Nachhaltige Digitalisierung?

Gedanken von der diesjährigen Herbstakademie „Digitalisierung im Grünen“ der Vereinigung für Ökologische Wirtschaftsforschung

Digitalisierung für oder gegen eine nachhaltige Gesellschaft? In Berlin wurde Anfang Oktober intensiv darüber disktutiert. © Z. Thiel

Digitalisierung ist kein Teufel

Zugegeben: ich würde ungern darauf verzichten, so einfach wie heute mit Freunden in verschiedenen Ecken Deutschlands und der Welt in Kontakt zu bleiben und von einem simplen Zugang zu Informationen über das Internet zu profitieren.

Sie verhält sie sich nahezu wie ein Engel: das Leben in scheinbar allen Bereichen verbessernd, schwer greifbar, beinahe schon unwirklich. „Die“ Digitalisierung nimmt schon heute großen Einfluss auf unsere gesamte Lebenswelt. Mobilität, Energieerzeugung, Produktion oder Kommunikation scheinen kaum noch denkbar ohne smarte Technologie und Vernetzung.

Selbst Biodiversitäts- und Naturschutz werden mitunter digitalisiert: von der Nationalpark- oder Vogelstimmenapp bis zu Citizen Science-Portalen. Außerdem lässt die Digitalisierung positive soziale Innovation zu: Portale wie Foodsharing oder Kleiderkreisel erleichtern es, Lebensmittel zu retten oder Kleidung zu tauschen. Online-Petitionen ermöglichen es uns, zahlreiche „Unterschriften“ für Herzensangelegenheiten zu sammeln und letztlich würde es ohne digitale Infrastruktur auch diesen Blog auf der Seite der UN-Dekade für Biologische Vielfalt nicht geben.

Doch macht all das den Großteil der Digitalisierung aus?

 

 

Digitalisierung ist kein Engel

Digitalisierung sieht im ersten Moment nachhaltig aus. „Effizienz“ ist ein viel gebrauchtes Zauberwort. Dokumente müssen z. B. nicht mehr ausgedruckt werden, sondern können in virtuellen Bibliotheken abgelegt werden. Ebenso wie beim E-Reader, der den Kauf vieler einzelner Bücher in Papierform ersetzt, werden hier auf den ersten Blick enorm viele Ressourcen gespart.

Seltener Gegenstand der Betrachtung ist aber die andere Seite: den Einsparungen steht ein riesiger materieller Aufwand entgegen, der gerade durch digitale Infrastruktur verursacht wird. Dies betrifft nicht nur die zahlreichen technischen Endgeräte selbst, sondern ebenso die Rechenzentren, die es braucht, um die entstehende Datenflut zu bewältigen.

Die realen Folgen unser virtuellen Handlungen sind dabei nicht mehr unmittelbar sichtbar. Wer fragt sich schon, wie viel Energie er mit einer Google-Suchanfrage verbraucht? Außerdem ist das Internet verführerisch. Viele Produkte und Dienstleistungen werden dort günstiger als offline oder gar „kostenlos“ angeboten. Wir zahlen zwar häufig nicht mehr mit Geldeinheiten, dafür werden jedoch Daten zur Währung. Doch auch das ist schwerer greifbar als der klassische Einkauf im Geschäft. Dazu kommt, dass neben den kostenlosen Angeboten ein riesiges Feld von E-Commerce steht, dass sich auf einem großen Wachstumspfad befindet. Das Beachtenswerte dabei ist, dass der Offline-Handel keinesfalls zurückgeht. Insgesamt wird also immer mehr konsumiert, wirklich ressourcenschonend scheint das nicht- trotz der ganzen Effizienz.

 

 

Digitalisierung ist keine Naturkatastrophe

DIE Digitalisierung an sich gibt es bei diesem Facettenreichtum eigentlich gar nicht. Vor allem aber ist sie kein Phänomen, das auf uns einprasselt und dem wir hoffnungslos ausgeliefert sind.

Man sollte die Entwicklung weder verteufeln noch heilig sprechen, sondern MITGESTALTEN.

Wir können Partizipationsmöglichkeiten und Informationsportale nutzen, um zu mündigen Online-Nutzern zu werden und uns auch mal ein Recht auf offline heraus nehmen. Die angenehmen Erleichterungen, die die digitale Welt mit sich bringt, sollten wir genauso genießen wie ein gutes Gespräch in der „echten“ Welt bei einer duftenden Tasse Kaffee. ;)

Wem bei der ganzen Alltagsbeschleunigung mal schwindelig wird, findet im Digital Detox, also einer Auszeit von Laptop, Smartphone und Co, bestimmt eine gute Therapie. Und die Natur ist dafür vermutlich der beste Ort.

 

Virtuelle Grüße

Eure Zarah

 

PS: Mehr Infos gibt es auf der Seite der Forschungsgruppe Digiatlisierung und sozial-ökologische Transformation.

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