Paradies für 100 seltene Tiere & Pflanzen

Die BUND Kreisgruppe Mayen-Koblenz hat die biologische Vielfalt der artenreichen Feuchtwiesen, Sumpfzonen, Bäche und Quellen in Sevenich über einen Zeitraum von 4 Jahren auf das Vorkommen von gesetzlich geschützten Arten untersucht. Dabei wurde eine ganz wunderbare Tier- & Pflanzenwelt entdeckt, in der über 100 geschützte Arten leben, zu denen ausgesprochen schöne und zugleich seltene Amphibien, Schlangen, Käfer, Libellen, Schmetterlinge, Pflanzen, Säugetiere und Vögel zählen. Bei den Untersuchungen lag der Fokus ausschließlich auf Spezies, deren Schutzstatus auf der Roten Liste, der FFH-Liste oder im Bundesnaturschutzgesetz verankert ist. Hierzu wurde vom BUND Vorstand eine 40 Seiten umfassende Artendokumentation erstellt, die jede einzelne Art, das Funddatum und ihren Schutzstatus aufzeigt. Es wurden über 3000 Einzelfotos ausgewertet und zahlreiche Experten hinzugezogen. Die Artenerhebung zeigt, wie bedeutend die Sevenicher Wiesen für den Erhalt der biologischen Vielfalt im Maifeld sind und wie wichtig ein nachhaltiger Schutz solch eines fragilen Ökosystems für die Zukunft ist.

Das Besondere an Sevenich ist seine abwechslungsreiche Struktur mit vielfältigen Habitaten, die einer hohen Anzahl von Arten in gegenseitigem Nutzen Lebensraum, Nahrung und Schutz gewähren. Die Feuchtwiesensenke durchzieht Sevenich von Norden nach Süden entlang des Wallerbaches. Der wertvolle biologische Habitat-Charakter wird durch seine Tieflage im topographischen Zusammenhang klar. Die oberste Feuchtwiese mit Sumpf- & Flachwasserzone befindet sich nördlich der Kreisstraße K35. Hier leben in buntem Miteinander Frösche, Ringelnattern, Libellen, eine reiche aquatische Fauna uvm. Zu den Pflanzen gehören: Sumpfgräser, Schilfarten, Sumpfschachtelhalm, Ranunculus flammula, Blutweiderich Lythrum salicaria, Knoten-Beinwell Symphytum tuberosum, auf den die Beinwell-Sandbiene Andrena aymphyti, Kuckucksbiene & Wespenbiene Nomada symphyti spezialisiert sind.

Die mittlere und größte Feuchtwiese liegt in der Tiefebene neben der Ortsmitte am Wallerbach. Sie dient bei starken Regenfällen als wichtigste großflächige Überschwemmungszone und zugleich als Wasserrückhaltezone. Sie ist Knotenpunkt für die Artenkorridore der zuführenden Bäche aus drei Himmelsrichtungen und Verbindung zum FFH Gebiet Elztal. Hier leben die größten Schmetterlinge Deutschlands. Mit dabei der anmutige vom Aussterben bedrohte Segelfalter Iphiclides podalirius, Rote Liste 1, der stark gefährdete Kurzschwänzige Bläuling Cupido argiades, Rote Liste 2, Sumpfhornklee Widderchen Zygaena trifolii, Rote Liste 3, der im BNatSchG besonders geschützte Schwalbenschwanz Papilio machaon, Rote Liste V, Kleiner Perlmuttfalter Issoria Iathonia, Rote Liste V, Hauhechel Bläuling Polyommatus icarus, Postillion Colias croceus, Rotbraunes Ochsenauge Pyronia tithonus, Spanische Flagge Euplagia quqdripunktaria, Kaisermantel Argynnis paphia uvm. Zu den Reptilien und Amphibien gehören besonders geschützte Spezies wie die Barrenringelnatter, Natrix helvetica, Rote Liste 2, Ringelnatter Natrix natrix, Rote Liste 3, Grasfrosch Rana temporaria, Rote Liste V, Erdkröte Bufo Bufo, Rote Liste V. Außerdem seltene Insekten wie Trauer-Rosenkäfer Oxythyrea funesta, Rote Liste 2, Südlicher Blaupfeil Orthethrum bruneum. Gebänderte Prachtlibelle Calopteryx splendens, Rote Liste 3, Vierflecklibelle Libellula quadrimaculata, Rote Liste 4, Königslibelle Anax imperator, Große Heidelibelle Sympetrum striolatum, Hufeisen Azurjungfer Coenagrion puella, Plattbauch Libellula depressa und Adonislibelle Pyrrhosoma nymphula. Zu den markanten Vogelarten gehört das stark gefährdete Rebhuhn Perdix perdix, Rote Liste 2, der Eisvogel Alcedo atthis Rote Liste V, sowie Uhu, Milan, Graureiher, Bussard, Turmfalke, Eichelhäher, Bunt- & Grünspecht und Schwarzstorch Ciconia nigra. Rote Liste V. Prägend sind die 200-300 jährigen Eichen mit bis zu 4m Stammumfang. Zu den besonderen Pflanzen, gehört die seltene Stendelwurz Orchidee Epipactis helleborine u.a..

