Vielfalt News Nr. 76 | 6. November 2014

Begrüßung

Liebe Leserinnen und Leser,

wir stellen Ihnen heute wieder eine unserer jungen Bloggerinnen für die UN-Dekade vor: Katharina Schlüter, Studentin und stellvertretende Bundesleiterin der Deutschen Waldjugend.

Eine aktuelle Studie zeigt, welche Maßnahmen zum Schutz der biologischen Vielfalt in den CSR-Standards der Tourismusbranche integriert sind. Auf der 12. UN-Biodiversitätskonferenz wurde eine Verdopplung der internationalen Finanzströme zum Schutz der biologischen Vielfalt beschlossen. Der Marine Stewardship Council (MSC) hat seine Zertifizierungsanforderungen für nachhaltigen Fischfang überarbeitet.

Wir gratulieren heute dem UN-Dekade-Projekt des Monats Oktober 2014, der gelungenen Vermittlungsarbeit für ein konfliktarmes Miteinander von Mensch und Wolf in Niedersachsen! Stimmen Sie nun wieder ab für Ihren Favoriten des Monats November. Ausgezeichnet wurden außerdem vier neue UN-Dekade-Projekte: In Bayern werden das endemische Löffelkraut und weitere stark gefährdete Arten in ihren wertvollen Lebensräumen geschützt. In Bonn entwickeln junge Menschen Filmclips zu den Themen Regenwald, biologische Vielfalt und nachhaltiger Konsum, um ein umweltbewussteres Handeln zu fördern. In Heidelberg konnten Wanderfalken nach einer fast 50-jährigen Abwesenheit erfolgreich wiederangesiedelt werden. In Niedersachsen macht Schmuck aus ökologisch angebauten, alten Bohnensorten auf die Bedeutung von Agrobiodiversität aufmerksam.

Unter Termine und Publikationen berichten wir Ihnen heute von der UN-Dekade-Konferenz am 10. Oktober in Leipzig. Zusätzlich möchten wir Sie aufmerksam machen auf die neue Broschüre zum Jugendkongress Biodiversität und die vor kurzem veröffentlichten Handlungsempfehlungen für Nachhaltigkeitssiegel in der Lebensmittelbranche. Wussten Sie schon, dass Antidepressiva Vögel lustlos machen? Dass unser Darm seine Bakterien bei krankheitsbedingten Fastenkuren füttert? Oder, dass Hummeln Karriere in der Stadt machen können?

Wir wünschen Ihnen viel Vergnügen beim Lesen!

Herzliche Grüße

Dr. Natalie Bergholz
für das UN-Dekade-Team

UN-Dekade-Bloggerin: Katharina Schlüter

Heute stellen wir Ihnen wieder eine unserer Bloggerinnen für die UN-Dekade vor: Katharina Schlüter. Die 24-jährige stammt aus dem Sauerland, wo sie sehr naturverbunden aufwuchs. Bereits seit ihrer Kindheit engagiert sie sich in der Deutschen Waldjugend (DWJ) und hat dabei insbesondere das Wildfreigehege Hellenthal ehrenamtlich unterstützt. Von 2002 bis 2013 arbeitete die Tierfreundin hier regelmäßig in der Greifvogelstation. „Das Besondere an der Waldjugend ist die Kombination von aktivem Naturschutz, der Beobachtung von Naturphänomenen und das bündische Leben - also auf Fahrt gehen, Zeltlager und Musik machen“, schwärmt die Sauerländerin. In ihrem Blog-Beitrag für die UN-Dekade beschreibt sie, was Kinder in einem DWJ-Zeltlager als junge Waldläuferinnen und Waldläufer alles erleben und erfahren können. Seit knapp zwei Jahren ist Katharina Schlüter als stellvertretende Bundesleiterin der DWJ für die Bereiche "Biologisches" und "Waldpädagogik" zuständig. Darüber hinaus ist sie in der Redaktion der Zeitung "Waldameise" des nordrhein-westfälischen Landesverbands tätig. „In der Umweltbildung und Waldpädagogik sehe ich die Chance, meine Begeisterung für Natur und Tiere weitergeben zu können“, begründet die Naturfreundin ihren langjährigen Einsatz. Die junge Frau, die inzwischen Landschaftsökologie in Münster studiert, erstellte im Rahmen ihrer Bachelorarbeit auch ein Umweltbildungskonzept für Grundschulklassen, das nun im NABU Gut Sunder bei Celle umgesetzt wird. Den Beitrag von Katharina Schlüter sowie die Posts der anderen Bloggerinnen und Blogger finden Sie hier.

