Vielfalt News Nr. 72 | 14. August 2014

Begrüßung

Liebe Leserinnen und Leser,

es gibt Neuigkeiten zur biologischen Vielfalt: Die Reptilien sind auf dem Weg, zur vielfältigsten Wirbeltiergruppe nach den Fischen aufzusteigen. Um diesen Status zu halten, ist allerdings ein konsequenter Schutz von bedrohten Arten nötig. Forscher testen derweil in der Schwäbischen Alb, der Schorfheide und dem Nationalpark Hainich die Hypothese, dass jede Tierart eine eigene akustische Nische besetzt. In der Rhön sorgt ein neues Projekt für den Schutz des majestätischen Rotmilans.

Zwei unserer Botschafterinnen waren in letzter Zeit besonders aktiv: Sarah Wiener plädierte auf der UN-Dekade-Veranstaltung in Osnabrück für einen naturverträglichen Konsum und das Kochen mit frischen und gesunden Lebensmitteln. Fürstin Gabriela zu Sayn-Wittgenstein-Sayn wirbt in einem Interview für naturnahes Gärtnern, um die heimische Vielfalt zu fördern.

Wir gratulieren heute dem UN-Dekade-Projekt des Monats Juli 2014, der Förderung von Fledermausquartieren an privaten und öffentlichen Gebäuden! Ausgezeichnet wurden in den letzten Wochen außerdem drei neue UN-Dekade-Projekte und ein neuer UN-Dekade-Beitrag: Der Deutsche Kinderschutzbund in Gütersloh bietet sozial benachteiligten Kindern ein naturpädagogisches Angebot in einem artenreichen Streuobstwiesen- und Gartengelände an. In Berlin überwindet die türkischsprachige Öko-Bewegung mit Yeşil Çember kulturelle und sprachliche Barrieren und fördert ökologisches Denken und Handeln. In Thüringen setzen sich die Schülerinnen und Schüler des Diesterweg Gymnasiums Tangermünde für die Aufforstung und Pflege eines Weichholzauenwaldes ein. Der BUND wirbt mit dem bundesweiten Fotowettbewerb "Fluss Natur Mensch" für Flüsse und ihre Auen als Lebensadern unserer Landschaft.

Unter Termine und Publikationen stellen wir Ihnen heute die Batnight am 30. und 31. August, eine Ausstellung zur Honigbiene sowie den 32. Deutschen Naturschutztag in Mainz vor, bei dem am 10. September das UN-Dekade-Projekt des Jahres 2014 ausgezeichnet wird. Wussten Sie schon, dass Regenwürmer gegen Hochwasser helfen? Dass sich die kleinsten Lebensräume der Erde im Erdöl befinden und Äpfel durch heißes Wasser vor Pilzbefall geschützt werden können?

Wir wünschen Ihnen viel Vergnügen beim Lesen!

