Vielfalt News Nr. 80 | 19. Februar 2015

Begrüßung

Liebe Leserinnen, liebe Leser,
das Jahr hat bereits ordentlich Fahrt aufgenommen und unser Newsletter hält Schritt: Diesmal erwarten Sie u. a. ein Beitrag zur Vielfalt von und in Böden, zur nützlichen Vielfalt von Bakterien sowie zahlreiche Termine und Publikationen.
Des Weiteren stellen wir Ihnen ganz unterschiedliche Projekte vor, die mit ihrer Idee einen wertvollen Beitrag zum Erhalt der biologischen Vielfalt leisten. Und zu guter Letzt haben wir eine Reihe bemerkenswerter Infos gefunden – zum Vegetariertum fleischfressender Pflanzen, dem Verhalten von „Vampir-Arten“ und der Lebensgemeinschaft eines Meersalats.
Das UN-Dekade-Team wünscht eine spannende Lektüre!

Neues zur biologischen Vielfalt

Vielfalt von Böden, Vielfalt in Böden

Zum Internationalen Jahr der Böden hat der BUND in Kooperation u. a. mit der Heinrich-Böll-Stiftung den Bodenatlas 2015 veröffentlicht. Auf 50 Seiten wird z. B. die Bedeutung gesunder Böden für das Erreichen der drei wichtigen Ziele der Weltgemeinschaft hervorgehoben, darunter der Schutz der Biodiversität. 

Das Thema ist so vielschichtig wie der Boden selbst. Da geht es um Lebensmittelproduktion, Klimaregulierung, sauberes Trinkwasser und CO2-Speicher. Und es geht um den Boden als Lebensraum für unzählige Organismen. Welches Potenzial darin steckt (u. a. für die Medizin), erfahren Sie in unserem Beitrag Natur als Chancengeber für neue Antibiotika, ebenfalls in diesem Newsletter.

Weniger Stickstoff in unseren Böden

Die Forderung von Bundesumweltministerin Hendricks, den Stickstoffeintrag zu reduzieren, bezieht sich u. a. auf die hohe Stickstoffkonzentration in unseren Böden. Diese begünstigt stickstoffliebende Arten, die dadurch schneller wachsen und andere Arten verdrängen. Sinkt dadurch bspw. die Vielfalt blühender Pflanzen auf Wiesen und Äckern, finden wichtige Bestäuber wie Bienen weniger Nahrung.
Es hat sich gezeigt, dass häufig viel mehr Dünger aufgebracht wird, als Böden und Pflanzen überhaupt nutzen können. Die Überschüsse führen dann zu den genannten Problemen. Einige Lösungsansätze zur Verringerung unerwünschten Stickstoffs hat die Deutsche Bundesstiftung Umwelt zusammengefasst. Eine Kurzfassung des Sondergutachtens gibt es vom Sachverständigenrat für Umweltfragen. Das Gutachten enthält 40 Handlungsvorschläge, die die Belastung der Böden, aber auch der Luft und des Trinkwassers durch reaktiven Stickstoff senken soll.

Vielfalt stärkt Böden

Eine Studie ergab, dass eine Vielfalt an Bodenorganismen wie Pilze, Würmer, Bakterien, Algen etc. sowohl die Stickstoffbelastung im Boden senkt, als auch die Nährstoffaufnahme von Feldfrüchten steigert. Eine Zusammenfassung der Ergebnisse findet sich hier (PDF, englisch).
Die Erkenntnisse aus der Studie könnten als Grundlage für weitere Ansätze in der nachhaltigen Landwirtschaft dienen. Fruchtwechsel und Bioanbau sind einige Maßnahmen, um die Vielfalt in Böden zu erhöhen. In Sachen Bioanbau startete Anfang des Jahres das Europäische Forschungsprogramm BINGO, das sich mit der Bekämpfung von Schädlingen durch heimische Nützlinge befasst. Hierzu läuft derzeit ein groß angelegtes Projekt mit Forschern aus neun europäischen Staaten. Seit 2011 erproben einige Demonstrationsbetriebe integrierten Pflanzenschutz, also vorbeugende oder nicht-chemische Maßnahmen zum Schutz von Pflanzen. Dieses Vorgehen könnte dazu führen, dass weniger Chemikalien verwendet werden und dadurch die Belastung der Böden sinkt. Zur Webseite des Projekts.