Neues zur biologischen Vielfalt

  • 23.10.2014 / 03.11.2014. Eine aktuelle Studie zeigt, inwiefern Maßnahmen zum Schutz der biologischen Vielfalt in CSR-Standards im Tourismus integriert sind. CSR steht für Corporate Social Responsibility bzw. unternehmerische Gesellschaftsverantwortung. Sie umschreibt den freiwilligen Beitrag der Wirtschaft zu einer nachhaltigen Entwicklung, der über die gesetzlichen Forderungen hinausgeht. Laut der Studie berücksichtigen die CSR-Standards in der Tourismusbranche mittlerweile eine gewisse Zahl an Biodiversitätsaspekten in ihren Richtlinien. Sie konzentrieren sich dabei insbesondere auf negative Auswirkungen wie die Zerstörung von Ökosystemen und die Übernutzung natürlicher Ressourcen. Um diese zu reduzieren, setzen sie vor allem auf traditionelle Maßnahmen zum Schutz von Lebensräumen und Arten. Noch nicht oder kaum berücksichtigt werden dagegen neue Konzepte wie "No-Net-Loss" (ein Verlust an biologischer Vielfalt wird per saldo ermieden) oder Ökosystemleistungen, obwohl Letztere eine Schlüsselrolle für den Tourismus einnehmen. Die Studie gibt Empfehlungen, wie auch diese Aspekte integriert werden können (Quelle: B&B Campaign). Laut einer aktuellen Reiseanalyse gibt es trotz einer beträchtlichen Nachfrage nach umweltfreundlichen Urlaubsreisen kein ausreichendes Angebot. Für rund 31 Prozent der für die Analyse Befragten ist die ökologische Verträglichkeit von Urlaubsreisen wichtig. Die an nachhaltigen Reisen Interessierten nannten als Hürden jedoch unter anderem fehlende Informationen (43 Prozent) und das begrenzte Angebot (32 Prozent, Quelle: BMUB). Einen Ausweg bieten beispielsweise die UN-Dekade-Projekte Verträglich Reisen und Fahrtziel Natur. Hier finden Sie zahlreiche Informationen und Angebote für naturverträgliches Reisen in Europa.
  • 17.10.2014 / 03.11.2014. Vom 6. bis 17. Oktober fand die 12. UN-Konferenz über das Abkommen zur Biologischen Vielfalt im südkoreanischen Pyeongchang statt. Die Bedeutung der biologischen Vielfalt für eine nachhaltige Entwicklung und Armutsbekämpfung weltweit war einer der zentralen Diskussionspunkte. Die Staatenvertreter unterzeichneten die Gangwon-Deklaration, in der sie die sichtbare Verankerung der Biodiversität in der Post-2015-Entwicklungsagenda der Vereinten Nationen fordern. Sie konnten sich zudem darauf einigen, die internationalen Finanzströme zum Schutz der biologischen Vielfalt zu verdoppeln. Zudem wurden rund 150 ökologisch und biologisch bedeutsame Meeresgebiete neu in die Datenbank der Konvention aufgenommen, die eine wichtige wissenschaftliche Grundlage für die Auswahl von Meeresschutzgebieten darstellt (Quelle: BMUB). Als Teilnehmerin der Jugenddelegation berichtete die UN-Dekade-Jugendbotschafterin Svana Rogalla live auf dem UN-Dekade-Blog über die Vorbereitungen, Erlebnisse und Ergebnisse der Konferenz in Südkorea. Vom 3. bis 9. November findet in Quito, Ecuador, eine internationale Artenschutzkonferenz statt. Expertinnen und Experten aus über 120 Staaten, die sich der Bonner Konvention zum Schutz wandernder, wildlebender Tierarten angeschlossen haben, beraten hier über den besseren Schutz von Zugvögeln und bedrohten Arten wie Haien, Rochen, Sägefischen, dem Europäischen Aal, Eisbären und Löwen. Der Konferenz liegt zudem der Vorschlag vor, eine breit angelegte Initiative zu gefährdete Säugetieren Zentralasiens zu starten (Quelle: BMUB).
  • 01.10.2014. Der Marine Stewardship Council (MSC) verwaltet das weltweit führende Siegel für nachhaltigen Fischfang und hat dazu jetzt überarbeitete Zertifizierungsanforderungen veröffentlicht. Durch die Aktualisierung wird die Messlatte für einige wichtige Themen höher gelegt, darunter Beifangminimierung und empfindliche Meeresökosysteme. Der überarbeitete Standard soll dafür sorgen, dass MSC-zertifizierte Fischereien weiterhin anerkannte beste Praxis anwenden, um Fischbestände und Lebensgrundlagen für die kommenden Generationen zu sichern. „Der aktualisierte Standard macht unser Programm noch strenger und stärker und wird sich positiv auf die Nachhaltigkeit unserer Meeresressourcen auswirken“, erklärt Dr. David Agnew, Chefwissenschaftler des MSC. „An der Aktualisierung haben sich viele interessierte Parteien beteiligt, darunter Fischereimanager, Meeresbiologen, Umweltorganisationen und Naturschützer. Es war ein herausfordernder und aufschlussreicher Prozess, der uns geholfen hat, einen Standard zu entwickeln, auf den alle Beteiligten stolz sein können.“ Zu den wichtigsten Neuerungen gehört unter anderem, dass Fischereien regelmäßig alternative Maßnahmen zur Minimierung des Beifangs an unerwünschten sowie gefährdeten und geschützten Arten prüfen müssen. Zusätzliche Anforderungen sorgen zudem für eine effektivere Mitverfolgung von Fisch- und Meeresfrüchteprodukten von der Fischerei in die Lieferkette. Außerdem wird ein unabhängiges "Peer Review College" zur wissenschaftlichen Überprüfung von Bewertungen gegründet (Quelle: msc.org).

