Kompetenzteam Gesundheit und biologische Vielfalt erfolgreich gestartet

In Bonn fand am 29. Mai das erste Treffen des neuen Kompetenzteams Gesundheit und biologische Vielfalt statt.

Bonn, 29. Mai 2017 – Schnittstellen zwischen Gesundheit und biologischer Vielfalt waren Gegenstand einer ExpertInnen-Tagung, die gestern auf Einladung der UN-Dekade-Geschäftsstelle im Bundesamt für Naturschutz in Bonn stattfand. 15 Vertreterinnen und Vertreter von Gesundheits-Einrichtungen, Krankenkassen, Sport- und Naturschutzverbänden, Forschungs- und Bildungseinrichtungen sowie aus Forstverwaltungen und Großschutzgebieten diskutierten im Rahmen des neu gegründeten Kompetenzteams Gesundheit und biologische Vielfalt Ansätze für die Verknüpfung dieser beiden Themenfelder.

 

Im Mittelpunkt des ganztägigen Treffens standen der Erfahrungsaustausch und die Vernetzung der teilnehmenden Akteure. Projektbeispiele und Erfahrungsberichte aus der Praxis machten deutlich, dass Naturerlebnis und der Zugang zu Naturerfahrung wichtige Beiträge zu unserem Wohlbefinden und zu unserer physischen und psychischen Gesundheit leisten können. Zur Ruhe kommen, zu sich selbst finden, körperliche Bewegung und Entspannung zählen dabei zu den am häufigsten genannten positiven Wirkungen, die Natur auf Menschen haben kann.

 

Mit der Wahrnehmung und Anerkennung dieser wohltuenden Funktionen der Natur steigt zugleich ihre Wertschätzung. Eindrucksvoll deutlich wird das an einem Beispiel der Landesforstverwaltung Mecklenburg-Vorpommern. Hier können künftig ausgewählte Waldgebiete als Kur- oder Heilwäldern ausgewiesen werden und auf diese Weise einen besonderen Schutzstatus erlangen.

 

In der kinder- und jugendpsychiatrischen LWL-Klink Marl-Sinsen wird Naturerlebnis systematisch in der Therapie von Kindern und Jugendlichen eingesetzt. Zusammen mit ausgebildeten Waldpädagogen gehen die Therapeuten regelmäßig mit kleinen Gruppen raus in den kliniknahen Wald, auch um den jungen Menschen Möglichkeiten zu verschaffen, sich zu öffnen.

 

Der junge Nationalpark Nordschwarzwald hat einen eigenen Schwerpunkt Gesundheit und bietet neben Naturerlebnistagen für Firmen und Institutionen auch Waldbaden-Tage an. Teilnehmer können dabei die wohltuende und harmonisierende Wirkung des Waldes über einen mehrstündigen Aufenthalt im Nationalparkwald unmittelbar erleben.

 

Als weiteres Praxisbeispiel stellte die AOK NordWest ihr Projekt „Natürlich erleben“ vor. Unter dem Aspekt der Gesundheitsprävention fördert die „Gesundheitskasse“ erlebnisorientierte Projekttage in der Natur für Schüler und Schülerinnen der Klassen 7 und 8. Begleitet von erfahrenen Referenten, verbringen SchülerInnen und ihre LehrerInnen vier Unterrichtstage draußen in der Natur und lösen dabei Aufgaben, die Bewegung, Teamgeist, Naturbewusstsein und Entspannung fördern. Das Projekt nutzt die gesundheitsfördernden Potenziale der Natur für eine nachhaltige gesundheitliche und umweltbewusste Entwicklung und will damit dem verbreiteten Bewegungsmangel und den damit verbundenen gesundheitlichen Risiken entgegen wirken. Referenten und Veranstaltungsort werden von der Kasse bezahlt, wenn die Schulen das Thema Gesundheit dauerhaft in ihren Unterricht oder die Lehrerfortbildung einbinden.

 

In der Diskussion bestätigten alle Beteiligten, dass die Natur zahlreiche Chancen und Potenziale zur allgemeinen und  gezielten Gesundheitsprävention sowie zur Unterstützung von therapeutischen Prozessen biete und schon allein der Aufenthalt in der Natur einen positiven Einfluss auf das allgemeine Wohlbefinden haben könne. Gleichzeitig konstatierten mehrere Teilnehmer, dass der Präventionsgedanke in Deutschland weniger im öffentlichen Bewusstsein verankert ist als dies in anderen Ländern der Fall ist und dass die Potenziale, die die Natur hierfür biete, noch nicht genug genutzt würden. Seitens des Bundesumweltministeriums erging konkret der Wunsch an die Naturparke und Großschutzgebiete, aber auch an andere beteiligte Institutionen und Verbände, das Thema Gesundheit in Verbindung mit biologischer Vielfalt stärker aufzugreifen und entsprechende Projekte und Angebote zu entwickeln.

 

Das Expertengespräch steht im Zusammenhang mit dem aktuellen Schwerpunktthema der UN-Dekade Biologische Vielfalt. Unter dem Motto „Gesund – mit der Vielfalt der Natur“ werden im Rahmen des UN-Dekade-Wettbewerbs neben den regulären Projekten in den Jahren 2017 und 2018 verstärkt auch Projekte ausgezeichnet, die das Thema Gesundheit mit dem Thema biologische Vielfalt in beispielhafter Weise verbinden. Das Kompetenzteam Gesundheit und biologische Vielfalt soll dazu beitragen, das Thema in die Öffentlichkeit zu tragen und wird sich zum Gedankenaustausch einmal jährlich treffen.

Der Diplom Heilpädagoge und Waldpädagoge Konrad Staschenuk erläutert den Einsatz der Waldpädagogik in der Kinder- und Jugendpsychiatrie der LWL-Klinik Marl-Sinsen. Foto: Pit Rauert

Der Diplom Heilpädagoge und Waldpädagoge Konrad Staschenuk erläutert den Einsatz der Waldpädagogik in der Kinder- und Jugendpsychiatrie der LWL-Klinik Marl-Sinsen. Foto: Pit Rauert

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