Der Hertzhaimer-Naturgarten in Trostberg

Wie viele Schulgebäude der 1960er war auch das Hertzhaimer-Gymnasium Trostberg von Beton geprägt. Seit den Anfängen des Hertzhaimer-Naturgartens hat sich das Schulumfeld zu einer Naturoase in einer von Industrie geprägten Stadt mit intensiv landwirtschaftlich genutztem Umland entwickelt: Er prägt das Gebäude und das Gelände von allen Seiten, denn er ist nicht wie andere Schulgärten auf einem abgesonderten Gelände angelegt, sondern breitet sich rund um das Gebäude aus und durchzieht es bis zum obersten Stock.

Im Schuljahr 1983/84 begannen die Schulgärtner, den Schulhof mit Grün naturnäher zu gestalten. Durch die intensive Arbeit von fast 30 Jahren ist so im Laufe der Zeit eine einzigartige Kombination aus Lernraum und Biotopverbund entstanden.
Der Hertzhaimer-Naturgarten zeichnet sich durch eine große Bandbreite verschiedener biologischer Habitate aus; er umfasst u.a. Trockenstandorte, Lesesteinhaufen, ein Wäldchen, Wiesenstücke, Gründächer, eine Hecke, Fugenbewuchs und kleine Teiche. Wildwuchs gehört dabei zum Konzept.

Der Naturgarten versteht sich nicht nur als Lebensraumangebot, sondern auch als lebensechtes Exempel zur Nachahmung: Darum sind über das ganze Gartenareal Informationstafeln aufgestellt, die Aufbau, Sinn und Nutzen der einzelnen Biotope erläutern. Den Schülern wird so die Möglichkeit gegeben, sich während der Pausen und in ihrer Freizeit mit Naturschutz und seiner praktischen Umsetzung zu befassen. Zudem laden zahlreiche von den Schulgärtnern auf dem Areal eingerichtete Sitzgelegenheiten sowie ein "Grünes Klassenzimmer" für Unterricht im Freien zum Verweilen im Garten ein. Es ist den Schulgärtnern außerdem wichtig, dass der Naturgarten für alle Interessierten offen steht, sodass sich jeder Anregungen verschaffen kann. Ausführliche Empfehlungen und Anleitungen zur Einrichtung eines Naturgartens haben die Schulgärtner im Buch "Viel Platz für kleine Tiere" (Stark 1992) veröffentlicht.
Als regelmäßige Aktion richten die Schulgärtner seit 1986 jährlich die Blumenbörse aus. Hobbygärtner sollen durch die Blumenbörse die Möglichkeit erhalten, Setzlinge, Zwiebeln, Knollen, Ableger usw., die sie nicht mehr benötigen, an einer Sammelstelle im Hertzhaimer-Gymnasium Trostberg abzugeben, anstatt sie einfach auf den Kompost zu werfen: Dort haben wiederum andere Gärtner die Möglichkeit, aus den Spenden auszuwählen und die eigenen Gärten auf schnellem Wege durch neue Arten zu bereichern. So soll die Artenvielfalt in den heimischen Gärten erhöht werden.

Die Pflege des Hertzhaimer-Naturgartens erfolgt im Rahmen des Wahlunterrichts "Schulgarten", den jährlich durchschnittlich 30 Schüler wählen; bei ihrer Arbeit sind sie und die betreuende und organisierende Lehrkraft Bärbel Ansorge jedoch nicht auf sich allein gestellt: Auch andere Schüler beteiligen sich an der Umsetzung größerer Projekte, und engagierte Lehrerkollegen und Schülereltern helfen regelmäßig bei der Pflege des Hertzhaimer-Naturgartens mit. Die ganze Schulfamilie kann sich also eingebunden fühlen.
Diesen vielen helfenden Händen ist es zu verdanken, dass aus dem Schulgarten das Mosaik unterschiedlichster Lebensräume entstanden ist, das in seinem kleinräumigen Wechsel eine Fülle ökologischer Nischen für Flora und Fauna bietet. Den Nutzen dieses Biotopverbunds zeigt eine Bestandsaufnahme, die eine bemerkenswerte Zahl von rund 900 Tier-, Pflanzen- und Pilzarten ergibt - in einem von Menschenhand geschaffenen Lebensraum von nur etwa 0,5 Hektar Fläche. Die erstaunlichen Ergebnisse wurden am 21.11.2012 bei einer Festveranstaltung präsentiert, an der u.a. auch Vertreter des Bayerischen Kultus- und des Umweltministeriums teilnahmen sowie Prof. Dr. Hubert Weiger, der Vorsitzende des BN und des BUND.

Indem diese außerordentliche ökologische Vielfalt in und um die Schule angelegt ist, bietet der Hertzhaimer-Naturgarten die einmalige Möglichkeit, sie in den Unterricht einzubeziehen; mit dem ökologischen Nutzen verbindet sich so ein großer didaktischer Vorteil. Die Schüler können vor dem Klassenzimmer die biologischen Abläufe im Jahreskreis kennenlernen, von der Obstblüte im Frühling über die Reifung und das fallende Laub bis zum erstarrten Teichwasser im Winter. So hilft der Naturgarten, der Entfremdung von der Natur entgegenzuwirken. Zu diesem beobachtenden kommt das aktive Miterleben, indem die Schulgärtner die Früchte selbst ernten und verarbeiten können und erfahren, wie eng unsere Nahrung an die Natur gekoppelt ist.
Dadurch zeigt sich der große soziale Nutzen des Hertzhaimer-Naturgartens: Indem er sich außen an den Verkehrsflächen, die täglich von Schülern, Eltern und Lehrern genutzt werden, und innen auf Gängen und in Treppenhäusern befindet, lebt die Schulfamilie immer damit und Schüler lernen im täglichen Umgang zu beobachten, sich Wissen anzueignen und Rücksicht zu nehmen.


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Besuchen Sie uns

Naturgarten rundum im Außenbereich des Hertzhaimer-Gymnasiums Trostberg

Stefan-Günthner-Weg 6
83308 Trostberg

Öffnungszeiten: Permanent zugänglich für jeden Besucher

Frau Bärbel Ansorge
Tel.:08621-98510 (Sekretariat der Schule)

 

Weitere Infos

Schulgartenleitung: OStRin a.D. Bärbel Ansorge Wahlunterricht Schulgarten: Direktorat des Hertzhaimer-Gymnasiums Trostberg Sachaufwandswandsträger für Gelände und Gebäude: Landratsamt Traunstein
Trostberg

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