Biodiversität beflügelt - Insekten mit Superaugen, Ohrbeinen und Streckenrekorden

Insekten sind fleißige Helfer, die in vielen Prozessen in Ökosystemen eine entscheidende Rolle spielen. Bestes Beispiel, von dem wir Menschen profitieren: die Bestäubung von Nutzpflanzen. Wir haben Ihnen einige beeindruckende und interessante Fakten zu ein paar Vertretern zusammengestellt.

Schmetterlingsvielfalt in der Ferne und ganz nah

Insektenforscher der Uni Jena fanden heraus, dass es mehr Arten spannerartiger Nachtfalter (Geometridae) in den Anden gibt als vermutet: 1.857 Arten wurden bestimmt und mindestens 2.350 werden in diesem Hotspot der Biodiversität vermutet! Ungewöhnlich: Auch in Höhen von 3.000 m ist die Artenvielfalt fast unverändert hoch. Ein Forschungsprojekt hat in Bayern insgesamt 3.243 Schmetterlingsarten gefunden. Grundlage war eine Checkliste, in die Daten aus über 250 Jahren Schmetterlingsforschung geflossen sind. Es ist das bisher erste Werk dieser Art. Drei Arten wurden erstmals auch in Europa nachgewiesen. Allerdings ist auch ein Artenverlust von 13 % zu beobachten.Beide Projekte nutzten DNA-Barcodes, die Arten fast eindeutig identifizierbar machen. Den Anstieg der Arten in den Anden führen die Forscher auch auf solche genauen Methoden zur Artbestimmung zurück.  

 

Ganze Meldung der Uni Jena lesen.

Zur Meldung bei den Staatlichen Naturwissenschaftlichen Sammlungen Bayerns. 

 

 

Selbst anspruchslose Schmetterlinge haben es zunehmend schwer

Eine Langzeitstudie der Technischen Universität München kommt zu einem bedauerlichen Ergebnis: Schmetterlinge werden immer seltener – auch solche, die bei Nahrung und Lebensraum nicht wählerisch sind. Und sogar in Naturschutzgebieten. 

Spezialisten trifft es noch härter: sogar dort, wo sie eigentlich unter Schutz stehen. Grund für diese Entwicklung ist – so die Theorie der Wissenschaftler – zu viel Stickstoff in Luft und Boden. Dadurch wachsen typische Raupenfutterpflanzen nicht mehr so gut, werden von anderen Pflanzen verdrängt. Gerade spezialisierte Schmetterlinge wie der Goldene Scheckenfalter sind aber auf wenige oder sogar nur eine Pflanze angewiesen. An ihre Stelle treten anspruchslose Generalisten, deren Vielfalt allerdings ebenfalls abnimmt. Die Forscher stellen daher die Wirksamkeit langfristiger Schutzmaßnahmen in Frage.

 

Ganze Meldung bei der TU München lesen.

 

 

Wanderlustige Libelle hält Streckenrekord: 7.000 km pro Saison

Wenn die Wanderlibelle unterwegs ist, überquert sie auch schon mal Ozeane. Auf ihren saisonalen Wanderungen schafft sie Strecken von bis zu 7.000 Kilometern. Und übertrifft damit Distel- und Monarchfalter, die bisher zu den Rekordhaltern fliegender Insekten zählten.

Die Entdeckung war mehr ein Zufall: Eigentlich wollten die Wissenschaftler der Rutgers University in Newark die Gene der Wanderlibelle auf verschiedenen Kontinenten untersuchen. Dabei fiel ihnen auf, dass die Genmuster von Tieren in den USA und in Japan nahezu identisch sind – was auf regelmäßige Paarung zwischen den Populationen schließen lässt. Dass die Wanderlibelle trotz ihrer nur 5 cm Länge so weit fliegen kann, hängt vermutlich mit ihrem schlanken Körperbau und den sehr großen Flügeln zusammen. Mit diesen gleiten sie weiter und sparen dadurch Energie.

 

Zur Meldung bei der Uni Newark (englisch).

 

 

Auge um Auge um Auge um Auge – Schmetterling mit Superaugen entdeckt

Mit unseren drei Sorten von Photorezeptoren (Zapfen) im Auge können wir Menschen zwar Millionen von Farben wahrnehmen. Das ist aber noch nichts gegen den Kolibrifalter! Der in Asien vorkommende Schmetterling hat gleich 15 verschiedene Zapfen in seinen Augen – einige davon für spezielle Aufgaben.

Insekten sehen Farben generell besser als wir und nehmen häufig auch UV-Licht wahr. Dass der Kolibrifalter aber so gut ausgestattet ist, liegt vermutlich an besonderen visuellen Reizen, deren Wahrnehmung ihnen einen Vorteil verschafft. Denn die Schmetterlinge kommunizieren miteinander über Signale mit ihren blaugrünen Flügeln. Und sie erkennen mit ihren großen Augen auch schnelle Bewegungen vor dem Himmel und Blüten, die in der ebenfalls bunten Umgebung sonst kaum auffallen würden.

 

Zum Abstract des Artikels (englisch).

Zusammenfassung der Untersuchung bei Scinexx.de.

 

 

© Illustration aus: Borowski, Georg Heinrich / Herbst, Johann Friedrich Wilhelm / Sotzmann, D.F.: Gemeinnüzzige Naturgeschichte des Thierreichs (über: http://biodiversitylibrary.org/item/90010#page/73/mode/1up)

Insekten gelten als besonders artenreiche Tiergruppe. Sie übernehmen wichtige Aufgaben in der Natur.

Einer der Nachtfalter aus den Anden. | © Gunner Brehm/FSU

Die Laubheuschrecke hört präzise – dank zwei Filterschritten in ihren Ohren. | © Markus Schäfer

Die Wanderlibelle fliegt bis zu rekordverdächtigen 7.000 km pro Saison. | © Greg Lasley, über Scinexx.de

Der Kolibrifalter erstaunte Forscher mit seinen Superaugen. | © Kazuo Unno, über Scinexx.de

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