UN-Dekade-Projekte und -Beiträge

  • Sie haben entschieden! Die "Niedersachsenweite Bildungsinitiative: Wölfen auf der Spur" ist Sieger der Online-Abstimmung und damit das UN-Dekade-Projekt des Monats Oktober. Von insgesamt 222 Stimmen wurden 95 für die altersgerecht thematisierte Rückkehr des Wolfes nach Niedersachsen abgegeben. Wir gratulieren der Landesjägerschaft Niedersachsen e. V. und dem SCHUBZ Umweltbildungszentrum Lüneburg zu diesem Erfolg! Sie vermittelten schon über 3.500 Kindern und Jugendlichen anschaulich, wie ein konfliktarmes Miteinander von Mensch und Wolf möglich ist. Dieser Einsatz fand nicht nur regen Zuspruch bei Ihnen und der Fachjury, sondern auch bei der UN-Dekade-Botschafterin und Tierfreundin Cassandra Steen: „Der Wolf kehrt zurück, hat aber noch nicht viele Freunde in der deutschen Bevölkerung“, erklärte die Sängerin. „Um dies zu ändern, lernen Kinder und Jugendliche den wilden Verwandten des Hundes nun als Teil der heimischen biologischen Vielfalt kennen. Ich finde es beeindruckend, wie sehr sich die Landesjägerschaft für einen konfliktarmen Umgang mit der geschützten Tierart einsetzt!“ Mehr Informationen zu dem am 28. Juli 2014 von Kultusministerin Frauke Heiligenstadt ausgezeichneten Projekt lesen Sie hier.
  • Das Bayerische Löffelkraut kommt weltweit ausschließlich in Bayern vor, daher hat das Bundesland eine besondere Verantwortung für den Erhalt dieser stark gefährdeten Art. Dies betonte der zuständige Umweltminister Dr. Marcel Huber bei der Auszeichnung des UN-Dekade-Projektes "Löffelkraut & Co" am 31. Juli 2014 in Benningen. „Nur gemeinsam lässt sich dieser Ureinwohner Bayerns schützen und erhalten. Durch die vorbildliche Zusammenarbeit von Verbänden, Landwirten und Verwaltung gelingt das bereits sehr erfolgreich“, freute sich der Minister. Über das Projekt werden neben dem Löffelkraut auch europaweit bedeutsame Biotoptypen wie Kalk-Quellfluren geschützt. Davon profitieren weitere stark gefährdete Arten wie Gelber Lein und Geschnäbelter Gold-Hahnenfuß. „In enger Kooperation mit vielen Partnern hat der Bund Naturschutz e.V. dem Bayerischen Löffelkraut einen geeigneten Lebensraum geschaffen“, begrüßte auch Dr. Ute Magiera, Projektleiterin der UN-Dekade-Geschäftsstelle, das Engagement. „Hier werden Quellbereiche und Bachläufe, Kalkflachmoore und extensive Wiesen umfangreich für den Erhalt des raren Krautes geschützt. Viele Ehrenamtliche setzen sich vorbildlich für diese seltene Art ein! Die Jury befand dieses Engagement als auszeichnungswürdig und ich gratuliere herzlich dazu!“ Mehr über dieses Projekt lesen Sie hier.
  • Im Rahmen des Projektes "Green movie. Green media." entwickelte OroVerde gemeinsam mit Jugendlichen und jungen Erwachsene kurze Filmclips rund um die Themen Regenwald, biologische Vielfalt und nachhaltiger Konsum. Um ein umweltbewussteres Handeln zu fördern, wurden dabei die unterschiedlichen Motivationen von verschiedenen Zielgruppen berücksichtigt. Wie sich die Themen Regenwald, Vielfalt und Nachhaltigkeit an Menschen bringen lassen, die bislang von der Umweltkommunikation kaum erreicht werden, lernten die Teilnehmenden von einem Experten: Dr. Hans Georg Häusel, dem Begründer des Neuromarketingansatzes der Limbic®Types. Das UN-Dekade-Projekt wurde am 5. August 2014 durch Dr. Christiane Schell von Bundesamt für Naturschutz ausgezeichnet. UN-Dekade-Botschafter Janus Fröhlich begrüßte diese Würdigung: „Bilder sagen mehr als tausend Worte – in diesem Sinne zeigen Jugendliche mit ihren Filmen, wie sich jeder von uns in seinem persönlichen Lebensumfeld für die biologische Vielfalt einsetzen kann. So können wir zum Beispiel bevorzugt Produkte aus Recyclingpapier bzw. ohne Palmöl nutzen, um die tropischen Regenwälder zu schützen“, erläuterte der Schlagzeuger der Band Höhner. „Das Beste daran ist, dass man keine besonderen Vorkenntnisse braucht, um das bildhafte Anliegen der Schülerinnen und Schüler zu verstehen. Ich begrüße das Engagement der Jugendlichen und der Tropenwaldstiftung und gratuliere herzlich zur wohlverdienten Auszeichnung!“ Mehr über dieses Projekt lesen Sie hier.
