Vielfalt News Nr. 70 | 10. Juli 2014

Begrüßung

Liebe Leserinnen und Leser,

wir möchten Sie an den Endspurt unseres Fotowettbewerbs erinnern: Noch bis zum 31. Juli können Sie Bilder zu dem Motto "Mein Lieblingsplatz in der Natur" online bei uns einreichen.

Wir berichten über die folgenden Neuigkeiten: Zwei neue Studien zeigen die Bedrohung der biologischen Vielfalt im Bereich der deutschen Agrar- und Grünlandflächen auf. Das Weltnaturerbe Wattenmeer ist nach der Aufnahme des dänischen Teils nun komplett anerkannt. Ein neues Projekt macht lokale Hersteller von traditionellen Lebensmitteln fit für den europäischen Markt.

Wir gratulieren heute dem UN-Dekade-Projekt des Monats Juni 2014, dem Workshop "Geheimnisse des Pflanzenreichs" für Kinder im Grund- und Vorschulalter! Ausgezeichnet wurden in den letzten Wochen außerdem drei neue UN-Dekade-Projekte und ein UN-Dekade-Beitrag: Das Naturtagebuch der BUNDjugend regt Kinder zur Beobachtung und kreativen Dokumentation der Natur vor ihrer Haustür an. Im Feldflora-Reservat bei Hausen im Taunus finden Sie alte Kulturpflanzen und seltene Wildkräuter wie den Emmer und die Saat-Wucherblume. In Niedersachsen sind mit Unterstützung der Stiftung Zukunft Wald über 30 Schulwälder entstanden. Das bunte Programm von Explore Science vermittelt Kindern und Jugendlichen wissenschaftliche Aspekte der biologischen Vielfalt.

Unter Termine und Publikationen empfehlen wir Ihnen heute einen Besuch unserer Fotoausstellung im Alfsee Ferien- und Erholungspark in Rieste. Wir berichten über das Nationale Forum zum Thema Nachhaltiger Konsum und biologische Vielfalt und machen Sie aufmerksam auf das Schulungsmodul "Tourismus und biologische Vielfalt". Wussten Sie schon, dass soziale Spinnen ihrer Berufung folgen? Weshalb Taxonomen so wichtig sind und wieso Lebensmittelverschwendung so problematisch ist?

Wir wünschen Ihnen viel Vergnügen beim Lesen!

Herzliche Grüße,

Dr. Natalie Bergholz
für das UN-Dekade-Team

Fotowettbewerb "Klick in die Vielfalt" 2014

Der Fotowettbewerb "Klick in die Vielfalt 2014" geht in den Endspurt: Noch bis zum 31. Juli können Sie Bilder zu dem Motto "Mein Lieblingsplatz in der Natur" online bei uns einreichen. Gesucht werden Aufnahmen von Orten in der Natur, an denen Menschen sich besonders wohlfühlen. Sei es beim entspannt die Seele baumeln lassen, bei sportlichen Aktivitäten oder beim Beobachten der lebendigen Vielfalt an Pflanzen, Tieren und Landschaften. „Für den Fotowettbewerb suchen wir Fotos von Menschen an genau solchen Plätzen“, erklärt Dr. Ute Magiera von der UN-Dekade-Geschäftsstelle. „Wir suchen Fotos, die die positive Beziehung der Menschen zu ihren Lieblingsplätzen in der Natur auf kreative und fotografisch anspruchsvolle Weise widerspiegeln“, so die Projektleiterin weiter. Freunde oder Familienmitglieder könnten als Fotomodelle fungieren und zeigen, was die Fotografinnen und Fotografen mit ihrem Lieblingsplatz in der Natur verbindet. Die beiden UN-Dekade-Botschafter und Profi-Naturfotografen Norbert Rosing und Florian Möllers wählen aus allen Einsendungen die 30 besten Fotos aus. Diese Bilder werden auf der UN-Dekade-Webseite präsentiert und mit jeweils 100 Euro prämiert. Eine kompetente Fachjury wählt anschließend zwei Siegerbilder aus, die mit einem Preisgeld von jeweils 500 Euro gewürdigt werden. Weitere Informationen zum Fotowettbewerb finden Sie hier.

