Vielfalt News Nr. 61 | 20. Februar 2014

Begrüßung

Liebe Leserinnen und Leser,

wir berichten heute über die folgenden Neuigkeiten: Schädliche Pilze fördern die Artenvielfalt im tropischen Regenwald. Das Bundesumweltministerium fördert zwei Waldschutzprojekte in Indonesien. Deutschland, Dänemark und die Niederlande wollen Zugvögel auf ihrem ostatlantischen Weg besser schützen. Unternehmen können ihre Aktivitäten für die biologische Vielfalt nun auf einer neuen Aktionsplattform vorstellen.

Zwei neue UN-Dekade-Projekte wurden ausgezeichnet: In München beteiligt und informiert die Umwelt-Akademie seit 25 Jahren die Menschen vor Ort im Sinne einer nachhaltigen Nutzung. In Thüringen setzt sich der NABU Gera-Greiz umfassend für die bedrohte Wechselkröte ein. Wir berichten zudem über die Auszeichnung von internationalen Partnern des Projektes "Digitaler Biodiversitätsatlas" in Brasilien.

Wir stellen Ihnen das Bundesprogramm-Projekt Schulwandern, eine Internetplattform zum Thema Aquakultur und eine Fachzeitschrift zum Thema Ökosystemdienstleistungen vor. Ein weiterer Fachbericht zeigt den Nutzen von renaturierten Mooren für den Klimaschutz auf. Wussten Sie schon, dass der Stör Fisch des Jahres ist? Dass Bienen, Vögel und Fledermäuse für eine bessere Kaffee-Ernte sorgen und es Frösche mit Zähnen gibt? Und weshalb Naturerfahrungen so wichtig sind?

Wir wünschen Ihnen viel Vergnügen beim Lesen!

