Artenschwund: Zenit überschritten

In über der Hälfte der Ökosysteme auf der Erde ist die Belastungsgrenze bereits überschritten; sie können wichtige Leistungen kaum noch erfüllen. Denn das Aussterben von Arten kann die Evolution neuer Arten verzögern oder ganz stören, die Funktionen im Ökosystem übernehmen können.

Ökosystemleistungen in Gefahr

Forscher vom University College London haben 2,38 Millionen Datensätze zur Entwicklung und Bedeutung von fast 40.000 Arten an knapp 19.000 Orten auf der Erde untersucht. Die Studie ist die erste, die den Artenverlust und seine Auswirkungen so detailliert beschreibt. Ihr Ergebnis: Auf 58,1 % der Landfläche ist die Artenvielfalt schon so gesunken, dass die Ökosysteme kaum mehr ihre Leistungen erbringen können. Grund hierfür ist v.a. die starke Landnutzung, inkl. den damit verbundenen Eingriffen in die Lebensräume. Vor allem Grasland ist davon betroffen, aber auch Wälder und Hotspots der Biodiversität. Die Londoner Forscher rufen dringend dazu auf, naturbelassene Gebiete zu schützen oder wiederherzustellen, sonst leidet langfristig das menschliche Wohlergehen.

 

Vielfalt regt Evolution an

Dazu passen die Erkenntnisse eines deutsch-französischen Forschungsteams: Wenn Arten verschwinden, entwickeln sich neue Arten langsamer oder gar nicht, die die gleichen Aufgaben im Ökosystem übernehmen könnten. In einer experimentellen Studie zu diesem Thema kamen sie zu dem Schluss, dass das Artensterben stärkeren Einfluss haben kann, als bisher angenommen. Je vielfältiger ein Ökosystem, desto eher entstehen bei Ressourcenknappheit neue Arten, die die bisher wenig genutzten Ressourcen nutzen können. Die Forscher schließen daraus, dass Ursachen und Folgen des Biodiversitätsverlusts durch die Verknüpfung von Ökologie und Evolution besser verstanden werden können.

 

Zusammenfassung zu Artenschwund und Ökosystemleistungen bei scinexx.de lesen.

Meldung zum Artensterben und der Entwicklung neuer Arten bei der Uni Göttingen lesen.

Hier steht unter funktioneller Biodiversität noch ein Fragezeichen, doch jetzt ist klar, dass auch diese planetare Grenze bereits in vielen Gebieten überschritten ist. | © Ninjatacoshell/CC-by-sa 4.0

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