  • Wanderfalken galten in der Kurpfalz fast 50 Jahre lang als ausgestorben. Ein Nistkasten im Kirchturm sorgte jedoch für die gelungene Wiederansiedlung der "Wanderfalken in Heidelberg". Über ein Dutzend Bruten mit über 40 ausfliegenden Wanderfalken dokumentieren den Erfolg. Eingerichtet wurde der Nistkasten 1998 von Hans-Martin Gäng, Naturschutzwart und ehemaliger Rektor der Geschwister-Scholl-Schule, gemeinsam mit einer Gruppe aus Schülerinnen und Schülern und Lehrern. Unterstützt von mehreren Partnern und Förderern betreuen die Falkenfreunde seitdem nicht nur den Nistkasten, sondern auch drei Webcams und eine interaktive Webseite. Die Aufnahmen der Webcams und weiterführende Informationen werden auch im Heidelberger Ratshausfoyer präsentiert. Am 6. August 2014 zeichnete Oberbürgermeister Dr. Eckart Würzner das Engagement der Falkenfreunde als UN-Dekade-Projekt aus. Botschafterin Maren Eggert freute sich, dass Heidelberg wieder zur Heimat der Wanderfalken werden konnte und dass der entsprechende Einsatz mit der UN-Dekade-Auszeichnung belohnt wurde. „Das Projekt hat es geschafft, den Wanderfalken nach über 40 Jahren Abwesenheit wieder nach Heidelberg zurückzuholen. In den Nistkästen in der Turmspitze der Heiliggeistkirche haben mittlerweile viele junge Falken das Licht der Welt entdeckt. Das Brutgeschehen kann über drei Webcams live mitverfolgt werden und die spannendsten Entwicklungen lassen sich im ‚Tagebuch‘ auf Europas ältesten Wanderfalken-Auftritt im Internet nachlesen“, so die Schauspielerin. Mehr über dieses Projekt lesen Sie hier.
  • Viele alte Bohnensorten geraten immer mehr in Vergessenheit und verschwinden zunehmend aus den heimischen Gärten. Um auf die Bedeutung dieser gefährdeten Agrobiodiversität aufmerksam zu machen, fertigt die Agrarwissenschaftlerin Dr. Anja Oetmann-Mennen seit rund acht Jahren Schmuck aus Bohnenkernen an. Durch die Kombination mit Metall und Glasperlen stellt sie einzigartige Colliers, Anhänger und Ohrschmuck aus verschiedenen Bohnensorten her. Jede Kundin kann sich ein individuelles Schmuckstück zusammenstellen lassen. Die Vermarktung auf dem Wochenmarkt oder im Internet wird begleitet von Gesprächen und Informationen rund um die Geschichte und Bedeutung der Bohnensortenvielfalt. Die Anzucht der Bohnen erfolgt nach ökologischen Richtlinien in einer Werkhof-Projekt-Gärtnerei, in der auch Jugendliche tätig sind. Ein Teil ihres Umsatzes spendet Dr. Oetmann-Mennen zudem jedes Jahr an den Verein zur Erhaltung der Nutzpflanzenvielfalt. Dieses Engagement wurde am 21. August 2014 mit der Auszeichnung zum UN-Dekade-Projekt durch UN-Dekade-Botschafterin Sarah Wiener und Dr. Christiane Schell vom Bundesamt für Naturschutz gewürdigt. Anschließend trugen alle drei Damen "Bohnen an Hals und Ohr". Die Köchin und Unternehmerin Sarah Wiener zeigte sich begeistert: „Es ist beeindruckend, wie viele verschiedene Formen und Farben an Bohnen es gibt. Frau Dr. Oetmann-Mennen kreiert damit wundervolle Schmuckstücke und ich bin nun selbst Besitzerin eines Colliers.“ Mehr über dieses Projekt lesen Sie hier.