Herzliche Grüße,

Dr. Natalie Bergholz
für das UN-Dekade-Team

Neues zur biologischen Vielfalt

  • 22.01.2014: Schädlinge schaden, das besagt schon ihr Name. Wenn ein krankmachender Pilz eine Pflanze befällt, beeinträchtigt er ihre Entwicklung. Sie kann dadurch sogar zugrunde gehen. Was aber auf einzelne Pflanzen zutrifft, gilt nicht unbedingt für die gesamte Pflanzengesellschaft. Wie nun erstmals gezeigt werden konnte, fördern schädliche Pilze die pflanzliche Artenvielfalt im tropischen Regenwald sogar. Ein Forscherteam beobachtete bei Feldversuchen in Afrika, dass die Krankheitserreger offenbar die Pflanzenarten in Schach halten, die sich ansonsten rasch vermehren würden. Dadurch verhindern die Pilze, dass die häufigen Pflanzenarten seltenere Arten verdrängen. Der britische Forscher Owen Lewis erklärt: „Sprösslinge, die neben Pflanzen ihrer eigenen Art wachsen, sterben häufiger ab.“ Der Grund sei, dass sich Krankheitserreger wie Pilze leichter unter Pflanzen der gleichen Art, die nahe beieinander wachsen, verbreiten würden. Daher seien sehr verbreitete Arten anfälliger für Krankheiten. Die schädlichen Pilze sorgten also für eine Chancengleichheit unter den Pflanzen und förderten dadurch ihre Artenvielfalt. Diese Erkenntnisse könnten auch im Zusammenhang mit dem Klimawandel bedeutend sein. Wenn es, wie derzeit vorausgesagt, künftig weniger Niederschläge gibt, könnte die Verbreitung von Pilzen einschränkt werden. „Weniger Krankheitskeime bedeuten auch weniger Biodiversität“, warnt der Forscher Robert Bagchi. „Und die Artenvielfalt unserer Regenwälder ist sicherlich etwas, das wir unbedingt erhalten wollen.“
  • 29.01.2014: Rund zehn Prozent der tropischen Wälder wachsen in Indonesien. Diese Tropenwälder sind wichtig für den weltweiten Arten- und Klimaschutz, werden aber zunehmend abgeholzt. Um den Prozess aufzuhalten und wertvolle Ökosysteme wiederherzustellen, fördert das Bundesumweltministerium nun im Rahmen der Internationalen Klimainitiative (IKI) zwei Waldschutzprojekte vor Ort. Dabei arbeiten deutsche Naturschutzorganisationen eng mit ihren indonesischen Kollegen und der örtlichen Regierung und Bevölkerung zusammen, um ausgewählte Waldgebiete auf Dauer nachhaltig zu nutzen. Durch das erste Projekt soll eine Pufferzone um ein Nationalparkgebiet auf der Insel Sumatra geschaffen werden. In diesem Regenwaldbereich leben viele gefährdete Tiere und sogar mehr Tiger, Orang-Utans und Elefanten als in dem Nationalpark selbst. In dem zweiten Projekt werden künftig zwei Schutzgebiete im Norden der Insel Sulawesi durch ein nachhaltig genutztes Areal verbunden. Auch hier leben viele gefährdete Arten, beispielsweise der Mini-Wasserbüffel Anoa. Der Flachland-Anoa ist eine endemische Art, das heißt, er kommt ausschließlich auf der Insel Sulawesi vor. Durch das neue