Artenreiches Grünland ist stark


Artenreiches Grünland hat es an vielen Stellen recht schwer, da es stark mit landwirtschaftlichen Nutzungsinteressen kollidiert. Bei der Umwandlung von Grün- in Ackerland verlieren viele Arten ihren Lebensraum. Eine Studie des Deutschen Zentrums für Biodiversitätsforschung (iDiv) ergab jedoch kürzlich, dass artenreiche Landschaften besser auf Störungen wie Überflutung reagieren. Sie nutzen beispielsweise das zusätzliche Wasser und die Nährstoffe zur Vermehrung ihrer Biomasse. Weitere Ergebnisse aus dieser spontanen Teilforschung des Jena Experiments lesen Sie in der ganzen Meldung. 

Sie nutzen beispielsweise das zusätzliche Wasser und die Nährstoffe zur Vermehrung ihrer Biomasse. Weitere Ergebnisse aus dieser spontanen Teilforschung des Jena Experiments lesen Sie in der ganzen Meldung.

Ehrgeizige Ziele in Schleswig-Holstein

Aufgrund der hohen Bedeutung von Grün- und Offenland u. a. für die Biodiversität, laufen derzeit einige Projekte, die diese Landschaften schützen oder wiederherstellen. Im Rahmen eines Vorhabens des Bundesprogramms Biologische Vielfalt könnte bspw. der Grünlandanteil in Schleswig-Holstein bis 2020 fast verdoppelt werden. Das Best-Practise-Beispiel bringt z. B. zahleichen Tieren und Pflanzen Vorteile, die zu den Verantwortungsarten Deutschlands gehören, darunter das Breitblättrige Knabenkraut. Zur Projektbeschreibung.

Einvernehmlich zum Ziel

Einen 50 %-igen Grünlandanteil weist auch das Naturschutzgroßprojekt Vogelsberg auf, das seit Anfang des Jahres in der Umsetzungsphase ist. Das Projekt, das im Rahmen von chance.natur – Bundesförderung Naturschutz läuft, liegt im größten zusammenhängenden Basaltmassiv Mitteluropas und in einer reich strukturierten Kulturlandschaft. Es weist einen überdurchschnittlichen Reichtum an seltenen bzw. gefährdeten Arten und Lebensgemeinschaften auf. Das NGP bietet auch teilnehmenden Landwirten ökonomische Perspektiven. Denn ein erklärtes Ziel des Projekts ist, einvernehmliche Lösungen mit Landnutzern zu finden, um den Naturschutz in die Land- und Forstwirtschaft zu integrieren.

Natur als Chancengeber für neue Antibiotika

Man nimmt an, dass bisher nur ein Bruchteil der unglaublichen Bakterienvielfalt auf der Erde bekannt ist. In dieser Vielfalt liegt eine große Chance. Denn immer wieder werden neue Bakterien entdeckt, deren Fähigkeiten für den Menschen äußerst nützlich sind. Einige Arten produzieren bspw. Enzyme oder Antibiotika. 

Neue Antibiotika werden dringend gebraucht, da bekannte Mittel durch resistente Bakterien ihre Wirksamkeit verlieren. Auf der Suche danach ist die Natur ein Quell ungeahnter Ressourcen.

Mit Naturkraft gegen Krankheitserreger

Ein potenzieller Wirkstoff aus der Natur ist Albicidin, das Stoffwechselprodukt eines Bakteriums, das Zuckerrohr befällt. Die Synthese des Albicidins im Bakterium und seine Wirkung als Gyrasehemmer (stört die Vervielfältigung der Bakterien-DNS) sind bisher einzigartig. Bemerkenswert: Albicidin wirkt resistenzbrechend, also auch bei Bakterien, bei denen Breitband-Antibiotika nicht mehr anschlagen. In einem interdisziplinären Forschungsprojekt unter Beteiligung von Pflanzenphysiologen, Naturstoff-, Synthesechemikern und Molekularbiologen wurde die Albicidinstruktur kürzlich entschlüsselt. Auf dieser Basis kann nun weitere Forschung ansetzen (zur Pressemitteilung).

