„Städte wagen Wildnis“ – Projekt zur Verwilderung urbaner Flächen wird von UN-Dekade Biologische Vielfalt ausgezeichnet

Dass Wildnis auch in der Stadt möglich ist und wie sich das auf die Biodiversität und die Lebensqualität auswirkt, findet ein Modellprojekt heraus, das in Frankfurt von der UN-Dekade geehrt wurde. Unter dem Titel „Städte wagen Wildnis“ lassen die Städte Hannover, Frankfurt am Main und Dessau-Roßlau ausgewählte innerstädtische Flächen gezielt „verwildern“. Dadurch sollen nicht nur neue Lebensräume für Tier- und Pflanzenarten, sondern auch Naturerlebnis- und Freizeiträume für die Stadtbevölkerung entstehen. Weitere Partner des Projekts sind die Leibniz Universität Hannover, die Hochschule Anhalt, die Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung und das Biodiversitäts-Netzwerk BioFrankfurt.

Dr. Christiane Paulus vom Bundesumweltministerium verlieh den Projektpartnern den Titel „Ausgezeichnetes Projekt der UN-Dekade Biologische Vielfalt 2018“ im Rahmen der Pressekonferenz zur "Grünen Börse" im Palmengarten Frankfurt.

 

Zum Projekt sagte die Unterabteilungsleiterin "Naturschutz" im Bundesumweltministerium: „Städte wagen Wildnis“ leistet einen wichtigen Beitrag zur Förderung biologischer Vielfalt in der Stadt: Schmetterlinge, Wildbienen und verschiedene Vogelarten profitieren, neue Tier- und Pflanzenarten können sich ansiedeln. Darüber hinaus trägt das Projekt in vorbildlicher Weise dazu bei, die Lebensqualität in Städten zu steigern und die Menschen für Stadtwildnis und Natur zu begeistern. Das Bundesumweltministerium unterstützt diesen innovativen Ansatz mit einer Förderung von rund 3 Millionen Euro. „Städte wagen Wildnis“ wurde von der unabhängigen Jury als Projekt der UN-Dekade Projekt Biologische Vielfalt ausgewählt. Ich freue mich, den drei Modellstädten Hannover, Frankfurt/Main und Dessau-Roßlau und ihren vier weiteren Projektpartnern die Auszeichnung zu verleihen und wünsche diesem Vorhaben weiterhin viel Erfolg.“

 

Auf ausgewählten Flächen soll sich die Natur in den beteiligten Städten über einen Zeitraum von fünf Jahren weitgehend natürlich entwickeln können. Pflegemaßnahmen wie Rasen- und Gehölzschnitt werden entsprechend reduziert oder sogar ganz eingestellt. Bisher kurz gehaltene Rasenflächen dürfen auf den Wildnis-Flächen ungehindert wachsen und sich zu artenreichen Wiesen entwickeln. Das soll Insekten, wie z. B. Wildbienen und Schmetterlinge, und in der Folge Vögel anlocken. Büsche und Sträucher dürfen sich ebenfalls frei ausbreiten und sollen insbesondere Vögeln zusätzliche Schutz- und Nistmöglichkeiten bieten.

 

Neben der Erhöhung der Biodiversität verfolgt das Projekt das Ziel, die Lebensqualität für die Menschen in den Städten zu verbessern. So können die verwilderten urbanen Flächen das Stadtklima positiv beeinflussen und schaffen zudem neue Erholungsräume für die Bewohnerinnen und Bewohner. Veranstaltungen auf und zu den Flächen sowie gezielte Informations- und Bildungsarbeit sollen das Interesse und die Akzeptanz für das Thema „Wildnis in der Stadt“ fördern. Im Rahmen einer sozialwissenschaftlichen Evaluation wird zudem regelmäßig erfasst, wer die Flächen nutzt und wie sich das Nutzerverhalten ändert. Da keiner genau vorhersagen kann, wie sich die Natur auf den ausgewählten Flächen entwickeln wird, hat das Projekt einen experimentellen Charakter. Zur Bewertung der Veränderungen wird die Vielfalt der Arten und ihrer Lebensräume regelmäßig erfasst und im Rahmen einer naturwissenschaftlichen Evaluation dokumentiert.

 

Das Projekt soll dazu beitragen, neuartige Landschaftsbilder im urbanen Raum zu etablieren, neue Pflege- und Nutzungsstrategien zu erproben und den Weg für mehr Wildnis in Städten zu ebnen. Von den neuen Ansätzen profitieren nicht nur die drei Modellstädte. Andere Kommunen werden über das bundesweite Bündnis „Kommunen für biologische Vielfalt“ informiert und die Ergebnisse werden in einem Praxisleitfaden zusammengefasst und verbreitet.