Projekt auf Sulawesi wird die Vernetzung von Regenwaldgebieten auf einer Fläche von insgesamt 257.000 Hektar gefördert. Mehr zu den neuen Projekten lesen Sie hier. Wie wichtig der Schutz der indonesischen Tropenwälder ist, zeigt sich auch am Beispiel des Borneo-Nashorns. Das kleinste Nashorn der Welt kommt nur auf den Inseln Borneo und Sumatra vor. Es ist inzwischen vom Aussterben bedroht und kann vermutlich nur noch durch Zuchtprogramme erhalten werden.
  • 05.02.2014: Seit mehr als 35 Jahren arbeiten Deutschland, Dänemark und die Niederlande zum Schutz des Wattenmeeres zusammen. Auf einer gemeinsamen Konferenz beschlossen die drei Staaten nun unter anderem, Zugvögel auf ihrem ostatlantischen Weg besser zu schützen. Jährlich rasten zehn bis zwölf Millionen Zugvögel im Gebiet des Wattenmeeres, bevor sie weiter in Richtung Norden zum Brüten oder in den Süden zum Überwintern fliegen. Die Leiterin der deutschen Delegation, Rita Schwarzelühr-Sutter, erläuterte: „Das Wattenmeer ist ein weltweit einzigartiger Naturraum und zu Recht Weltnaturerbe. Damit haben wir auch eine globale Verantwortung, nicht zuletzt für die Millionen Vögel, die das Wattenmeer jedes Jahr als Raststätte nutzen. Als Wattenmeer-Anrainer wollen wir daher gemeinsam mit unseren afrikanischen Partnern daran arbeiten, die Vögel auf ihrem gesamten Zugweg zu schützen.“ Auch im Bereich Tourismus wollen die drei Länder eine gemeinsame, naturverträgliche Strategie verfolgen. Dazu gehören Partnerschaften mit Hotels und Gaststätten, umweltverträglicher Verkehr und grenzüberschreitende Umweltbildung. (Quelle: BMUB).
  • 11.02.2014: Für Unternehmen, die sich im Bereich biologischer Vielfalt engagieren, gibt es jetzt eine neue Aktionsplattform, um ihre Aktivitäten der Öffentlichkeit vorzustellen: „Unternehmen Biologische Vielfalt 2020“: Handeln für die biologische Vielfalt! Die Plattform wurde vom Bundesumweltministerium gemeinsam mit Wirtschaftsverbänden und Naturschutzorganisationen initiiert. Gefragt sind aktuelle Projekte, mit denen die deutsche Wirtschaft Verantwortung für den Schutz von biologischer Vielfalt und Ökosystemleistungen übernimmt. Bei der Bewerbung sollen konkrete Aktivitäten und gute Ansätze sichtbar gemacht und deren Fortschritte aufgezeigt werden. Die Bewerbungen können fortlaufend online eingereicht werden. Jeweils zum Ende eines Quartals sichtet und bewertet ein Auswahlgremium die Vorschläge und entscheidet schnellstmöglich über die Aufnahme. Die ausgewählten Aktivitäten werden auf der Plattform präsentiert. Durch diese Präsentation erhalten die Unternehmen die Chance, mehr Aufmerksamkeit für ihre Projekte zu wecken, sich zu vernetzen und als gutes Beispiel für andere zu wirken. Mehr zu dem Bewerbungsverfahren, den Auswahlkriterien und den Vorteilen der Aktionsplattform finden Sie hier.