Neues zur biologischen Vielfalt

  • 01.07.2014. Eine neue Studie der Michael Otto Stiftung für Umweltschutz zeigt erhebliche Interessenskonflikte zwischen der Landwirtschaft und dem Naturschutz. Die biologische Vielfalt in Deutschland ist vor allem im Bereich der Agrarflächen ernsthaft bedroht. Daran haben laut der Studie bislang weder die Nationale Strategie zur biologischen Vielfalt noch das "Greening" im Zuge der neuen EU-Agrarförderung etwas ändern können. So haben in den Agrarlebensräumen beispielsweise die Bestände von 15 der 20 typischen Brutvögel kontinuierlich abgenommen und einzelne Blütenpflanzen inzwischen mehr als 99 Prozent ihres Bestandes eingebüßt. Als Hauptursache haben Wissenschaftler die zunehmende Intensivierung der Landwirtschaft ausgemacht. „Gerade wegen dieser Interessenskonflikte ist eine enge Zusammenarbeit von Naturschutz und Landwirtschaft heute dringend erforderlich“, erklärt Dr. Michael Otto. Als Ausweg empfiehlt seine Stiftung die Untergliederung großer Ackerflächen für mehr Strukturvielfalt und die vermehrte extensive Nutzung von Dauergrünland. Außerdem wird eine verstärkte Förderung des ökologischen Landbaus und die Ausweisung von Vorrangflächen für die biologische Vielfalt im Acker- und Grünland empfohlen (Quelle: Michael Otto Stiftung). Dass diese Schritte erforderlich sind, zeigt auch der am 2. Juli veröffentlichte Grünland-Bericht des Bundesamtes für Naturschutz (BfN). Das für den Arten- und Klimaschutz wertvolle Grünland in Deutschland ist weiter zurückgegangen. In den Jahren 2009 bis 2013 gingen bundesweit sieben Prozent (82.000 Hektar) durch die Intensivierung der Nutzung oder durch Umbruch verloren. BfN-Präsidentin Prof. Beate Jessel plädiert daher für ein Grünlanderhaltungsgebot in Deutschland und ein Umschwenken in der Agrarförderpolitik: „Nachdem auf EU-Ebene die Weichen gestellt sind, sind hier jetzt vor allem die Bundesländer bei der laufenden Ausgestaltung ihrer Agrarumweltprogramme gefordert.“ Insbesondere Maßnahmen, die einen echten Mehrwert für die biologische Vielfalt haben, sollten gefördert und besonders honoriert werden, beispielsweise die Erhaltung und Entwicklung von Saumstrukturen (Quelle: BfN).
  • 23.06.2014. Das Weltnaturerbe Wattenmeer ist nun komplett. Das Welterbekomitee der UNESCO hat das dänische Wattenmeer sowie weitere seewärtige Teile des Niedersächsischen Wattenmeers in die seit 2009 bestehende Weltnaturerbestätte Wattenmeer aufgenommen. Damit ist das gesamte Wattenmeer, das von den Niederlanden über Deutschland bis zur dänischen Nordseeküste reicht, als Weltnaturerbe anerkannt. Mit rund 11.500 Quadratkilometern ist das Wattenmeer eines der größten Feuchtgebiete der Welt, in dem jährlich zehn bis zwölf Millionen Zugvögel rasten. Rund 10.000 Tier- und Pflanzenarten haben hier ihren Lebensraum. Bundesumweltministerin Barbara Hendricks begrüßte die komplette Eintragung des Gebietes auf der Welterbeliste: „Das Wattenmeer als eine der weltweit faszinierendsten Landschaften steht damit auf einer Stufe mit dem Grand Canyon in den USA, dem Great Barrier Reef vor der Küste Australiens und der Serengeti in Tansania.“(Quelle: BMUB).
  • 18.06.2014. Ein neues EU-Projekt macht lokale Hersteller von traditionellen Lebensmitteln fit für den europäischen Markt. Getrocknete Steinpilze, Trockenfrüchte, Teigwaren aus traditionellem Hartweizengries oder geräucherter Fisch sind Beispiele für traditionelle Lebensmittel aus der EU, die gut schmecken, gesund sind und meist von kleinen, regionalen Produzenten nach traditionellen Verfahren hergestellt werden. Preisdruck und neue EU-Vorschriften wie Hygiene-Standards und Zertifizierungen erschweren ihnen den Zugang zum europäischen Markt. Ein neues, europaweites Projekt (TRAFOON - Traditional Food Network to Improve the Transfer of Knowledge and Innovation) unterstützt sie mit dem Know-how von Lebensmittelexperten. Das Wissen um die Verarbeitung der traditionellen Rohstoffe soll erhalten bleiben, denn die Produktion von traditionellen Lebensmitteln und deren Rohstoffe sind regional unterschiedlich und tragen zur Vielfalt von Kulturlandschaften bei. So wird etwa die traditionelle Karpfenzucht überwiegend von kleinen und mittleren Unternehmen in natürlichen und naturnahen Teichen und Seen durchgeführt. Die so entstandene Teichkulturlandschaft schafft wichtige Lebensräume für Pflanzen, Vögel oder Amphibien (Quelle: idw).