Böden als weitere Quelle für nützliche Bakterien

In Böden lebende Bakterien setzen sich mit antibiotischen Wirkstoffen gegen Konkurrenz durch. Teixobactin zum Beispiel zerstört die Lipidmoleküle, die Bakterien für den Aufbau der Zellwand benötigen. Der Wirkstoff attackiert die Zellwand gleich an mehreren Stellen: Das macht die Anpassung für die Bakterien schwieriger und ihn weniger anfällig für Resistenzbildung. Teixobactin könnte gegen sehr unterschiedliche Keime wirken, darunter Tuberkulose, Milzbrand und der „Krankenhauskeim“ MRSA.
An der Zellstruktur setzen auch weitere Untersuchungen an: Forscher des Leibnitz Instituts für Molekulare Pharmakologie haben die Struktur von Bactofilin entschlüsselt, einem wichtigen Baustein des bakteriellen Zytoskeletts. Neue Medikamente könnten bspw. diesen Baustoff angreifen.
Das Thema Antibiotikaresistenzen ist sowohl in der Human- und der Tiermedizin als auch in der Landwirtschaft von Bedeutung. Die Häufigkeit, mit der Antibiotika eingesetzt werden, gilt als problematisch. Auf der Grünen Woche 2015 fand zu diesem Thema ein Forum statt, das sich u. a. mit der Wahrnehmung des Themas in der Gesellschaft befasste.

Leiser Erfolg auf vier Pfoten – Datenbank zur Wildkatze

Mit einer Gendatenbank zur Europäischen Wildkatze hat das Projekt Wildkatzensprung eine weltweit einzigartige Datenbasis zu dieser Verantwortungsart Deutschlands vorgestellt. Das Projekt aus dem Bundesprogramm Biologische Vielfalt weist drei Besonderheiten auf: Fast 300 Freiwillige halfen ehrenamtlich beim Sammeln der Wildkatzenhaare für die Genanalyse. Das Projekt streckt sich über zehn Bundesländer. Und die Informationen über eine bedrohte Säugetierart in diesem Umfang einzigartig. 

„Grüner Teppich“ für die Wildkatze

Auf der Grundlage der Datenbank kann die Vernetzung der Lebensräume des scheuen Waldbewohners nun gezielter erfolgen. Denn Felis silvestris – so der lateinische Name – braucht große und zusammenhängende Waldgebiete, insbesondere Eichen- und Buchenmischwälder. Freie Flächen ohne Deckung überwindet die Wildkatze selten, sobald sie länger als 300 m sind.
In sechs Bundesländern sollen daher Korridore gepflanzt werden, und zwar zwischen Wäldern, die noch unbesiedelt sind und solchen, in denen die Wildkatze schon heimisch ist. Der neueste Korridor entstand Ende 2014 zwischen den Nationalparks Hainich und Thüringer Wald. Mit Büschen, Hecken etc. geht eine höhere Nagerdichte einher, die mehr Nahrung für die Wildkatze bedeutet.

„Wildkatzensprung“ als Wegweiser

Die Gendatenbank hilft also dabei, Ausbreitungsbarrieren der Wildkatze zu überwinden. Sie beinhaltet bisher die Daten von 519 einzelnen Tieren; hierfür wurden seit 2011 ca. 3000 Haarproben gesammelt und analysiert. Langfristig will das Projekt unter der Trägerschaft des BUND in Deutschland ein Netzwerk von Waldgebieten schaffen, mit einer Länge von insgesamt 20 000 km. Damit ist das Projekt eines der größten Naturschutzvorhaben in Europa und ein Wegweiser für den Naturschutz in Deutschland.
Dieser Film (ca. 11,5 min) fasst das Projekt Wildkatzensprung zusammen. Hier geht’s zur Website des Projekts, hier zur Projektbeschreibung auf der Website des Bundesprogramms und hier zur Datenbank selbst.

Es gibt viel zu tun – Indikatorenbericht 2014

Im Indikatorenbericht 2014 zur Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt (NBS) heißt es: „[Die Erhaltung der biologischen Vielfalt] zählt neben dem Klimaschutz zu den großen Herausforderungen unserer Zeit.“ Die Haupterkenntnis aus den Ergebnissen der Veröffentlichung: Zwischen den jetzigen und den Zielwerten liegt noch ein weiter Weg. Zu ähnlichen Ergebnissen kommt auch eine Studie zu den Aichi-Zielen im Rahmen des Global Biodiversity Outlook 4 der UN Convention on Biological Diversity. 

Zu ähnlichen Ergebnissen kommt auch eine Studie zu den Aichi-Zielen im Rahmen des Global Biodiversity Outlook 4 der UN Convention on Biological Diversity.

Die Indikatoren

Die derzeit 19 Indikatoren sollen bei der Erfolgskontrolle helfen. Sie fassen zusammen, wie es um die Biodiversität in Deutschland steht und wo Handlungsbedarf ist. Ein zentraler Indikator ist „Artenviefalt und Landschaftsqualität“; hier weichen Ziel und Status besonders stark voneinander ab.
Die Indikatoren verteilen sich auf fünf Themenfelder (darunter Siedlung und Verkehr, Klimawandel und wirtschaftliche Nutzung). Sie ergeben sich aus dem Monitoring der biologischen Vielfalt und der Belastungen, mit denen Arten und Lebensräume konfrontiert werden.