Termine und Publikationen

  • Über 50 Akteure aus den Bereichen UN-Dekade-Projekte, Politik, Naturschutz und Unternehmen trafen sich am 10. Oktober in Leipzig zur zweiten der drei UN-Dekade-Veranstaltungen. In Diskussionen, Workshops und der Ausstellung von UN-Dekade-Projekten wurden Erfahrungen rund um die biologische Vielfalt ausgetauscht. Am Vormittag berichtete Prof.  Karl-Heinz Erdmann vom Bundesamt für Naturschutz über den aktuellen Stand der Umsetzung der UN-Dekade und Dr. Sonja Knapp vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung führte aus, welche Bedeutung die biologische Vielfalt in Städten und urbanen Räumen einnimmt. Anschließend wurden die Teilnehmenden der Podiumsdiskussion, Prof. Dr. Karl-Heinz Erdmann, Dr. Sonja Knapp, Cornelis Hemmer vom UN-Dekade-Projekt "Deutschland summt" (Stiftung für Mensch und Umwelt) sowie die UN-Dekade-Botschafterin und TV-Moderatorin Shary Reeves, nach den Chancen und Herausforderungen eines naturverträglichen Konsums befragt. Die Diskutanten waren sich darüber einig, dass ein nachhaltiger Konsum in der Verantwortung aller liegt – der Verbraucherinnen und Verbraucher ebenso, wie der Politik und der Wirtschaft. Nach der Podiumsdiskussion zeichnete Shary Reeves zwei neue UN-Dekade-Projekte aus. Die Tropenerlebniswelt Gondwanaland im Zoo Leipzig vermittelt die Einzigartigkeit des tropischen Regenwaldes. Als eine der größten Tropenhallen Europas beherbergt sie etwa 90 Tier- und 500 Pflanzenarten aus den Regenwäldern Asiens, Afrikas und Südamerikas. Mit unterschiedlichsten Medien lässt das zugehörige Bildungskonzept Erwachsene und Kinder den Wert dieser biologischen Vielfalt entdecken. Shary Reeves begrüßte, dass „die kleinen und großen Besucher Tiere und Pflanzen hautnah erleben können. Gleichzeitig lernen sie, wie schützenswert dieser Lebensraum ist und was sie selbst tun können, um dieses einzigartige Ökosystem zu erhalten.“ Ausgezeichnet wurde auch das Urban-Gardening-Projekt Annalinde - urbane Landwirtschaft. In einer wiederbelebten Gärtnerei und in mobilen Hochbeeten erfolgt ein Anbau nach ökologischen Maßstäben. Kinder, Jugendliche und Erwachsene schaffen gemeinsam eine essbare Oase der biologischen Vielfalt. Das Obst und Gemüse wird nicht nur zusammen gesät, gepflanzt und geerntet, sondern auch im Café vor Ort verarbeitet und konserviert. Shary betonte: „Besonders beeindruckend ist die Vielzahl der Angebote, die der Garten bietet. Die Menschen haben Spaß und finden dort Ausgleich zu ihrem oft stressigen Alltag.“ In drei parallelen Workshops hatten die Teilnehmenden der Konferenz anschließend die Möglichkeit, weitere Kompetenzen für ihre eigenen Projekte zu erwerben. So erfuhren sie im Workshop zur Umweltethik von Prof. Kurt Jax, wie sich Themen rund um die biologische Vielfalt mit verschiedenen Argumentationstypen begründen lassen. In dem Workshop zur Gewinnung von Sponsoring-Partnerschaften von Simone Thaler erhielten sie einen Einblick darin, wie sich Unterstützer für eigene Ideen gewinnen lassen. Im Workshop zur Kampagnenarbeit von Prof. Markus Große Ophoff erarbeiteten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer Wege und Strategien zur Kommunikation von Umweltthemen. Weitere Informationen zu den UN-Dekade-Veranstaltungen finden Sie hier.
  • Die Broschüre zum Jugendkongress Biodiversität 2014 ist erschienen. Auf diesem Kongress haben im September 160 junge Menschen zwischen 18 und 27 Jahren eigene Zukunftsideen für die Erhaltung der biologischen Vielfalt entwickelt. In acht Arbeitskreisen, zum Beispiel zu Konsum und biologische Vielfalt, Global denken – lokal handeln, Politische Partizipation, Biologische Vielfalt in der Stadt fördern oder Wildnis in Deutschland?!, erarbeiteten sie Ideen und Konzepte, die sie in Zukunft weiter verfolgen und ausarbeiten möchten. Für die erfolgreiche Umsetzung ihrer Projekte erhielten sie während des Kongresses wichtige Impulse für Finanzierungsmöglichkeiten oder Öffentlichkeitsarbeit. Die von den Jugendlichen gemeinsam ausgewählten Ideen werden nun im Dialog mit Fachexperten der Deutschen Bundesstiftung Umwelt und des Bundesamtes für Naturschutz und finanzieller Unterstützung der Stiftung in die Praxis umgesetzt. Die Broschüre kann hier als pdf-Datei heruntergeladen oder kostenlos als Printausgabe bestellt werden.
  • Die Lebensmittelindustrie und der -handel haben wesentliche Wirkungen auf die biologische Vielfalt. Doch derzeit haben Biodiversität und Ökosystemleistungen sowie ihr Schutz noch nicht den Stellenwert in den Unternehmen, den sie aufgrund ihrer Bedeutung eigentlich genießen sollten. Um dies zu ändern, setzt sich eine Initiative der Bodensee-Stiftung und des Global Nature Fund dafür ein, konkrete Kriterien zum Schutz der biologischen Vielfalt in die Nachhaltigkeitsstandards der Lebensmittelbranche zu integrieren. Unterstützt durch Vertreterinnen und Vertreter der Standardorganisationen, der REWE Group und weiteren Unternehmen aus der Lebensmittelbranche, Zertifizierern und Umweltorganisationen haben sie Empfehlungen erarbeitet. Diese Handlungsempfehlungen zur Berücksichtigung von Biodiversitätskriterien in Standards und Qualitätssiegeln der Lebensmittelbranche stehen nun hier zum Herunterladen bereit.

