"Ökologische Nische Friedhof"

Der BUND Niedersachsen führt gemeinsam mit vier Partnerfriedhöfen Maßnahmen zur Steigerung der Biodiversität auf urbanen Friedhöfen durch. Auf den Friedhöfen werden die Lebensbedingungen für Insekten verbessert, indem heimische und standortgerechte Pflanzen verwendet werden. Dabei stehen die Wildbienen im Zentrum des Projektes. Die erzielte Erweiterung des Nahrungs- und Nistangebotes erhöht die Anzahl und das Artenspektrum der gefährdeten Blütenbesucher. Davon profitieren indirekt auch viele insektenfressende Vögel und Säugetiere.

Friedhöfe sind Räume für Trauer, Erinnerung und Besinnung. Doch auch als Rückzugsort für Pflanzen und Tiere in der Stadt spielen sie eine große Rolle. Die oft parkähnlichen Anlagen zeichnen sich durch ein Mosaik unterschiedlicher Lebensräume aus. Neben Hecken, Staudenbeeten und Bäumen verfügen sie oft über ungenutzte Flächen, welche als Rasen angelegt werden. Eine akkurat gepflegte Grünfläche bietet Insekten – wie den Wildbienen – keine Nahrung oder Nistmöglichkeit. Auch auf Gräbern und Rabatten werden häufig Zierpflanzen verwendet, die ebenfalls kaum Mehrwert für die heimische Tierwelt haben.

Derzeit befindet sich die Friedhofs- und Bestattungskultur in einem tiefgreifenden Wandel. Obwohl die Sterbezahlen ansteigen, sinkt die Flächennachfrage, da viele eine günstige, pflegeleichte und flächensparende Alternative bevorzugen. Während die Einnahmen geringer werden, bleiben die Kosten für die Friedhofsträger jedoch gleich. Die nun vermehrt vorhandenen Freiflächen müssen weiterhin gepflegt werden, was die Situation noch zuspitzt. Zudem findet seit einigen Jahrzehnten ein massives Insektensterben statt. Die politische Diskussion um den Rückgang der biologischen Vielfalt befindet sich, nicht zuletzt im Bundes- und Landtag, in vollem Gange, sodass zielgerichtete Projekte zum Schutz von Insekten dem aktuellen Bedarf entsprechen.

Im Zuge des Projektes werden auf 4 großen „Vorzeige“-Friedhöfen in urbanen Gebieten in ganz Niedersachsen Maßnahmen durchgeführt. Das Projekt umfasst die Bestandserfassung, Planung und beispielhafte Umsetzung von praktischen Maßnahmen zur ökologischen Aufwertung von Friedhofsflächen und verbessert so langfristig Lebensräume für Insekten im urbanen Raum. Durch öffentlichkeitswirksame Maßnahmen (Schulungen, Seminaren und Veranstaltungen) sollen Besucher*innen und Beteiligte für den Wildbienenschutz und den Erhalt von biologischer Vielfalt sensibilisiert werden. Nach Projektende wird eine umfangreiche Broschüre zur Verfügung stehen, die Friedhöfen die Umsetzung von Artenschutzmaßnahmen detailliert beschreibt.

Im ersten Projektjahr wurden auf vier Friedhöfen insgesamt 2.000 m² artenarme Kurzrasenfläche (Scherrasen) in extensive Blühflächen umgewandelt. Hierbei wurde ausschließlich zertifiziertes, regionales Saatgut verwendet. Die Flächen werden sich in den Folgejahren zu blütenreichen Wiesen mit einer ein- bis zweischürigen Mahd entwickeln.
Auf allen Friedhöfen sind jeweils vier Mustergrabanlagen angelegt worden, auf denen ausschließlich heimische, wildbienenfreundliche Wildstauden gepflanzt wurden. Insgesamt zwölf unterschiedliche Konzepte laden zum Nachahmen ein. Berücksichtigt wurden Pflanzen mit besonderer Bedeutung für spezialisierte Wildbienen.
Auf dem Stadtfriedhof Stöcken wurde im Dezember 2018 eine Streuobstwiese mit alten Kultursorten angelegt. Die Pflanzung erfolgte gemeinsam mit der Inklusionsklasse der benachbarten Gesamtschule.
Seit März 2019 liegen die Ergebnisse der biologischen Erfassung auf den Friedhöfen vor. Je nach Friedhof wurden 54 bis 85 unterschiedliche Wildbienenarten nachgewiesen. Auch seltene und stark gefährdete Arten wurden entdeckt. Auf Infotafeln werden Friedhofsbesucher künftig über Maßnahmen und Artenvielfalt informiert.

Bezug zur biologischen Vielfalt:

Das Projekt "Ökologische Nische Friedhof" ist ein Artenschutzprojekt zur Verbesserung von Lebensräumen im öffentlichen Grün. Anhand von Erfassungen ausgewiesener Wildbienenexperten werden nicht nur allgemeine Maßnahmen für Wildbienen umgesetzt. Ziel ist es vielmehr, anhand von Charakterarten artspezifische Maßnahmen zu planen und die Pflege dahingehend zu optimieren. Die Charakterarten geben in der Öffentlichkeit der biologischen Vielfalt ein Gesicht und steigern den Wiedererkennungs- und Identifikationsgefühl.

Durch das Projekt wird die Bedeutung von biologischer Vielfalt am Beispiel der Wildbienen thematisiert. Mit den Projektpartnern wird bei der Umsetzung der Maßnahmen auf eine regionale Herkunft der Pflanzen geachtet, so dass auch hier die genetische Vielfalt in den Fokus rückt.


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