Die Erkenntnisse

Bei 11 der 19 Indikatoren liegen die Zielwerte noch weit entfernt; bei fünf ist man bereits auf einem guten Weg, darunter die nachhaltige Forstwirtschaft und Landschaftszerschneidung. Insgesamt kann man sagen, dass weitere Maßnahmen ergriffen werden müssen, um die gesetzten Ziele der NBS zu erreichen.
Das liegt an mehreren Faktoren: zum einen daran, dass viele der Maßnahmen erst mittel- oder langfristig Erfolge zeigen. Zum anderen müssen die Bemühungen in vielen Bereichen zusätzlich intensiviert werden. Hinzu kommt, dass nicht für alle Bereiche aktuelle Daten vorliegen. Bundesumweltministerin Hendricks hat bereits eine Initiative angekündigt, die vor allem dort ansetzen soll, wo sich die größten Mängel gezeigt haben.
Zur Pressemitteilung. Indikatorenbericht downloaden.

UN-Dekade-Projekte und -Beiträge

Projekt des Monats: Brilon – vernetzt, aktiv, natürlich

Brilon bietet seit vielen Jahren ein Programm für Bürger und Besucher, das die Menschen mit ihrer Kulturlandschaft verbinden soll. Nun wurde „Vernetzt aktiv sein – in Brilon natürlich“ mit 431 Stimmen zum Projekt des Monats Februar der UN-Dekade gewählt. Das Hauptaugenmerk des Programms aus der Stadt im Sauerland liegt im gemeinsamen Erlebnis der örtlichen Natur. U. a. mit fast 90 kostenlosen Veranstaltungen für alle Altersstufen sollen das Zusammengehörigkeitsgefühl sowie das Bewusstsein für das direkte Lebensumfeld und die globale Umwelt gestärkt werden. U. a. mit fast 90 kostenlosen Veranstaltungen für alle Altersstufen sollen das Zusammengehörigkeitsgefühl sowie das Bewusstsein für das direkte Lebensumfeld und die globale Umwelt gestärkt werden.
Zum Programm gehören zahlreiche Workshops, in denen Nistkästen, Insektenhotels oder Barfußpfade geschaffen werden. Auch ein Blüten- und Kräuterfest wurde bereits veranstaltet, auf dem die Besucher die biologische Vielfalt der Region im wahrsten Sinne des Wortes schmecken konnten. Weitere Schwerpunkte sind Erlebnispädagogik und die Angebote der Umwelt-Jugendherberge Brilon, die sich mit verschiedenen Lebensräumen wie Wald, Boden oder Bach befassen und den Besuchern den hohen Wert der Biodiversität vor Augen führen.
Das Programm wird durch den Arbeitskreis Natur und Landschaft der BWT (Brilon Wirtschaft und Tourismus) organisiert; weitere Akteure aus Stadt und Region sind bspw. die Stadtbibliothek, die Deutsche Waldjugend oder der Geopark GrenzWelten.
Mehr Informationen zum Projekt finden Sie auf unserer Website. Interessierte Bürger und Besucher können sich zudem auf der Internetseite des BWT über aktuelle Angebote informieren.

Der Wald ist voller Nachhaltigkeit

Im neu ausgezeichneten Projekt „Der Wald ist voller Nachhaltigkeit“ erarbeiten Forstleute und Erzieher gemeinsam Bildungsangebote zur nachhaltigen Entwicklung für Kindergärten und Grundschulen. Ziel ist es, den Kindern den direkten Zusammenhang zwischen biologischer Vielfalt und ihrem Alltag aufzuzeigen. In dem gemeinsamen Projekt des Bundesverbands der Natur- und Waldkindergärten in Deutschland und des Instituts für Forst und Umweltpolitik der Universität Freiburg arbeiten jeweils 20 Erzieher mit 20 Förstern zusammen. In sogenannten „Erzieher-Förster-Tandems“ durchlaufen die Teilnehmer ein Programm, das in drei Phasen gegliedert ist:
Die erste Phase dient der Qualifizierung der Teilnehmer im Bereich Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) und der Identifizierung geeigneter Themen. In Phase zwei geht es um die Entwicklung und Erprobung der neuen Angebote. Die Verbreitung und Etablierung der Ergebnisse erfolgt in der dritten Phase. Dazu gehört eine bundesweite Abschlusstagung, eine Publikation der Angebote in Buchform, eine Broschüre sowie ein bundesweites Fortbildungsangebot.
Im Mittelpunkt der Bildungsangebote steht die Bedeutung der Biodiversität für den Alltag der Kinder. Ziel der Maßnahmen ist es, mit den Kindern das Verhältnis von Mensch und Natur zu reflektieren und anhand konkreter Beispiele die Bedeutung der Natur für den Alltag aufzuzeigen. Abschließend sollen Möglichkeiten entwickelt werden, wie Kinder einen nachhaltigen Umgang mit der Natur pflegen und zum Schutz der Biodiversität beitragen können.
Hier erfahren Sie mehr über das Projekt.