 

Das Bundesamt für Naturschutz fördert dieses Vorhaben mit Mitteln des Bundesumweltministeriums seit 2016 bis 2021 im Rahmen des Bundesprogramms biologische Vielfalt in Höhe von rund 4,5 Millionen Euro.     

Über die UN-Dekade Biologische Vielfalt

Mit der UN-Dekade Biologische Vielfalt 2011–2020 ruft die Staatengemeinschaft die Weltöffentlichkeit auf, sich stärker für die biologische Vielfalt einzusetzen. Sie will die Bedeutung der Biodiversität für unser Leben und Wirtschaften bewusster machen und persönliches Handeln zum Schutz und Erhalt der Vielfalt der Arten, Lebensräume und Gene anstoßen. Hintergrund ist ein kontinuierlicher Rückgang an Biodiversität in fast allen Ländern der Erde.


In Deutschland werden im Rahmen der UN-Dekade Projekte und Beiträge ausgezeichnet, die sich in besonderer Weise für die Erhaltung, nachhaltige Nutzung und Vermittlung der biologischen Vielfalt einsetzen. Zusätzlich zum regulären Wettbewerb zeichnet die UN-Dekade seit 2017 im Rahmen des Sonderwettbewerbs „Soziale Natur – Natur für alle“ auch vorbildliche Projekte aus, die das soziale Miteinander fördern und gleichzeitig einen Beitrag zum Erhalt der biologischen Vielfalt leisten.
Bewerben können sich Einzelpersonen oder -initiativen, institutionelle Projektträger wie Verbände, Stiftungen und Unternehmen sowie staatliche und nicht-staatliche Organisationen. Die Bewerbung erfolgt über die Webseite der UN-Dekade. Über die Auszeichnung entscheidet eine Fachjury.

Weitere Informationen

Projektvorstellung auf der UN-Dekade-Webseite

Zur Webseite des Projekts

Ansprechpartnerin beim Projekt:

 

<span style="font-size:11.0pt; line-height:150%; font-family:Arial">BioFrankfurt - Geschäftsstelle </span>

<span style="font-size:11.0pt; line-height:150%; font-family:Arial">Frau Pia Ditscher
Tel.:069 7542 - 1545
</span><span style="font-size:11.0pt; line-height:150%; font-family:Arial; color:windowtext; text-decoration:none; text-underline:none">ditscher(at)biofrankfurt.de</span><span style="font-size:11.0pt; line-height:150%; font-family: Arial">
</span><span style="font-size:11.0pt; line-height:150%; font-family: Arial">www.biofrankfurt.de</span>

Ausblick vom Frankfurter Wildnisgebiet am´Monte Scherbelino´. Foto: Pia Ditscher

Ausblick vom Frankfurter Wildnisgebiet am´Monte Scherbelino´. Foto: Pia Ditscher

Dr. Christiane Paulus, Leiterin Unterabteilung Naturschutz im BMUB (4. v. rechts) mit (v. Links): Ausblick vom Frankfurter Wildnisgebiet am´Monte Scherbelino´. Foto: Pia DitscherDr. Heino Kamieth, Bereichsleiter Forsten, Landschaftsräume und Naturschutz der Stadt Hannover, Stefanie Preußer und  Prof. Dr. Bruno Streit, BioFrankfurt – Das Netzwerk für Biodiversität e.V., Dr. Thomas Hartmanshenn, Gesamtprojektleiter „Städte wagen Wildnis“, Umweltamt Stadt Frankfurt, Rosemarie Heilig, Umweltdezernentin und Peter Dommermuth, Leiter des Umweltamts der Stadt Frankfurt sowie Dr. Christiane Frosch und Pia Ditscher, beide BioFrankfurt. Foto: BioFrankfurt. Foto: BioFrankfurt

Dr. Christiane Paulus, Leiterin Unterabteilung Naturschutz im BMUB (4. v. rechts) mit (v. links): Dr. Heino Kamieth, Bereichsleiter Forsten, Landschaftsräume und Naturschutz der Stadt Hannover, Stefanie Preußer und Prof. Dr. Bruno Streit, BioFrankfurt – Das Netzwerk für Biodiversität e.V., Dr. Thomas Hartmanshenn, Gesamtprojektleiter „Städte wagen Wildnis“, Umweltamt Stadt Frankfurt, Rosemarie Heilig, Umweltdezernentin und Peter Dommermuth, Leiter des Umweltamts der Stadt Frankfurt sowie Dr. Christiane Frosch und Pia Ditscher, beide BioFrankfurt. Foto: BioFrankfurt. Foto: BioFrankfurt

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