Interview mit Selina Ellerich zu ihrem Video "Der Einfluss der Natur"

„Natürlich sollte die Message auch ein bisschen aus der Reihe fallen.“ Selina Ellerich hat mit ihrem Videobeitrag „Der Einfluss der Natur“ zur UN-Dekade Biologische Vielfalt ein Stipendium der Hochschule für Medien, Kommunikation und Wirtschaft gewonnen. Im Interview erzählt sie, wie es dazu kam.

Frau Ellerich, warum hat das Thema biologische Vielfalt Sie interessiert?

Natur hat mich immer schon interessiert. Mich faszinieren ihre Schönheit und die Intelligenz, mit der alles zusammenpasst und miteinander funktioniert. Das Thema biologische Vielfalt hat mich daher sofort angesprochen. Bei der Recherche erfuhr ich Einiges über die Entwicklung unserer Natur unter menschlichem Einfluss. Wenn wir es schaffen würden, die Menschen auf die UN-Dekade Biologische Vielfalt aufmerksam zu machen, könnten wir die Achtsamkeit der Menschen darauf lenken, dass wir unsere Natur mehr schützen und pflegen sollten.

Wie haben Sie sich auf den Film vorbereitet?

Zu allererst habe ich die Website der UN-Dekade auf den Kopf gestellt, Videos angeschaut, gelesen und Spots verglichen. Dabei fiel mir auf, dass diese sich häufig ähnelten: Sie zeigten Pflanzen, Tiere und spielten fröhliche Musik.

Nach gefühlt hundert verschiedenen Ideen warf ich eine Woche vor Abgabe alles um und entschied mich dafür, das Gegenteil von dem zu machen, was vermutlich jeder erwarten würde. Denn ehrlich gesagt kommt es uns doch schon aus den Ohren heraus, dass wir fürsorglicher mit unserem Planeten umgehen müssen. Und schöne Aufnahmen von der Natur fallen nicht mehr richtig auf; fast jedes Musikvideo, jede Werbung und jedes Instagram-Foto sind damit geschmückt.

Warum haben Sie sich entschieden den Film so zu machen, wie er jetzt ist?

Natürlich sollte die Message auch ein bisschen aus der Reihe fallen. Daher entschied ich mich dafür, das Ganze etwas gruselig aufzuziehen. Denn das war fast das einzige Stilmittel, dem ich bei meiner Recherche nicht begegnet war. Das Potenzial lag darin, die Zuschauer zu schocken, die etwas Liebliches und Schönes erwarten. Und zwar, indem ich schlichtweg zeige, was passieren könnte, wenn es keine Natur mehr gäbe.

Der Film sollte mit seiner skurrilen Art Aufmerksamkeit erlangen und dann eine völlig unerwartete Pointe erzielen. Ich hatte eine klare Vorstellung von der Nachricht, die ich visuell überzogen vermitteln wollte: Alles Sichtbare sollte eine Metapher werden.

Was ist das Konzept Ihres Films?

Eine Welt ohne Natur ist nicht möglich und eine gruselige Vorstellung. Wie furchtbar wäre es, wenn wir die Natur nur noch im Museum bestaunen könnten? Wie leblos würden wir uns ohne das beste Vorbild unserer Welt verhalten? Wo fänden wir die Kreativität und Inspiration für neue Entwicklungen?

Zu sehen ist eine Frau in einer fiktiven Zukunft. Sie sieht ungesund aus, kühl, eingefallen und "leblos", schaut uns emotionslos an. Sie besucht mit ihrer Familie einen mystischen Raum. Die ausgestellten Unikate in Gläsern wecken Kindheitserinnerungen. Sie staunt über die Schönheit und fühlt das Leben, den Ursprung, das Unerklärliche, das Unnachahmliche, die Natur. Die Erinnerung an die Natur, die sie nicht mehr um sich haben kann, zerreißt sie. Ihr Zucken spiegelt ihre technische Abhängigkeit und heftige Erinnerungen wieder.

Welche Schwierigkeiten traten bei der Umsetzung auf?

Mir fehlten die Kamera, das Schneideprogramm und jede coole Kulisse, die ich mir ausgedacht hatte. Stellen Sie sich vor, wie ich mit meiner Freundin Jessica (der Protagonistin), um 22:00 Uhr aus dem Krankenhaus stapfte, weil wir dort keine Aufnahmen machen durften. (Ich brauchte einen gleißend hellen Raum.) Da sie bereits fertig gestylt und geschminkt war, wollten wir natürlich nicht aufgeben. Nach einer ausgiebigen Gurkerei, entschloss ich mich spontan, im Sonnenstudio nachzufragen. Zum Glück hat uns die Besitzerin nicht für verrückt erklärt.

Worauf sind Sie besonders stolz im Bezug auf den Film?

Darauf, dass es trotz des Zeitdrucks und der fehlenden Ressourcen geklappt hat, den Film mit anderen Mitteln, aber dem geplanten Content aufzunehmen. Und dass mein Schnitt gelobt wurde, den ich mit viel Piddelsarbeit im Windows Movie Maker anfertigte. Dass meine Arbeit so viele Menschen angesprochen hat. Sie können sich nicht vorstellen, wie glücklich ich war, als ich diesen Wettbewerb gewonnen habe! Das Ganze hat mich enorm weitergebracht und mir eine Menge Mut mitgegeben! Danke an alle, die mich unterstützt haben!

Selina Ellerich entwirft in ihrem Video "Der Einfluss der Natur" zur UN-Dekade biologische Vielfalt ein kaltes Utopia, in dem Natur nur noch als Erinnerungsstücke in Schaugläsern existiert.

Selina Ellerich entwirft in ihrem Video "Der Einfluss der Natur" zur UN-Dekade biologische Vielfalt ein kaltes Utopia, in dem Natur nur noch als Erinnerungsstücke in Schaugläsern existiert.

Selina Ellerich

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