Der Wald als Klassenzimmer

Auch die Waldschule Köln wurde als neues Projekt der UN-Dekade Biologische Vielfalt ausgezeichnet. Seit mehr als 30 Jahren werden Kindern und Jugendlichen aus Kölner Schulen hier durch erlebnispädagogisch orientierte Unterrichtseinheiten an den Wald und die Natur herangeführt. 1984 wurde die Waldschule durch die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald Köln e.V. ins Leben gerufen. Ziel ist es seither, den Schülerinnen und Schülern aus der Großstadt Köln die Möglichkeit zu geben, Natur aktiv zu erleben. Wissen zu Arten und ökologischen Zusammenhängen wird aktiv und erlebnisreich vermittelt. Besonders wird darauf geachtet, dass die Teilnehmer die Natur mit allen Sinnen erfassen. So wird etwa die Angst  vor Spinnen durch den direkten Kontakt mit den Tieren nachhaltig abgebaut. Weitere Elemente des Unterrichts sind zum Beispiel Erlebniswanderungen mit Sammelauftrag, ein Besuch der angeschlossenen Greifvogelstation oder der Aufbau eines Herbariums.
Am Anfang steht eine gemeinsame Vorbesprechung mit den Lehrern, so dass der Besuch der Waldschule sinnvoll in den Unterricht der jeweiligen Schule integriert werden kann.
Interessierte Lehrer können sich direkt auf der Website der Waldschule Köln informieren und anmelden.

Publikationen und Termine

Publikationen

Gewässer und Auen – Nutzen für die Gesellschaft

Das Bundesamt für Naturschutz hat eine neue Broschüre mit dem Titel „Gewässer und Auen – Nutzen für die Gesellschaft“ veröffentlicht. Auf 54 Seiten verdeutlicht diese anschaulich, was Gewässer und Auen für den Hochwasser- und Klimaschutz leisten und wie sie zur biologischen Vielfalt und dem allgemeinen Wohlbefinden beitragen. Hier können Sie die Broschüre kostenlos runterladen.

Erotische Ökologie

In seinem neuesten Buch „Lebendigkeit – eine erotische Ökologie“ stellt der Biologe und Philosoph Andreas Weber die Frage, ob die Erde derzeit mehr an mangelnder Liebe als an Umwelt- und anderen Krisen leidet. Erotik heißt für Weber „die fundamentale Erotik, von der Welt berührt zu sein und diese zu berühren“. Er beschreibt die „ökologische Wirklichkeit als Beziehungssystem“. Unser Sachbuch-Lesetipp.

Urbane Gärten als Refugium

Ein Gutachten des Bundesamts für Naturschutz beleuchtet die Bedeutung naturnaher Gärten im städtischen Raum. Neben einer ausführlichen Literaturliste zum Thema finden sich hier auch Handlungsempfehlungen für Städte und Gemeinden. Naturnahe Gärten leisten als Lebensraum für Tiere und Pflanzen einen Beitrag zur biologischen Vielfalt und verbessern die Lebensqualität für die Menschen im urbanen Umfeld. Zum Download.

Unternehmen und biologische Vielfalt – neue Tipps

Die Kampagne Business & Biodiversity stellt in einer neuen Broschüre Unternehmen vor, die ihre Firmengelände naturnah gestaltet haben und damit einen Beitrag zur biologischen Vielfalt leisten. Die Praxisbeispiele zeigen verschiedene Ansätze, sich dem Thema zu nähern und verdeutlichen die Vorteile naturnaher Firmenareale. Weitere Informationen erhalten Sie auf der Website www.naturnahefirmengelande.de; hier können Sie die Broschüre runterladen. Für Neulinge auf diesem Gebiet empfehlen sich die Informationsmodule der Partnerinitiative „Biodiversity In Good Company“. Das Projekt im Rahmen von Unternehmen Biologische Vielfalt 2020 gibt Antworten auf Fragen wie: Was hat biologische Vielfalt mit Unternehmen zu tun? Wie kann man sie in den Firmenalltag integrieren? Die beiden ersten Module sind bereits zugänglich. Weitere sollen folgen.

