Naturschutz und Denkmalpflege auf dem Jüdischen Friedhof Berlin-Weißensee gewürdigt - Auszeichnung als Projekt der UN-Dekade Biologische Vielfalt

Dr. Christiane Paulus, Leiterin der Unterabteilung Naturschutz im Bundesumweltministerium, übergab die Auszeichnung heute, am Tag des Jüdischen Neujahrsfestes der Bäume „Tu Bi Schwat“, bei einem Besuch des Friedhofs Weißensee.

 

Berlin, 31. Januar 2018 – Der Jüdische Friedhof in Berlin-Weißensee ist nicht nur ein bedeutender Ort der Erinnerung und herausragendes Kulturdenkmal der Stadt, er ist auch besonders artenreich. Teile des 42 Hektar großen Friedhofs blieben jahrelang weitgehend sich selbst überlassen und bilden heute Bereiche mit einer hohen Artenvielfalt. Um die herausragende Denkmal­substanz und die besondere biologische Vielfalt der als Gartendenkmal geschützten Anlage langfristig zu erhalten, haben die Jüdische Gemeinde zu Berlin, die Technischen Universität Berlin und die Stadt Berlin ein Pflegekonzept entwickelt, das bundesweiten Modellcharakter besitzt. Dafür wird das Projekt „Naturschutz und Denkmalpflege auf dem Jüdischen Friedhof Berlin-Weißensee“ von der UN-Dekade Biologische Vielfalt ausgezeichnet.


Dr. Christiane Paulus, Leiterin der Unterabteilung Naturschutz im Bundesumwelt­ministerium hob die große Bedeutung des Friedhofs als Garten- und Kulturdenkmal und als ein Hort der Artenvielfalt hervor: „Dieser besondere Friedhof zeigt uns, dass sich dort, wo wir an die Toten erinnern, besonders viel Leben in der Natur entwickeln kann. Hier ist eine Vielfalt vorhanden, die heute leider nicht mehr selbstverständlich und deshalb besonders schützenswert ist. Das für den Friedhof entwickelte Pflegekonzept verbindet vorbildlich die Belange des Naturschutzes und des Denkmalschutzes." Das Modellprojekt wurde von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) gefördert.

 

Der Friedhof Weißensee zählt zu den größten jüdischen Friedhöfen in Europa. Als Folge der Vernichtungspolitik der Nationalsozialisten konnte die Jüdische Gemeinde zu Berlin nach dem Zweiten Weltkrieg eine angemessene Pflege und Unterhaltung des Friedhofs nicht mehr aufrechterhalten. Dies führte u. a. dazu, dass sich die Natur in weiten Teilen des Friedhofs ungestört entwickeln konnte. Der Friedhof ist mit 363 wildwachsenden Gefäßpflanzenarten überdurchschnittlich artenreich. Das Pflegekonzept der Jüdischen Gemeinde zu Berlin und der TU Berlin sieht auf dem Friedhof künftig eine abgestufte, differenzierte Pflege zur Bewahrung des Reichtums an Arten und Biotopen sowie zur Erhaltung der Grabstätten und der Gesamtanlage als bedeutsames Garten- und Kulturdenkmal vor.

 

Über die UN-Dekade Biologische Vielfalt

Mit der UN-Dekade Biologische Vielfalt 2011–2020 ruft die Staatengemeinschaft die Weltöffentlichkeit auf, sich stärker für die biologische Vielfalt einzusetzen. Sie will die Bedeutung der Biodiversität für unser Leben und Wirtschaften bewusster machen und persönliches Handeln zum Schutz und Erhalt der Vielfalt der Arten, Lebensräume und Gene anstoßen. Hintergrund ist ein kontinuierlicher Rückgang an Biodiversität in fast allen Ländern der Erde. 


In Deutschland werden im Rahmen der UN-Dekade Projekte und Beiträge ausgezeichnet, die sich in besonderer Weise für die Erhaltung, nachhaltige Nutzung und Vermittlung der biologischen Vielfalt einsetzen. Zusätzlich zum regulären Wettbewerb zeichnet die UN-Dekade seit 2017 im Rahmen des Sonderwettbewerbs "Soziale Natur – Natur für alle" auch vorbildliche Projekte aus, die das soziale Miteinander fördern und gleichzeitig einen Beitrag zum Erhalt der biologischen Vielfalt leisten.


Bewerben können sich Einzelpersonen oder -initiativen, institutionelle Projektträger wie Verbände, Stiftungen und Unternehmen sowie staatliche und nicht-staatliche Organisationen. Die Bewerbung erfolgt über die Webseite der UN-Dekade. Über die Auszeichnung entscheidet eine Fachjury.

 

Weitere Informationen

Projektvorstellung auf der UN-Dekade-Website

Website des Projekts

Ansprechpartner beim Projekt

Birgit Seitz
TU-Berlin, Institut für Ökologie
030 31471353
birgit.seitz(at)tu-berlin.de

Im Frühling blühen auf dem Friedhof Weißensee Busch-Windröschen und Goldschopf-Hahnenfuß, Zeigerpflanzen historisch alter Wälder. | Foto: Birgit Seitz

Im Frühling blühen auf dem Friedhof Weißensee Busch-Windröschen und Goldschopf-Hahnenfuß, Zeigerpflanzen historisch alter Wälder. | Foto: Birgit Seitz

v.l.n.r.: Prof. Dr. Ingo Kowarik, Technische Universität Berlin, Institut für Ökologie, Fachgebiet Ökosystemkunde/Pflanzenökologie; Dr. Gideon Joffe, Vorstandsvorsitzender der Jüdischen Gemeinde zu Berlin und Frau Dr. Christiane Paulus, Bundesumweltministerium.

v.l.n.r.: Prof. Dr. Ingo Kowarik, Technische Universität Berlin, Institut für Ökologie, Fachgebiet Ökosystemkunde/Pflanzenökologie; Dr. Gideon Joffe, Vorstandsvorsitzender der Jüdischen Gemeinde zu Berlin und Frau Dr. Christiane Paulus, Bundesumweltministerium.

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