Herzliche Grüße,

Dr. Natalie Bergholz
für das UN-Dekade-Team

Neues zur biologischen Vielfalt

  • 11.08.2014. Für die Artenvielfalt der Reptilien gibt es in diesem Monat zwei positive Botschaften und eine negative Nachricht. Seit April wurden weltweit 80 neue Reptilienarten entdeckt. Eine davon, ein kleiner Gecko aus Laos, sorgte kürzlich für Aufsehen: Als 10.000. Reptilienart wurde er von seinen Entdeckern in eine weltweite Datenbank eingetragen. Damit sind Echsen und Co auf dem besten Weg, zur vielfältigsten Wirbeltiergruppe nach den Fischen aufzusteigen. Auf der anderen Seite sind viele Reptilienarten bereits vom Aussterben bedroht. Ein Team internationaler Forscher hat jetzt erstmals den Gefährdungsstatus aller madagassischen Reptilien ermittelt. Madagaskar ist berühmt für seine einzigartige Natur. Ein Großteil der hier lebenden farbenprächtigen Chamäleons, Riesenschlangen, Geckos und Schildkröten kommt nirgendwo sonst auf der Erde vor. Durch Abholzung, Jagd und Tierhandel sind jedoch fast 40 Prozent dieser einzigartigen Tiere vom Aussterben bedroht. Die gute Nachricht: Ein konsequenter Naturschutz könnte ihr Verschwinden noch verhindern. Denn fast alle der bedrohten Arten konnten in den letzten Jahren noch im Freiland beobachtet werden. Ein Netzwerk von Naturschutzgebieten, das seit 2003 systematisch ausgebaut wurde, schafft zudem wichtige Rückzugsgebiete. Die Informationen aus der neuen Studie können dabei helfen, die begrenzten Ressourcen in der Naturschutzarbeit auf Madagaskar zielgerichtet einzusetzen. Einer der Forscher, Professor Miguel Vences, betont: „Unsere Ergebnisse belegen die enorme Bedeutung der neuen Naturschutzgebiete. Und es ist erfreulich, dass wir bislang so gut wie keine Arten verloren haben. Auch wenn einige kurz vor dem Aussterben stehen – es gibt noch die Chance, sie durch intensive Naturschutzarbeit für die Nachwelt zu erhalten.“ (Quelle: Spektrum.de, idw).
  • 05.08.2014. Mit 300 Mikrofonen auf der Suche nach Artenvielfalt - das testen Forscher der Universität Freiburg nun in drei deutschen Regionen: der Schwäbischen Alb, dem Waldgebiet Schorfheide in Brandenburg und dem Nationalpark Hainich in Thüringen. Indem sie die Geräusche einer Landschaft aufnehmen und analysieren, wollen sie Rückschlüsse auf deren biologische Vielfalt ziehen. Sie vermuten nämlich, dass jede Tierart eine andere Frequenz für ihre Kommunikation nutzt und diese Tonlage ähnlich wie eine ökologische Nische besetzt. Mit ihrem Freilandversuch wollen die Freiburger Forscher diese Hypothese der noch jungen Wissenschaftsdisziplin "Soundscape Ecology" (Ökologie der Klanglandschaften) überprüfen. Es handelt sich um das europaweit größte Projekt in diesem Bereich. Die 300 Mikrofone werden in Nutzwäldern, Mischwäldern, auf Weideland und unterschiedlich gedüngten Wiesen aufgestellt. Ein Jahr lang nimmt jedes dieser Mikrofone pro Stunde eine Minute lang die Klänge der Umgebung auf - dadurch werden etwa 15 Millionen kurze Tonaufnahmen für die Auswertung entstehen (Quelle: rp-online.de).
  • 01.08.2014. Deutschland hat eine besondere Verantwortung für den Rotmilan, da hierzulande mehr als die Hälfte des weltweiten Bestandes brüten, während der Rotmilan in Mitteleuropa bereits zu den seltensten Greifvögeln gehört. Doch auch in Deutschland geht der Bestand des Rotmilans seit Jahren zurück. Er benötigt Wiesen, Weiden und Wälder, um ausreichend Nahrung für die Aufzucht seiner Jungen zu finden. Doch in den einseitig genutzten Agrarlandschaften mit Raps, Mais und Wintergetreide findet er diese immer seltener. Ein neues Rotmilan-Projekt im Bundesprogramm Biologische Vielfalt soll jetzt helfen, diesen Trend in der Rhön wieder umzukehren. Neue Wiesen und Weiden in einer insgesamt vielfältigeren Kulturlandschaft sollen die Nahrungsgrundlage der etwa 200 Rotmilanpaare in der Rhön sichern. Der Grünlandanteil soll erhöht und der Anbau von Hackfrüchten und Luzerne gefördert werden. Gleichzeitig sollen Störungen in der Nähe von Brutplätzen vermindert werden. Von diesen Maßnahmen können nicht nur Rotmilane profitieren, sondern auch viele andere bedrohte Arten, wie das Rebhuhn, der Feldhamster oder der Feldhase. In dem Projekt geht es auch um den Schutz vor Verlusten durch Windkraftanlagen. Es sind daher Mastenkontrollen sowie die aktive Mitwirkung bei der Planung des Ausbaus der Windkraftanlagen in der Region vorgesehen (Quelle: BfN).