Termine

Schulwander-Wettbewerb zur biologischen Vielfalt

Vom 1. Mai bis 31. Juli 2015 findet wieder der Schulwander-Wettbewerb statt. Unter dem Motto „Raus aus dem Klassenzimmer und biologische Vielfalt entdecken!“ zeichnen der Deutsche Wanderverband und das Bundesamt für Naturschutz Wanderungen aus, die besonders erlebnisreich gestaltet sind. Zu gewinnen gibt es u. a. eine Klassenfahrt, einen GPS-Schulkoffer und einen Entdecker-Rucksack. Weitere Informationen finden Sie hier. Der Wettbewerb ist Teil des Projekts „Schulwandern – Draußen erleben. Vielfalt entdecken. Menschen bewegen“ des Deutschen Wanderverbands. Es wird seit Anfang 2014 im Rahmen des Bundesprogramms Biologische Vielfalt gefördert.

Virtuelles Wasser

Noch bis zum 15. März 2015 ist die Wanderausstellung „Virtuelles Wasser“ geöffnet, die derzeit auf der Wasserkuppe im UNESCO-Biosphärenreservat Rhön Station macht. Sie zeigt, dass für die Herstellung vieler Produkte des alltäglichen Lebens eine erstaunliche Menge Wasser verbraucht wird. Dieses "virtuelle" Wasser treibt den Pro-Kopf-Verbrauch von Trinkwasser in Mitteleuropa auf 4000 l Wasser – täglich. Die Zusammenhänge zwischen regionalen Kaufentscheidungen und globalen Auswirkungen werden in der Ausstellung deutlich.

Vielfalt bei Kulturpflanzen und Nutztieren

Bis zum 6. März 2015 können sich Interessierte für die Tagung Vielfalt bei Kulturpflanzen und Nutztieren“ anmelden. Die Veranstaltung der Natur- und Umweltakademie NRW findet am 20. März von 9:30 Uhr bis ca. 17 Uhr in Laer statt. Neben Vorträgen wird es auch eine Exkursion zu einem Arche- und Naturlandhof in der Nähe geben. Im Mittelpunkt der Tagung stehen der Lebensraum Obstwiese sowie die Haltung von Bienen und Schafen. Mehr Informationen.

Wussten Sie schon, ...

… wie der Zucker in die Rübe kommt?

Ein Forscherteam aus vier Universitäten hat herausgefunden, wie der Zucker Saccharose aus den Blättern der Zuckerrübe (Beta vulgaris) in deren Speicher, den Wurzelkörper, gelangt: Ein Transportprotein ermöglicht das Einlagern von Zucker in den Speichervakuolen des Wurzelkörpers, während gleichzeitig Protonen aus diesen strömen. Es handelt sich also um eine Art Austausch. Ursprünglich ein Blattgemüse, wurde die Zuckerrübe zu einem Hochleistungslieferanten für Zucker gezüchtet: Eine 10-Kilo-Rübe kann gut und gerne über 2 kg Zucker enthalten. Dieser entsteht durch Photosynthese in den grünen Blättern der Pflanze und wird im Wurzelkörper gespeichert. Diesen Weg deckte das Expertenteam nun auf: Es bestimmte die Speicherphase sowie die Proteine, die in dieser besonders häufig vorkommen. Eine Genanalyse gab letztlich den entscheidenden Hinweis auf das Transportprotein TST2.1.
Nun soll TST2.1 weiter erforscht werden, um den Ertrag von Zuckerrüben gezielt durch einen höheren Gehalt dieses Proteins steigern zu können. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung fördert das Projekt für drei Jahre. Zum vollständigen Artikel.

… warum Schlangen keine Beine haben?

Schlangen kommen ohne Extremitäten aus. Wie es dazu kommt, fanden Forscher nun heraus. Ausgangspunkt war die Erkenntnis, dass sowohl fossile als auch heutige Schlangen noch Überbleibsel von Hüft- oder Hinterbeinknochen haben. Doch wie kam es zum Verlust der Beine? Im Lauf der Evolution haben viele Reptilien eine sehr grazile Körperform entwickelt. Während des Embryonalstadiums bilden sich viele Knochen erst sehr spät. Bei Schlangen ist das besonders stark ausgeprägt; hier erscheinen die Knochen von Schultern, Becken, Vorder- und Hinterbeinen erst gar nicht. Hier geht’s zum ganzen Artikel.