UN-Dekade-Projekte

  • In München vermittelt die Umwelt-Akademie e.V. den Menschen in der Region seit 25 Jahren eine nachhaltige Nutzung von biologischer Vielfalt. Aktuell thematisiert der gemeinnützige Verein besonders den Schutz von Gewässern wie der Isar und der Münchner Stadtbäche. Für seine Aktivitäten hat er die Regionale Lern- und Partizipationsplattform Biodiversität München geschaffen. Hier können sich Akteure aus verschiedenen Interessensgruppen informieren, austauschen und beteiligen. Pro und Contra gleichberechtigt Raum zu geben und unterschiedliche Menschen zum Mitmachen anzuregen, sind der Umwelt-Akademie besonders wichtig: „Als neutrale NGO sind wir in der Lage, zu strittigen Themen Menschen zusammenzubringen, die sonst nicht (mehr) miteinander reden“, erläutert Vorstandsmitglied Dr. Helmut Paschlau und ergänzt: „Wir möchten nicht nur informieren, sondern auch motivieren und zum Handeln anregen.“ Die Umwelt-Akademie bietet unter anderem Exkursionen in ein Naturschutzgebiet an der Isar und verschiedene Informationsveranstaltungen an. Dieser Einsatz dafür, die Menschen vor Ort für einen schonenden Umgang mit biologischer Vielfalt zu gewinnen, wurde am 28. November 2013 mit der Auszeichnung als UN-Dekade-Projekt honoriert. UN-Dekade-Botschafter Arved Fuchs, dem nachhaltiges Handeln sehr am Herzen liegt, gratulierte den Beteiligten zur Würdigung ihres Engagements: „Die Zukunft möglich machen, genau darum geht es! Hier heißt es aktiv werden, nicht den Mut verlieren, Verbündete suchen, um sich für den Erhalt der biologischen Vielfalt einzusetzen! Die Umwelt-Akademie in München macht genau das! Sie hat ein schlagkräftiges Netzwerk aufgebaut, das zum Handeln motiviert und Wissen vermittelt. Dieser Verein bleibt dran und ist hartnäckig in der Lösungsfindung. Dies macht Mut und ist außerordentlich vorbildlich! Ich gratuliere zur Auszeichnung und wünsche weiterhin dem Team der Akademie Power und Freude in ihrem Engagement!“
  • Im Jahr 2011 erlebte der Thüringer Landkreis Greiz eine kleine biologische Sensation: Einige Exemplare der seltenen Wechselkröte, die in der Region bislang als ausgestorben galt, wurden entdeckt. Der NABU Gera-Greiz rief daraufhin das Förderprojekt "Bestandsstärkung der Wechselkröte im nördlichen Landkreis Greiz" ins Leben. Im Rahmen dieses Projektes wurden im Jahr 2012 zunächst die Laichgewässer, Sommerlebensräume und Winterquartiere der bedrohten Krötenart ausfindig gemacht. Auch das Wanderungsverhalten der Tiere wurde untersucht, um sie optimal unterstützen zu können. Bis Mitte November 2013 sorgten die Naturschützer schließlich für 15 neue Laichgewässer, indem sie Kleingewässer anlegten oder entschlammten. Dabei wurden sie von örtlichen Landeseigentümern unterstützt, die ihnen dazu Grundstücke zur Verfügung stellten. Auch die Landlebensräume der Wechselkröte wurden verbessert, indem Stein- und Totholzhaufen angelegt und Flächen entbuscht wurden. Durch diese umfassenden Schutzmaßnahmen konnten die seltenen Tiere erfolgreich weitere Gebiete im Landkreis besiedeln. Die Einwohner wurden durch Presseartikel und eine