Die Berliner Flechtendiversität auf Italienisch untersuchen?

Biologische Vielfalt trifft Sprachenvielfalt! Seit drei Jahren bietet das Albert-Einstein-Gymnasium Berlin den Schülern der 11. Klassen, die Italienisch-Muttersprachler sind, ein Umweltbildungsprojekt zum Thema Biologische Vielfalt auf Italienisch an. Die Schule ist eine bilinguale staatliche Europaschule und führt zu einem zweisprachigen Abiturabschluss in Deutsch und Italienisch. Unter den Fächern, die auf Italienisch unterrichtet werden, gehört u.a. auch Biologie.

Die Besonderheit des Projektes ist, Umweltbildung zum Thema Biologische Vielfalt mit sprachlichem Fachunterricht zu verknüpfen. Den Jugendlichen wird Biologische Vielfalt in ihrem täglichen Lebensumfeld im Rahmen des Biologieunterrichtes (Ansprechpartnerin: die Biologie-Lehrerin Frau Monica Koch-Pirisi) und in Kooperation mit einer Wissenschaftlerin (Frau Dr. Luciana Zedda, Firma BIO-Diverse), welche beide italienische Muttersprachlerinnen sind, nahe gebracht: durch Theorie und Praxis erfahren die Schüler, wie sie sich durch Methoden, die aus der wissenschaftlichen Forschung stammen, die unbekannte Biologische Vielfalt eines Geländes erschließen können und welchen Nutzen Biodiversität innerhalb der Natur, aber auch für den Menschen hat. Gleichzeitig wird Ihnen die Möglichkeit geboten, durch aktiven Sprachgebrauch italienische Fachtermini zu verinnerlichen.
Das Albert-Einstein-Gymnasium befindet sich im Berliner Bezirk Neukölln. In dem Umweltbildungsprojekt wird die Flechtenvielfalt in den nahegelegenen Alleen und Parks der Schule untersucht sowie Flechten als Bioindikatoren zur Bestimmung der Luftqualität genutzt.
Folgende Ziele verfolgt das Projekt:
• durch praktische Erfahrungen und theoretisches Hintergrundwissen Begeisterung für Biologische Vielfalt wecken
• den Wert der biologischen Vielfalt im Stadtgebiet wahrnehmen
• Organismen erkennen, die normalerweise übersehen werden
• Artenkenntnisse erhalten
• lernen, was eine Symbiose bedeutet
• die Arten mit Hilfe von traditionellen dichotomen oder online interaktiven Bestimmungsschlüsseln identifizieren
• moderne Monitoringmethoden kennenlernen und Kenntnisse über die Luftverschmutzung und die Luftqualität erhalten
• lernen, wie digitale Bilder und Daten ausgewertet werden
• neue Fachbegriffe auf Italienisch lernen

Durchführung des Projektes:
Die Untersuchung der Flechtendiversität wurde in drei Tagen intensiver Arbeit durchgeführt.
Am ersten Tag wurde eine Einführung in die Flechtenkunde, in die Methoden der Gelände- und Laborarbeit, der Langzeitbeobachtung sowie der Datenauswertung gegeben. Nach dem theoretischen Unterricht, wurden, während eines ersten Ausfluges in der Nähe der Schule, alle möglichen Substrate mit Lupe untersucht, auf denen Flechten wachsen.
Am zweiten Tag wurden weitere Ausflüge durchgeführt, um Flechten zu beobachten und zu sammeln. Nach einer kurzen Einleitung über die Beobachtungs- und Sammlungsmethoden der Flechten, konnten die Schüler selbständig Arten sammeln und Aufnahmen mit verschiedenen Kartierungsmethoden für die ökologische Langzeitbeobachtung durchführen.
Die gesammelten Arten wurden im Labor mit Hilfe von optischen und Stereomikroskopen sowie mit Reagenzien bestimmt. Es wurden sowohl traditionelle dichotomische Bestimmungsschlüssel als auch online interaktive Schlüssel verwendet. Die Ab- und Anwesenheitsdaten der Arten wurden in Excel-Tabellen eingegeben, zusammen mit Informationen über deren Umwelt, die untersuchten Bäume und die Exposition.
Die Schüler zeigten sich an den behandelten Themen sehr interessiert, v.a. fanden sie die praktischen Aspekte des Projektes sehr spannend. In wenigen Unterrichtsstunden waren sie schon in der Lage über 20 Flechtenarten zu bestimmen und könnten die Veränderungen der Flechtengesellschaften im Vergleich zu den letzten 15-20 Jahren erfassen. Flechtenkartierungen zur Bestimmung des Luftgüte-Indexes, die in Berlin in den neunziger Jahren durchgeführt wurden, hatten Flechtenwüsten bzw. lediglich das Vorkommen von Lecanora conizaeoides auf Bäumen in Parks und Alleen von Berlin nachgewiesen. Aktuell findet man eine größere Flechtenvielfalt, speziell von sogenannten nitrophilen Arten, die v.a. auf Bäumen in stark befahrenen Alleen als Zeiger für Stickstoffverschmutzung zu finden sind. Bemerkungswert war der Wiederfund von Bacidia neosquamulosa, eine Art typisch für basische Substrate,± mit Stickstoffen angereichert, welche sich seit einigen Jahren in Zentraleuropa ausbreitet, in Folge des Rückgangs von SO2 in der Luft. Diese Erfassung ist eine der ersten in Berlin. Im Park des Schlosses Britz wurden stattdessen vorwiegend Lepraria-Arten gefunden.
Die gesammelten Daten wurden von den Schülern während der Biologie-Unterrichtsstunden weiter ausgewertet und ein Beitrag für ein Online-Magazin der Schule wird zurzeit vorbereitet. Eine Liste der untersuchten Arten sowie weitere Informationen zum Projekt finden Sie unter http://blog.bio-diverse.de/?p=149 (auf Deutsch) und http://blog.bio-diverse.de/?p=105 (auf Italienisch).


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Weitere Infos

Frau Monica Koch-Pirisi, Albert-Einstein-Gymnasium Berlin, Parchimer Allee 109, 12359 Berlin Frau Dr. Luciana Zedda, BIO-Diverse Dr. Nicole Nöske, Dr. Luciana Zedda GbR, Ließemer Str. 32 a, 53179 Bonn

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