„Wussten Sie schon, dass…?“

  • ...  Antidepressivum Vögel lustlos macht? Gerade in der dunklen Jahreszeit greifen viele von uns notgedrungen zu den Stimmungsaufhellern, die bei uns auch oft den Appetit anregen. Das gilt allerdings nicht bei unseren gefiederten Mitgeschöpfen: Forscherinnen fanden heraus, dass weibliche Stare (Sturnus vulgaris) unter dem Einfluss eines Antidepressivums offensichtlich weniger Appetit verspüren und zudem das Interesse an der Balz verlieren. Da die Forscherinnen den Singvögeln nur die Mengen des Medikaments verabreichten, die die Tiere auch unter natürlichen Bedingungen aufnehmen könnten, warnen sie vor den Folgen von Arzneimittelrückständen für Tiere und Pflanzen. Denn viele Medikamente wirken auch noch, wenn sie bereits von uns Menschen ausgeschieden wurden und mit dem Abwasser in die Umwelt gelangen. Zumindest sollten regelmäßig Proben genommen und untersucht werden, um das Risiko überwachen zu können (Quelle: Spektrum.de).
  • ... unser Körper im Krankheitsfall seine Darmbakterien füttert? Wenn wir krank sind, leidet auch unser Appetit. Durch diese Fastenkur kann unser Körper Krankheitserreger aushungern oder die für die Nahrungsversorgung nötige Energie einsparen. Damit die Hungerkur unserer Darmflora aber schadet, versorgt der Darm sie mit speziellen Zuckerstoffen als Nahrung. Das zumindest vermuten Forscher, nachdem sie genau diesen Vorgang bei Mäusen beobachten konnten. Sie hoffen, durch die neuen Erkenntnisse auch speziellen Darmerkrankungen auf die Spur zu kommen. In den letzten Jahren hat sich immer deutlicher gezeigt, welch enorme Bedeutung der Darmflora für unsere Gesundheit zukommt (Quelle: bdw).
  • ... Hummeln Karriere in der Stadt machen können? Während andere Hummelarten in Großbritannien eher auf dem Rückzug sind, weil ihnen ein eintöniges Nahrungsangebot, weniger Nistplätze und auch der massive Einsatz von Pestiziden zu schaffen machen, vermehrt sich die Baumhummel (Bombus hypnorum) prächtig. Innerhalb weniger Jahre hat sie sich auf der ganzen Insel verbreitet. Forscher haben nun herausgefunden, was ihr Erfolgsrezept ist. Anders als ihre Verwandten hat sich die Baumhummel an ein Leben in nächster Umgebung des Menschen angepasst: Ihr bevorzugter Lebensraum ist die Stadt. Sie hält sich vergleichsweise häufig in bebauten Gebieten auf und bevorzugt andere Pflanzen als ihre Verwandten. So zeigte sie zum Beispiel eine höhere Vorliebe für Hagedorn und Schlehe. In Gärten und Parks steht der Baumhummel ein reichhaltiges Nahrungsangebot zur Verfügung und sie findet dort vielfältige Nistmöglichkeiten. Denn sie baut oberirdische Nester, ein unter den britischen Hummelarten kaum verbreitetes Verhalten. Nistkästen, Mauer- und Felsspalten, aber auch Nischen auf Dachböden mit Isolierwolle sind ihre bevorzugten Neststandorte. Und die findet sie nur in von Menschen gestalteten Lebensräumen (Quelle: bdw).

