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Menschen für biologische Vielfalt

Faszinieren, inspirieren, motivieren – das will der Blog „Menschen für biologische Vielfalt“. Hier stellen wir Ihnen Menschen vor, die sich auf vielfältige Weise für die Biodiversität stark machen. Sie sprechen über ihr Engagement, ihre Verbindung zur biologischen Vielfalt und zeigen, was man für die biologische Vielfalt tun kann.

Holger Kleinjung

Metzger in der 3. Generation und Gründungsmitglied der Regionalmarke „Bergisch pur“

Wir wollen erhalten, was wir haben. Noch ist Vielfalt da, aber die geht uns flöten, z. B. durch Monokulturen. Unser Fleisch stammt häufig von alten Nutztierrassen. Und unsere Wurst, die braucht keine Zusatzstoffe. Wir schützen die Vielfalt, indem wir sie essen. Und tun dabei was gegen die gezielte Gleichschaltung des Geschmacks.

Mein Großvater und Vater haben es schon so gemacht: Wir schlachten selbst und verwerten das ganze Tier. Ich kenne jedes Tier persönlich, sehe es aufwachsen auf der Weide und weiß, dass es ein gutes, würdevolles Leben hat. Das ist schon was ganz anderes als Massentierhaltung. In unserer Metzgerei gibt es eine große Wertschätzung für das ganze Tier.

Foto: von www.metzgerei-kleinjung.de

Prof. Dr. Wilhelm Barthlott,

forscht u.a. auf den Gebieten Biodiversität, Taxonomie und Bionik

Die Natur ist seit Jahrmillionen in der Testphase. Die fertigen Resultate liegen da. Wir müssen nur hinschauen! Die Biodiversität ist ein Ideengeber, eine Grundlage für Bionik. Geht sie verloren, verschwinden mit ihr fantastische Lösungen für unser Leben. Aber nicht nur deshalb müssen wir sie schützen: Diese Vielfalt ist etwas, das es nur einmal gibt, hier bei uns auf der Erde. Was ausstirbt, ist unwiderruflich verloren.

Ich bin der tiefen Auffassung: Wir müssen die biologische Vielfalt erhalten. Z. B., indem wir den Konsum reduzieren, ganz generell. Und beim Einkaufen extrem darauf achten, was wir kaufen. Aber das ist alles sehr schwierig: Man könnte immer noch mehr machen, aber man will sich ja auch selbst nicht total reduzieren. Ich habe auch keine Lösung. Außer: Das Bewusstsein zu ändern.

Sabine Röser

Architektin und Möbelgestalterin bei StadtwaldHolz

Im Kölner Stadtwald gibt es 15 bis 20 Baumarten. Warum Holz aus der Ferne nehmen, wenn’s vor der Haustür eine solche Vielfalt gibt?

Es macht einfach Spaß damit zu arbeiten: Jedes Holz riecht anders, fühlt sich anders an. Das vermitteln wir auch in unserem Umweltbildungs-Projekt Out of School: Die Kinder kommen zu uns in die Werkstatt und erleben, wie vielfältig der Wald ist.

Ohne biologische Vielfalt können wir alle nicht überleben. Jedes noch so kleine Element ist wichtig. Und wir haben insgesamt noch zu wenig Wissen über die Kreisläufe, darum ist es besonders wichtig, alles zu erhalten.

Die Ursprungsidee für StadtwaldHolz hatten mein Mann und ich nach dem Orkan Wiebke 1990. Wir haben eigentlich schon immer nachhaltig gedacht. Bei den ganzen umgeknickten Bäume kam uns die Frage: Was passiert eigentlich sonst mit dem Holz aus dem Stadtwald? Die Mengen, die dort geschlagen werden, sind nicht lukrativ für Sägewerke. Für unsere Schreinerei ist es aber genau richtig. Statt Brennholz daraus zu machen, ist eine Kaskadennutzung doch besser. Wenn der Tisch dann in 200 Jahren durch ist, kann man ihn immer noch verbrennen. Wir verwerten auch Holzabschnitte und machen daraus Brettchen, Stiftehalter usw. Denn jedes Stück Holz ist ein CO2-Tresor.

Die Entwürfe für die Möbel kommen von mir – oft nach der Vorstellung der Kunden. Mein Mann setzt sie dann in der Werkstatt um. Die Vorliebe für ein Holz ist den Leuten meistens schon anzusehen. Dann ist schon in den ersten 2 Minuten des Gesprächs klar, ob jemand eher die elegante Kirsche oder rustikale Eiche wählt, Ulme oder Mammutbaum.