UN-Dekade-Projekte und -Beiträge

  • Sie haben entschieden! Der Workshop "Geheimnisse des Pflanzenreichs" für Kinder im Grund- und Vorschulalter ist Sieger der Online-Abstimmung und damit das UN-Dekade-Projekt des Monats Juni. Von insgesamt 368 Stimmen wurden 142 für die spielerische Vermittlung der spannendsten Phänomene des Pflanzenreichs abgegeben. Wir gratulieren der Workshop-Gründerin Dr. Nadja Biedinger zu diesem Erfolg! Auch die TV-Moderatorin und UN-Dekade Botschafterin Shary Reeves begrüßte die Auszeichnung dieses Projektes: „Die Pflanzenwelt unseres Planeten ist unglaublich vielfältig und steckt voller Geheimnisse, die entdeckt werden wollen. Die Neugier von Kindern ist unerschöpflich. Sie wollen erfahren, was um sie herum wächst und gedeiht. Durch die spielerische Herangehensweise der Botanik-Kurse von Dr. Nadja Biedinger lernen die Kinder biologische Vielfalt kennen und schätzen. Es ist wundervoll, dass diese wertvolle Arbeit die Auszeichnung zum UN-Dekade-Projekt verliehen bekommen hat.“ Die ganzjährig stattfindenden Workshops bieten einen breiten Einblick in die Welt der Pflanzen im Laufe der Jahreszeiten. Die Kurstage werden ergänzt durch Lieder, Geschichten und Spiele sowie durch Zeichnen, Sammeln, Sortieren und Erkennen von Pflanzen oder Pflanzenteilen. Mehr Informationen zu dem am 20. Februar 2014 ausgezeichneten Projekt finden Sie hier.
  • Das Naturtagebuch ist ein Naturerlebnis-Wettbewerb der Jugend im Bund für Umwelt und Naturschutz e. V. (BUNDjugend) für Kinder zwischen 8 und 12 Jahren: Jedes Jahr werden sie von Manfred Mistkäfer, dem Maskottchen des Wettbewerbs, aufgerufen, die Natur in ihrer Umgebung über einen längeren Zeitraum zu beobachten und ihre Entdeckungen in einem Naturtagebuch kreativ zu dokumentieren. Jährlich folgen weit über tausend Kinder diesem Aufruf und setzen sich intensiv mit der Natur in ihrer Umgebung auseinander: Sie gehen raus, entdecken, forschen nach und reflektieren und dokumentieren ihre Ergebnisse in kreativen Formaten. Dieser Ansatz hat sowohl der Fachjury als auch dem UN-Dekade Botschafter Ralph Caspers sehr gefallen: „Den Namen des Maskottchens darf man nicht zu wörtlich nehmen. Zwar ernährt sich Manfred von Mist, aber an die Kinder gibt er nur Gutes weiter“, so der TV-Moderator. „Er zeigt jedes Jahr mehr als tausend jungen Menschen, wie sie ihr eigenes buntes Naturtagebuch erstellen können. Außerdem steht er dafür, dass der scheinbar kleine Beitrag jedes Einzelnen viel für die gemeinsame große Sache bewirken kann. Ich gratuliere Manfred und der BUNDjugend herzlich zur Auszeichnung!“ Diese Auszeichnung als offizielles Projekt der UN-Dekade Biologische Vielfalt wurde am 29. März 2014 von Martin Geilhufe aus dem Präsidium des Deutschen Naturschutzringes (DNR) übergeben. Mehr über dieses Projekt erfahren Sie hier.
  • „Sie möchten wissen, welche alten Kulturpflanzen und seltenen Wildkräuter vor 200 Jahren noch im Taunus wuchsen? Dann besuchen Sie am besten das Feldflora-Reservat bei Hausen“, so Dr. Natalie Bergholz, Mitarbeiterin der UN-Dekade-Geschäftsstelle. „Dank des langjährigen Engagements der Menschen vor Ort finden Sie hier beispielsweise Emmer und Einkorn sowie die Saat-Wucherblume und den Gefurchten Feldsalat. Für diesen Einsatz zum Wohle der biologischen Vielfalt wird der Kulturlandschaftsvereins Hausen ausgezeichnet. Herzlichen Glückwunsch!