Veranstaltung über diese Entwicklung informiert. Auf dem neuen Lehrpfad entlang eines Kröten-Gebietes können sie sich zudem selbst ein Bild von dem Projekt machen. Für dieses umfangreiche Engagement zum Schutz einer bedrohten Amphibienart wurde dem NABU am 29. November 2013 die Auszeichnung als UN-Dekade-Projekt überreicht. UN-Dekade-Botschafter Florian Möllers, der sich als Biologe und Naturfotograf besonders für eher unpopuläre Arten interessiert, zeigte sich begeistert: „Wechselkröten gehören zu den oft übersehenen Arten ohne offensichtlichen Kuschel- oder Coolnessfaktor. Umso schwerer ist es, Sympathie für sie einzufordern und Schutzmaßnahmen durchzusetzen. Vielerorts fehlen geeignete Laichgewässer, und ihre Landlebensräume verbuschen. Der NABU Gera-Greiz und seine Partner tragen mit gezielten Schutzmaßnahmen zum Überleben der bedrohten Kröte bei. Die Information der Thüringer Bevölkerung ist dabei ein wichtiges Anliegen!“ Sebastian Schopplich, der Leiter des NABU-Projektes, bedankte sich anlässlich der Auszeichnung als UN-Dekade-Projekt herzlich bei allen Unterstützern und Helfern.
  • Anfang des Jahres wurde im UN-Dekade-Newsletter über die Auszeichnung des Projektes Digitaler Biodiversitätsatlas in Deutschland berichtet. Mit diesem interaktiven Internetportal können regionale Daten zur Verbreitung verschiedener Arten ausgewertet und veröffentlicht werden. Das Projekt wird gemeinsam von deutschen und brasilianischen Wissenschaftlern durchgeführt, die derzeit an einem digitalen Atlas für die Fische, Amphibien und Reptilien im Bundesstaat Pernambuco, Brasilien, arbeiten. Mittlerweile wurden den brasilianischen Kooperationspartnern nun vor Ort die Urkunden für die Auszeichnung als UN-Dekade-Projekt überreicht. Dazu fanden offizielle Veranstaltungen in den beiden Partneruniversitäten in Recife, Pernambuco, statt. Neben den Rektoren und Forschungsbeauftragten der Universitäten waren auch Vertreter des deutsch-brasilianischen Kulturzentrums, des Landesumweltamtes und weiterer relevanter Behörden zugegen. Laut Prof. Dr. Heiko Brunken bedeutet die Auszeichnung durch die UN-Dekade Biologische Vielfalt seinen brasilianischen Kollegen sehr viel: „Die Preisverleihung hat in Brasilien zu einer deutlichen Aufwertung unserer dortigen Projekte geführt und öffnet derzeit viele Türen!“ Das liege auch daran, dass der Bundesstaat Pernambuco durch das gemeinsame Projekt aktuell führend in der Darstellung und Kommunikation von Biodiversitätsdaten in Brasilien sei. Maria Evelina Menezes vom Landesamt für Gewässer- und Klimaschutz Pernambuco freute sich über die offizielle Würdigung des Kooperationsprojektes: “Es macht mich stolz und glücklich, seit Beginn an den Erfolg und die Bedeutung dieses wichtigen Projektes geglaubt zu haben. Mit Sicherheit wird dieses Qualitätssiegel ganz wesentlich dazu beitragen, die institutionelle Verknüpfung des Projektes mit den staatlichen Stellen für Umwelt-, Natur- und Gewässerschutz, mit den Einrichtungen für Forschungsförderung oder mit den regionalen Umweltverbänden hier in Pernambuco zu festigen und weiter auszubauen.“