Fliegende Kraniche vor Windkraftanlagen © Werner Sterwerf
Fliegende Kraniche vor Windkraftanlagen © Werner Sterwerf
Katharina Schlüter bei der "Adlervorstellung" des Wildfreigeheges Hellenthal während des Bundeslagers der Waldjugend im Jahr 2013. © Julian Does
Katharina Schlüter bei der "Adlervorstellung" des Wildfreigeheges Hellenthal während des Bundeslagers der Waldjugend im Jahr 2013. © Julian Does
Singwettstreit der Deutschen Waldjugend auf dem Landeslager 2014 in Duisburg. © Katharina Schlünder
Singwettstreit der Deutschen Waldjugend auf dem Landeslager 2014 in Duisburg. © Katharina Schlünder
Das UN-Dekade-Projekt "Fahrtziel Natur" hat attraktive Angebote für einen umweltverträglichen Tourismus in über 20 Schutzgebieten in Deutschland, Österreich und der Schweiz. © DB AG_Hans-Dieter Budde
Das UN-Dekade-Projekt "Fahrtziel Natur" hat attraktive Angebote für einen umweltverträglichen Tourismus in über 20 Schutzgebieten in Deutschland, Österreich und der Schweiz. © DB AG_Hans-Dieter Budde
Das "Verträglich Reisen"-Team bietet Informationen und Angebote zu attraktiven Reisezielen in Europa, die mit Bus, Bahn und Fähre zu erreichen sind. © fairkehr GmbH/Verträglich Reisen
Das "Verträglich Reisen"-Team bietet Informationen und Angebote zu attraktiven Reisezielen in Europa, die mit Bus, Bahn und Fähre zu erreichen sind. © fairkehr GmbH/Verträglich Reisen
Ein Schwerpunkt auf der internationalen Artenschutzkonferenz in Ecuador ist der Schutz der Zugvögel vor den vielfältigen Gefahren auf ihrem alljährlichen Flugweg zwischen Brutgebiet und Winterquartier. © Werner Sterwerf
Ein Schwerpunkt auf der internationalen Artenschutzkonferenz in Ecuador ist der Schutz der Zugvögel vor den vielfältigen Gefahren auf ihrem alljährlichen Flugweg zwischen Brutgebiet und Winterquartier. © Werner Sterwerf
MSC veröffentlicht aktualisierten Umweltstandard für nachhaltige Fischerei. © Florian Möllers, www.florianmoellers.com
MSC veröffentlicht aktualisierten Umweltstandard für nachhaltige Fischerei.
© Florian Möllers, www.florianmoellers.com
Abschlussveranstaltung zum UN-Dekade-Projekt "Wölfen auf der Spur" © Landesjägerschaft Niedersachsen e.V.
Abschlussveranstaltung zum UN-Dekade-Projekt "Wölfen auf der Spur" (v.l.n.r.): Frank Corleis, Leiter des SCHUBZ Lüneburg, Frauke Heiligenstadt, Niedersächsische Kultusministerin und Schirmherrin des Ideenwettbewerbs und Helmut Dammann-Tamke, Präsident der Landesjägerschaft Niedersachsen e.V., lassen sich einen Projektbeitrag erklären. © Landesjägerschaft Niedersachsen e.V.
Auszeichnung als UN-Dekade-Projekt für das Bund-Naturschutz Team „Löffelkraut & Co“© Haugg Michael
Dr. Marcel Huber (Bayerischer Staatsminister für Umwelt und Verbraucherschutz) und Florian Pronold (Parlamentarischer Staatssekretär am BMUB) überreichen dem Bund-Naturschutz Projektteam „Löffelkraut & Co“ und ihren Partnern die Auszeichnung als UN-Dekade-Projekt. © Haugg Michael
Dr. Christiane Schell vom Bundesamt für Naturschutz übergab die Auszeichnung für "Green Movie. Green Media." an Projektleiterin Birthe Hesebeck, Projektmitarbeiterin Anna Hömberg und Stiftungsvorstand Volkhard Wille von OroVerde. © OroVerde