UN-Dekade-Botschafterinnen

  • Die UN-Dekade-Botschafterin Sarah Wiener setzt sich für biologische Vielfalt ein, weil sie „zum Beispiel beim Kochen eine echte Auswahl an Zutaten“ schätzt und „gesunde Ökosysteme die Vielfalt brauchen.“ Ihren Kunden bietet sie daher Produkte aus biologisch und regional angebauten, seltenen Obst- und Gemüsesorten an. Auf der UN-Dekade-Veranstaltung am 27. Juni in Osnabrück appellierte sie eindringlich an die Eigenverantwortung von Politik, Unternehmen und Verbrauchern. Die Unternehmerin schilderte ein paar ihrer eigenen Aktivitäten: „Wir züchten beispielsweise Bienen, haben einen Acker mit fast vergessenen Gemüsesorten und bieten in unserem Sortiment Bio-Tee aus Cornwall an.“ Jede und jeder hätte als Privatperson zudem verschiedene Möglichkeiten für einen naturverträglichen Konsum. „Was pflanze ich im eigenen Garten an, welches Ei kaufe ich, nehme ich beim Einkauf ein Plastiksackerl und was werfe ich später weg?“, zählt die Köchin exemplarisch auf. Sehr wichtig sei für sie das Kochen mit frischen und gesunden Lebensmitteln, um zu wissen, „was man isst und wie es hergestellt wurde.“
  • Die Fürstin Gabriela zu Sayn-Wittgenstein-Sayn ist von Kindesbeinen an sehr stark mit der Natur verbunden. „Früher nahm ich es als selbstverständlich an, von einer intakten Umwelt umgeben zu sein. Doch heute sehe ich mit Sorge, wie die Natur vielerorts immer mehr verarmt“, schilderte sie am 26. März 2014 in einem Interview. Als UN-Dekade-Botschafterin möchte sie ihren Mitmenschen daher die Bedeutung der biologischen Vielfalt wieder näher zu bringen. In ihrem viel besuchten "Garten der Schmetterlinge Schloss Sayn" gibt sie Besucherinnen und Besuchern seit 27 Jahren einen Eindruck von der Vielfalt der Schmetterlinge. „Mit ihrer Schönheit begeistern die Falter jedermann. Sie weisen aber auch darauf hin, wie zerbrechlich die Natur ist, wie schnell sie zerstört werden kann und wie wichtig ein respektvoller, umsichtiger und vorsichtiger Umgang mit ihr ist“, beschreibt die Geschäftsführerin ihr Engagement. „'Schmetterlinge sind so schön, warum gibt es bei uns im Garten und auf den Wiesen und Feldern nur noch so wenige?', ist eine der häufigsten Fragen, die ich im Garten der Schmetterlinge höre. Meist wird dann auch gefragt, was man selbst tun könne, um die Vielfalt der heimischen Schmetterlinge zu erhalten. Hier beraten wir, das Biologen-Team des Gartens und ich, gerne.“ Gabriela zu Sayn ermutigt Freizeitgärtnerinnen und -gärtner, durch eine möglichst naturnahe Bewirtschaftung des Gartens die heimische Artenvielfalt zu fördern. „Ganz praktisch kann jeder helfen, indem er den eigenen Balkon, den eigenen Garten phantasievoll und umweltfreundlich bepflanzt. Ein sich ständig wandelnder Garten erfreut auch seinen Besitzer Tag für Tag auf das Neue“, empfiehlt die Fürstin.

