Sielmanns Biotopverbund Bodensee

Die Bodenseeregion zeichnet sich durch eine besonders abwechslungsreiche und schöne Kulturlandschaft aus. Gewässer, Feuchtgebiete, Weiden, Streuobstwiesen, Magerrasen und Wälder sind zu einem engen Lebensraummosaik verzahnt und beherbergen eine Vielzahl an Tier- und Pflanzenarten.

Durch Flächenverbrauch und eine zunehmend intensivere Land- und Forstwirtschaft gehen jedoch auch am Bodensee immer mehr Lebensräume verloren. Oft bleiben nur noch kleine, isolierte Flächen übrig, die den genetischen Austausch der Arten erschweren. Tier- und Pflanzenvorkommen werden immer kleiner und verschwinden schließlich ganz. Um dem Artenrückgang entgegenzuwirken, rief die Heinz Sielmann Stiftung in 2004 das Naturschutzprojekt Sielmanns Biotopverbund Bodensee auf Initiative von Prof. Dr. Peter Berthold ins Leben.

Sielmanns Biotopverbund Bodensee umfasst inzwischen bereits 26 Biotopstandorte mit über 80 Einzelmaßnahmen am westlichen Bodensee, Baden-Württemberg. Über 50 weitere Biotopstandorte sind geplant. Die Maßnahmenschwerpunkte liegen auf der Neuanlage oder Reaktivierung von Stillgewässern, der Erweiterung von besonders wertvollen Streuobstwiesen und der Einrichtung von extensiven Weideflächen.

Am Heinz-Sielmann-Weiher in Billafingen ist der Biotopverbund Bodensee besonders gut erlebbar. Auf einer Fläche von rund 20 Hektar entwickelte sich in nicht einmal zehn Jahren ein strukturreiches Lebensraummosaik mit einem 1,3 Hektar großen Weiher, vegetationsreichen Tümpeln und Gräben, ausgedehnten Schilfflächen, blütenreichen Säumen und Feldhecken. Wasserbüffel beweiden seit 2011 das sensible Weiherumfeld und schaffen dadurch weitere wertvolle Mikrohabitate für Vögel, Insekten und Pflanzen.

Malerische Hügel, Streuobstwiesen und Feldgehölze umgeben den Inge-Sielmann-Weiher bei Überlingen-Walpertsweiler. Der in 2012 reaktivierte, ehemalige Fischweiher, blickt auf eine Geschichte bis ins 14. Jahrhundert zurück – heute ist er ein kostbares Naturjuwel!

In den drei Streuobstprojekten in Überlingen-Hödingen und -Nußdorf sowie Birnau wurden bereits über 400 Streuobsthochstämme gepflanzt. Jung- und Altbäume werden durch Fachwarte für Obst- und Gartenbau regelmäßig gepflegt und die Wiesen extensiv beweidet. Insgesamt umfassen die drei Streuobstprojekte eine Fläche von über 14 Hektar.

Jeder Gemeinde ihr Biotop! Unter diesem Motto entsteht im Biotopverbund Bodensee parallel zu den Ortschaften ein Netz aus hochwertigen Lebensräumen für Tiere und Pflanzen. Möglichst „engmaschig“ soll es einmal werden, damit sich Tier- und Pflanzenbestände wieder erholen können und verschwundene Arten die Chance haben, zurückzukehren.

Das Konzept des Biotopverbundes Bodensee – Schaffung neuer Lebensräume durch Renaturierung - geht auf grundlegende Arbeiten von Peter Berthold am Max-Planck-Institut für Ornithologie seit 1988 zurück. Dank der Heinz Sielmann Stiftung wird das Konzept am Bodensee seit 2004 pilothaft umgesetzt. Wichtige Partner sind dabei Städte und Kommunen als Flächeneigentümer und Projektträger. Ein prominentes Kuratorium schafft Verbindungen in das regional-gesellschaftliche Umfeld, projektspezifische Arbeitsgruppen begleiten die Projekte fachlich.

Mit Blick auf das Thema biologische Vielfalt kann der Biotopverbund Bodensee bereits schöne Erfolge vorweisen. Am Heinz-Sielmann-Weiher in Billafingen z.B. haben sich seit der Neuanlage der Biotopstrukturen 13 neue Brutvogelarten angesiedelt, darunter z.B. Weißstorch, Schwarzkehlchen und Wasserralle. Die Zahl der beobachteten Vogelarten stieg von 115 auf bisher 177. An nahezu allen Stillgewässern kommen Teich- und Laubfrosch vor. Viele Gewässer werden außerdem durch Grasfrosch, Erdkröte und Bergmolch besiedelt. Von besonderer Bedeutung sind die Laubfroschpopulationen. Am Heinz-Sielmann-Weiher kommt mit ca. 200 Tieren eine der größten Populationen im Projektgebiet vor. Nach der Anlage des Heinz-Sielmann-Weihers entwickelte sich im Billafinger Tal eine der größten Erdkrötenpopulationen im Bodenseekreis. Sie umfasst bis zu 5.000 Tiere und wird zur Laichzeit mit einem Krötenzaun gemanagt.

Neben den positiven faunistischen und botanischen Entwicklungen sind die sozio-kulturellen Auswirkungen des Projekts von besonderer Bedeutung. Die geschaffenen Biotopkomplexe erfreuen sich großer Beliebtheit in der Bevölkerung und werden mit großem Interesse und Zuspruch getragen. Vielleicht ist das langfristig gesehen sogar das wichtigste Ergebnis. Denn eine wohlwollende und konstruktive Einstellung zu Naturschutzmaßnahmen ist Grundvoraussetzung für die Realisierung von Projekten in Wald und Feld.

Wie geht es weiter mit Sielmanns Biotopverbund Bodensee? Unsere Idee ist es, private und öffentliche Mittel künftig stärker zusammenzuspannen und gezielt dem Biotopverbund Baden-Württemberg am Bodensee zur Umsetzung zu verhelfen.



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Dokumente

Die Broschüre ´10 Jahre gelungene Naturschutzarbeit 2004 - 2013´ gibt einen Überblick über das Konzept und die bisher umgesetzten Biotopmaßnahmen in Sielmanns Biotopverbund Bodensee.

In der Öffentlichkeitsarbeit wird eine Infografik eingesetzt, die das Prinzip der Entwicklung, des Rückgangs und der Zunahme von Biodiversität im Zusammenhang mit Landschaftsentwicklung und Biotopverbundsmaßnahmen anschaulich transportiert.

Die Übersichtskarte von Sielmanns Biotopverbund Bodensee zeigt die bisher umgesetzen Biotopstandorte in den Landkreisen Konstanz und Bodenseekreis.

 

Besuchen Sie uns

Lebensraummosaik Heinz-Sielmann-Weiher

an der L 205 Ortseingang Billafingen von Stockach kommend
88696 Owingen-Billafingen

Öffnungszeiten: Der Biotopstandort ist zu jeder Zeit frei begehbar.

Frau Sindy Bublitz
Tel.:077718798377
s.bublitz@sielmann-stiftung.de
http://www.sielmann-stiftung.de/projekte/sielmanns-biotopverbunde/biotopverbund-bodensee/

 

Weitere Infos

Das Naturschutzprojekt "Sielmanns Biotopverbund Bodensee" wird von der Heinz Sielmann Stiftung getragen. Initiiert wurde es vor 10 Jahren von Prof. Dr. Peter Berthold (Max-Planck-Institut für Ornithologie) gemeinsam mit Prof. Heinz Sielmann.
Owingen-Billafingen

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