Im Stadtwald sind auch viele Bäume mit „Migrationshintergrund“. Sie werden in dem Naherholungsgebiet auch nach ästhetischen Gesichtspunkten gesetzt: Da haben Sie dann eine Zaubernuss, die im Winter blüht oder den Lebkuchenbaum, dessen Laub im Herbst nach Lebkuchen duftet. Mein persönlicher Liebling ist die Roteiche, ein Baum aus Nordamerika. Die hat einen sehr warmen Rotton, einen starken Ausdruck und ist trotzdem beruhigend. 

Gerd Schneider

Forstdirektor im Fürstlich Wiedischen Forstamt

Vielfalt ist das Grundelement unserer Betriebsphilosophie: Wir arbeiten eng mit der Natur zusammen, planmäßig seit 1680. Graf Friedrich III. zu Wied verfügte in diesem Jahr in einer ersten Forstordnung, „dass nur so viel Holz geschlagen werden durfte wie nachwuchs, dass verschiedene Baumarten auf derselben Fläche wachsen sollten und die Standortbedingungen dabei besonders berücksichtigt werden sollten“. Wir sind quasi ein Gemischtwarenladen.

In unserem Wald wachsen alle Baumarten, die es in unseren Breitengraden gibt. Empfindliche Tierarten wie Schwarzstorch und Schwarzspecht fühlen sich hier wohl. Wir arbeiten, soweit möglich, mit dem, was die Natur uns durch Samen schenkt, belassen Totholz als Brutstätten und betreiben Erhaltungspflege an alten Bäumen.

Daneben pflegen wir Offenlandbereiche und fördern speziell Streuobstwiesen. Das natürliche Erbe gilt es zu sichern, bevor man Neues künstlich schafft. Als Forstbetriebsleiter ist es meine Aufgabe, das land- und forstwirtschaftliche Erbe zu wahren und zu mehren.

Foto: Markus Bullik

Erich Gussen

Landwirt in der Jülicher Börde, Teilnehmer des UN-Dekade-Projekts „Summendes Rheinland“

Durch die Arbeit in der Natur in Feld und Flur erlebt man die Vielfalt unserer Region in besonderer Weise – und erkennt auch Veränderungen durch den Einfluss der modernen Gesellschaft. Gerade die von Jahreszeiten und Witterung bedingten Entwicklungen in der Natur, die Einflüsse auf Pflanzen- und Tierwelt faszinieren mich. Aber durch die heutigen Arbeits- und Lebensbedingungen entfernt sich die Bevölkerung immer mehr vom Verständnis für Natur und deren Abläufe. Das ständige reichhaltige Angebot an Lebensmitteln bewirkt, dass sogar das Wissen über einfachste Zusammenhänge verloren geht.

Bürger, die einen eigenen Nutzgarten haben und pflegen, haben dieses Wissen noch und erleben die Natur. Viele Menschen meinen aber eigentlich die Kulturlandschaft, wenn sie über Biodiversität sprechen; sie wissen nicht, dass diese nur durch unser Handeln entstanden ist. Beim Projekt „Summendes Rheinland“ mache ich auch deswegen mit, weil durch einfache und kleine, aber effektive Maßnahmen wie Blühstreifen und Insektenhotels (Gabionen) viel erreicht und vor allem der Bevölkerung vermittelt werden kann.

Auf der einen Seite fordern die Leute, in der Landwirtschaft soll alles wieder back to the roots gehen: weniger Maschinen, mehr Handarbeit. So könnten wir aber die Ernährung nicht sichern. Auf der anderen Seite fahren sie mit ihren SUVs in den Wintersport, der ohne Schneekanonen oft gar nicht möglich ist und wollen im Februar schon Erdbeeren haben. Wenn also back to the roots, dann müssten eigentlich alle zurück, denn es hängt alles zusammen. Für einfache Lösungen ist die Welt heute mit ihren unzähligen Verknüpfungen einfach zu komplex. Das muss man im Hinterkopf behalten.

Auch im Alltag behalte ich die biologische Vielfalt im Blick, z. B. bei der Pflege unseres Nutz- und Ziergartens sowie der Außenanlagen und Randbereiche des Hofes. Auf unserem Hof pflanzen wir selbst gezogene Eichen und Buchen sowie verschiedene Obstbaumarten  wie Äpfel, Kirschen, Zwetschgen und Mirabellen. Darüber hinaus haben wir einen Nistkasten für den gefährdeten Steinkauz aufgehängt, der sich hier in der Jülicher Börde besonders wohlfühlt.

