Faba-Naturprojekt, Biodiversität stärkt belastete Kinderseelen

Weiterentwicklung:

Im Herbst 2015 ist es gelungen einen weiteren Faba-Standort zu gründen. Der Deutsche Kinderschutzbund Bielefeld bietet das Faba-Program in Kooperation mit dem Schulbauernhof Ummeln, als Standort und der Arbeitsgemeinschaft der Betriebskrankenkassen in OWL, als Finanzierer, in zwei Gruppen, ganzjährig an. Der Schulbauernhof Ummeln gehört zu den ältesten Schulbauernhöfen in NRW, als anerkannter Arche-Hof beherbergt er zahlreiche seltene Nutztierrassen und ist ein idealer Ort für das Faba-Naturprojekt. In Gütersloh konnte das Faba-Projekt jetzt auf sein 10 jähriges Bestehen zurückblicken! Im Programm zur biologischen Vielfalt der Stadt Gütersloh wird das Faba-Projekt als "Appetitanreger Nr.7" vorgestellt. Auch in der TEEB-Studie des Helmholtzzentrums für Umweltforschung UFZ wird das Faba-Projekt als Beispiel für den Wert der Natur vorgestellt.

Ursprüngliche Bewerbung:

Eine 8000 m² große Streuobstwiese mit 65 Hochstammobstbäumen und einem großen bäuerlichen Nutzgarten ist der Ort, an dem das Faba-Naturprojekt des Deutschen Kinderschutzbundes -Kreisverband Gütersloh- seine Heimat hat.

Hier scharren Hennen und Hahn der Rasse „Altsteirer“ in der Erde und die Glucken führen ihre Küken. Bienen von 10 Honigbienenvölkern surren durch die Luft und bestäuben die Obstbäume und die vielen Wildblumen. Über 20 verschiedene typisch westfälische Dorfpflanzenarten finden sich auf dem Gelände ebenso wie die Vertreter von Trockenrasen- und Ruderalgesellschaften. Überall hört man Vögel zwitschern, denn Westfalens größte Feldsperlingspopulation mit jährlich 50 Paaren ist hier beheimatet. Die Feldsperlinge nutzen das große Angebot an Nisthilfen für die Jungenaufzucht und die 400 Meter lange Weißdornhecke, die das Gelände begrenzt, als Versteck- und Kommunikationszentrum. Die 200 Meter lange Feldhecke bietet Lebensraum für viele weitere Vogelarten, Nager und Amphibien. Hier verstecken sich auch Igel und das Wiesel. Das große Wildbienenhaus und die Blühstreifen an den Grünwegen und in den Baumreihen bieten einen idealen Lebensraum für viele Stechimmenarten. Auch für Heuschrecken und Schmetterlinge vieler Arten ist dieser Bereich sehr wertvoll. Im Sommer grasen Bentheimer Schafe auf der Wiese. Die kurze Vegetation, die sie hinterlassen, nutzen der Gartenrotschwanz und der Steinkauz zur Nahrungssuche. Der große bäuerliche Nutzgarten, eingefasst von der Weißdornhecke, bietet ein gutes Kleinklima für den Anbau von Gemüse, Kräutern und Beerenobst.