“ Die Auszeichnung  als UN-Dekade-Projekt wurde Irina Heck, der Vorsitzenden des Kulturlandschaftsverein Hausen v.d.H., am 4. April von Landrat Burkhard Albers überreicht. Dabei bestätigte er, dass die Würdigung den Stellenwert der „großartigen Leistung“ beweise. Nach dem Motto „global denken – lokal handeln“ bilde der Verein im Reservat „die ganze Welt mit ihrer biologischen Vielfalt“ ab. Bei dem Reservat handelt es sich um ein gemeinsames Projekt mit der Botanischen AG Taunus, vertreten durch Dr. Wolfgang Ehmke, und dem Landwirt Wenzel Taut mit seinen Söhnen. Es beherbergt inzwischen 131 Arten, neun davon stehen auf der Roten Liste. Die engagierten Feldflora-Schützer hoffen, dass die Auszeichnung ihnen hilft, die unscheinbaren Ackerkräuter vor dem Vergessen und Verschwinden zu bewahren. Dabei setzen sie auf die Vermittlung an die Jüngsten: „Wir wollen im Mai, Juni wieder Backkurse anbieten, eine Parzelle mit Kindergartenkindern einsäen und mit Kindern Insektenhotels bauen, die sie zu Hause und wir am Reservat und an der Schule aufhängen können“, erläutert Irina Heck. Mehr über dieses Projekt erfahren Sie hier.
  • Am 22. April stellten die Schülerinnen und Schüler aus der Gemeinde Sögel ihr Projekt "Schulwälder gegen Klimawandel - Pflanzt nicht Worte, sondern Bäume!" vor. Sie taten dies beispielhaft für die mittlerweile über 30 Schulwaldprojekte in ganz Niedersachsen. Die von den Niedersächsischen Landesforsten gegründete "Stiftung Zukunft Wald" unterstützt die Schulen bei der standortgerechten Aufforstung von landwirtschaftlichen Grundstücken, die ihnen unentgeltlich zur Verfügung gestellt werden. Ein Nutzungsvertrag zwischen Schule und Grundstückseigentümer sichert die Waldentwicklung über 30 Jahre ab. Anlass für die Vorstellung der Schülerinnen und Schüler war die feierliche Auszeichnung als offizielles Projekt der UN-Dekade Biologische Vielfalt, die von Landrat Reinhard Winter überreicht wurde. UN-Dekade-Botschafter und Klimaschützer Arved Fuchs war begeistert von dem Engagement: „Neue Wälder für ein stabiles Klima – die Stiftung ermöglicht es engagierten Schülern und wohltätigen Flächeneigentümern, gemeinsam unser Klima zu schützen“, so der Polarforscher. „Die Jugendlichen pflanzen auf den zur Verfügung gestellten Grundstücken eigene Schulwälder, die sich langfristig entwickeln dürfen. Bislang gibt es über 30 dieser Schulwälder, die auch als grüne Klassenzimmer genutzt werden. Ich hoffe, dass es noch viele mehr werden, und ich gratuliere allen Beteiligten herzlich zur verdienten Auszeichnung.“ Mehr über dieses Projekt erfahren Sie hier.
  • Neu ausgezeichnet wurde am 28. Mai auch ein neuer UN-Dekade-Beitrag: Die Veranstaltung "Explore Science 2014 – Lebendige Vielfalt erforschen, erleben, entdecken" der Klaus Tschira Stiftung gGmbH in Mannheim. Ein buntes Programm aus Mitmachstationen, Workshops, Bühnenshows und Wettbewerben vermittelte Kindergartenkindern und Schülerinnen und Schülern vom 9. bis 13. Juli wissenschaftliche Aspekte der biologischen Vielfalt. Unter der Koordination der Klaus Tschira Stiftung hatten dazu 38 Partner aus Forschung und Bildungswesen an 43 Stationen insgesamt 88 Experimente und Aktionen mit spielerischem Ansatz entwickelt. Die naturwissenschaftlichen Erlebnistage der Klaus Tschira Stiftung "Explore Science" finden seit 2006 zu verschiedenen Themen in der Region Rhein-Neckar statt. Sie haben inzwischen einen Stand von über 50.000 Besucherinnen und Besuchern erreicht. Der Eintritt und die Nutzung aller Angebote ist kostenfrei. Für die ehrenamtlichen Partner der Stiftung bietet "Explore Science" die Möglichkeit zur Vernetzung, zur Stärkung der eigenen Öffentlichkeitsarbeit und zum Dialog mit Besucherinnen und Besuchern. Mehr über diesen Beitrag erfahren Sie hier.