Foto: Martina Goyert

Betina Küchenhoff,

Diplom-Biologin/Umwelt- und Verbraucherschutzamt Köln

Schon von klein auf habe ich mich für Natur interessiert. Spätestens seit dem Film „Serengeti darf nicht sterben“ stand fest, dass ich mich für deren Erhalt einsetzen wollte. Wann immer ich als Jugendliche fernab der Zivilisation unterwegs war, hatte das Zwitschern der Vögel und das Summen der Insekten eine beruhigende Wirkung auf mich.

Aber auch die bei genauerem Beobachten sichtbaren speziellen Anpassungen und das perfekte, über Jahrmillionen entstandene Zusammenspiel von Umweltbedingungen und Lebensweisen faszinieren mich bis heute. Stundenlang kann ich allein mit der Naturbeobachtung zubringen! Besonders schön ist es, zu sehen, dass an der einen oder anderen Stelle neues, naturnahes Grün entsteht, das von Tieren besiedelt wird. 

Über verschiedene Artenschutzprojekte wie „Ganz Köln im Spatzenfieber“ versuche ich, auch andere Menschen für den Naturschutz zu motivieren. Zurzeit widme ich mich dem Erhalt von Wildbienen. Dafür planen wir, an verschiedenen Stellen im Kölner Stadtgebiet wildbienengerechte Beete anzulegen und durch Nisthilfen zu ergänzen. Zusätzlich soll ein Wildbienenlehrpfad entstehen. Damit schaffen wir nicht nur neuen Lebensraum für die Insekten, sondern verbessern auch wieder die Beziehung der Menschen zur Natur – gemäß dem Motto „Nur was man kennt, schütz man auch.“

Bernd Burchhardt

Bio-Fleischermeister und Gründer der Burchhardt’s Bio-Initiative

Eigentlich habe ich Regenerative Energien studiert. Die Faszination für die Unerschöpflichkeit von Sonne, Wind und Gezeiten haben meinen Blick auf die Welt geöffnet – und für die Vielfalt und Kostbarkeit unserer Mitgeschöpfe. Ich bin als organisches Wesen in den Kreislauf des Lebens eingebunden und wünsche mir, dass auch all die Tiere und Pflanzen, in deren Welt ich eingebettet bin, ein gutes Leben haben.

Darum setze ich mich für die Bio-Weidehaltung von Schweinen ein und für den Erhalt alter Schweinerassen wie dem Angler-Sattelschwein und den Bunten Bentheimern. Sie sind in Vergessenheit geraten, weil sie den Erfordernissen der Massentierhaltung nicht entsprechen oder vielen Kunden zu fett sind. Aber wenn wir alle nur noch den schnellen Discount-Einheits-Braten kennen, verkommt unser Dasein auch schnell zum Discount-Einheits-Leben. Da setze ich gerne einen alternativen Akzent – im Rahmen meiner Möglichkeiten.

Mehr zu Burchardt's Bio-Initiative: www.bio-fleischerei-burchhardt.de/burchhardts-bio-initiative/

Cord Treseler

Biowinzer und Mitglied im Anbauverband ECOVIN

Bei dem Konfliktpotential zwischen Landnutzung und biologischer Vielfalt braucht es Anwälte für die Natur und gute Vermittler – seien es Landwirte, Politiker, Unternehmer, Naturschützer oder engagierte Bürger. Wir leisten gerne unseren Beitrag dazu. Bei unseren Weinbergs-Wanderungen und Weinproben ist es immer wieder schön zu sehen, wenn der Funke für die biologische Vielfalt überspringt.

Zum Beispiel bringen Steillagen auf kleinem Raum ganz verschiedene Lebensräume und Mikroklimate zusammen. Was wir hier zu sehen, hören und riechen bekommen, lässt uns oft selbst staunend innenhalten. Da muss die Rebpflege manchmal kurz warten. Im Steilhang Wein zu machen ist ein spannendes, anspruchsvolles Vorhaben, dass sich übrigens auch geschmacklich auszahlt!

„Effizient und zweckmäßig“ sind Schlagworte, die wir immer wieder hören, so soll es bitte gemacht werden (sei es in der Industrie, der Schule, … im Leben). Leider wird es dadurch oft eintönig, langweilig und steril! Bezogen auf den Weinbau heißt es das: Monokultur, Überdüngung, extreme Ertragsschwankungen, Schädlingsbefall, Gefahrenabwehr durch Einsatz von Pflanzen- und Insektengiften … Unser Ansatz ist hier kurz gesagt genau andersherum: Wir wollen MIT der Natur arbeiten, nicht gegen die Natur!