UN-Dekade-Projekte und -Beiträge

  • Sie haben entschieden! Das "Fledermausfreundliche Haus" ist Sieger der Online-Abstimmung und damit das UN-Dekade-Projekt des Monats Juli. Von insgesamt 4.701 Stimmen wurden 2.266 für die Förderung von Fledermausquartieren an privaten und öffentlichen Gebäuden abgegeben. Wir gratulieren dem NABU Hessen, Land Hessen und der Stiftung Hessischer Naturschutz zu diesem Erfolg! Sie konnten schon über 800 Bürgerinnen, Bürger und Institutionen ehren, die durch neue Quartiere einen wichtigen Beitrag zur Erhaltung der faszinierenden Flugsäuger leisten. Der Biologe und UN-Dekade-Botschafter Florian Möllers begrüßte die Aktion: „Durch die Zerstörung ihrer natürlichen Lebensräume sind Fledermäuse zunehmend auf Verstecke und Ruheplätze in Dachstühlen oder in Hohlräumen von Gebäuden angewiesen. Aufgrund von Sanierungen und Abrissen werden diese Quartiere jedoch immer seltener. Die Plakette "Fledermausfreundliches Haus" ist eine schöne Idee, um Hausbesitzer dafür zu belohnen, dass sie Fledermäusen unter ihrem eigenen Dach Unterschlupf gewähren.“ Mehr Informationen zu dem am 22. April von der hessischen Umweltministerin Priska Hinz ausgezeichneten Projekt finden Sie hier.
  • "Faba-Naturprojekt - Biodiversität stärkt belastete Kinderseelen" heißt ein soziales Gruppenangebot, das sich für Kinder von Eltern mit einer Suchterkrankung oder psychischen Problemen einsetzt. Der Begriff "Faba" steht für Familien in Balance, aber es ist auch der lateinische Name der Ackerbohne Vicia faba, der Logopflanze des Projektes. Auf einer großen Streuobstwiese, durch den Kontakt zu Haus- und Wildtieren und in einem bäuerlichen Nutzgarten lernen die Kinder im Alter zwischen acht und elf Jahren den Wert der biologischen Vielfalt schätzen. Gleichzeitig sollen ihnen die Erfahrungen in der freien Natur und der enge Kontakt zu Betreuern und Gleichgesinnten Kraft für eine gesunde Zukunft geben. Dieser Einsatz wurde am 14. Mai 2014 mit der Auszeichnung zum UN-Dekade-Projekt belohnt. Auch UN-Dekade-Botschafterin Shary Reeves ist begeistert von dem Engagement des Deutschen Kinderschutzbundes in Gütersloh und insbesondere des Ehepaares Bethlehem: „Rainer und Renate Bethlehem bewegen die Welt von Kindern, die es nicht immer so leicht haben. Ihre Obstwiese Bethlehem macht Artenvielfalt erfahrbar und ermöglicht den Kindern, aktiv den Umgang mit Tieren zu erleben. Biologische Zusammenhänge nahebringen und gleichzeitig Selbstbewusstsein und Gemeinschaftsgefühl stärken - DAS nenne ich nachhaltiges, gesellschaftliches Engagement!“ Mehr über dieses Projekt erfahren Sie in unserer Pressemitteilung sowie hier.
  • Es gibt viele Möglichkeiten, sich in Deutschland für den Schutz der biologischen Vielfalt einzusetzen. Zahlreiche Informationsmaterialien und Umweltorganisationen zeigen auf, was jeder und jede als eigenen kleinen Beitrag beisteuern kann. Doch gerade Menschen mit Migrationshintergrund bleiben dabei häufig außen vor, weil sie die Sprache nicht verstehen oder der konkrete Bezug zu Umweltthemen fehlt. Hier setzt die Arbeit der Umweltorganisation Yeşil Çember (Türkisch für „Grüner Kreis“) an. Mit deutsch-türkischen Informationsmaterialen, Veranstaltungen, Exkursionen und Umweltbotschafterinnen und -botschaftern aktiviert das Projekt aus der Türkei stammende Menschen dazu, sich mit den Themen Umweltschutz, nachhaltiger Konsum und biologische Vielfalt zu beschäftigen und für sie einzutreten. Gemeinsam mit deutschen Umweltorganisationen werden kulturelle und sprachliche Barrieren überwunden und ökologisches Denken und Handeln gefördert. Für diese "Türkischsprachige Öko-Bewegung in