Termine und Publikationen

  • Vom 17. Juli bis zum 30. August ist die Wander-Fotoausstellung „Klick in die Vielfalt“ mit den prämierten Bildern aus dem gleichnamigen Fotowettbewerb der UN-Dekade im Alfsee Ferien- und Erholungspark in Rieste zu sehen. Atmosphärische Landschaftsbilder, faszinierende Nahaufnahmen von Insekten und Blüten oder Schnappschüsse von Vögeln im Flug: Vielfarbige Bilder zeigen die Schönheit der heimischen Lebensräume Wald, Feuchtgebiete, Feld und Wiesen. Andere originelle Fotos machen dagegen die Berührungspunkte der biologischen Vielfalt mit uns Menschen sichtbar. Gewaltige Bagger, gefurchte Äcker und vielbefahrene Straßen verdeutlichen die Auswirkungen unserer Nutzung. Zu sehen ist aber auch, wie die Natur langsam von uns verlassene Gebäude und Gebiete zurückerobert, wie Tiere Unterkunft und Nahrung in unseren Städten finden und Kinder die natürlichen Geheimnisse von Wald und Watt erforschen. Begleitet wird die Ausstellung von einem Faltblatt, in dem neben weiterführenden Informationen auch ein Quiz mit attraktiven Preisen zu finden ist. Die Wander-Ausstellung kann kostenlos vom DBU Zentrum für Umweltkommunikation entliehen werden. Die Eröffnung der Ausstellung am 17. Juli in Rieste ist zugleich der Auftakt zu dem Projekt "Biodiversität auf Campingplätzen in Deutschland“ von ECOCAMPING e.V. und dem Global Nature Fund. Hier erfahren Sie mehr.
  • Am 3. Juni fand in Berlin das Nationale Forum zum Thema Nachhaltiger Konsum und biologische Vielfalt als Auftakt für einen neuen Dialogprozess statt. Bundesumweltministerin Barbara Hendricks machte in ihrem Einführungsvortrag deutlich, dass alle Menschen auf Produkte aus der Natur angewiesen sind, durch ihren Konsum aber auch den Zustand der biologischen Vielfalt beeinflussen. „Wir wollen daher nach Wegen suchen, wie man naturverträgliche Produkte im Markt stärken kann.“ Prof. Beate Jessel vom Bundesamt für Naturschutz (BfN) erläuterte, weshalb der Begriff "naturverträglicher Konsum" stärker in den Mittelpunkt rücken sollte. Ein solcher Konsum bewirke, dass die biologische Vielfalt und die vom Ökosystem erbrachten Leistungen weitgehend unbeschadet erhalten blieben. Über die Ressourcenschonung hinaus werde dabei auch das Problem des Flächenverbrauchs, beispielsweise durch den Anbau von Futtermitteln für die Fleischerzeugung, berücksichtigt. Unter der Moderation von UN-Dekade-Botschafterin Nina Ruge diskutierten Rita Schwarzelühr-Sutter (Bundesumweltministerium, BMUB), Gerd Billen (Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz, BMJV), Dr. Johannes Merck (Otto Group), Prof. Beate Jessel (BfN), Julian Fischer (Deutsche Stiftung Verbraucherschutz), Prof. Ulf Schrader (TU Berlin) und die Journalistin Anja Dilk über die Chancen und Herausforderungen eines naturverträglichen Konsums. Gerd Billen vom BMJV  befürwortete gesetzlich geregelte Mindeststandards, um die Qualität von Labeln mit hohem Verbrauchervertrauen und hohem Aussagewert zu sichern und mehr Transparenz zu schaffen. Rita Schwarzelühr-Sutter vom BMUB verwies diesbezüglich auf das bekannte Siegel "Blauer Engel", das auf den Lebensmittelbereich ausgeweitet werden könnte. Laut Dr. Johannes Merck von der Otto Group engagiert sich sein Unternehmen zwar für nachhaltig erzeugte Produkte, bei der Kaufentscheidung der Kunden stehe jedoch der Preis im Mittelpunkt. Viele Firmen bildeten daher Allianzen, um die Nachfrage zu erhöhen und die Zusatzkosten zu senken. Die Otto Group berechne zudem die "bilanzierte Schadschöpfung" ihrer Produkte, also die Kosten der Umweltschäden, die während der Produktion entstehen. Die Teilnehmenden diskutierten über Möglichkeiten, diese "wahren" Kosten von Produkten sichtbar zu machen, sowie über gesetzliche Regelungen, um diese Kosten zu berücksichtigen. Einig war man sich, dass ein naturverträglicher Konsum nur durch den gemeinsamen Einsatz von Verbrauchern, Unternehmen, Politik, Wissenschaft und Medien gestärkt werden kann. Am Nachmittag präsentierten die Vertreterinnen und Vertreter von sechs Initiativen dazu unterschiedliche Ansätze aus der Praxis. So stellten etwa die Bodenseestiftung und die Rewe Group ein gemeinsames Projekt vor, um Kriterien für den Schutz der biologischen Vielfalt in ausgewählte Siegel der Lebensmittelbranche aufzunehmen. Zum Abschluss der Veranstaltung wurde die "Arche des Geschmacks" der Initiative Slow Food als Projekt der UN-Dekade Biologische Vielfalt 2011 – 2020 ausgezeichnet. Die Arche fördert die Nachfrage nach Lebensmitteln von bedrohten Nutztierrassen und Kulturpflanzensorten, um ihren Erhalt langfristig zu sichern.
  • Zu dem Thema naturverträglicher Konsum passt auch das neue Schulungsmodul "Tourismus und biologische Vielfalt". Es wurde vom Verein Ökologischer Tourismus in Europa (Ö.T.E.) e.V. gemeinsam mit bundesweiten Verbänden aus Natur- und Umweltschutz, Freizeit, Mobilität, Sport und Tourismus erarbeitet. Die Präsentation samt erläuterndem Begleittext wurde für die Schulung von Personen, die Gruppen in Natur und Landschaft leiten, entwickelt. Sie sollen für das Thema naturverträglicher Tourismus sensibilisiert und dabei unterstützt werden, die Zusammenhänge von Tourismus und biologischer Vielfalt im Rahmen ihrer Angebote zu vermitteln. Das Schulungsmodul und der Begleittext können dazu in einer PDF-Version von der Internetseite des Ö.T.E. heruntergeladen werden. Bei Bedarf können interessierte Verbände das Modul auch in einer Power-Point-Version erhalten, um spezifische fachliche bzw. zielgruppenorientierte Inhalte zu ergänzen.