Dr. Christiane Schell vom Bundesamt für Naturschutz übergab die Auszeichnung für "Green Movie. Green Media." an Projektleiterin Birthe Hesebeck, Projektmitarbeiterin Anna Hömberg und Stiftungsvorstand Volkhard Wille von OroVerde. © OroVerde
Oberbürgermeister Dr. Eckart Würzner überreichte Naturschutzwart Hans-Martin Gäng die UN-Dekade-Auszeichnung © Philipp Rothe
Oberbürgermeister Dr. Eckart Würzner überreichte Naturschutzwart Hans-Martin Gäng die UN-Dekade-Auszeichnung. Mit auf dem Bild: Dr. Marlene Schwöbel-Hug, Dekanin der Evangelischen Kirche in Heidelberg, Dr. Hans-Wolf Zirkwitz, Leiter des städtischen Umweltamts, und Naturschutzwart Dr. Michael Preusch. © Philipp Rothe
Auszeichnung zum UN-Dekade-Projekt: Frau Dr. Oetmann-Mennen (Mitte) erhält das Vielfalt-Bäumchen von UN-Dekade-Botschafterin Sarah Wiener (rechts) und Dr. Christiane Schell vom BfN (links). © Michael Münch
Auszeichnung zum UN-Dekade-Projekt: Frau Dr. Oetmann-Mennen (Mitte) erhält das Vielfalt-Bäumchen von UN-Dekade-Botschafterin Sarah Wiener (rechts) und Dr. Christiane Schell vom BfN (links). © Michael Münch
Podiumsdiskussion © Klaus-D. Sonntag
Podiumsdiskussion. Von links nach rechts: Dr. Sonja Knapp (Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung), Cornelis Hemmer (UN-Dekade-Projekt "Deutschland summt!"), UN-Dekade-Botschafterin Shary Reeves, Prof. Dr. Karl-Heinz Erdmann (BfN) und Moderatorin Ilona Böttger. © Klaus-D. Sonntag
Auszeichnung zum UN-Dekade-Projekt von UN-Dekade-Botschafterin Shary Reeves
Das Projekt "Gondwanaland" erhält die Auszeichnung zum UN-Dekade-Projekt von UN-Dekade-Botschafterin Shary Reeves (2. von rechts) und den beiden Fachjurymitgliedern Andreas Klages (DOSB, außen links) und Prof. Dr. Karl-Heinz Erdmann (BfN, außen rechts).
Das Projekt "Annalinde" erhält die Auszeichnung zum UN-Dekade-Projekt von UN-Dekade-Botschafterin Shary Reeves
Das Projekt "Annalinde" erhält die Auszeichnung zum UN-Dekade-Projekt von UN-Dekade-Botschafterin Shary Reeves
Titelbild der Broschüre zum Jugendkongress Biodiversität © BMUB, BfN, DBU
Titelbild der Broschüre zum Jugendkongress Biodiversität © BMUB, BfN, DBU
Naturbelassener Ackerrandstreifen. © Michael Dienelt
Naturbelassener Ackerrandstreifen. © Michael Dienelt
Arzneimittelrückstände können Auswirkungen auf wildlebende Tiere und Pflanzen haben, beispielsweise auf Greif- und Singvögel. © Christian Neumann
Arzneimittelrückstände können Auswirkungen auf wildlebende Tiere und Pflanzen haben, beispielsweise auf Greif- und Singvögel. © Christian Neumann
Dass auch Honig- und Wildbienen Karriere in der Stadt machen können, zeigt das UN-Dekade-Projekt "Deutschland summt!" in Berlin, Hamburg, Frankfurt am Main und München. © Wikipedia, Pixelio, Deutschland summt!
Dass auch Honig- und Wildbienen Karriere in der Stadt machen können, zeigt das UN-Dekade-Projekt "Deutschland summt!" in Berlin, Hamburg, Frankfurt am Main und München. © Wikipedia, Pixelio, Deutschland summt!
Nicht nur Insekten, sondern auch Säugetiere finden Unterschlupf in der Stadt. © Marko König
Nicht nur Insekten, sondern auch Säugetiere finden Unterschlupf in der Stadt.
© Marko König
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