche hat zugelegt, in Regionalmedien, Magazinen (z.B. Alnatura, enorm, Hygge), TV/Hörfunk (z.B. BR, SWR) sowie Reiseführern. Slow Food Deutschland integriert die Arche in der Bildungsarbeit und auf Veranstaltungen. Genutzt werden die Webseiten-Inhalte, Flyer, Postkarten, Aufkleber und Roll-ups. Das Köche-Netzwerk des Vereins bereitet Gerichte mit Passagieren zu. Realisiert wurden Kooperationen mit dem Deutschen Gartenbaumuseums in Erfurt und der Fachakademie für Ernährungs- und Versorgungsmanagement.

Weiterentwicklung:

Das Projekt “Arche des Geschmacks” zum Erhalt der biologischen Vielfalt wurde 1996 von der Slow Food Stiftung für Biodiversität gestartet. Regional wertvolle Lebensmittel, Nutztierarten und Kulturpflanzen sollen bekannter gemacht und so vor dem Vergessen und Verschwinden gerettet werden. Unter dem Motto “Essen, was man retten will” wird die Nachfrage nach Arche-Passagieren durch Öffentlichkeitsarbeit und Kooperationen gesteigert. In Deutschland gibt es nun 56 Arche-Passagiere (2014: 46); weltweit ca. 3000. Einige Passagiere erlebten durch das Projekt einen großen Aufschwung (z. B. Alblinse, Champagner Bratbirne) und sind durch die steigende Nachfrage weniger gefährdet. Um weitere Passagiere zu finden wurde eine Kooperation mit der Universität der Gastronomischen Wissenschaften (Italien) gestartet. Studenten liefern der Arche-Kommission neue Passagier-Vorschläge sowie erste Recherchen als Prüfungsgrundlage. Im Fokus ist der Ausbau des Netzwerks: Passagiere werden verstärkt in Restaurants angeboten und in Slow-Food-Veranstaltungen eingebunden. Eine kontinuierlich angepasste Erzeugerliste unterstützt die steigende Nachfrage. Eine Foto-Ausstellung aller Arche-Passagiere auf dem 10. “Markt des guten Geschmacks” (95.000 Besucher) rückte die bio-kulturelle Vielfalt ins öffentliche Auge. Auf der Messe ausgestellte Arche-Produkte wurden in Diskussionsrunden mit Erzeugern präsentiert. In Kooperation mit der nachhaltigen Agentur Fields (Bln) ist ein Kochbuch zu alten Sorten in Arbeit.

Ursprüngliche Bewerbung:

Der Verlust an biologischer Vielfalt ist weltweit ein oft thematisiertes Problem und das nicht nur wegen der Reduzierung an genetischen Ressourcen, sondern auch in Bezug auf die globale Lebensmittelproduktion, die vielfach negative Folgen für die Artenvielfalt hat. Eine Lösung kann in einer „glokalen“ Herangehensweise liegen: „Glokal“ bedeutet globale Herausforderungen wie Welternährung und Klimawandel mit lokal verankerten Initiativen zu lösen.

Aufklärung und Vermittlung von handlungsleitendem Wissen über eine nachhaltige Lebensmittelerzeugung, die Artenvielfalt erhält und Ernährungssouveränität garantiert, ist die Kernaktivität von Slow Food (http://www.slowfood.de/). Zentral ist die landwirtschaftliche Lebensmittelerzeugung, die auf autochthonen Tierarten sowie regionalen Pflanzensorten basiert, die ihrerseits Ressourcen schonen. Eines der wichtigsten Projekte, die Arche des Geschmacks (http://www.slowfood.de/biodiversitaet/arche_des_geschmacks/), hat den Erhalt der Biodiversität und die Rettung von bedrohten lokalen Gemüse- und Pflanzensorten und Tierrassen zum Gegenstand.

Die Arche des Geschmacks wurde mit dem Ziel gegründet, lokale und traditionelle Lebensmittel, die nachhaltig erzeugt werden, eine identitätsstiftende Bedeutung in ihrer Region haben und unter den gegenwärtigen ökonomischen Bedingungen am Markt nicht bestehen können, vor dem Verschwinden zu retten. Mit dem Wissen, dass biologische Vielfalt regionale Wurzeln besitzt, bewahrt die Arche des Geschmacks das kulinarische Erbe der Regionen und ihre Geschmacksvielfalt.