„Wussten Sie schon, dass…?“

  • ... auch Spinnen unterschiedliche Persönlichkeiten haben? Bei sozial lebenden Spinnen erfolgt die Arbeitsteilung wie bei uns Menschen nach Persönlichkeit und Talent. Das belegen zumindest wissenschaftliche Experimente, in denen aggressivere Spinnen den Netzbau und die Beutejagd übernahmen, während sanftere Tiere den Nachwuchs pflegten. Als die Forscher die Aufgaben zwangsweise umverteilten, stellten sie fest, dass die sanften Spinnen vergleichsweise schlechte Jägerinnen waren, während die aggressiven Spinnen ihre Probleme damit hatten, viele Jungtiere angemessen zu versorgen. Die Tiere richteten sich also nach ihrer angeborenen Neigung und der Erfolg (oder erzwungene Misserfolg) gab ihnen Recht. In dieser Hinsicht sind die sozialen Spinnen uns Menschen verblüffend ähnlich: Sie wählen den "Beruf", der ihnen am meisten liegt und ihrer Persönlichkeit entgegen kommt (Quelle: scinexx).
  • ... die Bestimmung von Arten wichtig ist, weil Medizin und Industrie davon profitieren können? Laut einem wissenschaftlichen Bericht ist die Arbeit der Taxonomen - also der Forscher, die Arten bestimmen - sehr wichtig. Sie sitzen heute nicht mehr nur vor Binokular und Mikroskop, sondern nutzen auch DNA-Untersuchungen, um genau herauszufinden, ob sie eine neue Art gefunden haben und wo sich diese im Stammbaum einordnen lässt. Dadurch, dass sie beispielsweise ständig neue Bakterien und Pilze entdecken, leisten sie enorm wichtige Dienste für die Lebensmitteltechnik, Medizin und Ökologie. Ihre Wertschätzung und Förderung ist also wichtig. Deshalb sollte die Taxonomie in der Ausbildung von Biologen auch wieder einen festen Platz einnehmen. Denn in den Sammlungen von Museen und Universitäten warten noch immer viele Exemplare, die bisher zu Unrecht als bekannte Art eingestuft oder zu Unrecht als eigenständige Art geführt werden, auf ihre korrekte Bestimmung (Quelle: Hamburger Abendblatt).
  • ... dass "Auswärts Essen" nur bedingt nachhaltig ist? Das liegt vor allen an den großen Mengen von Lebensmitteln, die in Restaurants, Kantinen und bei Veranstaltungen mit Catering weggeworfen werden: Fast die Hälfte der Lebensmittel wird dabei laut einem Forschungsprojekt vorzeitig entsorgt. Dadurch werden auch lebenswichtige Ressourcen wie Ackerflächen und Wasser unnötig verschwendet. Zudem entstehen fünf Prozent der gesamten Treibhausgasemissionen Deutschlands durch Lebensmittelverluste - ein wichtiges Thema also für den Natur- und Klimaschutz. In privaten Haushalten werden pro Person jährlich immerhin 17 Prozent der eingekauften Lebensmittel zu früh entsorgt. Hier kann also jede und jeder wirksam etwas gegen die Verschwendung und für die Erhaltung unserer Lebensgrundlage tun: durch einen überlegten Einkauf und die geeignete Lagerung und sorgsame Verwendung der Lebensmittel. Weniger Abfälle bedeuten auch weniger Dünge- und Pflanzenschutzmittel in der Landwirtschaft. Besonders wirkungsvoll ist die Abfallvermeidung bei Lebensmitteln tierischen Ursprungs wie Fleisch- und Milchprodukten. Denn diese benötigen pro Kilogramm vierzehnmal mehr Landfläche als pflanzliche Produkte. Weniger beim Einkauf und im Abfall ist also mehr für Natur und Klima (Quelle: UBA).