Daraus ergibt sich für uns logischerweise der ökologische Weinbau als Produktionsmethode und die Hoffnung, dass noch möglichst viele Kollegen ebenfalls diesen Weg gehen (leider sind es noch viel zu wenige). Durch Weinbergs-Begrünung fördern wir die Vorkommen nützlicher Insekten und stärken das Bodenleben, damit das „Ökosystem Weinberg“ insgesamt in ein gesundes Gleichgewicht kommt.

Ich bin auf einem Bauernhof aufgewachsen. Meine Eltern haben immer versucht, mit den natürlichen Ressourcen verantwortungsvoll umzugehen. Das hat mich auf jeden Fall sehr geprägt. Meinen Zivildienst habe ich im Umweltzentrum Hagen geleistet. Dort hat sich mein Entschluss bestätig, ein Agrarstudium im Zweig Naturschutz und Landschaftsökologie in Bonn aufzunehmen. Während dieser Zeit hatte ich auch zum ersten Mal Kontakt mit Bio-Winzern – ohne dass ich damals daran dachte, dass ich selbst einmal einer werde. Mit meiner Frau habe ich mich zugleich mit dem Weinbau „verheiratet“. Die Möglichkeit durch etwas Produktives, den Öko-Weinbau, auch etwas für den Erhalt der Artenvielfalt zu tun, treibt uns beide an.

Mehr Infos finden Sie unter: www.weingutdrfrey.de

Susanne Maurer,

Landschafsmalerin aus Berlin

Zwischen Fahrrädern, Autos und Mülltonnen habe ich in unserem Berliner Hinterhof einen Hausgarten angelegt, der sich jedes Jahr weiter ausbreitet. Es tummeln sich Bienen um meine Blumen und oft stellen Nachbarn noch einen neuen Topf dazu. Es ist wie ein Urban Gardening-Projekt: Wir trinken gemeinsam Kaffee und ernten unser eigenes Obst. Vor allem wächst viel Flieder, Wein, Brombeeren und Knöterich – im Prinzip alles, was ich Essbares und Blühendes aus dem Garten von Freunden im Berliner Vorland ausbuddeln kann.

Mittlerweile hat sich eine Ameisenkolonie angesiedelt und im Winter finden die Meisen auch noch etwas zum Picken in den Töpfen. Immer, wenn jemand über den Hof geht und die Pflanzen sieht, breitet sich ein Lächeln über das Gesicht. Das ist für mich auch ein Erfolg der biologischen Vielfalt.

 
Malerische Vielfalt durch biologische Vielfalt

Als Mensch bin ich auf die Natur angewiesen. Als Malerin bin ich besonders abhängig von der biologischen Vielfalt. Ohne die Vielfältigkeit von landschaftlichen Strukturen und Räumen würden alle meine Bilder gleich aussehen.

In der Vielfalt liegt für mich die größte visuelle und ästhetische Bereicherung. Als Malerin sammle ich landschaftliche Strukturen – und damit Unterschiedlichkeiten, die ich in meinen Bildern wieder zu einem Ganzen zusammenfüge. Ich fokussiere, zoome und bewege mich dann wieder vom Bild weg. Ich trete also aus der Landschaft heraus, um sie zu zeigen.

Schwerpunkt meiner Arbeit ist die abstrakte Landschaftsmalerei: Die Orte, die ich male, gibt es nicht. Vielmehr sind meine Bilder Archetypen von Landschaften. In der Regel verknappe ich in meinen Arbeiten die biologische Vielfalt auf die Flora. Darin steckt malerisch bereits soviel Variation, dass mir dieser Inhalt völlig ausreicht. Allerdings bin ich als Malerin darauf angewiesen, dass die Vielfältigkeit in der Natur auch mindestens so bleibt wie sie jetzt ist!

Wenn ein Betrachter sich in einem meiner Bilder wiederfindet, darin versinkt, Kontemplation erfährt oder mit mir darüber diskutiert, wo genau sich diese gemalte Landschaft befinden kann, ist das für mich einer der spannendsten Momente. Im Betrachter erwecken meine Landschaften eine Stimmung, die ihn an etwas erinnert, beispielsweise an eine bestimmte Region. Indem der Betrachter und ich auf einerseits unterschiedliche und dann wieder gleiche Strukturen und Bilder von Landschaften zurückgreifen, entsteht ein viertes Bild, das es aber gar nicht gibt.

Mehr Infos über die Malerin bekommen Sie auf der Website: http://susanne-maurer.de/