Gruselgeschichten aus der Pflanzenwelt

Pflanzen werden gemeinhin als wehrlos wahrgenommen. Sie können weder beißen noch vor ihren Feinden fliehen. Doch auch in der Pflanzenwelt tobt ein erbitterter Kampf um Leben und Tod. Eine Galerie von brutalen Strategien, miesen Tricks und tödlichen Waffen – und wie andere sich diese zunutze machen.

Sonnentau & Co. – Der Kampf um die Leckerbissen

Die klebrigen Tentakel des Sonnentaus sind für Insekten tödlich. Außer für die Larven einer zentralbrasilianischen Schwebfliegenart, die sich an diesen bedrohlichen Lebensraum perfekt angepasst haben. Ihr gesamtes Leben verbringen sie auf den Blättern und ernähren sich sogar von Tieren, die der Pflanze auf den Leim gegangen sind.

Die Gefahr überlistet haben auch einige Spinnenarten, die vom verführerisch süßen Duft der fleischfressenden Kannenpflanze profitieren. Kosten Insekten von dem leckeren Nektar am Kannenrand, stürzen sie in den Kelch und verenden im klebrigen Sekret am Boden. Trickreiche Spinnen weben ihr Netz unterhalb der „Schlundöffnung“ und schnappen der Pflanze so die herabfallenden Insekten weg.

Die Venusfliegenfalle hat unter den fleischfressenden Pflanzen wohl den feinsten Gaumen: Sie erkennt Insekten am Geschmack. Solange die empfindlichen Sinneshaare der Pflanze eine Insektenbewegung melden, werden spezielle Verdauungsenzyme produziert, die den harten Chitinpanzer der Insekten zersetzen. Bleibt der Bewegungsreiz aus, weil die Beute stirbt, „schmeckt“ die Pflanze das Insekt dank ihrer Chitin-Rezeptoren. Dadurch wird immer genau die richtige Menge an Enzymen produziert.

In den Fängen mörderischer Schlingpflanzen – über und unter Wasser

Einige besonders brutale Gewächse machen auch vor ihren Artgenossen nicht Halt. Die Würgfeige trägt ihren Namen zu Recht, denn sie erdrückt und tötet andere Bäume. Gelangt der Ficus-Same in eine Baumkrone, keimt er dort aus und wächst so lange weiter, bis er den Trägerbaum lebensbedrohlich einengt und überwuchert. Während sich die Wurzeln der Würgfeige dicker und dicker um den Stamm schnüren und dabei zu einer Röhre zusammenwachsen, stirbt der Trägerbaum im Innern ab.

Verborgen am Grund von Gewässern leben ganz besonders unheimliche Pflanzenwesen – die Dinoflagellaten. Die sogenannten Killeralgen töten ganze Fischschwärme beinahe unbemerkt. Im Ruhestadium harren die Einzeller lange Zeit ohne Nahrung am Meeresgrund aus, bis sich ein Fischschwarm nähert. Dann schwärmen die Dinoflagellaten aus und töten die Fische mit einem Nervengift, das sie ins Wasser absondern. Die Algen vermehren sich dann sehr schnell und saugen mit röhrenförmigen Fortsätzen Hautfetzen und Nährstoffe der toten Fische auf.

 

Weitere interessante Fakten zu mörderischen Pflanzen hat das Wissenschaftsmagazin Scinexx.de in einem Dossier zusammengestellt.

Schnellste Pflanze der Welt: Die Venusfliegenfalle. | © Stefano Zucchinali_CC-by-sa 3.0

In dem Sekret am Kannenboden werden Insekten bei lebendigem Leibe verdaut. | © Ulrich Velten / pixelio.de

Die Luftwurzeln der Würgfeige schnüren die Leitungsbahnen des Trägerbaums ab bis dieser stirbt. | © Miroslaw / pixelio.de

Leben auf gefährlichem Fuß: Die Schwebfliegenlarve ist immun gegen den Sonnentau. | © Paulo M. Gonella, University of São Paulo, SPF

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