Dünen-Springspinne (Yllenus arenarius) mit Beute auf der Wanderdüne eines ehemaligen Truppenübungsplatzes. © Ike Noack
Dünen-Springspinne (Yllenus arenarius) mit Beute auf der Wanderdüne eines ehemaligen Truppenübungsplatzes. © Ike Noack
Klick in die Vielfalt 2014 - mein Lieblingsplatz in der Natur © Maksim Samasiuk
Klick in die Vielfalt 2014 - mein Lieblingsplatz in der Natur © Maksim Samasiuk
Auch einige UN-Dekade-Projekte setzen sich für die Erhaltung von naturnahem Grünland ein. Im Projekt "Günztal Weiderind" erfolgt dazu die Beweidung mit der stark gefährdeten regionalen Rinderrasse "Original Braunvieh". © Susanne Mölle, Kempten
Auch einige UN-Dekade-Projekte setzen sich für die Erhaltung von naturnahem Grünland ein. Im Projekt "Günztal Weiderind" erfolgt dazu die Beweidung mit der stark gefährdeten regionalen Rinderrasse "Original Braunvieh". © Susanne Mölle, Kempten
Auch das EIFEL-Lamm ist ein "grasender Naturschützer". Die extensiven Schafweiden der Eifel zeichnen sich durch eine besondere Artenvielfalt aus. © Regionalmarke EIFEL GmbH
Auch das EIFEL-Lamm ist ein "grasender Naturschützer". Die extensiven Schafweiden der Eifel zeichnen sich durch eine besondere Artenvielfalt aus. © Regionalmarke EIFEL GmbH
Pünktlich zum 5. Geburtstag des deutsch-niederländischen Weltnaturerbes Wattenmeer wurde das wertvolle Ökosystem nun samt dem dänischen Wattenmeer komplett auf der Welterbeliste eingetragen. © Heike Storch
Pünktlich zum 5. Geburtstag des deutsch-niederländischen Weltnaturerbes Wattenmeer wurde das wertvolle Ökosystem nun samt dem dänischen Wattenmeer komplett auf der Welterbeliste eingetragen. © Heike Storch
Das UN-Dekade-Projekte „Die Arche des Geschmacks“ von Slow Food Deutschland fördert die Nachfrage nach traditionellen Lebensmitteln von bedrohten Nutztierrassen und Kulturpflanzensorten. Zu sehen ist die Kartoffelart Bamberger Hörnla. © Stefan Abtm
Das UN-Dekade-Projekte „Die Arche des Geschmacks“ von Slow Food Deutschland fördert die Nachfrage nach traditionellen Lebensmitteln von bedrohten Nutztierrassen und Kulturpflanzensorten. Zu sehen ist die Kartoffelart Bamberger Hörnla. © Stefan Abtmeyer
Der Höhepunkt des Workshops "Geheimnisse des Pflanzenreichs" für Kinder im Grund- und Vorschulalter ist ein Besuch im Botanischen Garten der Universität Rostock. © Dr . Dethardt Götze
Der Höhepunkt des Workshops "Geheimnisse des Pflanzenreichs" für Kinder im Grund- und Vorschulalter ist ein Besuch im Botanischen Garten der Universität Rostock. © Dr . Dethardt Götze
Manfred Mistkäfer, das Maskottchen des Naturtagebuchs der BUNDjugend. © BUNDjugend
Manfred Mistkäfer, das Maskottchen des Naturtagebuchs der BUNDjugend. © BUNDjugend
Über die Auszeichnung des Naturtagebuchs freuen sich (v.l.n.r.) Martin Geilhufe aus dem Präsidium des DNR, Niko Hübner und Jenny Blekker von der BUNDjugend sowie die jungen Wettbewerbsgewinner aus Berlin und Brandenburg. © BUNDjugend
Über die Auszeichnung des Naturtagebuchs freuen sich (v.l.n.r.) Martin Geilhufe aus dem Präsidium des DNR, Niko Hübner und Jenny Blekker von der BUNDjugend sowie die jungen Wettbewerbsgewinner aus Berlin und Brandenburg. © BUNDjugend
Auszeichnung des UN-Dekade-Projektes Feldflora-Reservat: Irina Heck vom Kulturlandschaftsverein Hausen v.d.H. und Landrat Burkhard Albers. © Kulturlandschaftsverein Hausen v.d.H.
Auszeichnung des UN-Dekade-Projektes Feldflora-Reservat: Irina Heck vom Kulturlandschaftsverein Hausen v.d.H. und Landrat Burkhard Albers. © Kulturlandschaftsverein Hausen v.d.H.
