Lokaler Honig – direkt vom Imker. Interview mit Viktoria Schmidt von nearBees

In der Familie von Viktoria Schmidt, Hobby-Imkerin und Ideengeberin von nearBees, hat dank ihres Großvaters Bienenhaltung eine lange Tradition. Mit ihrer Vermarktungsplattform für lokalen Honig will sie die Imkerei und die Honigbiene stärken und trägt damit auch zum Erhalt der heimischen Artenvielfalt bei.

Frau Schmidt, was fasziniert Sie besonders an der biologischen Vielfalt?

Mich fasziniert der Zusammenhang zwischen Bienen, Ertrag bei Obst- und Gemüsepflanzen und der Artenvielfalt in der Natur: Mehr als 80 % unserer Nutz- und Wildpflanzen sind in ihrer Fortpflanzung auf die Bestäubung durch Insekten angewiesen. Ein einziges Bienenvolk ist in der Lage, innerhalb eines Tages über 20 Millionen Blüten zu bestäuben: Das ist unschlagbar!

Sehen Sie die Biene in Gefahr?

Schädlinge, Klimawandel und Pestizide machen der Honigbiene und den Imkern das Leben schwer. Honig wird zudem immer billiger. Der Preisverfall beim Honig und die Risiken bei der Imkerei führen dazu, dass immer weniger Menschen immer weniger Bienen halten. Vor knapp 100 Jahren gab es in Deutschland noch etwa doppelt so viele Imker mit mehr als dreimal so vielen Bienenvölkern.

Was können Sie mit nearBees dagegen tun?

Mit nearBees bieten wir Imkern eine einfache Möglichkeit, ihren Honig online direkt und zu fairen Preisen zu vermarkten. Imker können sich auf nearBees.de ganz einfach ein kostenloses Profil erstellen, dieses mit Informationen und Bildern zu ihren Bienen befüllen – und natürlich angeben, welche Honigsorte sie zu welchem Preis anbieten. Findet sich ein Käufer, wird der Honig per Briefpost zugestellt und nearBees erhält 15 % des Verkaufspreises als Vermittlungsprovision. Mit dieser bequemen Vermarktungsoption wollen wir die Bienenhaltung attraktiver machen und langfristig wieder für mehr Bienen und den Erhalt einer artenreichen Natur sorgen.

Sie imkern auch selbst. Wie sind Sie zu diesem Hobby gekommen?

In meinen Erinnerungen sind die Sommer meiner Kindheit voll von saftig roten Kirschen – und den stechlustigen Bienen meines Großvaters. Als mein Großvater aus Altersgründen mit der Imkerei aufhörte, trugen die Pflanzen im Obstgarten plötzlich keine Früchte mehr. Angesichts dieses unmittelbaren Zusammenhangs zwischen Bestäubung und Ertrag wollte ich mich ausgiebiger mit diesen faszinierenden Insekten beschäftigen und besuchte einen Imkerkurs.

Wie entstand schließlich nearBees?

Konfrontiert mit der ersten Honigproduktion meiner eigenen Bienen und der damit verbundenen zeitaufwändigen Vermarktung habe ich mich in meiner Masterarbeit mit den „Veränderungen im Zusammenleben von Mensch und Biene“ beschäftigt: Darin habe ich die Grundidee eines Marktplatzes für Honig entwickelt, der Honigliebhaber und Imker wieder näher zusammenbringt.

Wie genau unterstützen Sie mit der Online-Plattform den lokalen und bewussten Konsum?

Mit der Re-Regionalisierung des Honigkonsums, der Förderung lokaler (Hobby-)Imker und einer Stärkung der Wertschätzung des Qualitätsproduktes „Deutscher Honig“ möchten wir einen weiteren Rückgang der Bienenpopulation in Deutschland verhindern. Gleichzeitig ist es uns ein Anliegen, CO2-Emissionen einzusparen und Abfall zu verringern: Unsere Verpackungen basieren auf nachwachsenden Rohstoffen und werden mit minimalem Materialeinsatz ressourcenschonend hergestellt. Mit unserem Konzept fördern wir außerdem regionale Erzeuger und eine transparente Herstellung von Produkten. Auch sorgen wir für kurze Transportwege.

Auf gesellschaftlicher Ebene wollen wir das Bewusstsein für die Bedeutung der Bienen und die Wertschätzung regionaler Produkte steigern. Dazu klären wir über verschiedene soziale Netzwerke und Pressearbeit über die Bedeutung der Biene auf.

 

Danke für das Gespräch. 

Viktoria Schmidt. Foto: Susie Knoll

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