Deutschland" wurde Yeşil Çember am 23. Mai vom türkischen Generalkonsul Ahmet Başar Şen die Auszeichnung zum UN-Dekade-Projekt verliehen. „Die türkische Community in Deutschland partizipiert in allen Bereichen des Lebens. Auch Umweltthemen werden für sie immer wichtiger und somit steigt natürlich auch der Bedarf an Aufklärungsangeboten für Umweltschutz. Ich freue mich sehr, dass eine türkische Umweltorganisation mit so einer bedeutsamen Auszeichnung geehrt wird“, sagte Ahmet Başar Şen. Auch die UN-Dekade-Botschafterin Nina Ruge begrüßte die Auszeichnung: „Yeşil Çember überwindet Sprachbarrieren und bringt deutsche Umweltorganisationen und türkischsprachige Menschen in Deutschland miteinander in Kontakt. Damit wird auch denjenigen eine Chance gegeben, sich im Naturschutz zu engagieren, die noch nicht ganz fit in der deutschen Sprache sind.“ Mehr über dieses Projekt erfahren Sie in unserer Pressemitteilung sowie hier.
  • Das UN-Dekade-Projekt "Von kleinen Bäumen zum dichten Auenwald" in Thüringen fand nicht nur regen Zuspruch bei der Jury, sondern auch in der UN-Dekade-Geschäftsstelle: „Die geschaffene Auenwaldfläche in Tangermünde verspricht, sich zu einem Kleinod für biologische Vielfalt zu entwickeln“, hält Mitarbeiterin Angela Krumme fest. „Gemeinsam mit Schülerinnen und Schüler des Diesterweg Gymnasiums Tangermünde-Havelberg haben Mitarbeiter des Biosphärenreservates "Mittelelbe" diese Fläche für weitere Schulgenerationen als Lernort gesichert. Das ist vorbildlich und wird heute mit der Auszeichnung als UN-Dekade Projekt gewürdigt. Wir wünschen den Beteiligten weiterhin viel Erfolg!“ Die Auszeichnung wurde am 26. Mai vom Bürgermeister der Stadt Tangermünde, Dr. Rudolf Opitz, unter freiem Himmel überreicht. Dabei würdigte Dr. Rudolf Opitz insbesondere die Aktivitäten der Schülerinnen und Schüler des Diesterweg Gymnasiums Tangermünde/Havelberg zur Aufforstung und Pflege des Weichholzauenwaldes. Die jungen Engagierten sowie ihr Schulleiter Roland Müller zeigten sich begeistert über die Auszeichnung. Peter Oestreich, Lehrer und Leiter der Junior-Ranger AG "Natur erleben" bekräftigte: „Die Auszeichnungs-Fahne weht mit Stolz am Gymnasium!“ Mehr über dieses Projekt erfahren Sie hier.
  • Der neue UN-Dekade-Beitrag des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) ist ein Fotowettbewerb unter dem Motto "Fluss Natur Mensch". Flüsse und ihre Auen sind die Lebensadern unserer Landschaft. In intakten, natürlichen Flusslandschaften leben unzählige Pflanzen- und Tierarten. Flussauen reinigen das Wasser und bremsen Flutwellen ab. Menschen nutzen die Flüsse und ihre Ufer für Sport und Erholung. Doch nur noch wenige deutsche Flussabschnitte können all diese Dienstleistungen für Mensch und Natur erbringen. Die Flussläufe sind begradigt und in Deiche gezwängt, ihre Ufer betoniert und die Auwälder gefällt, um Platz für Siedlungen, Straßen und Landwirtschaft zu machen. Daher schützt und entwickelt der BUND mit zahlreichen Partnern Auwälder an der Elbe. Mit dem neuen Fotowettbewerb will der BUND auf die Bedeutung von Flüssen im Alltag des Menschen und für die biologische Vielfalt hinweisen. Flussliebhaberinnen und Flussliebhaber sind aufgerufen, ihre besten Flussbilder unter bund.net/fotowettbewerb hochzuladen. Die Bilder sollen den Bezug des Menschen zum Fluss zeigen – Radeln, Angeln, Paddeln oder Baden am und im Fluss. Genauso sind Naturaufnahmen willkommen, die für die Schönheit der Flüsse und ihren Artenreichtum begeistern. Auf die Gewinner warten hochwertige Preise in einem Gesamtwert von über 2.000 Euro. Einsendeschluss ist der 15. September. Mehr über diesen Beitrag erfahren Sie hier.

