Keine Auswirkungen des Klimawandels auf den Baikalsee?

Der zugefrorene Baikalsee. © S. Rogalla

Die letzten drei Wochen habe ich auf einer internationalen Schule in Sibirien verbracht und Vorlesungen über die Geologie und Ökologie des Baikalsees gelauscht. Der tiefste und älteste Süßwassersee der Erde zeichnet sich durch eine Vielfalt an endemischen Arten aus. Von den 2.500 bisher bekannten Tierarten kommt mehr als die Hälfte nur in diesem Ökosystem vor. Dazu gehört auch die Baikalrobbe, die einzige Robbenart, die ausschließlich im Süßwasser lebt.

Seit den 1970er Jahren hat sich die Temperatur der obersten Wasserschichten bereits um 1,8 °C erhöht. Laut unserem Professor liegt dies hauptsächlich an lokalen Umständen, wie dem Bau von Wasserkraftanlagen und hat vermutlich keinen Einfluss auf die Robbenpopulation. So ganz kann ich dies jedoch nicht glauben... Dass diese Anlagen zu einer Veränderung der Wassertemperaturen beitragen, möchte ich nicht ausschließen, doch bin ich der Meinung, dass sich auch der Klimawandel bemerkbar macht, wie es auch in Studien, z.B. von Moore et al. (2009)1, vermutet wird.

Aufgrund der Klarheit der winterlichen Eisschicht können die einheimischen Planktonarten noch unter dem Eis Photosynthese betreiben und somit Biomasse aufbauen. Mit einer Abnahme der Dicke der Eisschicht sowie dem früher eintretenden Auftauen könnten die endemischen Arten von Generalisten verdrängt werden. Dies würde sich wiederum auf die Nahrungskette auswirken und somit nicht nur den Fisch, sondern auch die Robben beeinflussen. Hinzu kommt, dass die Eishöhlen, in denen die Robben ihre Jungen gebären und großziehen, durch die höheren Temperaturen bereits früher schmelzen, so dass sich die Art in ihrem gesamten Lebenszyklus anpassen müsste.

Leider kann ich also die etwas optimistische Einstellung meines Professors nicht teilen und hoffe, dass schnellstmöglich etwas zum Schutz dieser so besonderen Art unternommen wird, selbst wenn ihr Zustand noch nicht als gefährdet eingestuft wird².

 

1 Moore M.V., Hampton S.E., Izmest'eva L.R., Silow E.A., Peshkova E.V., Pavlov B.K. (2009): Climate Change and the World’s “Sacred Sea” - Lake Baikal, Siberia. Biological Sciences Faculty Scholarship. Paper 2. Online unter: repository.wellesley.edu/biologicalsciencesfaculty/2    

² Burkanov V. (IUCN SSC Pinniped Specialist Group). 2008. Pusa sibirica. The IUCN Red List of Threatened Species 2008. Online unter: dx.doi.org/10.2305/IUCN.UK.2008.RLTS.T41676A10506557.en

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Baikalrobben - leider nicht in freier Wildbahn. © S. Rogalla

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