Seitliche Ansicht über die Parzellen des Feldflora-Reservat mit vielen Saat-Wucherblumen und Feldflora-Hütte im Hintergrund. © Kulturlandschaftsverein Hausen v.d.H. e.V.
Seitliche Ansicht über die Parzellen des Feldflora-Reservat mit vielen Saat-Wucherblumen und Feldflora-Hütte im Hintergrund. © Kulturlandschaftsverein Hausen v.d.H. e.V.
Der Landrat des Landkreises Emsland, Reinhard Winter, überreicht die Auszeichnung für die "Schulwälder gegen Klimawandel". © Stiftung Zukunft Wald (Landesforsten-Stiftung)
Der Landrat des Landkreises Emsland, Reinhard Winter, überreicht die Auszeichnung für die "Schulwälder gegen Klimawandel". © Stiftung Zukunft Wald (Landesforsten-Stiftung)
Explore Science, die naturwissenschaftlichen Erlebnistage der Klaus Tschira Stiftung, fanden 2014 zum Thema biologische Vielfalt statt. © Klaus Tschira Stiftung gGmbH
Explore Science, die naturwissenschaftlichen Erlebnistage der Klaus Tschira Stiftung, fanden 2014 zum Thema biologische Vielfalt statt. © Klaus Tschira Stiftung gGmbH
Besucherin in der Wander-Fotoausstellung "Klick in die Vielfalt".
Besucherin in der Wander-Fotoausstellung "Klick in die Vielfalt".
Blässrallen-Nest unter einer Wasserskianlage am Alfsee (Niedersachsen) - eines der prämierten Bilder aus dem UN-Dekade-Fotowettbewerb "Klick in die Vielfalt" 2013. © Rainer Döring
Blässrallen-Nest unter einer Wasserskianlage am Alfsee (Niedersachsen) - eines der prämierten Bilder aus dem UN-Dekade-Fotowettbewerb "Klick in die Vielfalt" 2013.
© Rainer Döring
Moderatorin und UN-Dekade-Botschafterin Nina Ruge befragt das Publikum zu Chancen des nachhaltigen Konsums.
Moderatorin und UN-Dekade-Botschafterin Nina Ruge befragt das Publikum zu Chancen des nachhaltigen Konsums.
Nina Ruge (Mitte) moderiert die Podiumsdiskussion mit Anja Dilk (Journalistin), Prof. Ulf Schrader (TU Berlin) und (v.l.n.r.) Gerd Billen (Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz), Prof. Beate Jessel (Bundesamt für Naturschutz), Rita Schw
Nina Ruge (Mitte) moderiert die Podiumsdiskussion mit Anja Dilk (Journalistin), Prof. Ulf Schrader (TU Berlin) und (v.l.n.r.) Gerd Billen (Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz), Prof. Beate Jessel (Bundesamt für Naturschutz), Rita Schwarzelühr-Sutter (Bundesumweltministerium), Julian Fischer (Deutsche Stiftung Verbraucherschutz) und Dr. Johannes Merck (Otto Group).
Das UN-Dekade-Projekt "Fahrtziel Natur" hat attraktive Angebote für einen umweltverträglichen Tourismus in über 20 Schutzgebieten in Deutschland, Österreich und der Schweiz. © DB AG_Hans-Dieter Budde
Das UN-Dekade-Projekt "Fahrtziel Natur" hat attraktive Angebote für einen umweltverträglichen Tourismus in über 20 Schutzgebieten in Deutschland, Österreich und der Schweiz.
© DB AG_Hans-Dieter Budde
Haben Sie es gewusst? Spinnen sind auch nur Menschen, zumindest was ihre Berufswahl angeht... © Stefan Willmann
Haben Sie es gewusst? Spinnen sind auch nur Menschen, zumindest was ihre Berufswahl angeht... © Stefan Willmann
Um die Artenvielfalt zu beschreiben und zu beobachten, sind Taxonomen - Wissenschaftler, die einzelne Arten bestimmen können - sehr wichtig. © qphotomania - Fotolia.com
Um die Artenvielfalt zu beschreiben und zu beobachten, sind Taxonomen - Wissenschaftler, die einzelne Arten bestimmen können - sehr wichtig. © qphotomania - Fotolia.com
Auch ein sorgsamer Umgang mit Nahrungsmitteln trägt zur Erhaltung der biologischen Vielfalt bei. © GUNDERMANN-AKADEMIE
Auch ein sorgsamer Umgang mit Nahrungsmitteln trägt zur Erhaltung der biologischen Vielfalt bei. © GUNDERMANN-AKADEMIE
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