Termine und Publikationen

  • Am 30. und 31. August ist es wieder soweit: In vielen Bundesländern werden zur Nacht der Fledermäuse, der "Batnight", verschiedene Aktionen angeboten. Mehr als 100 solcher Termine finden sich beispielsweise auf der Batnight-Seite des NABU. Ob Exkursionen, Aktivitäten für Kinder oder Nachtwanderungen - auch in Ihrer Nähe wird sicher eine spannende Veranstaltung angeboten. Begegnen Sie den faszinierenden Tieren hautnah und erfahren Sie dabei unter anderem, wie Fledermäuse sich mit so genannten Hörbildern orientieren. Über 1.200 Arten von Fledermäusen und Flughunden sind derzeit weltweit bekannt. 45 Fledermausarten sind in Europa nachgewiesen. In Deutschland leben 24 Fledermausarten, 17 von ihnen stehen jedoch auf der Roten Liste gefährdeter Arten. Ihr Schutz ist daher ein wichtiges Anliegen, dem sich auch viele der UN-Dekade-Projekte widmen, etwa das aktuelle Monatsprojekt Fledermausfreundliches Haus und die Aktionen Verbesserung von Lebensräumen für Fledermäuse, Wiederaufbau der Kirche Bergheim als Fledermausquartier, Ehrenamtlicher Ranger und Fledermaus-Monitoring in Forchheim. Die Faszination dieser geflügelten Säugetiere zeigt beispielsweise das UN-Dekade-Projekt Mit Fledermäusen auf Du und Du auf.
  • UN-Dekade-Botschafterin Fürstin Gabriela zu Sayn-Wittgenstein-Sayn wirbt in ihrem "Garten der Schmetterlinge Schloss Sayn" für die Schönheit, Artenvielfalt und Schutzbedürftigkeit dieser farbenprächtigen Tiere sowie für ein naturnahes Gärtnern, um die heimische biologische Vielfalt zu fördern. Von Mitte Juni bis Mitte September 2014 ist in ihrem Garten nun auch eine Ausstellung für die ökologisch und wirtschaftlich bedeutende Honigbiene zu sehen. Die Ausstellung "FACETTEN - Bienen, Kunst und Wissenschaft" der Landessstiftung Natur und Umwelt des Landes Rheinland-Pfalz zeigt die Biene aus naturwissenschaftlicher und künstlerischer Sicht. Ein Drittel unserer Nahrungsmittel kommt nur dank der Bestäubungsleistung der Bienen auf unseren Tisch, die damit auch zur Erhaltung unserer artenreichen Kulturlandschaften beitragen. Fürstin zu Sayn betont: „Man kann die Bedeutung der Biene für das Ökosystem gar nicht hoch genug einschätzen. Wie Schmetterlinge, sind auch Bienen Bioindikatoren. Fühlen sie sich an einem Ort wohl, spricht das für den guten Zustand der Natur vor Ort.“ Mehr über die Ausstellung erfahren Sie hier.
  • Vom 8.–12. September findet in Mainz der 32. Deutsche Naturschutztag statt. Er steht in diesem Jahr unter dem Motto "Verantwortung für die Zukunft – Naturschutz im Spannungsfeld gesellschaftlicher Interessen". Zukunftsfähige Lösungen werden insbesondere für die Themen Hochwasserschutz, Umsetzung der Energiewende, Akzeptanz von Arten- und Gebietsschutz sowie naturverträgliche Landwirtschaft und gesunde Ernährung diskutiert. Im Rahmen dieser Veranstaltung wird am 10. September um 18 Uhr das UN-Dekade-Projekt des Jahres 2014 ausgezeichnet. Das Jahresprojekt wurde von der Fachjury als Favorit aus den nominierten Monatsprojekten gewählt. Erst bei der offiziellen Auszeichnung am 10. September wird das Ergebnis dieser Wahl bekannt gegeben. Während der gesamten Veranstaltung zum Deutschen Naturschutztag wird zudem die UN-Dekade-Wander-Fotoausstellung "Klick in die Vielfalt" zu sehen sein. Sie zeigt die prämierten Bilder aus den Fotowettbewerben der Jahre 2012 und 2013 - atmosphärische Landschaftsbilder, faszinierende Aufnahmen von heimischen Tieren und  Pflanzen sowie Berührungspunkte der biologischen Vielfalt mit uns Menschen. Ein begleitend ausgelegtes Faltblatt enthält Hintergrundinformationen und ein Quiz mit attraktiven Preisen. Mehr Informationen zum Deutschen Naturschutztag sowie die Anmeldemöglichkeit finden Sie hier.