Termine und Publikationen

  • Ein neues Projekt aus dem Bundesprogramm Biologische Vielfalt soll nun dafür sorgen, dass das Wandern in der Natur an den Schulen wieder auf die Tagesordnung kommt. „Schulwandern – Draußen erleben. Vielfalt entdecken. Menschen bewegen“ möchte Lehrern und Schulkindern durch die Erfahrungen in der freien Natur stärker für biologische Vielfalt sensibilisieren. „Ich hoffe, dass die Idee der Draußenschule über das Projekt hinaus viele Nachahmer findet. Das wäre nicht nur für die Kinder ein Gewinn, sondern auch für die biologische Vielfalt. Denn wer schon als Schüler die Vielfalt der Natur bewusst erlebt, wird auch auf Dauer respektvoll mit der Natur umgehen“, bekräftigt Bundesumweltministerin Barbara Hendricks. Während der dreijährigen Projektlaufzeit soll das Konzept der „Draußenschule“ an drei Grundschulen aus verschiedenen Bundesländern modellhaft erprobt werden. Einen Tag in der Woche werden die Schüler in der freien Natur verbringen und dabei die biologische Vielfalt erkunden. Grundschulen in staatlicher Trägerschaft können sich bis zum 20. März 2014 für eine Teilnahme an dem Projekt bewerben. Zusätzlich bietet der Deutsche Wanderverband in den Jahren 2014 bis 2016 „Schulwandertage zur biologischen Vielfalt“ mitsamt einem Wettbewerb an. Weitere Informationen finden Sie hier.
  • Hochwertige Speisefische aus nachhaltiger Aquakultur tragen dazu bei, Wildfischbestände, natürliche Ressourcen und die Umwelt zu schonen. Weltweit ist die Aquakultur der am stärksten wachsende Sektor der Landwirtschaft. Für eine nachhaltige Fischproduktion ist das Chance und Herausforderung zugleich. Verbraucher können sich jetzt gezielt über das Thema Aquakultur informieren. Mit „Aquakulturinfo“ wurde eine Internetplattform geschaffen, die Laien und Fachleute mit wissenschaftlich fundierten Informationen zur Fischzucht versorgt. Die Plattform informiert anschaulich über die gezüchteten Fische, Krebse, Muscheln und Algen, über Produktions- und Zuchtmethoden, Tiergesundheit, Futtermittel und Qualitätssicherung. „Auch kontroverse Themen wie Medikamentierung und artgerechte Haltung werden von uns behandelt“, versichert Dr. Björn Hermelink vom Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB), der die redaktionellen Inhalte betreut. „Verbraucher, Züchter, Unternehmen der fischverarbeitenden Industrie und des Lebensmittelhandels und Politiker – alle Interessengruppen sollen bei uns die jeweils relevanten Informationen finden“, ergänzt der Wissenschaftler. Mehr über das neue Portal lesen Sie hier.
  • Die Februar-Ausgabe der Fachzeitschrift 'Natur und Landschaft' erörtert das Thema "Ökosystemleistungen und Naturschutz". In fünf Artikeln und drei weiteren Beiträgen beleuchten die Autorinnen und Autoren das Konzept der Ökosystemleistungen aus wissenschaftlicher und gesellschaftlicher Sicht. Prof. Beate Jessel plädiert dafür, diese Leistungen besser zu erfassen und stärker in Wert zu setzen. „Denn Ökosysteme erbringen vielfältige Leistungen nicht nur materieller, sondern auch kultureller und ästhetischer Art“, so die Präsidentin des Bundesamtes für Naturschutz (BfN). Die Beiträge der Fachzeitschrift gäben Impulse, sich mit den Herausforderungen des Themas auch in Zukunft auseinanderzusetzen. „Denn das Konzept der Ökosystemleistungen macht klar, dass es beim Schutz der Natur letztlich um unsere eigenen menschlichen Lebensgrundlagen geht“, erläutert die BfN-Präsidentin. Hinterfragt wird beispielsweise das Naturverständnis, das hinter dem Konzept der Ökosystemleistungen steht. Auch aktuelle Aktivitäten in Politik und Forschung werden aufgezeigt. Mehr über die Fachzeitschrift und ihre Bezugsmöglichkeiten erfahren Sie hier.
  • Der erste Teil der Studie „Naturkapital Deutschland – TEEB DE“ zum Thema Klimaschutz wurde am 12. Februar vorgelegt. Der Bericht zeigt Übereinstimmungen aber auch Konflikte zwischen den Zielen des heimischen Naturschutzes und des weltweiten Klimaschutzes auf. Hervorzuheben ist, dass sich bestimmte Schutzmaßnahmen für die biologische Vielfalt auch positiv auf das Klima auswirken: „Die Wiedervernässung von landwirtschaftlich genutzten Moorböden ist eine vergleichsweise kostengünstige Klimaschutzmaßnahme“, erläutert Prof. Beate Jessel. Laut dem Fachbericht ließen sich dadurch klimabedingte volkswirtschaftliche Schäden in Höhe von jährlich 217 Mio. € vermeiden. Diese Ergebnisse bestätigten laut der BfN-Präsidentin, dass in der Klimapolitik mehr ökosystembasierte Lösungen ins Auge gefasst werden müssten. Auch die Erhaltung von artenreichem Grünland, eine umweltgerechte landwirtschaftliche Bodennutzung und die Renaturierung von Auen seien dabei wichtige Aktionsfelder. Konflikte zwischen Klima- und Naturschutz gäbe es dagegen beim Anbau von Mais zur energetischen Nutzung. Hier seien naturschonende Verfahren sinnvoller. Mehr zu dem Bericht lesen Sie hier.

