Wie vielfältig ist die Biodiversität wirklich?

Diese Frage stellte sich eine internationale Forschergruppe nach einer Langzeitstudie zur Artenvielfalt in chinesischen Wäldern. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass die tatsächliche Biodiversität auf der Welt bis zu 50 % über oder unter den derzeitigen Angaben liegen könnte.

Grund hierfür ist, dass die Zahlen aus bisherigen Studien häufig eine Vielzahl von „weniger auffälligen“ Arten nicht einschließen, zum Beispiel Käfer unter Borken, Spinnen, Pilze oder Mikroorganismen.
 
Verschiedene Faktoren beeinflussen die Artenzahlen
Hinzu kommt, dass offenbar auch die Größe der untersuchten Fläche die Anzahl der gefundenen Arten eines Ökosystems beeinflusst. Je größer die Fläche, desto mehr Arten wurden gefunden. Auch die Lage des Gebiets beeinflusse die Artendichte, so das Forscherteam unter der Leitung der Uni Halle-Wittenberg (MLU). Bisher seien bspw. bei Studien zum Regenwald meist Areale im Flachland erforscht und die Zahlen auf andere Regenwälder übertragen worden. In Bergregenwäldern stelle sich die Situation aber schon wieder anders dar.
 
Mit längeren Zeiträumen, klassischen und modernen Methoden zu genaueren Ergebnissen
Acht Jahre lang untersuchte das Team die Artenvielfalt auf 27 Probeflächen in einem Naturschutzgebiet westlich von Schanghai. Die Zahlenschätzungen zu insgesamt 43 Artengruppen beruhen auf klassischer Artbestimmung und DNA-Analysen, die vor allem bei der Bestimmung von Pilzen und Bakterien zum Tragen kamen. Außerdem kamen Methoden räumlicher Statistik zum Einsatz, die auch bei künftigen Studien zu einer genaueren Annäherung der Artenzahlen beitragen könnte. Besonders betonte die Forschergruppe, wie wichtig eine langfristig angelegte Erfassung sei.
 
Ziel der Langzeitstudie („Biodiversity-Ecosystem Functioning“-Projekt, kurz: BEF China) war die Bestimmung der Artenvielfalt in einem der bedeutendsten Hotspots der Biodiversität und deren Rolle für Ökosystemfunktionen und -leistungen.
 
Komplette Meldung bei der MLU lesen. Mehr Infos zum Forschungsprojekt beim Deutschen Zentrum für integrative Biodiversitätsforschung Halle - Jena - Leipzig (iDiv).

Immergrüner Laubwald im Naturschutzgebiet Gutianshan. | ©Anne Lang (über www.idiv.de)

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