„Wussten Sie schon, dass…?“

  • ... Regenwürmer gegen Hochwasser helfen? Durch ihre Aktivitäten lockern sie das Erdreich auf und begünstigen die Bildung von Poren in der Bodenstruktur. Diese Poren erhöhen die natürliche Aufnahmefähigkeit des Bodens für Regenwasser. Und dies ist vor allem bei Extremwetterlagen von Vorteil, denn der Boden ist das wichtigste Auffangbecken für Niederschlagswasser. Ein deutsches Forscherteam konnte jetzt nachweisen, dass die Wasseraufnahmefähigkeit des Bodens entscheidend vom Pflanzenbewuchs und dem Vorkommen von Regenwürmern geprägt ist. Die Regenwürmer scheinen sich bevorzugt dort aufzuhalten, wo es auch bestimmte Pflanzenarten gibt, die die Porenbildung im Boden begünstigen. Diese "Zusammenarbeit" verstärkt die Wasseraufnahmefähigkeit zusätzlich. Für ihre Untersuchungen haben die Wissenschaftler übrigens das sogenannte "Jena-Experiment" genutzt, eines der weltweit größten Biodiversitätsexperimente. Auf einem ca. zehn Hektar großen Gelände in der Saaleaue wachsen in mehreren Hundert Versuchsparzellen verschiedene künstlich zusammengestellte Graslandschaften (Quelle: idw).
  • ... die kleinsten Lebensräume der Erde nur ein Fünfzigstel der Größe eines gewöhnlichen Wassertropfens ausmachen? Sie befinden sich zudem inmitten eines unbelebten Terrains: im Erdöl. Hier leben in winzigen, suspendierten Wassertröpfchen komplexe mikrobielle Lebensgemeinschaften, die aktiv chemische Verbindungen (Kohlenwasserstoffe) des Öls abbauen. Wissenschaftler sehen in diesen neu entdeckten Mikroorganismen, die an einen extrem toxischen Lebensraum angepasst sind, Potenzial für den Schadstoffabbau im Grundwasser. Sie wollen diesen Ansatz daher in Folgeprojekten weiter untersuchen (Quelle: idw, derStandard.at).
  • ... bis zu 30 Prozent der Äpfel während der Lagerung und vor der Vermarktung verfaulen? In den deutschen Obstanbaugebieten werden jährlich rund eine Million Tonnen Äpfel angebaut. Doch der Befall mit Schadpilzen lässt bis zu zehn Prozent der Ernte, teilweise sogar 30 Prozent, verfaulen, noch bevor sie vermarktet wird. Diese Verluste können jedoch vermieden werden - auch ohne chemischen Pflanzenschutz! Denn eine kurzzeitige Heißwasserbehandlung hilft, die Äpfel länger haltbar zu machen. „Dadurch kann der Apfel Pilzinfektionen beseitigen oder abwehren, die zum Zeitpunkt des Tauchens schon latent vorliegen, aber noch nicht sichtbar sind. Auch gegen später auftauchende Infektionen gibt die Heißwasserbehandlung noch einen gewissen Schutz“, erklärt Dr. Roland Weber von der Obstbauversuchsanstalt Jork. Das Verfahren soll nun mithilfe von Fördermitteln der Deutschen Bundesstiftung Umwelt verfeinert und zur Praxisreife gebracht werden. Es entlastet die Umwelt durch den Wegfall chemischer Pflanzenschutzmittel, senkt Verluste für den Obstbaubetrieb und erhöht die Produktqualität für die Verbraucherin bzw. den Verbraucher (Quelle: DBU).