„Wussten Sie schon, dass…?“

  • ... der Stör zum Fisch des Jahres gewählt wurde? Der noch bis Anfang des letzten Jahrhunderts in unseren Flüssen heimische Wanderfisch gilt hier inzwischen als ausgestorben. Das liegt hauptsächlich an Gewässerbebauungen wie Wehren und Wasserkraftanlagen, aber auch an Verschmutzung und Überfischung. Der Stör lebt zwar im Meer, wandert jedoch zur Eiablage ebenso wie der Lachs und die Meerforelle heimische Flussläufe hinauf. Der Verbau unserer Fließgewässer behindert diese Wanderung. Mit der Wahl des Störs zum Fisch des Jahres soll auf dieses Problem aufmerksam gemacht werden, dass auch andere wandernde Fischarten betrifft. Der Deutsche Angelfischerverband plädiert daher dafür, den weiteren Gewässerverbau zu stoppen und Fischtreppen und Umgehungsläufe anzulegen. Für die Rückkehr und Erhaltung des Störs in Deutschland wurde seit 1996 bereits eine Reihe von Vorhaben realisiert. Auch ein aktuelles UN-Dekade-Projekt setzt sich für die Wiedereinbürgerung des Europäischen Störs in der Nord- und Ostsee ein. Mehr über den Stör als Fisch des Jahres erfahren Sie hier.
  • ... biologische Vielfalt für bessere Kaffee-Ernten sorgt? Deutsche Forscher fanden heraus, dass Bienen, Vögel und Fledermäuse deutlich dazu beitragen, dass die Kaffeebauern rund um den Kilimandscharo höhere Erträge erzielen. Die Wissenschaftler prüften mithilfe von Netzen, wie sich die An- oder Abwesenheit der „tierischen Dienstleister“ auf die Menge und Qualität der Ernte auswirkt. Sie stellten fest, dass die Schädlingsbekämpfung durch Vögel und Fledermäuse zu einem fast zehn Prozent höheren Fruchtansatz führte. Zudem beobachteten sie, dass die Früchte um etwa sieben Prozent schwerer sind, wenn Bienen und andere Insekten die Kaffeeblüten bestäuben. „Die Effekte der Bestäubung und der Schädlingskontrolle ergänzen sich also perfekt, beide sind wichtig für höhere Erträge“, sagt Professor Ingolf Steffan-Dewenter: Vögel und Fledermäuse sorgen für mehr Früchte, Bienen und andere Bestäuber für eine bessere Qualität. Ein gutes Beispiel dafür, wie sich biologische Vielfalt buchstäblich auszahlen kann. (Quelle: proplanta.de)
  • ... es Frösche mit Zähnen gibt? Berliner Forscher haben in Westafrika eine neue Froschfamilie entdeckt. Sie lebt entlang von schnellfließenden Flüssen und an Wasserfällen der afrikanischen Regenwälder und ähnelt äußerlich den schon bekannten Stromschnellenfröschen. Schaut man jedoch genauer hin, entdeckt man völlig froschuntypische, lange und spitze Zähne im Oberkiefer sowie Fangzähne im Unterkiefer. Diese Zähne haben der neuen Froschfamilie zwar ihren Namen Odontobatrachidae gegeben, abgeleitet aus den griechischen Wörtern für Zahn und Frosch. Wofür die Frösche diese Zähne brauchen, ist aber noch unklar. Die Forscher hoffen nun, dass die Neuentdeckung der Tiere dem dringend notwendigem Schutz ihres Lebensraums neuen Schub verleiht. Die Zahnfrösche leben in Regenwaldrestbeständen, die bereits als „Hotspot der biologischen Vielfalt“ bekannt sind. (Quelle: idw).
  • ... persönliche Erfahrungen für das eigene Handeln wichtiger sind als Wissen? Diese These vertritt zumindest der bekannte Hirnforscher Gerald Hüther. Überzeugungen entstünden nicht nur durch das Wissen, das der Mensch sich aneigne, sondern vor allem durch die Erfahrungen, die er im Leben mache. Dies sei auch der Grund, weshalb viele Menschen trotz besseren Wissens nicht im Sinne des Naturschutzes handeln würden. Durch konkrete Naturerfahrungen könne der Naturschutz dagegen die Herzen der Menschen erreichen und ein naturverträgliches Handeln auslösen.

Habichtskauz (Strix uralensis) © Sibylle Zimmer

Habichtskauz (Strix uralensis) © Sibylle Zimmer

Baumsämlinge im Regenwald. © Owen Lewis

Baumsämlinge im Regenwald. © Owen Lewis

Pilze haben vielfältige ökologische Funktionen. Sie zersetzen totes organisches Material und unterstützen lebende Pflanzen in ihrer Entwicklung. Sie können aber auch als Schädlinge wirken. © Heidi Ortne

Pilze haben vielfältige ökologische Funktionen. Sie zersetzen totes organisches Material und unterstützen lebende Pflanzen in ihrer Entwicklung. Sie können aber auch als Schädlinge wirken. © Heidi Ortne

Eine Nashornvogelart ist endemisch und kommt nur auf der Insel Sulawesi vor. © Barend van Gemerden/BirdLife Netherlands

Eine Nashornvogelart ist endemisch und kommt nur auf der Insel Sulawesi vor. © Barend van Gemerden/BirdLife Netherlands

Viele Zugvögel rasten im UNESCO Weltnaturerbe und Nationalpark „Niedersächsisches Wattenmeer“. © Heike Storch

Viele Zugvögel rasten im UNESCO Weltnaturerbe und Nationalpark „Niedersächsisches Wattenmeer“. © Heike Storch UBi 2020_Flyer_barrierefrei Faltblatt zur Dialog- und Aktionsplattform von Unternehmen Biologische Vielfalt 2020 © ‘Biodiversity in Good Company‘ Initiative e. V.