Die dritte Feuchtwiese liegt im Süden von Sevenich. Auf ihr befinden sich die Ottilienquellen mit drei Quellaustritten. Die Bedeutung der Ottilienquellen als Heilwasser für Augenleiden ist seit 1576 historisch belegt. Hier wurde neben vielen bereits erwähnten Arten auch eine besondere aquatische Quellfauna von den BUND Gewässerbiologen nachgewiesen.

Das Sevenicher Tal ist eine wertvolle „Grüne Naturzone“ für Fauna & Flora und
Verbindungskorridor für viele seltene Arten. Die Natur in diesem Tal steht derzeit vielen Gefahren gegenüber. Diese entstehen durch Ausweitung der intensiven Landwirtschaft mit Pestizid- & Herbizid Einsätzen, durch Motocross & Quad-Tourismus, durch Fällung alter Bäume, Flächenversiegelung und Wünschen nach Bebauung des verbliebenen Grünlandes. Wir möchten mit unserer Untersuchung der biologischen Vielfalt aufzeigen, wie dringend die Einrichtung einer gesetzlichen Schutzzone für Artenschutz und Erhalt der Biotope innerhalb dieses naturräumlichen Gefüges ist und befürworten die Ausweisung eines echten Schutzgebietes! Die biologische Vielfalt wurde in einer 40 seitigen Dokumentation festgehalten. Mit den BUND Bachpaten wurde 2018 eine 27 seitige Biotopbewertung inkl. chem. Wasseranalysen v. 13 Messstellen angefertigt.
2019 besuchten Staatssekretär Dr. Griese, Präsident Obere Naturschutzbehörde Dr. Kleemann, sowie BUND Landesvorsitzende S. Yacoub die Feuchtwiesen & Quellen. Rhein-Zeitung u.a. berichteten: https://myk.bund-rlp.de

Wir werden unsere Arbeit in den kommenden Jahren engagiert fortführen, die Renaturierung der zuführenden Bäche begleiten, uns für die Renaturierung der Ottilienquellen und für die Schaffung weiterer Artenkorridore einsetzen. Wir verfolgen den eingereichten Antrag zur Unterschutzstellung von Wiese & Quelle in Sevenich, bei dem die Antwort vom Ministerium noch aussteht. Unser ganz großes Ziel ist die Ausweisung eines echten Schutzgebietes (siehe Anhang) um den vielen Fremdeinflüssen, die diesen Lebensraum bedrohen besser entgegenwirken zu können und um diese Artenvielfalt für kommende Generationen zu bewahren.

Bezug zur biologischen Vielfalt:

Wir dokumentieren als ehrenamtliche Mitglieder des BUND, dass die Sevenicher Feuchtwiesen, am Rande einer Region mit intensiver Landwirtschaft, ein sehr wertvoller und zugleich bedrohter Lebensraum für eine große Anzahl von geschützten Tieren & Pflanzen sind. Der artenreiche Lebensraumkomplex dient dem Prinzip der „Artenkorridore & der Biotopvernetzung“. Er erfüllt wesentliche Kriterien um unter Biotopschutz gestellt zu werden und als Teil eines wertvollen Biotopverbundes gesichert zu werden. Die Kernziele beschreiben §§ 20, 21 (BNatSchG). Die Natur in diesem Tal steht derzeit vielen Bedrohungen gegenüber. Diese entstehen durch toxische Einleitungen in die Bäche, durch fortschreitende Ausweitung der intensiven Landwirtschaft mit Gülle & Pestiziden, durch Nichteinhaltung von Gewässerrandstreifen, durch Motocross & Quad-Tourismus, durch Fällung über 100 jähriger Bäume, durch zunehmende Flächenversiegelung und durch Wünsche einzelner nach Bebauung des verbliebenen Grünlandes und der Feuchtwiesen. Die sich bietende Chance für die Rettung der großen biologischen Vielfalt sollte uns der Schutz dieses Tales wert sein. Wir haben eine hohe Verantwortung, wenn wir zukünftigen Generationen hier eine gesunde, lebendige und artenreiche Welt hinterlassen wollen! Darum ist es wichtig, allen Bedrohungen vorausschauend zu begegnen, um weiteren Artenverlusten Einhalt zu gebieten. Um dieses Naturparadies zu erhalten ist die Einrichtung eines echten Schutzgebietes dringend anzustreben.


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Dokumente

Biologische Vielfalt Sevenicher Feuchtwiesen 24.4.2020 , Einzelnachweise von über 100 geschützten Arten mit Fotos, Biotopbeschreibung und Lageplan. - Druckversion

Dokumentation über die Bachläufe Pilligerbach & Wallerbach von den Quellbereichen bis Sevenich. Bestandsaufnahme incl. chem. Analysen der Bachpaten Dipl.-Ing. Gavin Grosvenor & Martina Grosvenor 2018

Bericht Rhein Zeitung 12.10.2020 über Sevenicher Feuchtwiesen Biotop

Bericht Rhein Zeitung 3.9.2020 über Sevenicher Feuchtwiesen

Zeitung Am Wochenende 17.10.2020 Sevenicher Feuchtwiesen sind weltweites Vorzeigeprojekt

 

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