… dass manche fleischfressenden Pflanzen sich auch mal vegetarisch ernähren?

Der Wasserschlauch (Utricularia australis), eine fleischfressende Wasserpflanze, ernährt sich offenbar ausgewogener als bisher angenommen. Eine Forschungsgruppe der Uni Wien fand heraus, dass Algen und Pollen in den Fallen des Wasserschlauchs keinesfalls nutzloser Beifang sind: Er verwertet sie auch. Die Pflanze fängt ihre Beute über Unterdruck in ihren Fangorganen; diese reagieren auf Berührung und reißen dann kleine Tiere ins Innere. Bei dem Forschungsprojekt wurden über 2000 dieser Fallen analysiert. Dabei waren nur 10 % der Beute Tiere, 50 % jedoch Algen und etwa ein Drittel Pollen. Ein Vergleich des Pflanzenwachstums mit der Zahl gefangener Algen machte deutlich: Je mehr Algen die Pflanze zu sich nahm, desto kräftiger wurde diese generell. Der Fang von Tieren versorgt Utricularia australis mit Stickstoff und lässt sie mehr Überdauerungsknospen für den Winter ausbilden.
Mit der vielseitigen Ernährung erschließt sich die Pflanze auch solche Gewässer, in denen das Angebot an geeigneten Tieren niedrig ist.

Den ganzen Artikel finden Sie hier.
http://www.un-dekade-biologische-vielfalt.de/index.php?menuecms_optik=2196&menuecms=123&objektid=35950

… dass die Petunie eigene von fremden Pollen unterscheiden kann?

Ähnlich wie die Immunabwehr bei Wirbeltieren schützt sich die Petunie vor der Befruchtung mit ihren eigenen Pollen und damit vor genetischen Fehlern durch Inzucht. Eine Schlüsselrolle spielen hierbei Proteine. Dabei weist diese Pflanze einen ganz besonders komplexen Mechanismus der Selbstinkompatibilität (SI) auf: War bisher eine Eins-zu-Eins-Erkennung zwischen einem männlichen und einem weiblichen Protein bekannt, sind es bei der Petunie 18 männliche Proteine, die insgesamt 40 weibliche identifizieren können. Diese sind giftig für die eigenen Pollen und schützen die Pflanze so vor der Eigenbefruchtung.
Damit gibt die Studie neue Impulse beim Verständnis von Abwehrmechanismen auf genetischer Ebene. Und zwar vor allem wegen der Ähnlichkeit zur SI bei Wirbeltieren, da diese schwierig in Modellen erforschbar sind. Aber auch für die Zucht von Nutzpflanzen könnten die Erkenntnisse neue Chancen geben, da SI auch hier wichtig ist, um den Ertrag zu sichern.

Ganze Meldung lesen.

… dass es Vampir-Arten gibt?

Pflanzen verschwinden oft ganz still und leise, weil sie durch genetische Infiltration in den Genpool einer anderen Art „gesaugt“ werden. Das passiert derzeit dem Harzer Waldgreiskraut (Senecio hercynicus), das nach und nach dem Fuchs’schen Greiskraut (Senecio ovatus) weicht. Grund hierfür sind Veränderungen in der Entwicklungszeit der Pflanzen, bedingt durch den Klimawandel: Die verwandten und in gleichen Lebensräumen heimischen Pflanzen blühen plötzlich zeitgleich; es kommt zu Hybriden. Die Reinarten verhindern aber durch ihre Vorteile (bspw. Eignung für einen bestimmten Standort), dass sie von Hybriden verdrängt werden.
Da das Harzer Waldgreiskraut besser an kühleren Standorten zurechtkommt als sein Konkurrent, hätte es eigentlich in den Hochlagenwäldern des Bayerischen Walds gute Überlebenschancen. Wissenschaftler fanden aber nun heraus, das eine solche klimabedingte Selektion für eine genetische Trennung der beiden Arten nicht ausreicht. Ihre Prognose: Solche Vorgänge könnten künftig noch häufiger werden.

Zur vollständigen Meldung
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… dass der Meersalat Ulva seine typische Form nur mithilfe von Bakterien ausbilden kann?

