"ArKoNaVera": Projekt zum Erhalt von Muschelarten von UN-Dekade ausgezeichnet

Sachsens Umweltminister Thomas Schmidt überreicht die Urkunde in Dresden.

Dresden, 23. Januar 2018 – Die Flussperlmuschel und die Malermuschel zählten zu Beginn des 19. Jahrhunderts zu den häufigen Großmuschelarten in deutschen Gewässern. Heute gelten sie als stark gefährdet und die meisten verbliebenen Bestände können sich aufgrund der schlechten Lebensbedingungen nicht mehr vermehren. Mit dem Projekt "ArKoNaVera" setzen sich Forscher der Technischen Universität Dresden gemeinsam mit ihren Verbundpartnern für die Stabilisierung der Muschelbestände und die Wiederherstellung ihrer Fortpflanzungsfähigkeit ein. Für dieses Engagement wird das Projekt heute von der UN-Dekade Biologische Vielfalt ausgezeichnet.


In Pilotregionen in Sachsen und Bayern möchten die Dresdener Forscher mit ihren Verbundpartnern herausfinden, an welchen Orten und mit welchen Maßnahmen die beiden Muschelarten am wirksamsten erhalten werden können. Zu den Verbundpartnern gehören die TU München, das Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) und das Fraunhofer-Zentrum für Internationales Management und Wissensökonomie (IMW) ebenso wie die Sächsische Landesstiftung für Natur und Umwelt, der Landkreis Passau, das Landratsamt Vogtlandkreis und die Gesellschaft für Wasserwirtschaft, Gewässerökologie und Umweltplanung.
 
Die Großmuscheln sind auf verschiedene Lebensräume und bestimmte Wirtsfische angewiesen, auf denen ihre Larven als Parasiten den Winter überdauern. Der Ausbau von Gewässern, der Eintrag von Feinschlamm, der Mangel an Wirtsfischen und eine allgemeine Verschlechterung der Gewässerqualität führen jedoch zu einem Rückgang der Großmuschelbestände.  


Um ihre Fortpflanzung zu unterstützen, ist die Nachzucht von Flussperlmuscheln ein Schwerpunkt des Projekts. Die gezüchteten Muscheln sichern die genetische Vielfalt der Art und dienen gleichzeitig als Bioindikatoren bei der Untersuchung potentieller Habitate. Ein Forscherteam vermisst die Muscheln und setzt sie in speziellen Käfigen in ausgewählten Gewässerabschnitten aus. Nach einiger Zeit liefert eine Analyse des Wachstums und der Überlebensrate Anhaltspunkte über die Qualität des Gewässers als Lebensraum für die Muscheln.  


Ein weiterer Schwerpunkt ist die Aufwertung von bestehenden und potentiellen Habitaten der Großmuscheln. Die Verbundpartner legen dafür zum Beispiel Pufferstreifen oder Sedimentfänge an, um den Eintrag von Feinsedimenten zu verringern oder renaturieren begradigte Gewässerstrecken, damit sich die Muscheln wieder fortpflanzen können und die genetische Vielfalt erhalten bleibt.


"ArKoNaVera" steht für "Umsetzung regionaler Schutzmaßnahmen und Entwicklung eines neuen überregionalen Artenschutzkonzeptes für die nationalen Verantwortungsarten: Flussperlmuschel Margaritifera margaritifera und Malermuschel Unio pictorum". Der Schutz von Verantwortungsarten hat einen besonders hohen Stellenwert im deutschen Naturschutz, da ein bedeutender Teil der Weltpopulation in Deutschland vorkommt oder die Art weltweit gefährdet ist. Das Verbundvorhaben wird gemeinsam vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und dem Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB) mit insgesamt rund 5,3 Millionen Euro gefördert. Das Bundesamt für Naturschutz (BfN) begleitet das Projekt "ArKoNaVera" fachlich.

 

Über die UN-Dekade Biologische Vielfalt

Mit der UN-Dekade Biologische Vielfalt 2011–2020 ruft die Staatengemeinschaft die Weltöffentlichkeit auf, sich stärker für die biologische Vielfalt einzusetzen. Sie will die Bedeutung der Biodiversität für unser Leben und Wirtschaften bewusster machen und persönliches Handeln zum Schutz und Erhalt der Vielfalt der Arten, Lebensräume und Gene anstoßen. Hintergrund ist ein kontinuierlicher Rückgang an Biodiversität in fast allen Ländern der Erde. 


In Deutschland werden im Rahmen der UN-Dekade Projekte und Beiträge ausgezeichnet, die sich in besonderer Weise für die Erhaltung, nachhaltige Nutzung und Vermittlung der biologischen Vielfalt einsetzen. Zusätzlich zum regulären Wettbewerb zeichnet die UN-Dekade seit 2017 im Rahmen des Sonderwettbewerbs "Soziale Natur – Natur für alle" auch vorbildliche Projekte aus, die das soziale Miteinander fördern und gleichzeitig einen Beitrag zum Erhalt der biologischen Vielfalt leisten.


Bewerben können sich Einzelpersonen oder -initiativen, institutionelle Projektträger wie Verbände, Stiftungen und Unternehmen sowie staatliche und nicht-staatliche Organisationen. Die Bewerbung erfolgt über die Webseite der UN-Dekade. Über die Auszeichnung entscheidet eine Fachjury.

 

Weitere Informationen

Projektvorstellung auf der UN-Dekade-Website

Website des Projekts

Ansprechpartner beim Projekt

Dr. Jana Schneider
jana.schneider2@tu-dresden.de 

    
Technische Universität Dresden, Institut für Hydrobiologie
Zellescher Weg 40
01217 Dresden

 

 

Sächsisches Perlmuschelgewässer im Frühjahr. | Foto: Thomas Schiller

Sächsisches Perlmuschelgewässer im Frühjahr. | Foto: Thomas Schiller

Staatsminister Thomas Schmidt gratuliert den Projektbeteiligten zur Auszeichnung durch die UN-Dekade. Foto: Jana Schneider

Staatsminister Thomas Schmidt gratuliert den Projektbeteiligten zur Auszeichnung durch die UN-Dekade. Foto: Jana Schneider

Instrumentale Begleitung des Projektliedes. Foto: Felix Grunicke

Instrumentale Begleitung des Projektliedes. Foto: Felix Grunicke

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