Ein entfernter Verwandter der berüchtigten Wüstenheuschrecke: Die punktierte Zartschrecke, fotografiert auf einer Wildwiese in Niedersachsen. © Anne Rollero
Ein entfernter Verwandter der berüchtigten Wüstenheuschrecke: Die punktierte Zartschrecke, fotografiert auf einer Wildwiese in Niedersachsen. © Anne Rollero
Durch Abholzung des Regenwalds gefährdet: Das Pinocchio-Chamäleon (Calumma gallus). © Frank Glaw and Miguel Vences
Durch Abholzung des Regenwalds gefährdet: Das Pinocchio-Chamäleon (Calumma gallus).
© Frank Glaw and Miguel Vences
Wissenschaftler vermuten, dass jede Tierart eine andere Frequenz zur Kommunikation benutzt. Ist eine Tonlage zu einer bestimmten Zeit nicht besetzt, gilt das auch für eine ökologische Nische. © Adolf Au
Wissenschaftler vermuten, dass jede Tierart eine andere Frequenz zur Kommunikation benutzt. Ist eine Tonlage zu einer bestimmten Zeit nicht besetzt, gilt das auch für eine ökologische Nische. © Adolf Au
Naturnahes Grünland ist einer der Lebensräume des Rotmilans. Zu Erhaltung des wertvollen Grünlands setzen sich auch einige UN-Dekade-Projekte wie das "Günztal Weiderind" ein. © Susanne Mölle, Kempten
Naturnahes Grünland ist einer der Lebensräume des Rotmilans. Zu Erhaltung des wertvollen Grünlands setzen sich auch einige UN-Dekade-Projekte wie das "Günztal Weiderind" ein. © Susanne Mölle, Kempten
Auch Wälder sind ein wichtiger Lebensraum für den Rotmilan und weitere heimische Tier- und Pflanzenarten. © Karl Goldhamer
Auch Wälder sind ein wichtiger Lebensraum für den Rotmilan und weitere heimische Tier- und Pflanzenarten. © Karl Goldhamer
Die Köchin und Unternehmerin Sarah Wiener setzt sich als Botschafterin für Vielfalt auf ihrem Teller, in ihren Pfannen und draußen auf Feld und Weide ein. © Sarah Wiener
Die Köchin und Unternehmerin Sarah Wiener setzt sich als Botschafterin für Vielfalt auf ihrem Teller, in ihren Pfannen und draußen auf Feld und Weide ein. © Sarah Wiener
Fürstin Gabriela zu Sayn-Wittgenstein-Sayn wirbt als Botschafterin für naturnahes Gärtnern, um die heimische Vielfalt zu fördern. © Sayn-Wittgenstein Archiv
Fürstin Gabriela zu Sayn-Wittgenstein-Sayn wirbt als Botschafterin für naturnahes Gärtnern, um die heimische Vielfalt zu fördern. © Sayn-Wittgenstein Archiv
Edelstahlplakette für ausgezeichnete "Fledermausfreundliche Häuser" © NABU Landesverband Hessen e.V.
Edelstahlplakette für ausgezeichnete "Fledermausfreundliche Häuser" © NABU Landesverband Hessen e.V.
Faba-Naturprojekt: Das Weißdornhecken-Spiel ist bei den Kindern besonders beliebt. © Faba-Naturprojekt
Faba-Naturprojekt: Das Weißdornhecken-Spiel ist bei den Kindern besonders beliebt. © Faba-Naturprojekt
Rainer und Renate Bethlehem bei der Auszeichnung ihres Faba-Naturprojektes. © Faba-Naturprojekt
Rainer und Renate Bethlehem bei der Auszeichnung ihres Faba-Naturprojektes. © Faba-Naturprojekt
Aktion der türkischsprachigen Umweltorganisation Yeşil Çember zum Umwelttag: Apfelbaumpflanzung. © Yeşil Çember
Aktion der türkischsprachigen Umweltorganisation Yeşil Çember zum Umwelttag: Apfelbaumpflanzung. © Yeşil Çember
Umweltbotschafter/innen und Ehrenamtliche der türkischsprachigem Umweltorganisation Yeşil Çember in Berlin. © Yeşil Çember
Umweltbotschafter/innen und Ehrenamtliche der türkischsprachigem Umweltorganisation Yeşil Çember in Berlin. © Yeşil Çember
Die Schülerinnen und Schüler, Lehrkräfte sowie der Schulleiter des Gymnasiums Tangermünde-Havelberg feierten ihre Auszeichnung mit dem Bürgermeister von Tangermünde unter freiem Himmel. © Diesterweg Gymnasium Tangermünde-Havelberg
Die Schülerinnen und Schüler, Lehrkräfte sowie der Schulleiter des Gymnasiums Tangermünde-Havelberg feierten ihre Auszeichnung mit dem Bürgermeister von Tangermünde unter freiem Himmel. © Diesterweg Gymnasium Tangermünde-Havelberg
Fluss Natur Mensch – der BUND-Fotowettbewerb. © Jonas Ginter/BUND
Fluss Natur Mensch – der BUND-Fotowettbewerb. © Jonas Ginter/BUND
Der BUND-Fotowettbewerb richtet sich auch an Wassersportler. Als Hauptpreis winkt ein Kajak. © Iris Brunar/BUND
Der BUND-Fotowettbewerb richtet sich auch an Wassersportler. Als Hauptpreis winkt ein Kajak. © Iris Brunar/BUND
Fledermausbeobachtung bei der Batnight. © NABU/B. Schaller
Fledermausbeobachtung bei der Batnight. © NABU/B. Schaller
Kunstwerk der Künstlerin und Imkerin Bärbel Rothhaar aus der Ausstellung „FACETTEN - Bienen, Kunst und Wissenschaft“ der Landessstiftung Natur und Umwelt des Landes Rheinland-Pfalz. © Landessstiftung Natur und Umwelt des Landes Rheinland-Pfalz
Kunstwerk der Künstlerin und Imkerin Bärbel Rothhaar aus der Ausstellung „FACETTEN - Bienen, Kunst und Wissenschaft“ der Landessstiftung Natur und Umwelt des Landes Rheinland-Pfalz.
© Landessstiftung Natur und Umwelt des Landes Rheinland-Pfalz
Besucherin in der Wander-Fotoausstellung "Klick in die Vielfalt".
Besucherin in der Wander-Fotoausstellung "Klick in die Vielfalt".
Jun.-Prof. Dr. Anke Hildebrandt (l.) und Dr. Christine Fischer von der Uni Jena haben untersucht, welche Rolle Regenwürmer bei der natürlichen Infiltration von Niederschlagswasser spielen. © Anne Günther/FSU
Jun.-Prof. Dr. Anke Hildebrandt (l.) und Dr. Christine Fischer von der Uni Jena haben untersucht, welche Rolle Regenwürmer bei der natürlichen Infiltration von Niederschlagswasser spielen. © Anne Günther/FSU
Klein aber oho: Die Welt der Mikroben wird nur unter dem Mikroskop sichtbar. Download © Förderverein der Grundschule Wendelsheim
Klein aber oho: Die Welt der Mikroben wird nur unter dem Mikroskop sichtbar. © Förderverein der Grundschule Wendelsheim
Jeder einzelne Apfel wird nach der Ernte mit 55 bis 60 Grad heißem Wasser geduscht. © Peter Maxin/Obstbauversuchsanstalt Jork
Jeder einzelne Apfel wird nach der Ernte mit 55 bis 60 Grad heißem Wasser geduscht.
© Peter Maxin/Obstbauversuchsanstalt Jork
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