Mein Arzt, der Baum

Viele Standardmedikamente haben ihren Ursprung in der Natur, z. B. Acetylsalicylsäure, der Klassiker bei Kopfschmerzen: Sie kommt u. a. im Echten Mädesüß, Weidenrinde und Bibergeil vor und wird heute synthetisch hergestellt. Neue Erkenntnisse zu Naturwirkstoffen stellen wir Ihnen im Folgenden vor.

Einige dieser Wirkstoffe aus der Natur geben sogar Hoffnung bei schwerwiegenden Erkrankungen wie Krebs oder Seuchen wie Ebola. Einen Überblick zu Arznei aus der Natur gibt’s auf der Website NatGesIS vom Bundesamt für Naturschutz.

 

Kurkuma gegen Entzündungen

Kurkuma oder Gelbwurz ist eine mit dem Ingwer verwandte Knolle. Sie macht Currypulver gelb und enthält den Wirkstoff Kurkumin. Er wirkt ähnlich wie Kortison und sorgt dafür, dass Immunzellen das entzündungshemmende Protein Gilz ausschütten. Die Erkenntnisse können als Grundlage für die Entwicklung neuer Medikamente gegen chronische Entzündungskrankheiten wie Morbus Crohn dienen. Der Vorteil von Kurkumin: Es beeinflusst keine Zellprozesse und ruft damit weniger Nebenwirkungen hervor als Kortison.

 

Mehr dazu bei der Universität des Saarlandes.

 

Entgiften mit Kapuzinerkresse

Senföle, die z. B. in Kapuzinerkresse, Brokkoli und Meerrettich enthalten sind, besitzen nicht nur antibakterielle Eigenschaften: Wissenschaftler fanden heraus, dass sie auch die Produktion von Enzymen anregen, die beim Entgiften von Zellen mitwirken. Überdies mindern Senföle die Zuckersynthese in der Leber – wichtig für Diabetiker. Denn die körpereigene Zuckerproduktion kann zu einem erhöhten Blutzuckerspiegel führen. Die Forscher sehen in den Erkenntnissen eine gute Grundlage für neue Ernährungsstrategien und Medikamente bei Diabetes.

 

Ganze Meldung beim Deutschen Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke lesen.

 

Aglaia gegen Ebola

Das Mahagonigewächs Aglaia aus Asien enthält den Wirkstoff Silvestrol, der bei Ebola hilft. Die Ebola-Viren brauchen ein zelluläres Enzym, um Proteine herzustellen. Silvestrol hemmt dieses Enzym und stört so auch die Vermehrung der Erbinformationen der Viren. Für die menschliche Zelle selbst ist Silvestrol in dieser wirksamen Konzentration ungiftig. Die Forscher versprechen sich von dem Naturwirkstoff, Ebola-Infektionen wirkungsvoll zurückdrängen zu können.

 

Mitteilung der Uni Marburg lesen.

 

„Alte Freunde“ helfen bei stressbedingten Erkrankungen

Nach der „Old-Friends-Hypothese“ sind Krankheiten wie Asthma, Allergien und Depressionen in der Stadt häufiger als auf dem Land, in westlichen Ländern häufiger als in Entwicklungs- und Schwellenländern. Man vermutet, dass die körpereigene Abwehr bei diesen Menschen schwächer ausgeprägt ist, weil sie durch Antibiotika und sanitäre Maßnahmen weniger Kontakt mit Umweltbakterien haben („old friends“, die beispielsweise in Gewässern oder im Schlamm vorkommen und an die sich der Körper gewöhnt). Forscher der Uni Ulm fanden nun heraus, dass eine Impfung mit Umweltbakterien den Körper stressresistenter machen kann. In Studien zeigte sich bei Mäusen das Mycobacterium vaccae besonders wirksam. Es hellt die Stimmung auf und fördert die aktive Stressbewältigung. Weitere Untersuchungen sollen nun die Wirksamkeit beim Menschen klären. Potenzielle Zielgruppe dieser Impfung mit Umweltbakterien sind Bevölkerungsgruppen, die häufig von Posttraumatischer Belastungsstörung betroffen sind, z. B. Soldaten. 

 

Ganzen Artikel bei der Uni Ulm lesen.

 

Natürliche Wirkstoffe naturschonend nachbilden

Taxol, ein Wirkstoff aus der Rinde der seltenen pazifischen Eibe, wird als Medikament bei verschiedenen Krebsarten genutzt. Einem Team der Technischen Universität München ist es nun gelungen, per Computersimulation die Schritte nachzuvollziehen, mit denen bestimmte Enzyme Vorstufen des Wirkstoffs herstellen. Sie konnten aufklären, wie das Enzym arbeitet und wie dessen Struktur und Funktion zusammenhängen. Mit den gewonnenen Erkenntnissen können Enzyme künftig gezielt verändert werden, z. B um neue Wirkstoffe zusammenzustellen, ohne dafür geschützte Pflanzen übernutzen zu müssen.

 

Zur Meldung bei der Uni München

Die Senföle aus der Kapuzinerkresse können beim Entgiften helfen. |©H.D.Volz / pixelio.de

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