Den Wald vor lauter Bäumen sehen – Vielfalt in Wäldern

Wie geht es unseren Wäldern? Wie ist es um die biologische Vielfalt dort bestellt? Und welche Bedeutung hat sie für den Zustand der Wälder? Hierzu haben wir einige Forschungsergebnisse aus der letzten Zeit zusammengetragen.

Artenreiche „Müllabfuhr“ ist wesentlich für das Wald-Ökosystem

„Mehr ist besser“ lautet das Ergebnis einer Metastudie in 80 Wäldern in Deutschland und Indonesien. Das „mehr“ bezieht sich auf die Vielfalt der Kleintierarten, die am Waldboden das Laub zersetzen und so den Nährstoffkreislauf maßgeblich beeinflussen. Sie sind die „Müllabfuhr“ der Wälder, ohne sie wäre der Laubteppich nach ein paar Jahren meterhoch. Ein überraschendes Ergebnis der Metastudie: Egal, ob der Wald in Indonesien oder Deutschland lag, ob er stark oder gar nicht genutzt wurde, je mehr Tiere aus mehr Arten vorhanden sind, desto besser funktioniert das System.

 

Boden gut, alles gut?

In den letzten 20 Jahren hat sich viel getan in den deutschen Wäldern – vor allem am und im Waldboden. Das ist das Ergebnis einer Erhebung an 1900 Orten in ganz Deutschland. Die Säurebelastung der Wälder hat deutlich abgenommen, u.a. weil weniger Schadstoffe in die Luft gelangen und die Böden vielerorts gekalkt wurden. Ein Problem bleibt weiterhin die Überversorgung mit Stickstoff, hauptsächlich aus der Luft (durch Verbrennung und Tierhaltung). Sie verändert das Artenspektrum, v. a. seltene Arten leiden darunter. Ein Erfolg für die Waldböden ist auch der Umbau von reinen Nadel- zu Laub- und Mischwäldern: Laubwaldböden binden mehr organische Substanz und Kohlenstoff. Sie leisten damit einen aktiven Beitrag zum Klimaschutz.

 

Natürliche Waldregeneration fördert Klimaschutz und Biodiversität

Das Abholzen von Tropenwäldern bedroht die Biodiversität und setzt Unmengen an CO2 frei. Ein internationales Forscherteam fand nun heraus, dass Sekundärwälder diesen Effekt mildern – sofern sie nicht wieder gerodet werden. Besonders überrascht waren die Wissenschaftler von der Menge an CO2, die diese neugepflanzten oder nachwachsenden Wälder aufnehmen können: Innerhalb von ca. 66 Jahren speichern sie ca. 90 % des ursprünglich gespeicherten Kohlenstoffs. Die natürliche Waldregeneration ist zudem kostengünstig, da die Bäume vielerorts ganz von allein nachwachsen. Diesen natürlichen Prozess zu fördern heißt, etwas für den Klimaschutz und die biologische Vielfalt zu tun.

 

Der Mensch stört die Regenerationsfähigkeit von Wäldern

Die Eingriffe des Menschen in die Wälder (z. B. durch Nutzung, Umwandlung in Ackerland oder Wilderei) stören die natürlichen Kreisläufe der Bestäubung und Samenausbreitung. Das ist das Ergebnis einer weltweiten Metastudie zu wichtigen ökologischen Prozessen der Waldregeneration. Grund für die Störung: Viele Tierarten, die als Bestäuber fungieren, gehen zurück; nicht nur Bienen und andere bestäubende Insekten. Denn gerade große, bedrohte Arten (Vögel, Fledermäuse), die größere Samen transportieren, sind stark betroffen. Die Forscher rufen dazu auf, die Bestäuber besser zu schützen. „Lebende Zäune“, also Korridore aus Resten tropischen Regenwalds sind z. B. eine Maßnahme, die in Costa Rica angewandt wird, um die Bestäubungsleistung von Kolibris und deren Ausbreitung zu fördern. Die dazugehörige Studie belegt erneut die Bedeutung von verbindenden Landschaftselementen zwischen Lebensräumen.

 

Mehr zur wichtigen Vielfalt am Waldboden und zur CO2-Speicherkapazität von Sekundärwäldern beim Deutschen Zentrum für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv). Artikel zum Zustand des Waldbodens beim Thünen-Institut. Beitrag zur Waldregeneration bei Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseen. Mehr zu Wanderkorridoren bestäubender Kolibris bei der Uni Göttingen lesen.

Von mehr Vielfalt am Waldboden profitiert das gesamte Ökosystem. | ©Ilka Mai, Biodiversitäts-Exploratorien

Sekundärwälder sind effiziente CO2-Speicher und zugleich gut für die Biodiversität. | ©Dylan Craven / iDiv

Bestäubung und Samenausbreitung von Sträuchern und Bäumen basieren häufig auf Tieren. | ©Eike Lena Neuschulz

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