Das fanden Forscher der Arbeitsgruppe „Chemische Ökologie von Ulva“ an der Universität Jena heraus. Dafür untersuchten sie Jungalgen, die sich ohne Bakterien nur sehr langsam und lediglich zu einem unförmigen Zellhaufen entwickelten. Erst mithilfe der beiden Bakterienarten Roseobacter und Cytophaga sowie der von ihnen produzierten Stoffe bildete die Ulva ihre natürliche bandförmige oder salatblättrige Form aus. Welche Stoffe das im Einzelnen sind, wird derzeit erforscht.
Fest steht, dass die etwa 20 bis 30 cm langen Grünalgen ihre bakteriellen Partner, die sie zum Wachsen bringen, in ihre Nähe locken. Außerdem unterstützen diese die Ulva durch Signalstoffe bei der Suche nach geeignetem Lebensraum. An geeigneter Stelle, wie an Felsen, wachsen sie zu ihrer endgültigen Größe heran. Die Alge des Jahres 2015 kommt weltweit in vielen Küstengebieten vor.
Ein Video (© Jens Bösger und Thomas Wichard, Universität Jena) zu den Experimenten mit Ulva-Zellen findet sich hier. Zur Meldung der Universität Jena

Genetischer Vampirismus: Das Harzer Waldgreiskraut (Senecio hercynicus) wird im Bayerischen Wald vom Fuchs'chen Greiskraut "aufgesaugt". © Gabriel Heine, Universität Regensburg (Quelle: idw)
Genetischer Vampirismus: Das Harzer Waldgreiskraut (Senecio hercynicus) wird im Bayerischen Wald vom Fuchs'chen Greiskraut "aufgesaugt". © Gabriel Heine, Universität Regensburg (Quelle: idw)
2015 ist das Internationale Jahr der Böden. © soniccc - fotolia.com
2015 ist das Internationale Jahr der Böden. © soniccc - fotolia.com
Schleswig-Holstein will artenreiches Grünland wiederherstellen. © crimson - Fotolia.com
Schleswig-Holstein will artenreiches Grünland wiederherstellen. © crimson - Fotolia.com
Albicidin wird aus einem Bakterium gewonnen, das Zuckerrohr befällt. © imagika – fotolia.com
Albicidin wird aus einem Bakterium gewonnen, das Zuckerrohr befällt. © imagika – fotolia.com
Verbundprojekt des BUND hilft Wildkatze auf die Sprünge. © Thomas Stephan/BUND
Verbundprojekt des BUND hilft Wildkatze auf die Sprünge. © Thomas Stephan/BUND
Fischotter sind in Deutschland vom Aussterben bedroht. © davemhuntphoto - Fotolia.com
Fischotter sind in Deutschland vom Aussterben bedroht. © davemhuntphoto - Fotolia.com
Das Gemüsesudoku im Einsatz © LandFrauenverband Brilon
Das Gemüsesudoku im Einsatz © LandFrauenverband Brilon
Junge Naturforscher unterwegs © Naturkindergarten Satrup
Junge Naturforscher unterwegs © Naturkindergarten Satrup
Unterricht im Klassenraum der Waldschule Köln © Waldschule Köln
Unterricht im Klassenraum der Waldschule Köln © Waldschule Köln
Naturerlebnis auf der Saale © BfN, Jens Steingässer
Naturerlebnis auf der Saale © BfN, Jens Steingässer
Urbane Gärten leisten Beitrag zur Biodiversität © BfN
Urbane Gärten leisten Beitrag zur Biodiversität © BfN
Broschüre Naturnahe Firmengelände erschienen © Bodensee-Stiftung
Broschüre Naturnahe Firmengelände erschienen © Bodensee-Stiftung
Schulwanderwettbewerb 2015 © DWV/BNE Aktionstage
Schulwanderwettbewerb 2015 © DWV/BNE Aktionstage
Wie kommt der Zucker in die Rübe? © ahavelaar - Fotolia.com
Wie kommt der Zucker in die Rübe? © ahavelaar - Fotolia.com
Wie verlor die Schlange ihre Beine? © Mirek Kijewski - Fotolia.com
Wie verlor die Schlange ihre Beine? © Mirek Kijewski - Fotolia.com
Ist auch ohne Fleisch glücklich: der Wasserschlauch. © Universität Wien
Ist auch ohne Fleisch glücklich: der Wasserschlauch. © Universität Wien
Blüte der Petunie © Hiroyuki Kakui
Blüte der Petunie © Hiroyuki Kakui
Ulva mit und ohne Bakterien © Taghreed Alsufyani, Anne Weiss und Thomas Wichard, Universität Jena
Ulva mit und ohne Bakterien © Taghreed Alsufyani, Anne Weiss und Thomas Wichard, Universität Jena
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