Das Gelände bietet ideale Voraussetzungen für das Präventionsangebot Faba. Faba steht für Familien in Balance und ist gleichzeitig der lateinische Name für die Ackerbohne, Vicia faba. Dieses Gartengemüse, Logopflanze des Projektes, ist auch als „dicke Bohne“ bekannt.
Das Präventionsprojekt bietet ein soziales Gruppenangebot zur seelischen Stabilisierung von Kindern aus Familien mit einer Belastung durch eine Sucht-und/oder psychischen Erkrankung. Viele dieser betroffenen Kinder sind gefährdet, ebenfalls psychisch zu erkranken oder eine Suchtproblematik zu entwickeln. Der begleitete Kontakt und Tätigkeiten in Natur- und Garten, sowie der Umgang mit Haus- und Hoftieren, kann den betroffenen Kindern helfen Resilienzen zu entwickeln. Unter Resilienz wird eine besonders hohe Widerstandskraft gegen Stress als Schutzfaktor bei ausgeprägten Entwicklungsmöglichkeiten verstanden. Das Angebot ist eingebettet in die Kontexte von Natur- und Artenschutz, sowie in den Gesundheits- und Sozialbereich der Stadt Gütersloh. Mit vielen Akteuren dieser Bereiche besteht eine enge Kooperation. Das Angebot richtet sich an betroffene Gütersloher Familien. Es können jährlich acht Kinder im Alter von 8 bis 11 Jahren teilnehmen. Die Eltern erhalten ein eigenes Gruppenangebot über die Suchtselbsthilfe. In der Gartensaison von März bis Oktober finden insgesamt 12 Treffen auf dem Projektgelände statt. Den Transport der Kinder übernehmen ehrenamtliche Mentoren. Das Gruppenprogramm richtet sich an den saisonalen Gegebenheiten aus. Angeboten werden gemeinsames Erleben von Wachsen und Kraft in der Natur, graben, säen, pflegen, ernten, fühlen, erfassen, klettern und gestalten. Die Vermittlung von Artenkenntnissen, biologischen Zusammenhängen im Lebensraum „Streuobstwiese“ und praktischer „Naturschutzarbeit“ stehen im Mittelpunkt des Angebotes. Die Kinder erleben in einer Gruppe Gleichbetroffener einen bisher nicht oder wenig bekannten “Lebensraum“. Der Projektansatz, Natur- und Garten als Medium für die Resilienzentwicklung der Kinder zu nutzen ist einleuchtend, denn das tätig sein in Natur und Garten und die Beobachtung des Werdens, Vergehens und der Prozesse der Veränderung im Jahreskreis wirken positiv auf die Kinder. Sie zeigen sich in erstaunlich kurzer Zeit vertraut mit dem Gelände und seinen Bewohnern. Im Kontakt zu den Betreuern können in kurzer Zeit vertrauensvolle Beziehungen entstehen und von den Kindern genutzt werden. Der kreative und schöpferische Umgang mit Naturmaterialien, der Kontakt zu Hof- und Wildtieren, die Handhabung von Werkzeugen, die sportlichen Angebote und die „mutigen“ Herausforderungen führen bei den Kindern zu einer Selbstwirksamkeitsüberzeugung als Schutzfaktor.

Die wissenschaftliche Evaluation des Projektes, die im Jahr 2013 durch eine Gesundheitswissenschaftlerin durchgeführt wurde, zeigt schon jetzt die positive Wirkung auf die Kinder und deren Familien. Der Deutsche Kinderschutzbund in Gütersloh organisiert Anschlussangebote für die Kinder und steht ihnen und ihren Familien weiterhin beratend zur Seite. Die Stadt Gütersloh fördert das Projekt im Rahmen freiwilliger Leistungen. Mit Vertretern der gesetzlichen Krankenkassen wird derzeit über eine finanzielle Beteiligung im Rahmen von Aufgaben der Prävention verhandelt. Eine Übertragung des Projektansatzes in NRW ist in konkreter Planung


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Dokumente

Flyer Vorderseite

Flyer Rückseite

Projektplakat

 

Besuchen Sie uns

Streuobstwiesengelände

Außenheideweg
33334 Gütersloh-Isselhorst

Öffnungszeiten: Führungen sind nach Absprache in der "Saison" von März bis Oktober möglich.

Herr Rainer Bethlehem
Tel.:05241/6451
rur.bethlehem@arcor.de
http://www.faba-naturprojekt.de

 

Weitere Infos

Deutscher Kinderschutzbund Kreisverband Gütersloh (Projektträger) Renate & Rainer Bethlehem (Initiatoren)
Gütersloh-Isselhorst

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