Bienen im Fokus – ein neuer Blick auf die fleißigen Helfer

Etwa dreiviertel der wichtigsten Feldfrüchte weltweit werden von Bienen bestäubt, u. a. Kaffee, Kakao und viele Früchte. Eine große internationale Studie fand kürzlich heraus, dass nur ca. 2 % der Wildbienenarten 80 % dieser Pflanzen bestäuben. Diese Leistung der Wildbienen gewinnt vor dem Hintergrund der wachsenden Instabilität von Honigbienen-Kolonien immer mehr an Bedeutung.

Ist-Situation und gute Aussichten

Intensivierung der Landwirtschaft und der Einsatz von „Pflanzenschutzmitteln“ haben zu einem starken Rückgang der Wildbienen geführt. Auch der Klimawandel macht Bestäubern zu schaffen: So geht die Anzahl an Hummeln in Europa und Nordamerika zurück, weil die Tiere sich nicht so schnell an die veränderten Lebensbedingungen anpassen können.

Die Studie zeigt aber, dass diese fleißigen Helfer in landwirtschaftlichen Gegenden in ausreichender Zahl erhalten bleiben können, wenn die entsprechenden Maßnahmen ergriffen werden. Die beiden wichtigsten Wildbienen für die Landwirtschaft sind zwei der weltweit bekanntesten Wildbienenarten: die nordamerikanische Bombus impatiens und die rotschwänzige Steinhummel Bombus lapidarius in Europa.

Zwei wesentliche Argumente für den Erhalt der Biodiversität

58 Wissenschaftler aus aller Welt waren an der dreijährigen Studie beteiligt; es ist eine der bisher umfangreichsten zum Thema Bestäubung durch Bienen. Das Fazit: Es gibt zwei wesentliche Argumente für den Erhalt der Wildbienen:

  1. Der ökonomische Nutzen der biologischen Vielfalt für den Menschen wird zunehmend als Ökosystemleistung verstanden und als Grund für den Schutz der Biodiversität herangezogen. Der Wert der Bestäubungsleistung von Wildbienen wird auf 3.000 US-Dollar pro Hektar landwirtschaftlicher Fläche geschätzt – eine Summe, die sich global betrachtet zu Milliarden summiert.
  2. Die Studie zeigt, dass die künftige Anpassungsfähigkeit der globalen Bestäubungssysteme mindestens genau so viel Gewicht hat. Bienenvielfalt kann die Anpassungsfähigkeit sicherstellen, so Taylor Ricketts, Ko-Autor der Studie. Und weiter: „Arten und Populationen können sich erheblich verändern, wenn Landschaften und Klima sich verändern. Aus diesem Grund ist die Bewahrung einer großen Vielfalt bei unseren wilden Bienen besonders wichtig.“   

Was kann man tun?

Die Studie stellt bienenfreundliche Praktiken für die Landwirtschaft heraus, z. B. das Anlegen von Ackerblühstreifen mit Wildpflanzen, naturfreundliche Anbaumethoden und die Reduzierung/den Verzicht auf bspw. Pestizide. Doch nicht nur die Landwirtschaft kann etwas tun. Einige unserer UN-Dekade-Projekte/-Beiträge zeigen niedrigschwellige Handlungsoptionen auf:

  • Im neuesten UN-Dekade-Projekt „Erhalt der ursprünglich heimischen Honigbiene“ dreht sich alles um die Dunkle Europäische Biene (Apis mellifera mellifera). Sie gilt als besonders sanftmütig und winterhart. Ziel des Projekts ist es, diese ursprünglich in Nord- und Mitteleuropa heimische Bienenart vor dem Aussterben zu bewahren. Um das genetische Material der Dunklen Biene zu bewahren hat der Projektträger seine Fühler nach ganz Europa ausgestreckt: Er fördert die Verbreitung der Dunklen Biene und arbeitet dafür europaweit mit interessierten Imkern zusammen.
  • Das Projekt „Bienenretter – Neue Heimat für Wild- und Honigbienen“ sieht ein städtisches Umfeld als Ausweich-Lebensraum für Bienen. In ihrem Internetblog erklären die Projektmitarbeiter, wo und wie Bienen in der Stadt leben können, teilen ihre Erfahrungen und erläutern, was jeder selbst für die Verbesserung der Situation der Bienen tun kann.
  • Erste Schritte kann man in der offenen Gartenwerkstadt im Achillea Heilpflanzengarten in Freiburg gehen. Hier hängen u. a. Nisthilfen für Wildbienen und in den Beeten finden sich auch immer wieder Futterpflanzen für Bestäuber.

Eine junge Zielgruppe spricht der UN-Dekade-Beitrag „Bienen – Entdecke ihre Welt“ an: Das Entdeckerheft für Kinder stellt Bienenarten und ihre Lebensweisen vor, erklärt, warum sie so wichtig sind und gibt Tipps zu Bienenpflanzen und Nisthilfen.

Zusammenfassung der Studie zu Wildbienen bei der Universität Vermont lesen (englisch).
Meldung zur Hummelstudie beim Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung.

 

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Die rotschwänzige Steinhummel ist eine fleißige Bestäuberin. ©entomart

Dunkle Biene im Flugloch. ©Simon Bach

Nachhaltigkeit lernen. Bienenretter in Aktion. ©Bienenretter

Nisthilfe und Futterpflanzen für Wildbienen. ©Achillea Heilgarten

Doppelseite aus dem Bienenheft. ©Pindactica

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