Aktionsplattform  „Unternehmen Biologische Vielfalt 2020“

Aktionsplattform  „Unternehmen Biologische Vielfalt 2020“

Joachim Lorenz, Leiter des Referats Gesundheit und Umwelt der Stadt München, überreicht Dr. Helmut Paschlau, Vorstandsmitglied der Umwelt-Akademie e.V., die UN-Dekade-Urkunde. © Carmen Palma

Joachim Lorenz, Leiter des Referats Gesundheit und Umwelt der Stadt München, überreicht Dr. Helmut Paschlau, Vorstandsmitglied der Umwelt-Akademie e.V., die UN-Dekade-Urkunde. © Carmen Palma

Altflussarm der renaturierten Isar im Mühltal. © Die Umwelt-Akademie e.V.

Altflussarm der renaturierten Isar im Mühltal. © Die Umwelt-Akademie e.V.

Ulrich Scheidt, Kurator am Naturkundemuseum Erfurt, überreichte die Auszeichnungsurkunde für die Bestandsstärkung der Wechselkröte an den Projektleiter Sebastian Schopplich. © Mario Scholz/NABU Gera-Greiz e.V.

Ulrich Scheidt, Kurator am Naturkundemuseum Erfurt, überreichte die Auszeichnungsurkunde für die Bestandsstärkung der Wechselkröte an den Projektleiter Sebastian Schopplich. © Mario Scholz/NABU Gera-Greiz e.V.

Im März 2013 angelegte Habitatflächen für die Wechselkröte © NABU KV Gera-Geiz e.V.

Im März 2013 angelegte Habitatflächen für die Wechselkröte © NABU KV Gera-Geiz e.V.

Auszeichnung des UN-Dekade-Projektes "Digitaler Biodiversitätsatlas" an der Universidade Federal de Pernambuco in Brasilien. © Universidade Federal de Pernambuco

Auszeichnung des UN-Dekade-Projektes "Digitaler Biodiversitätsatlas" an der Universidade Federal de Pernambuco in Brasilien. © Universidade Federal de Pernambuco

Unterricht im Freien: Schulwandern ist das neue Projekt des Deutschen Wanderverbandes aus dem Bundesprogramm Biologische Vielfalt. © Deutscher Wanderverband

Unterricht im Freien: Schulwandern ist das neue Projekt des Deutschen Wanderverbandes aus dem Bundesprogramm Biologische Vielfalt. © Deutscher Wanderverband

Im Trend der Zeit: Wandern © M_Lumieres - fotolia.com

Im Trend der Zeit: Wandern © M_Lumieres - fotolia.com

Das Heft 2-2014 von "Natur und Landschaft" widmet sich dem Thema „Ökosystemleistungen und Naturschutz“. © Verlag W. Kohlhammer

Das Heft 2-2014 von "Natur und Landschaft" widmet sich dem Thema „Ökosystemleistungen und Naturschutz“. © Verlag W. Kohlhammer

Helfen dem Klima: Moore speichern klimaschädliche Gase. Sind die Biotope intakt, bieten sie eine Heimat für viele Tier- und Pflanzenarten. © Andreas Köck

Helfen dem Klima: Moore speichern klimaschädliche Gase. Sind die Biotope intakt, bieten sie eine Heimat für viele Tier- und Pflanzenarten. © Andreas Köck

Junge Europäische Störe (Acipenser sturio) für ein Besatzprogramm im Elbe-Einzugsgebiet. © Philipp Freudenberg

Junge Europäische Störe (Acipenser sturio) für ein Besatzprogramm im Elbe-Einzugsgebiet. © Philipp Freudenberg

Naturerfahrungen fördern ein umweltbewusstes Handeln. © Archiv Schulbiologiezentrum Dortmund

Naturerfahrungen fördern ein umweltbewusstes Handeln. © Archiv Schulbiologiezentrum Dortmund

Die sogenannten Kaffeekirschen. © eltfoto - fotolia.com

Die sogenannten Kaffeekirschen. © eltfoto - fotolia.com

Odontobatrachus natator: eine Art der neuen Froschfamilie. © Mark-Oliver Rödel

Odontobatrachus natator: eine Art der neuen Froschfamilie. © Mark-Oliver Rödel

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