Im konkreten Sinne ist die Arche des Geschmacks ein Katalog, der Ausgangspunkt ist zur lebendigen Erhaltung der Artenvielfalt. In ihm werden „Passagiere“ gelistet, um durch verschiedenste Initiativen gerettet zu werden – nicht zuletzt durch Essen. Der auch online zur Verfügung stehende Arche-Katalog listet die Eigenschaften der Passagiere und ihre Bezugsquellen auf. Mit diesen Informationen kann die engagierte Öffentlichkeit verschiedenste Maßnahmen rund um Arche-Passagiere zum Thema Biodiversität durchführen (Aufklärungs- und Bildungsarbeit, Märkte, Verkostungen, Erzeugerbesuche).

Das innovative Moment der Arche des Geschmacks besteht darin, dass sie holistisch, interdisziplinär, intergenerationell und partizipativ ist. Jeder kann daran teilnehmen. Kinder und Erwachsene, Bauern und Köche, Fachleute und Laien werden aufgefordert, einen Arche-Passagiere vorzuschlagen: einen Käse aus der Kindheitszeit, ein Rezept der Oma, eine alte Obstsorte. Nach Einreichung des Vorschlags für einen Arche-Passagiere ist es dann Aufgabe einer Fachkommission, die Aufnahmekriterien zu kontrollieren und anschließend zu entscheiden, ob das Produkt an Bord genommen wird.

Ein Beispiel dafür ist der seit 2005 aufgenommene Arche-Passagiere Bamberger Hörnla (http://www.slowfood.de/biodiversitaet/die_arche_passagiere/bamberger_hoernla/), eine der ältesten Sorten unter den Knollengewächsen Deutschlands. Die für Kartoffelfäule und Schädlinge anfälligen Knollen benötigen einen hohen Pflegeaufwand, und der geringe Ertrag der Kartoffelsorte haben den Anbau über die Jahre unrentabel gemacht, so dass andere einfacher zu kultivierende Sorten mit größerem Ertrag bevorzugt wurden.

Das Engagement der Akteure rund um die Arche des Geschmacks hat dafür gesorgt, dass die Erzeuger der Bamberger Hörnla an lokalen und nationalen Veranstaltungen teilnehmen konnten, nun bessere Verkaufsmöglichkeiten haben, Infomaterialien für ihre Werbung erhalten, und die Öffentlichkeit über den Wert der Knolle informiert wird. Das Resultat: die Bamberger Hörnla wurden im Oktober 2013 in die Liste der geschützten geografischen Angaben (g.g.U.) aufgenommen.

Bislang gibt es in Deutschland 48 Arche-Passagiere (http://www.slowfood.de/biodiversitaet/die_arche_passagiere/). Um die Entwicklung der Arche des Geschmacks zu fördern, wurde das „Arche-Jahr“ aufgerufen, mit dem Ziel im nächsten Jahr bis zu 100 Arche-Passagiere aufzunehmen. Über neunzig Vorschläge wurden in den letzten Monaten eingereicht. Viele davon, darunter der Bremer Scheerkohl und das alpine Steinschaf, sind gerade auf dem Sprung zum Passagier.

Die internationale Arche des Geschmacks (http://www.slowfoodfoundation.com/ark) katalogisiert über 1650 Passagiere aus allen Kontinenten. Kommunikationsmaterialien in verschiedenen Sprachen (http://www.youtube.com/watch?v=mchN0QCOw58) werden bereitgestellt. Im Herbst 2013 wurden zwei Sonderschauen zu diesem Thema in Italien und in Südkorea mit über 300 internationalen Passagieren veranstaltet.

Die Arche des Geschmacks ist vor allem ein konkretes Engagement. Es bringt modellhaft Menschen zusammen, welche die Vorzüge einer nachhaltigen, vielfältigen, der Natur gegenüber respektvollen Nutzung der biologischen Vielfalt im Bereich Nahrung und Esskultur fördern wollen. Arche-Passagiere verankern alternative funktionierende Wirtschaftsmodelle dauerhaft, die auf der ganzen Welt wiederholt werden können.

Bezug zur biologischen Vielfalt:

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Video:


Bild 1
Bild 2

Bild 3

Dokumente

Arche-Flyer: Bamberger Hörnla

Arche-Flyer: Murnau Werdenfelser Rind

Arche-Flyer: Lausitzer Nelkenapfel

Arche des Geschmakcs_Infoflyer

Arche-Flyer: Bremer Scheerkohl

 

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Öffnungszeiten: Montags - Freitags 11 - 17 Uhr

Frau Claudia Nathansohn
Tel.:030 200 04 75 15
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http://www.slowfood.de/biokulturelle_vielfalt/arche_des_geschmacks/

 

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