Wie geht eigentlich Zeidlerei? Wissenswertes zur Waldbienenhaltung

Die Waldbienenhaltung in Baumhöhlen entspricht am ehesten den Bedingungen, die Bienen in freier Wildbahn wählen. Die Baumhöhlen werden von den Zeidlern präpariert. Alternativ ist die Bodenhaltung in so genannten Klotzbeuten möglich. Und: Zeidlerei beeinflusst die Artenvielfalt im Wald positiv.

Ein altes Handwerk

Zeidlerei war seit dem Mittelalter ein anerkanntes Handwerk: Man sammelte die Erzeugnisse (halb-)wilder Bienenvölker, also Honig, Wachs und Grundstoffe für Medizin (Propolis und Gelée royale). Vor allem in Gebieten mit vielen Nadelwäldern war das Handwerk verbreitet. Denn Kiefer, Lärche, Fichte und Weißtanne sind – neben Eichen – besonders gut als Zeidlerbäume geeignet. Mit der Zeidlerei waren verschiedene Rechte und Pflichten verbunden, z. B. die eigene Gerichtsbarkeit und Wachslieferungen.

 

Ab der Einführung von Zuckerrohr im 17. Jh., spätestens aber seit dem vermehrten Anbau von Zuckerrüben ab dem 19. Jh. ging die Zeidlerei mehr und mehr zurück. Auch weniger wohlhabende Menschen konnten sich nun günstigen Zucker als Süßungsmittel leisten. Richtung Osten, z. B. in der Lausitz, im Baltikum und in Russland, hielt sich das Handwerk noch etwas länger. Hier ist bis heute wichtiges Zeidlerwissen erhalten. Im Rahmen des Naturschutzes wird das Zeideln gelegentlich wieder aufgenommen.

 

Zeidlerbaum oder Klotzbeute?

Die Zeidlerbäume wurden ganzheitlich betrachtet; sie waren eine Investition, wurden häufig über mehrere Generationen genutzt. Man arbeitet hier an lebenden Bäumen; diese werden oft noch beschnitten, z. B. um Windbruch zu vermeiden, mehr Sonne durchzulassen oder bessere Einflugschneisen zu ermöglichen.

 

Die Höhle wird in ca. 5–6 m Höhe an einer vor der Witterung geschützten Stelle geschlagen. Dabei bleibt das wichtige Leistungsgewebe des Baums zum Transport von Wasser und Nährstoffen intakt. Spezielle Klettertechniken erleichtern das Arbeiten in dieser Höhe. Zum Schluss werden in beiden Fällen die Oberfläche geglättet sowie Fluglöcher herausgeschlagen und mit einem Stopfen ergänzt. Alternativ werden die Nester in Klotzbeuten angelegt. Diese 1,5–2 m langen Stammabschnitte werden ebenso präpariert wie ein Baum und später in einiger Höhe aufgehängt.

 

Zeidlerei und Biodiversität

Zeidelbäume werden häufig sehr alt, an ihnen siedeln sich mit der Zeit auch andere Arten an, z. B. Insekten, Flechten, Moose, Pilze und mehr. Die Haltung der Bienen in den Wäldern erhöht hier die Bestäubungsleistung durch die Bienenvölker. Übrigens: Zur Ernte werden nur die unteren 2/3 der Waben herausgeschnitten. Der Rest bleibt für die Bienen erhalten. Das Wort zeideln (= Honig schneiden) leitet sich von lat. excidere (= heraus schneiden) ab.

 

Genauere Infos zur Zeidlerei bei der Internationalen Zeidler Vereinigung.

Historische Darstellung der Zeidlerei mit typischer Tracht und Hilfsmitteln. | ©Von unbekannt - unbekannt, Bild-PD-alt, https://de.wikipedia.org/w/index.php?curid=1208334

Aktuelles, Projekte und Termine in unserem Newsletter
*Pflichtfeld